Harko und das tote Mädchen am Strand von Roberto Bardéz

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 unter dem Titel Woga und das tote Mädchen am Strand, bei Hsb.
Ort & Zeit der Handlung: Griechenland / Korfu, 1990 - 2009.
Folge 1 der Harko-Serie.

  • Nagold: Hsb, 2004 unter dem Titel Woga und das tote Mädchen am Strand. ISBN: 300015146X. 208 Seiten.
  • Nagold: Hsb, 2006. ISBN: 978-3981017700. 252 Seiten.

'Harko und das tote Mädchen am Strand' ist erschienen als Taschenbuch

Die Kurzbeschreibung und die Rezension beziehen sich auf die Erstausgabe, als »Harko« noch »Woga« hieß. Anm. d. Red.

In Kürze:

Anna Bardis, Tavernenbesitzerin in Agios Georgios, macht eine schreckliche Entdeckung: Vor ihrer Taverne findet sie ein totes Mädchen, ihr mutmaßlicher Mörder liegt daneben und schläft seinen Rausch aus. Für die griechische Polizei ist der Fall klar. Nicht aber für Woga, den Ex-Hauptkommissar aus Stuttgart, der seit vier Jahren auf Korfu lebt. Er kennt den angeblichen Mörder und findet schnell Ungereimtheiten. Zusammen mit Roberto Bardéz, einem argentinischen Krimi-Autor, macht er sich auf die Suche nach dem wahren Mörder. Die Beiden stoßen dabei auf mehr als ein Geheimnis.

Das meint Krimi-Couch.de: »Eine leichte Urlaubslektüre« 55°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Im Norden von Korfu liegt das kleine Dorf Agios Georgios, dessen Einwohner fast ausschließlich den Namen Bardis tragen. Hierher hat es den argentinischen Kriminalautor Roberto Bardéz verschlagen, dessen Namensähnlichkeit aber eher zufällig schient. Befreundet ist er mit Woga, einem ehemaligen Drogenfahnder aus Stuttgart, der nach seinem unrühmlichen Abgang hier mit seiner Familie ein zweites Zuhause gefunden hat.

Die idyllische Stimmung der Insel, die gerade nicht von Touristen überrannt wird, wird jedoch jäh unterbrochen, als man am Strand die Leiche einer jungen Frau findet und daneben den mutmaßlichen Mörder, der seinen Rausch im Sand ausschläft. Der junge Mann, ein Albaner namens Jannis, der sich hier seinen Lebensunterhalt als Bauarbeiter verdient, wird schnell vorverurteilt, den Spuren im Unterleib der Toten belegen eindeutig, dass er vor dem brutalen Ableben mit ihr sexuellen Kontakt hatte, was er allerdings leugnet.

Woga und Bardéz sind aber nicht gewillt, die offensichtlichen Diskrepanzen zu akzeptieren, die bei den Ermittlungsmethoden der griechischen Polizei zu Tage treten und beginnen auf eigene Faust zu ermitteln. Die Ermordete stammt von einem abgelegenen Zweig einer der Familien Bardis in Amerika. Sie gab sich allerdings nicht zu erkennen und keiner wusste, dass sie fließend griechisch sprach. Doch unsere beiden Freizeitkriminalisten finden den Grund des Besuches. Catherine Bardis war auf der Suche nach Häusern für ein Millionen schweres Freizeitobjekt und hatte auch Einiges an Bargeld bei sich. Doch wer hat jetzt das Geld? Und wem ist Catherine Bardis so auf die Zehen getreten, dass sie dies mit ihrem jungen Leben büßen musste?

Roberto Bardéz setzt in »Woga und das tote Mädchen am Strand« zum dritten Mal seinen Krimihelden Woga, den Bullen von Korfu, ermitteln und schaltet sich auch selbst in die Ermittlungen ein. Auf den 200 Seiten versucht er nicht nur den Eindruck zu erwecken, dass sich diese Geschichte um den Frauenmord auf der griechischen Insel genau so abgespielt hätte. In vielen Sequenzen ist es das Bestreben des mehrsprachigen Autors, zwischen dem Leben in Deutschland, das in seinem Buch durch den Ex-Kriminalisten Woga symbolisiert wird und dem Leben in Griechenland zu vergleichen. Vergleiche, die wohl jeder im Kopf anstellt, der seinen täglichen Arbeitsplatz mit einer Flasche Rotwein und einem Strandnickerchen tauschen wollte.

Im Endeffekt mischt Bardéz einen recht amüsanten Cocktail aus Mafia und Drogengeschäften, aus Problemen illegaler, albanischer Zuwanderer am griechischen Arbeitsmarkt und der griechischen Maxime »leben und leben lassen«, gepaart mit einem Schuss Erotik im südländischen Flair. Er beschreibt die Situation auf Korfu zu einer Jahreszeit, in der es nicht von Touristen wimmelt, sondern das Leben ruhig und beschaulich ist, wenn nicht gerade eine Leiche am Strand liegt. Ob das in Wirklichkeit auch so harmlos bäuerlich abläuft, wie in diesem Buch, mag dahin gestellt bleiben, aber es klingt einfach zu schön.

Die Sprache passt sich der Geschichte an. Manchmal etwas wortkarg, dann wieder überschwänglich, pointiert in den Dialogen und sachlich bei den Schilderungen von Land und Leuten. Und immer aktuell, denn Bardéz verarbeitet auch den Sieg der Griechen in der Fußball-EM und die Vorbereitung zu den Olympischen Spielen.

Die Spannung ist nicht unbedingt das große Metier des Autors, der hier eher einen harmlosen Rätselkrimi vorlegt und seine Actionsequenzen auf vergiftete Katzen und Hunde beschränkt. Dieses Buch ist bestens geeignet als leichte Urlaubslektüre ohne viel Tiefgang. Den meisten Schaden kann dieses Buch beim Leser anrichten, denn der Wunsch, sich selbst auf Korfu zurück zu ziehen, könnte übermächtig werden.

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Andi zu »Roberto Bardéz: Harko und das tote Mädchen am Strand« 07.05.2005
Wer die Insel kennt, wird sich in Gedanken immer wieder am Tatort (Ag.Georgios/Afionas) finden. Die Phantasie führt an die lokalen Schauplätze der Insel. Gewisse "korfiotische Gegebenheiten" sind geschickt in die Story eingebunden und Infos zur griechischen bzw. korfiotischen Mentalität kommen nicht zu kurz - oft mit dem nötigen "Augenzwinkern". Wer noch nicht auf Korfu war, findet interessante Infos zur Insel. Lasst euch gedanklich auf die Insel entführen und geniesst nebenbei noch eine spannende Story - aus meiner Sicht nicht nur für Korfu-Freunde zu empfehlen......für "Korfufreaks" ist es sowieso Pflicht!
3 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

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