Opfer von Pierre Lemaitre

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 unter dem Titel Sacrifices, deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei Tropen.
Ort & Zeit der Handlung: Frankreich, 2010 - heute.
Folge 3 der Camille-Verhoeven-Serie.

  • Paris: Albin Michel, 2012 unter dem Titel Sacrifices. 362 Seiten.
  • Stuttgart: Tropen, 2018. Übersetzt von Tobias Scheffel. ISBN: 978-3-608-50370-8. 329 Seiten.

'Opfer' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Es ist der Tag, an dem Kommissar Camille Verh½ven, Chef der Pariser Mordkommission, lernen wird, dass das Schicksal keine Rücksicht nimmt. Zwei Stunden vor der Beerdigung seines besten Freundes Armand erhält er einen Anruf: bewaffneter Raubüberfall auf ein Juweliergeschäft in einer Einkaufspassage auf der Champs-Élysées. Verh½ven läuft es eiskalt den Rücken herunter, als er erfährt, dass Anne Forestier, seine Freundin, von den Tätern brutal zusammengeschlagen und beinahe getötet wurde. Der ansonsten so besonnene Kommissar setzt sich über sämtliche Vorschriften hinweg, um die Täter zu stellen.

Das meint Krimi-Couch: Das Schicksal ist ein mieser Verräter 93°Treffer

Krimi-Rezension von Thomas Gisbertz

Die Verbrecher gehen mit ungeahnter Brutalität vor. Nur durch Zufall überlebt Verh½vens Geliebte den Überfall. Mit Gewehrkolben schlagen die Gewalttäter ihr wieder und wieder ins Gesicht und treten mit harten Schuhabsätzen auf ihren Kopf ein. Auf der Flucht kann das Opfer den Schüssen aus einer Pumpgun zweimal nur knapp entkommen.

Als Kommissar Verh½ven später die Bänder der Überwachungskamera sieht, überkommt ihn ein Gefühl von absoluter Machtlosigkeit. Nach dem Tod seiner Frau scheint er zum zweiten Mal in seinem Leben dem Schicksal wehrlos ausgeliefert zu sein. Er schwört, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Ihm bleibt nicht viel Zeit, denn er ermittelt, ohne dass die Staatsanwaltschaft und sein Vorgesetzter von seiner Beziehung zu Anne wissen.

Verh½ven ist sich sicher, den Haupttäter zu kennen. Der Ablauf des Überfalls und die Gewalt, mit der die Räuber vorgehen, erinnern ihn an eine Überfallserie zu Beginn des Jahres. Damals raubten die Täter gleich vier Juweliere an einem Tag aus.

Ein Thriller der Extraklasse

Pierre Lemaitre ist Autor mehrerer preisgekrönter (Kriminal-)Romane. In der Presse wurde besonders seine Erzählung »Drei Tage und ein Leben« (2016) gefeiert. Sein Roman »Wir sehen uns dort oben« (2013) wurde mit dem wichtigsten französischen Literaturpreis, dem »Prix Goncourt«, ausgezeichnet. Dass Lemaitre ein Autor von hoher Qualität ist, zeigt sich auch an seinem aktuellen Roman »Opfer«. Es ist bereits der fünfte Fall um Kommissar Verh½ven, allerdings nach »Ich will dich sterben sehen« (2012) erst der zweite in deutscher Übersetzung.

Überragender Stilist und Romancier

Der Schreibstil Lemaitres ist außergewöhnlich gut. Das mag daran liegen, dass er in erster Linie eine Geschichte zu erzählen hat, die er dann als Thriller verpackt. Teilweise erinnert seine Art zu schreiben an Thomas Bernhard. Dann wiederum rückt er ähnlich wie Marcel Proust die Subjektivierung der menschlichen Wahrnehmung in den Mittelpunkt seiner Handlung, und wirkt darüber hinaus fast schon so existenzialistisch wie Jean-Paul Sartre. Der Autor thematisiert in seinem Roman vor allem zu Beginn die Bedeutung des Schicksals und seiner Folgen für den Menschen. Kann man dem Schicksal entgehen? Ist man, wenn man im Leben genug erlitten hat, »immun« gegen das Schicksal?

Aber der Krimifreund muss keine Sorge haben: Lemaitre philosophiert ohne zu philosophisch zu werden. Denn schon im nächsten Augenblick denkt der Leser, er würde einen Roman von John Le Carré oder Robert Ludlum lesen.

Pierre Lemaitre schreibt bitterböse, sarkastisch, brillant. Er versteht es unter anderem meisterhaft, brutale Dinge als banal, fast schon entschuldigend zu schildern:

»Ich [drückte] ihm zur Unterstreichung der gutgemeinten Worte das Jagdmesser in die Überreste des Knöchels, die Klinge dringt durch alles hindurch und bohrt sich auf der anderen Seite in die Dielen. Wenn er die Wohnung zurückgibt, wird ihm ein Loch im Boden auf jeden Fall von der Kaution abgezogen, aber egal.«

Durch das Stilmittel der erlebten Rede und dem Wechsel in der Erzählperspektive ist es dem Leser immer wieder möglich, die Gedanken vor allem von Verh½ven und dem Haupttäter an einzelnen Stellen des Romans nachzuvollziehen. Dennoch weiß die Handlung mit zahlreichen Wendungen zu überraschen.

Zutiefst menschlicher Kommissar mit Trauma

Mit Camille Verh½ven entwirft Lemaitre eine ambivalente und vielschichtige Figur. Er ist der Sohn einer bekannten Malerin, der selber gerne zeichnet. Aber auch äußerlich fällt der Kommissar unweigerlich auf: Er ist lediglich 1,45 Meter groß. Nicht nur deswegen fragt sich Verh½ven, was seine derzeitige Freundin an ihm findet (Anne ist 22 Zentimeter größer und mit 40 Jahren zehn Jahre jünger als ihr Freund). Der Pariser Ermittler hat vier Jahre vor der eigentlichen Handlung seine Frau Irène durch einen bestialischen Mord verloren. In den darauffolgenden Jahren hat Verh½ven versucht, durch Klinikaufenthalte über dieses Trauma hinwegzukommen. Erst die Liebe zu Anne half ihm. Er hofft, durch sie zu gesunden und wieder fähig zu sein, ohne seine verstorbene Frau leben zu können.

Dass seine jetzige Geliebte durch Zufall Opfer der Räuber wird, verunsichert den Kommissar erneut zutiefst. Allerdings will der Ermittler keine Rache üben. Die Gelegenheit hierfür hat er auch beim Mörder seiner Frau nicht genutzt. Er hat eher das Gefühl, als wäre durch dieses Ereignis sein eigenes Leben bedroht. Verh½ven hat das Verlangen zu handeln, weil er unfähig ist, sich die Folgen der Tat vorzustellen, die seine Beziehung zu Anne berührt, das Einzige, was seinem Leben seit Irènes Tod wieder einen Sinn gegeben hat. Der Kommissar fühlt sich verantwortlich dafür, »wie es ausgeht, was von ihm abhängt, von seinem Willen, seiner Entschlossenheit, seinen Fähigkeiten, und das ist erdrückend.«

Verh½ven ist aber kein seelisches Wrack wie andere Ermittler. Vielmehr hat er die Sorge, dass das Schicksal ihm die zweite Chance, die er mit Anne bekommt, erneut nehmen will – und dagegen stemmt er sich mit allem, was er hat.

Unterstützung erhält er von seinem Freund und Kriminaldirektor Jean Le Guen, der ohne zu wissen, in welcher Beziehung Verh½ven zum Opfer des Überfalls steht, zu ihm hält – auch wenn er ihm zum Teil berechtigte Vorwürfe macht – und durch Louis Mariani, seinen Stellvertreter, der dem Ermittler loyal und ohne Fragen zu stellen, den Rücken stärkt.

Französischer Thriller der besonderen Art

Pierre Lemaitre hat einen in jeglicher Hinsicht gelungenen Thriller geschrieben: Die Handlung hat Tempo, es gibt einen mehr als interessanten Ermittler und der Autor spart nicht mit überraschenden Wendungen. Alles verpackt in einem Schreibstil, der schon alleine das Lesen wert wäre.

Trotz philosophischer Anleihen gelingt es Lemaitre den Spannungsbogen von der ersten Seite an hochzuhalten. Mit Camille Verh½ven lernen wir einen Ermittler kennen, der beginnt, sich gegen sein persönliches Schicksal zu wehren – selbst wenn dies mit beruflichen Konsequenzen verbunden wäre. Dabei agiert er aus polizeilicher Sicht nicht immer richtig, aber dafür zutiefst menschlich. Ein mehr als lesenswerter Thriller.

Thomas Gisbertz, September 2018

Ihre Meinung zu »Pierre Lemaitre: Opfer«

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leseratte1310 zu »Pierre Lemaitre: Opfer« 10.10.2018
Es gibt einen brutalen Überfall auf ein Juweliergeschäft. Es ist kein guter Tag für Kommissar Camille Verhoeven, als er sich mit diesem Fall beschäftigen muss. Auf den Überwachungsbändern sieht er eine Frau, die schrecklich zugerichtet in die Kamera schaut. Doch es ist nicht irgendeine Frau, es ist Anne Forestier, die zur falschen Zeit am falschen Ort war und in diesen Überfall geraten ist, und diese Frau ist die Lebensgefährtin von Camille Verhoeven. Sie hat zu viel gesehen und kann die Täter identifizieren. Daher ist sie auch noch in Gefahr, als sie schwer verletzt im Krankhaus liegt. Der Kommissar will die Täter auf jeden Fall fassen, da er noch eine Rechnung mit ihnen offen hat, aber er will auch Anne schützen.

Dies ist mein erstes Buch von Pierre Lemaitre und mir gefällt sein nüchterner Schreibstil, der aber nicht ganz einfach zu lesen ist. Erst mit der Zeit entwickeln sich die Zusammenhänge und wie die einzelnen Figuren miteinander verbunden sind. Es gibt immer neue Wendungen, so dass bis zum Schluss alles offenbleibt. Doch dann zeigt sich das Ausmaß der Verwicklungen.

Das Schicksal hat Camille Verhoeven schon vorher gebeutelt und es wirft auch weiterhin Steine in den Weg. Genau das aber ist der Antrieb, der Camille durch diesen Fall bringt, wobei er Vorschriften außer Acht lässt und seinen nicht ganz geraden Weg geht. Aber seine zwiespältige Beziehung zu Anne wird erst mit der Zeit klarer. Niemand bei der Polizei weiß von Camilles Beziehung zu Anne, was es ihm ermöglicht, die Ermittlungen zu führen.
Die Charaktere sind interessant und authentisch.

Es ist eine komplexe Geschichte, die sich langsam entwickelt. Am Ende gibt es dann noch eine Wendung, die sowohl den Leser, als auch Camille Verhoeven alles mit einem neuen, überraschenden Blick betrachten lässt.

Ein ganz besonderer Thriller, der mir gut gefallen hat.
Odenwaldwurm zu »Pierre Lemaitre: Opfer« 09.08.2018
4,5 Sterne für das Buch

Anne Forestier ist zur falschen Zeit am falschen Ort. In einem Juweliergeschäft wird sie Opfer eines brutalen Raubüberfalls. Da sie die Täter identifi zieren kann, setzen die Verbrecher alles daran, die Zeugin zu eliminieren. Doch es gibt jemanden, der sich ihnen in den Weg stellt, um die Frau zu schützen, die er liebt: Kommissar Camille Verhoeven, Chef der Pariser Mordkommission. (Klappcovertext vom Buch)

Ich bin sehr gut in die Story gekommen. Der Schreibstil ist gut und flüssig zu lesen. Die Einzelnen kurzen Abschnitte sind in Zeitabschnitte aufgeteilt und wir erlebt live mit was Anne Forestier und Kommissar Camille Verhoeven in 3 Tagen, von Beginn des Überfalls erleben. Aber zwischen Zeitig erleben wir auch die Sicht eines der Diebe gezeigt. Autor beschreibst sehr bildhaft das Geschehen und die Charaktere sind auch sehr gut dargestellt, aber am Anfang wir noch nicht alles verraten. Das aber sehr gut für die Spannung des Buches ist. Die Geschichte beginnt mit einer Beerdigung und gleich darauf mit dem bewaffneten Raubüberfall. In den Anne zufällig Zeuge wird und brutal verletzt wird. Da sie keine Papiere dabei hat um die Polizisten nur Camilles Telefonnummer finden. Wenden sie sich an ihn. Das so gut ist, da Anna seine Freundin ist und er sie natürlich beschützen will. Er fängt gleich an zu ermitteln. Wird er Anna beschützen können und werden die verwirrenden Szenarien aufgelöst? Die Spannung erreicht ihren Höhepunkt am Ende der Story, mit dem total überraschenden Ende für Camille und uns. Der Autor schafft es das meine Fragen alle am Schluss beantwortet sind, auch wenn ich mir vielleicht ein anderes Ende gewünscht hätte.

Ich kann die Story nur sehr empfehlen, es ist ein ganz besonderer Thriller. Besonders für lesen die eine tolle hautnahe Beschreibung lieben und ein total überraschendes Ende lieben.
Klaraelisa zu »Pierre Lemaitre: Opfer« 30.07.2018
Kommissar Camille Verhoeven ermittelt
Pierre Lemaitre hat die Trilogie um Kommissar Camille Verhoeven vor den Romanen geschrieben, die ihn auch bei uns berühmt gemacht haben: “Wir sehen uns dort oben“ und “Drei Tage und ein Leben“. “Opfer“ erschien schon im Jahr 2012 unter dem Titel “Sacrifices“. Es ist der dritte Band der Reihe. Hier geht es um einen Raubüberfall auf einen Juwelierladen in Paris. Anne Forestier, eine gutaussehende, etwa 40jährige Frau wird Zeugin und Opfer dieser Straftat. Die Täter gehen mit äußerster Brutalität vor und verletzen die Frau schwer. Anne Forestier überlebt, ist aber dennoch nicht außer Gefahr, weil einer der Täter sie immer wieder aufspürt und bedroht. Das Besondere an der Situation ist, dass Anne Forestier seit einigen Monaten die Freundin des Kommissars ist. Verhoeven dürfte wegen seiner engen Beziehung zum Opfer den Fall gar nicht übernehmen, aber er ist nicht bereit zurückzutreten, zumal er schon einmal ins Visier von Verbrechern geraten ist, die vier Jahre zuvor seine Frau Irene ermordet haben.
Der Roman umfasst eine Zeitspanne von drei Tagen, die durch Zeitangaben untergliedert werden. Erzählt wird aus drei verschiedenen Perspektiven – der von Anne, Camille und außerdem aus der Sicht des Gangsters, dessen Identität erst ganz zum Schluss enthüllt wird. Die Dinge entwickeln sich sehr schnell und Verhoeven wird zeitweise unwissentlich zum Handlanger der Gangster, bis er allmählich begreift, wie alles zusammenhängt und wer wirklich hinter dem rabiaten Überfall steht. Unter Missachtung aller Regeln lügt und betrügt der Kommissar sogar seine Freunde bei der Pariser Polizei und nimmt dabei bewusst das Ende seiner Karriere in Kauf.
Lemaitre lässt den Leser in dieser Geschichte in menschliche Abgründe blicken und schont ihn nicht, was die explizite Darstellung von Gewalt betrifft. Das ist im Übrigen typisch für den Autor, in dessen Büchern immer wieder brutale Szenen vorkommen, erstaunlicherweise begleitet von Humor und witzigen Dialogen. Dadurch wird unter Umständen das Entsetzen des Lesers ein wenig gemildert. Mir hat dieser spannende Roman Noir sehr gut gefallen. “Opfer“ wird sicherlich nicht mein letztes Buch dieses Autors sein.
cosmea zu »Pierre Lemaitre: Opfer« 29.07.2018
Was uns zustößt, erzeugen wir selbst
“Opfer“ von Pierre Lemaitre ist der dritte Band einer Trilogie und erschien im Original bereits 2012 unter dem Titel “Sacrifices“. Im Mittelpunkt steht wieder der kleinwüchsige Kommissar Camille Verhoeven. In diesem Band geht es um einen ungeheuer brutalen Raubüberfall auf ein Juweliergeschäft in der Passage Monier in Paris. Anne Forestier, eine etwa 40jährige sehr attraktive Kundin, kommt den drei Gangstern in die Quere und wird durch Schläge und Tritte so schwer verletzt, dass sie nur so eben überlebt. Sie wird für immer gezeichnet sein. Anne Forestier ist seit einigen Monaten die Freundin des Kommissars, der auf den Überwachungsvideos entsetzt mit ansehen muss, wie die Gangster die Zeugin malträtieren. Unter Verstoß gegen alle Dienstvorschriften reißt Verhoeven die Ermittlungen an sich. Er vertraut sich seinen Freunden nicht an und versucht, den Fall im Alleingang zu lösen. Für ihn gibt es schon bald kein Zurück mehr, und er setzt alles auf eine Karte. Er will Anne Forestier vor ihrem Verfolger retten, der sie immer wieder aufspürt. Hinzukommt, dass Verhoeven die Ermordung seiner Frau Irene vier Jahre zuvor nie überwunden hat.
Die eigentliche Romanhandlung umfasst nur drei Tage, wobei die Zeitangaben jeweils als Kapitelüberschriften fungieren. Die Erzählperspektive wechselt – von Camille zu Anne, und sogar der namenlose Gangster kommt immer wieder als Ich-Erzähler zu Wort. Der gebannte Leser ist sehr nah dran an der Geschichte, die in Echtzeit im Präsens erzählt wird. Die Handlung wird immer komplexer, und nichts ist, wie es scheint. Das betrifft auch die Identität von einigen handelnden Personen. Am Ende löst der Kommissar den Fall mit äußerst unkonventionellen Methoden und ohne Rücksicht auf Verluste. Den Schluss empfinde ich als halboffen. Eine Fortsetzung ist möglich.
Ich möchte noch eine Anmerkung zum Titel hinzufügen. Der deutsche Titel “Opfer“ ist doppeldeutig: Es könnten Opfer von Unfällen oder Verbrechen sein oder die Opfer, die wir für die Menschen bringen, die wir lieben. Beide Bedeutungen erscheinen passend, denn über weite Strecken ist nicht klar, wer hier Opfer, wer Täter ist. Der Originaltitel “Sacrifices“ bezieht sich eindeutig auf die zweite Bedeutung.
Ich fand den Roman sehr lesenswert und spannend und habe vor allem die zunehmende Komplexität der Handlung genossen.
oberchaot zu »Pierre Lemaitre: Opfer« 23.07.2018
Kommissar Camille Verhoeven erfährt, dass seine Freundin Anne Forestiere Opfer eines brutalen Raubüberfalles wird. Sie erkennt die Verbrecher und wird deshalb von ihnen gesucht. Camille versucht das zu verhindern und gerät mit seinen Ermittlungsmethoden in den Clinch mit seinen Vorgesetzten.Was an Camille sofort auffällt, ist seine Körpergrösse von rund 1.50 Meter. Sofort erinnere ich mich an den Schauspieler Louis de Funès, den ebenfalls kleinen Kommissar, der sehr chaotisch, zappelig, ja, hyperaktiv ist. Aber bei dieser Gemeinsamkeit bleibt es auch, denn Camille ist ganz anders, denn er hat schon viel Schlimmes erlebt. Das erfährt man im Laufe des Buches. Ansonsten musste ich mich erst zurecht finden und feststellen, dass der Böse in der Ich-Form berichtet, all die andern in der dritten Person. Ich musste mit dem Kopf bei der Sache sein, um alles richtig zuordnen zu können. Was mir fast ein bisschen zu viel ist, sind die detailgetreuen Beschreibungen von Gewaltszenen, seien es Foltermethoden, oder wie genau jemand ermordet wurde. Aber die Handlung ist äusserst spannend mit überraschenden Wendungen.
HexeLilli zu »Pierre Lemaitre: Opfer« 15.07.2018
Ich habe lange gebraucht, um mit diesem Buch richtig warm zu werden. Vielleicht lag es an der ungewohnten Schreibweise. Auch flachte die Spannung nach den ersten Seiten sehr ab. Das letzte Drittel war dann super, und das Ende eine gelungene Überraschung.
Die Lebensgefährtin von Kommissar Camille Verhoeven, Anne Forestier wird bei einem Raubüberfall brutal zusammengeschlagen und schwer verletzt. Und das nur, weil sie die Räuber ohne Masken gesehen hat. Camille übernimmt den Fall, ohne zu sagen wer das Opfer ist. Um jeden Preis muss er Anne beschützen, der Täter trachtet ihr weiterhin nach dem Leben.
Das Buch wurde in 3 Tagen untertitelt und dann noch einmal in Uhrzeiten. Einmal geht es um die Ermittlung und dann erzählt noch der Täter, der mir vom Charakter, mit seiner brutalen Art sofort unsympathisch war. Auch Camille mit seiner Liebe, Freundschaft, Pflichtgefühl Art war mir nicht genehm. Aber am schlimmsten fand ich Anne, wie kann man sich so missbrauchen lassen?
Der Schluss hat mich dann entschädigt und ich war froh, das Buch gelesen zu haben.
Ilmo zu »Pierre Lemaitre: Opfer« 15.07.2018
Pierrre Lemaitres "Opfer" liest man von Anfang an mit großer Spannung, gibt es doch eine Reihe von Rätseln zu entschlüsseln, die zum einen mit der Person des Kommissars Camille Verhoeven und zum anderen mit seiner Freundin Anne Forestier zusammenhängen. Sie wird das erste "Opfer", als sie bei einem Raubüberfall in das Geschehen gerät. Schwere Verletzungen können sie nicht daran hindern zu entkommen und im Verlauf des Thrillers wird sie noch häufiger in große Gefahren geraten. Verhoeven ermittelt trotz seiner privaten Verstrickungen in den Fall und bald entdeckt er Zusammenhänge zum Tod seiner Frau, die vor einigen Jahren ebenfalls "Opfer" eines Verbrechens wurde.
Weitere "Opfer" müssen auf dem blutigen Weg des Täters dran glauben und zum Schluss, so viel sei verraten, wird auch Camille in gewisser Weise zum "Opfer" werden.
Eine spannende Story, deren Auflösung man entgegen fiebert.

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