Zu nah von Olivia Kiernan

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2018 unter dem Titel Too close to breathe, deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei HarperCollins.
Ort & Zeit der Handlung: Irland, 2010 - heute.

  • -: riverrun, 2018 unter dem Titel Too close to breathe. 336 Seiten.
  • Hamburg: HarperCollins, 2018. Übersetzt von Ulrike Wasel & Klaus Timmermann. ISBN: 978-3959671835. 368 Seiten.

'Zu nah' ist erschienen als E-Book

In Kürze:

Frankie Sheehan ist eine der besten Detectives der Dubliner Gardai und gerade wieder in den Dienst eingetreten. Ihr letzter Fall hätte sie beinah das Leben gekostet. Die physischen Wunden sind verheilt, die psychischen noch nicht. Aber ohne Arbeit hält es Frankie nicht aus. Ihr Chef gibt ihr grünes Licht zurückzukehren. Doch es bleibt ein Risiko, das wissen sie beide.

Wenn sie scheitert, ist sie draußen. Wer war das Opfer? Je länger Frankie ermittelt, desto mehr Risse bekommt das Bild der professionellen Wissenschaftlerin; dunkle Geheimnisse der Professorin kommen ans Licht. Spuren führen Frankie ins Darknet, sie stößt auf Sadomasochisten, die sich über ihre Todesfantasien austauschen. Und alle Hinweise führen zurück zu Eleanor. Immer weniger erscheint sie als das eigentliche Opfer. Doch sie wurde umgebracht. Wer ist ihr Mörder?

Das meint Krimi-Couch.de: Grausamer Mord im winterlichen Dublin 90°Treffer

Krimi-Rezension von Annette Wolters

Sadomasochistische Todesspiele

Die Ermittlerin und Profilerin Frankie Sheehan kommt nach einem traumatischen Ereignis bei einer alten Ermittlung nach längerer Abstinenz zurück in den Job. Eleanor Costello, eine Professorin für Biochemie, ist erhängt worden. Die attraktive Wissenschaftlerin ist eine zwanghaft ordentliche Sauberfrau »par exellance«, die ihren Arbeitsplatz an der Uni akribisch aufräumt, auch zu Hause keinen Ballast aufhebt und wohl auch sonst eine blütenweise Weste hat. Eleanors italienisch-stämmiger Ehemann hingegen schien sich im »Darknet« rumzutreiben und seine Gelüste auszuleben. Aber wie so oft: Nichts ist, wie es scheint.

Frankies Psychologin hat ihr zur Therapie ein Bonsai-Bäumchen verordnet, das sie hegen und pflegen soll. Sie freut sich, dass sie von ihrem Chef diese neue, wenn auch letzte Chance bekommen hat, bekommt aber gleichzeitig »kalte Füße« und Panikattacken. Das alles versucht sie so gut wie möglich mit ihrer zynischen Art zu kaschieren. Ihr Kollege Baz (der diplomatischere der Beiden) ist gleichzeitig ihr bester und einziger Freund.

Rasantes Thriller-Debüt von der grünen Insel

Olivia Kiernan ist Autorin und Bloggerin und stammt aus County Meat, Irland. Sie studierte kreatives Schreiben an der University of Sussex und lebt heute in Oxfortshire, doch ihre irische Kultur hat einen großen Einfluss auf ihr Schreiben. Nach »Zu nah« arbeitet sie bereits an ihrem zweiten Thriller.

Vom Darknet ist jeder auf eine morbide Art fasziniert. Lässt es wirkliche jede – noch so abartige und abwegige – Fantasie wahr werden? Als Frankie und ihr Team sich an die Ermittlungen machen, werden sie mit echten Abgründen konfrontiert. Eigentlich möchte Frankie Eleanor als Opfer wertschätzen und den Täter zur Strecke bringen. Dann kommen häppchenweise immer neue Erkenntnisse zu Tage und es geschieht ein weiterer schrecklicher Mord. Ist das Opfer wirklich das Opfer? Was hat es mit einem bereits gelöst geglaubten Fall auf sich?

Olivia Kiernan entfaltet ein komplexes Geflecht aus Ränkespielen, perversen Phantasien, Mord, Verrat und Geheimnissen, während die Bedrohung für ihre geschundene Ermittlerin immer weiter steigt, bis sich nach einigen falschen Fährten alles in einem furiosen Finale entlädt.

Eine extrem interessante Newcomerin mit einem furiosen Debut

Das Buch ist wirklich absolut empfehlenswert. Wie bei den meisten Autoren aus Großbritannien und Irland werden die Figuren mehrdimensional und realistisch gezeichnet. Frankie hat zwar – wie so gut wie alle Ermittler in Krimis – ein Trauma hinter sich, die Beschreibung ihrer Persönlichkeit bewegt sich aber im noch akzeptablen Rahmen. Ein Gewicht von 63 Kilo, bei einer Größe von 180 Zentimetern ist allerdings ein Klischee, das in einigen Thrillern auftaucht, die ich in der letzten Zeit gelesen habe. Nur Helen, das plumpe und übergriffige Greenhorn in Frankies Abteilung ist klein und dick. Ansonsten ist Frankie eine Persönlichkeit, die gleichzeitig die Eigenschaften fragil, zerbrechlich, knallhart und furchtlos in sich vereint.

Auch die Details über das miese und kalte Wetter in Dublin kurz vor Weihnachten passen zur düsteren Atmosphäre der Handlung. Regen, Frost, das graue Meer und ein kitschiger Plastik Weihnachtsbaum im Büro.

Vor allem die Informationen über Biochemie sind sehr interessant. Ich habe die Spannung – trotz der grausamen Details – genossen und dabei noch einiges über das Darknet, Sadomaso-Praktiken und die Möglichkeit der Verwendung von »Farben« in Kunst und Chemie gelernt.

Einziges Manko: Es gibt keine wirklich profunde Erklärung, warum manche Protagonisten sich entsprechend entwickelt haben. Eine miese Kindheit ist die wenig schlüssige Platitüde. Aber das ist für die Handlung auch nicht wichtig und dürfte den Leser nicht wirklich stören.

»Zu nah« führt zwar in die Unterwelt des Internets, aber letztlich ist das nicht der Hauptaspekt des Buches. Auch die triste Beschreibung der sonst schönen Stadt Dublin überzeugt. Wenn Frankie sich an ihrem Kaffee die Finger wärmt, möchte ich ies hr direkt gleich tun. Die Entwicklung des Bonsai-Bäumchens hat eine gewisse Symbolik. »Good job«, Mrs. Kiernan! Freue mich auf Nummer 2.

Annette Wolters, April 2018

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StephanieP zu »Olivia Kiernan: Zu nah« 10.04.2018
Eine sehr bekannte und angesehene Wissenschaftlerin wird erhängt in ihrem Schlafzimmer aufgefunden. Die leitende Ermittlerin Frankie Sheehan denkt, dass die Tote ermordet wurde und findet Hinweise, die darauf hindeuten, dass die Wissenschaftlerin kurz vor ihrem Tod nicht alleine war. Als eine weitere Leiche einer Frau gefunden wird beginnt für die Polizei ein Wettlauf gegen die Zeit.

Olivia Kiernans ist es mit ihrem fesselnden und flüssigen Schreibstil gelungen einen wirklich lesenswerten Thriller zu verfassen. Die Handlung ist sehr logisch und gut durchdacht. Anfangs hatte ich Probleme in die Handlung einzusteigen, dies hat sich allerdings bereits nach wenigen Kapiteln gelegt. Von da an konnte ich der restlichen Handlung problemlos folgen. Die Autorin kann schnell Spannung aufbauen und durch geschickte Wendungen bis zum Ende aufrecht erhalten. Als Leser kann man sehr lange miträtseln wer der Täter ist, da immer wieder falsche Spuren gelegt werden. Die einzelnen Kapitel sind logisch aufgebaut, wodurch unnötige Längen und Wiederholungen vermieden werden können. Mein einziger Kritikpunkt ist das Ende. Es wirkte auf mich sehr abrupt und abgehackt.

Die einzelnen Charaktere sind sehr authentisch beschrieben. Als Leser kann man sich schnell ein Bild machen und Sympathie oder Antipathie entwickeln. Vor allem Frankie Sheehan war mir wirklich sympathisch, wodurch ich die gesamte Handlung über mit ihr mitfiebern konnte.

„Zu nah“ ist mein erstes Buch der Autorin. Da mich die Handlung fesseln, die Protagonisten überzeugen konnten und der Schreibstil sehr flüssig war, werde ich auch in Zukunft gerne zu Büchern von Olivia Kiernan greifen.

FAZIT:

„Zu nah“ ist ein gelungener Thriller, der schnell Spannung aufbauen und diese bis zum Ende aufrecht erhalten kann. Leider konnte mich das Ende nicht komplett überzeugen, daher vergebe ich 4 Sterne!
anyways zu »Olivia Kiernan: Zu nah« 16.03.2018
Frankie Sheehan, Detective im Dubliner Police Department hat eine vierjährige Ausbildung zur Kriminaltechnikerin und Profilerin gemacht, 15 Jahre ist sie stetig die Karriereleiter bis zum Detective hochgeklettert und vor zwei Jahren dann zum Detective Chief Super, doch ihr letzter Fall wäre für sie fast tödlich ausgegangen. Nach mehrmonatiger Pause steht sie jetzt wieder vor einem Tatort. Eigentlich möchte ihr Vorgesetzter ihr die Leitung in dieser Ermittlung nicht zumuten, doch auch bei der Dubliner Polizei herrscht Personalmangel, und so übergibt er zähneknirschend Frankie den Fall.
Eleanor Costello, angesehene Wissenschaftlerin wird erhängt in ihrem Schlafzimmer aufgefunden. Ein Nachbar der sie seit mehreren Tagen nicht gesehen hat, hat die Polizei verständigt. Zuerst sieht alles nach einem Selbstmorde aus, doch schon während der Tatortbesichtigung wird klar, das Eleanor niemals ohne Hilfestellung die Selbsttötung hätte vollziehen können. Während der Recherchen zum bisherigen Lebenslauf der Wissenschaftlerin treten doch einige Absonderlichkeiten zu Tage und dann geschieht ein weiterer Mord.

„Zu nah“ hat einiges Potenzial für einen spannenden Thriller, doch leider sprang der Funke bei mir nicht über. Das liegt für meine Empfindungen zuallererst am Schreibstil der Autorin. Sie wählte, die für dieses Genre gar nicht so untypische Version der Ich-Form. Eigentlich ist man da als Leser mitten im Geschehen, „sieht“ man doch alles durch die Augen der Protagonistin. Hier ist jedoch das Gegenteil der Fall, seltsam distanziert (manchmal auch kopfschüttelnd wegen ihrer unlogischen Übersprunghandlungen) folgt man der Ermittlerin. Frankie wird mit einer ordentlichen beruflichen Laufbahn ausgestattet, sie verhält sich aber wie der einsame Wolf, der keinen Wert auf Teamarbeit legt. Da erscheint es mir unlogisch das sie es zum Detective Chief Super geschafft haben soll. Auch sämtliche Teammitglieder bleiben seltsam farblos. Was mich aber am meisten störte war die seltsame Verbindung die Frankie zu der Ermordeten fast krampfhaft herzustellen versuchte und die ständige Erwähnung von Budgetkürzungen. Gerade letzteres wird von der Autorin zum Ende des Buches ständig erwähnt, da soll der Fall sogar abgeschlossen werden obwohl es noch viel zu früh ist und längst nicht alle Spuren erkaltet sind. Somit war aus meiner Sicht gar kein Spannungsaufbau möglich. Wie gesagt „zu nah“ bietet einiges Potenzial, mich konnte es gar nicht überzeugen.
leseratte1310 zu »Olivia Kiernan: Zu nah« 28.02.2018
Die angesehene Wissenschaftlerin Eleanor Costello wird erhängt in ihrem Schlafzimmer aufgefunden. Detective Frankie Sheehan von der Dubliner Polizei ist gerade erst wieder im Dienst, denn ihr letzter Fall endete beinahe tödlich für sie und sie ist immer noch traumatisiert. Frankie ist davon überzeugt, dass es sich nicht um Selbstmord handelt. Für sie sieht es so aus, als wäre Eleanor nicht alleine gewesen und jemand hätte seinen Spaß an sadistischen Spielen gehabt. Es dauert nicht lange, bis es eine weitere zu Tode gefolterte junge Frau gibt. Frankie ist gefordert, denn was verbindet die beiden Opfer?
Der Schreibstil lässt sich gut lesen. Doch für mich wurde es erst recht spät spannend, da vieles zu langatmig beschrieben war.
Es wird nicht einfach für Frankie und ihr Team. Eigentlich ist Frankie noch nicht wieder einsatzfähig. Sie ist angeschlagen und dennoch will sie in diesem Fall ermitteln. Sie ist eine gute Ermittlerin, die ein Gespür für die Fälle und für Menschen hat. Allerdings sollten die Ermittlungen eigentlich in alle Richtungen offen sein, aber manchmal ist ihr Blick für Verdächtige verstellt. Obwohl ich ihre Gedankengänge erfahren habe, blieb sie mir trotzdem fremd. Aufgrund ihrer Vorgeschichte sollte sie mir eigentlich leidtun, aber sie war mir einfach nicht sympathisch. Den Druck, der seitens ihrer Vorgesetzten aufgebaut wird, finde ich unfair. Frankie will den Fall lösen, aber davon ihre Zukunft bei der Polizei abhängig zu machen, zeugt nicht von Verantwortung.
Die Ermittlungen ergeben, dass es in Eleonors Leben ein paar Dinge gibt, die sie wohl gerne geheim gehalten hätte. Dann ist da auch noch die Frage: Warum ist ihr Mann verschwunden? Während die Polizei noch im Dunkeln tappt, wird ihr ein Video zugeschickt, welches den Todeskampf des zweiten Opfers zeigt. Für die Ermittler steht fest, dass die beiden Fälle wahrscheinlich nicht die letzten sein werden. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt und als sie der Lösung näher kommt, wird es wieder einmal gefährlich für Frankie.
Die Story ist gut durchdacht und spannend. Ich habe als Leser mitermittelt und dachte, dass ich den Täter ausgemacht hätte, doch am Ende musste ich feststellen, dass ich auf dem Holzweg war. Am Ende gibt es einen Showdown, den ich so nicht erwartet habe.
Ein interessanter und spannender Thriller, aber es ist noch Luft nach oben.
oberchaot zu »Olivia Kiernan: Zu nah« 25.02.2018
Die Wissenschaftlerin Eleanor Costello wurde in ihrem Schlafzimmer erhängt. Es sieht zuerst nach Selbstmord aus, doch Detective Frankie Sheerhan widerlegt das. Sie ist eine der besten Detectives der Dubliner Polizei und psychisch noch etwas angeschlagen von ihrem letzten Fall, den sie noch nicht ganz verarbeitet hat. Ihr Chef erlaubt ihr, den Fall zu übernehmen, doch sie steht unter Druck. Geld für die Ermittlungen fehlt, und wenn sie scheitert, ist das für ihre Zukunft bei der Polizei nicht gut. Sie ermittelt also, und die Spuren führen sie ins Darknet. Die nächsten Toten lassen nicht lange auf sich warten.
Mir gefällt das Buchcover, das leuchtende Blau passt sehr gut. Zur Geschichte selbst muss ich sagen, dass ich sie zum Teil etwas langatmig fand. Oft hatte ich das Gefühl, dass sie etwas zu weit ausschweift und erst später bemerkt, dass auch das für die Erkenntnisse wichtig ist. Die Detective finde ich sympathisch, sie ist nicht so ein Ekelpaket, wie andere Ermittler manchmal dargestellt werden. Alles in allem habe ich das Buch gerne gelesen, doch es gibt Spannenderes. Dennoch wäre ich nicht abgeneigt, eine Fortsetzung mit Frankie zu lesen.
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