Kreuzzug von Marc Ritter

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 bei Droemer Knaur.
Folge 1 der Thien-Hung-Baumgartner-Serie.

  • München: Droemer Knaur, 2012. ISBN: 978-3-426-22618-6. 549 Seiten.

'Kreuzzug' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Attentäter sprengen den Tunnel der Zugspitzbahn. Der Zug: mittendrin. Dann stürzt die Seilbahn ab. 5.000 Menschen auf dem Gipfel sind Geiseln. BKA, Bundeswehr und CIA scheitern. Doch niemand rechnet mit Thien Hung Baumgartner, der den Berg wie seine Westentasche kennt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Gesteuerte Terroristen morden plötzlich auf eigene Rechnung« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Tien Hung Baumgartner, vietnamesisches Adoptivkind bayrischer Eltern, will mal wieder auf die Zugspitze. Er hat einen Foto-Auftrag eines großen amerikanischen Magazins, der ihm viel Geld bringen wird. Auf dem höchsten Berg der deutschen Alpen sind auch an diesem Drei-Königs-Tag wieder Massen von Menschen unterwegs, Touristen, Skifahrer, Schaulustige. Doch die Fahrt mit der Zugspitzbahn nimmt ein jähes Ende – vor und hinter dem Zug werden die Felsen gesprengt, und 200 Menschen im Berg eingeschlossen. THW, Bergwacht, Polizei und DRK werden alarmiert, doch es dauert, bis das Ausmaß der Katastrophe deutlich wird. Als klar ist, dass es sich um eine Geiselnahme durch Terroristen handelt, wird auch die Bundeswehr alarmiert. Im Austausch gegen je eine Geisel sollen Gefangene aus amerikanischen Gefängnissen freigepresst werden. Doch die Lage eskaliert, Politik, Geheimdienste und Polizei verlieren schnell den Überblick. Bis zum dramatischen Finale gibt es für alle Beteiligten noch reihenweise unliebsame Überraschungen.

Neben seiner »Gonzo-Hartinger-Reihe« hat Marc Ritter mit Kreuzzug einen rasanten Thriller geschrieben, der mich wirklich überrascht hat. Klappentexte sind oft aus Marketing-Gründen leicht überdreht, aber hier wurde nicht zu viel versprochen. Einzig die Rolle des Tien Hung Baumgartner wird ein wenig überzogen dargestellt – aber das ist eine verzeihliche Sünde. Der Plot sorgt von Beginn an dafür, dass unglaubliche Spannung aufgebaut wird. Eine Geiselnahme durch Terroristen ist an sich nichts ungewöhnliches, aber der Ort des Geschehens ist perfekt gewählt, was sicherlich den Ortskenntnissen des in Garmisch-Partenkirchen geborenen Autors zuzuschreiben ist. Marc Ritter nutzt dieses Wissen für ganz spezielle Schmankerl und Wendungen in seiner Geschichte, was mir ausgezeichnet gefallen hat. Die für Leser und Behörden erst langsam deutlich werdende Situation, dass die Terroristen im Grunde alle 5000 Menschen auf der Zugspitze in ihrer Hand haben, sorgt für eine erhebliche Steigerung der Spannung in diesem Thriller.

Besonders glaubwürdig wirkt auf mich, dass die deutschen Behörden die Dimensionen des Vorfalls zunächst gnadenlos unterschätzen. Und auch die eher unrühmliche Rolle der Politik ist leider allzu realitätsnah. Das bekannte Gerangel um Zuständigkeiten, Befehlsgewalten, die Rolle der Medien und der Politiker – man fühlt sich wie in einem schlechten Film oder wie in der Realität. Der adelige Verteidigungsminister mit seiner Medien-bewussten Gattin gibt dem Journalisten »JFK« von SAT 1 ein Exklusiv-Interview vor der Kulisse der Zugspitze. Klar, dass man dabei an Kerners viel diskutierte und kritisierte Show mit Karl-Theodor zu Gutenberg nebst Ehefrau in Afghanistan denkt. Solche Bezüge zur deutschen Polit- und Medien-Wirklichkeit baut Marc Ritter perfekt in seinen Roman ein, und bei allem Ernst und aller Spannung kann man sich als Leser mehrfach das Grinsen kaum verkneifen, denn auch die entsprechenden Dialoge sind sehr authentisch.

Der Autor arbeitet mit vielen schnellen Szenenwechseln, und auch die Zahl seiner Protagonisten sorgt dafür, dass man als Leser aufmerksam bei der Sache bleiben muss. Aber die zahlreichen höchst überraschenden Wendungen treiben den Spannungspegel immer weiter in die Höhe, Langeweile kommt nun wahrlich nicht auf. Mit seinen Protagonisten geht Marc Ritter übrigens durchaus verschwenderisch um, ich verrate sicher nicht zu viel, aber einige wichtige Personen erleben das Ende der Geschichte nicht.

Durchaus dick aufgetragen hat der Autor bei der Herkunft der Terror-Gruppe. Aber der Plot ist in dieser Hinsicht so durchdacht und verwinkelt in allen seinen Verästelungen, dass es schon wieder durchaus glaubwürdig wirkt. Die Truppe hält sich nicht an den Drehplan, den Geheimdienstlern gehen die Nerven durch, und man muss vor allem im Finale auch zwischen den Zeilen lesen, um als Leser den Durchblick zu behalten. Am Ende ist aber nicht der Realitätsgehalt das Entscheidende, sondern das Buch ist einfach gut lesbar, flüssig erzählt, unglaublich spannend und dadurch hoch unterhaltsam. Die Hartinger-Krimis von Marc Ritter habe ich nicht gelesen, aber nach der Lektüre von Kreuzzug steht für mich fest, dass er ein ausgezeichneter Thriller-Autor ist – und deshalb freue ich mich auf das nächste Werk aus seiner Feder.

Andreas Kurth, Februar 2013

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Madeleine zu »Marc Ritter: Kreuzzug« 07.07.2014
Ich habe zuerst "Bluteis" aus der Bibliothek ausgeliehen, anschliessend sofort den ersten Band "Kreuzzug" bestellt. Lieber Marc Ritter, mich hats gepackt!

Ich liebe den rasanten Wechsel zwischen den Tatorten, die Rückblicke nach Bolivien, die Abstecher nach Langley und Berlin und die detaillierten Beschreibungen rund um und auf der Zugsspitze. Dank Datum- und Zeitangabe lassen sich die Ortswechsel problemlos einordnen. Ich kenne weder die Gegend, noch die beschriebenen Politiker, kann mir aber sehr gut vorstellen, dass sie so agieren.

Natürlich - die Idee, dass all die Terroranschläge fingiert sind, damit ja nicht abgerüstet wird - diese Idee ist schon etwas gruselig, aber leider durchaus vorstellbar, jedenfalls nach dieser Lektüre.

Den Schluss fiel meiner Meinung nach etwas ab, ich habe z.B. so mit den Leuten auf der Zugsspitze mitgefiebert, dass ich gerne auch etwas über ihr Schicksal erfahren hätte, auch wenns nur Fiktion ist. Man lebt halt richtig mit! Auch eine Karte für Ortsfremde wäre praktisch gewesen.

Das sind aber nur Details. Ich habe die Bücher überallhin mitgenommen, beim Kochen, Fussballgucken, Zugfahren etc gelesen und beinahe den Bahnhof verpasst. Ich freue mich auf weitere Geschichten rund um Thien Baumgartner. Merci viel mal für die spannenden Stunden.
rolandreis zu »Marc Ritter: Kreuzzug« 14.08.2013
Mit "Kreuzzug" hat Marc Ritter einen spannenden und realistischen Thriller zum Thema Terrorismus in Deutschland geschrieben, der über die gesamte Laufzeit packende Unterhaltung garantiert. Punkten kann das Werk besonders durch seine Glaubwürdigkeit, die der Autor durch die umfangreiche Betrachtung des Anschlages von mehreren Seiten erreicht. Ritter schafft es zudem auch, satirische Elemente in seinem Buch unterzubringen, welche die ernste Thematik regelmäßig etwas auflockern, ohne dabei aber ins Lächerliche abzudriften. Das auftretende lokale und auch politische Personal, vom Zugspitzbahnverantwortlichen über den Bürgermeister bis hin zu Ministerpräsident und mediensüchtigem Verteidigungsminister samt gut gekleideter Gattin (Ähnlichkeiten zu amtierenden und ehemaligen Politikern sind natürlich rein zufällig und nicht beabsichtigt) lassen einen inmitten erzählten Stoffes immer wieder schmunzeln. Für mich ist der Thriller "Kreuzzug" von Marc Ritter eine tolle Neuentdeckung. Der Roman zeigt wieder einmal, dass man sich für einen aktuellen und mitreißenden Thriller nicht unbedingt im angloamerikanischen Sprachraum umschauen muss.
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Torsten zu »Marc Ritter: Kreuzzug« 08.04.2013
Eigentlich mag ich überhaupt keine Verschwörungstheorien in denen die bösen Amerikaner selbst hinter diversen Terroranschlägen stecken. Genausowenig mag ich eigentlich irrsinnig lange Anhänge in denen durch die Erklärung jedes noch so kleinen Begriffs eine Art pseudowissenschaftlicher Touch erzeugt werden soll.
Also - wieder eigentlich - gar kein guter Start für das Buch mit seiner 2seitigen Fachliteraturliste, dem 20seitigem Glossar und der gleich zu Anfang offenbarten Erkenntnis, dass hier ein von der CIA in die Wege geleiteter Anschlag überwacht wird.
Trotzdem hat es sich letztlich überraschend kurzweilig weggelesen. Etwas gestört hat mich der etwas unentschlossene Wechsel zwischen grotesker Klamotte (zugegeben, der echte Bundeminister der Verteidigung der natürlich niemals als Vorlage des völlig frei erfundenen Ministers in dem Buch diente, hat ja im wirklichen Leben exakt ähnliche Grotesken veranstaltet) und ziemlich nüchterner Gewalt.
Wenn der Plot auch an den Haaren herbeigezogen ist (na, hoffe ich doch - wie gesagt, Verschwörungstheorien sind nicht mein Ding) ist er doch einigermaßen schlüssig samt Hergang der Aktion beschrieben.
Allerdings ist das Ende doch besonders aufgrund des sonstigen Umfanges und auch der sehr ausführlichen Beschreibungen der Herkunft und Motivation der Terroristen etwas sehr hoppladihopp.
Und trotz des umfangreichen Glossars und der Panoramen auf den Umschlaginnenseiten hätte man die räumlichen Verhältnisse auf der Zugspitze für all diejenigen die noch nicht dort waren sicher viel besser darstellen können - eine ordentliche Grafik statt 20 Seiten Glossar hätte ich besser gefunden.
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tassieteufel zu »Marc Ritter: Kreuzzug« 21.11.2012
Dreikönigstag in Deutschland, es herrscht herrlichstes Winterwetter u. jede Menge Ausflügler und Touristen sind auf der Zugspitze unterwegs. Da sprengen Attentäter den Tunnel der Zugspitzbahn, über 200 Menschen sitzen nun eingeschlossen zwischen Felsen im Zug.Auf der österreichischen Seite des Bergs wird wenig später die Stütze einer Seilabhn gesprengt, eine Kabine mit über 100 Personen stürzt in die Tiefe u. weitere 5000 Menschen sitzen auf dem Zugspitz Gipfel fest.Dann kommt die Forderung der Attentäter: keinerlei Rettungsmaßnahmen u. weder Flug noch Bahnverkehr,sonst wird mit weiteren drastischen Maßnahmen gedroht.Für die 200 im Berg Eingeschlossenen sollen 200 gefangene Islamisten aus amerikanischen Gefängnissen frei gelassen werden.Der hastig einberufene Krisenstab weiß natürlich, dass diese Forderung von den Amerikanern nie erfüllt werden wird. Der Anschlag von langer Hand geplant, entpuppt sich als immer komplexer, denn selbst die CIA, die eigentlich ihre Finger mit im Spiel hat u. vor Ort einen Beobachter platziert hat, wird von den Ereignissen überrollt. Elitetruppen der Gebirgsjäger, Polizei, Feuerwehr u. THW versuchen, die Menschen auf dem Gipfel so gut es geht unterzubringen, denn Nachts gibt es 2stellige Minusgrade, bei denen niemand im Freien überleben könnte.

Ab u. an lese ich gern mal einen rasanten Thriller und Marc Ritter ist hier auch ein wirklich spannendes Buch gelungen. Die Problematik ist durchaus aktuell, die Kulisse sehr gut gewählt, (hier glänzt der Autor übrigens mit sehr detailliertem und umfassenden Hintergrundwissen, das gekonnt in die Geschichte eingefügt wird) und die Parallelen zur deutschen Politik entlockten mir des öfteren ein breites Schmunzeln. Zwar wird im Anhang darauf hingewiesen, dass alles frei erfunden ist und es keine Verbindung zu lebenden Personen gibt, aber die Ähnlichkeiten sind derart auffällig, das man das sich einige Passagen fast als Satire bezeichnen lassen.
Das Buch startet rasant und durch den ständigen Wechsel zwischen verschiedenen Schauplätzen und Figuren wird die Geschichte wirklich von allen Seiten beleuchtet. Ich habe mehrfach gehört, das Leser diese vielen Wechsel als schwierig zu lesen empfanden, ich hatte damit keine Probleme, sicher muß man teilweise aufpassen, das einem nichts entgeht, vor allem da zeitgleich zur aktuellen Geschichte auch in Rückblenden die Entstehung der Pläne u. die Vorbereitungen der Terroristen geschildert werden, aber das trägt nur dazu bei, die Thematik wirklich von allen Seiten zu beleuchten. Für mich hat es da Buch abwechslungs- u. wendungsreich gemacht, Langeweile kommt hier keine auf. Ständig werden die Rettungsmannschaften mit neuen, erschwerenden Bedingungen konfrontiert, hinzu kommt Kompetenzgerangel,Geltungssucht von Politikern u. die permanente Angst vor dem Ausbruch einer Panik, hier hat man wirklich das Gefühl, ein reales Szenario vor Augen zu haben.
Die Figurenzeichnung ist im Großen und Ganzen recht gelungen, lediglich die als Hauptfigur angelegte Person des Thien Hung Baumgartner wurde mir zunehmend suspekt. Anfangs fand ich den vietnamesischen Bayern noch ganz sympathisch aber seine zunehmend von fiktiven Heldentaten geprägte Gedankenwelt fand ich dann zunehmend nervig und auch ein wenig realitätsfremd, aber vielleicht ist das auch nur so ein Männerding, das Frauen nicht nachvollziehen können.
Auch wenn es immer neue Wendungen gibt u. verschiedene Personen sich als ganz anders entpuppen als zunächst gedacht, weiß man als Leser schon recht früh,wer die Drahtzieher sind u. so bleibt die Story trotz eines rasanten Erzähltempos am Ende ein wenig überraschungslos, überhaupt war das Ende für mich ein wenig arg überstürzt u. im Gegensatz zur restlichen, sehr realistisch anmutenden Geschichte, nicht ganz überzeugend.

FaziT: spannende, wendungsreiche und kurzweilige Unterhaltung mit einer durchaus realistischen und beängstigenden Story. Eine satirische Sicht auf die Strippenzieher unseres Landes sind hier das I-Tüpfelchen
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