Blutschatten von Kathy Reichs

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2017 unter dem Titel Two nights, deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei Blessing.
Ort & Zeit der Handlung: USA, 2010 - heute.
Folge 1 der Sunday-Night-Serie.

  • New York: Bantam, 2017 unter dem Titel Two nights. 324 Seiten.
  • München: Blessing, 2018. Übersetzt von Heike Schlatterer. ISBN: 978-3896676214. 400 Seiten.

'Blutschatten' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Sunday Night ist eine Frau mit körperlichen Narben, seelischen Wunden – und Killerinstinkt. Jahrelang lief sie vor ihrer Vergangenheit davon und suchte sich ein Leben, in dem sie niemanden brauchte und nichts spürte. Als ein Mädchen im Chaos einer Bombenexplosion verschwindet, bittet dessen Familie Sunday um Hilfe.

Und Sundays Gerechtigkeitssinn und Rachedurst werden geweckt. Ist das Mädchen tot? Hat sie jemand entführt? Falls sie noch lebt, warum kann die Polizei sie nicht aufspüren? Wenn Sunday zurück ins Leben und das verschwundene Mädchen finden will, muss sie sich jetzt endlich ihren eigenen Dämonen stellen.

Das meint Krimi-Couch.de: Kann Sunday Night mit Tempe Brennan konkurrieren? 75°

Krimi-Rezension von Annette Wolter

»Die Nachbarin zu meiner Rechten hält mich für verrückt und bringt mir deshalb Käse.« Ein genialer erster Satz. Leider hat der Verlag den englischen Titel »Two Nights« ín »Blutschatten« geändert. Die Heldin heißt Sunday Night und der Name ist für den Verlauf der Geschichte wichtig.

Exzentrik par excellence

Genauso außergewöhnlich wie ihr Name, ist auch Sundays Verhalten. Dass Sunday eine Waffennärrin ist, ungeschminkt rumläuft, aber schwarzen Nagellack trägt (fehlt noch, dass ihre Nägel abgekaut sind) ist zu vernachlässigen. 

Aber: Die rothaarige, 183 Zentimeter große und dünne junge Frau ist eine ziemlich paranoide Exzentrikerin. Der Leser bekommt einen Teil der Geschichte um Sunday gleich zu Beginn des Buches serviert, und muss sich nicht allzu sehr wundern. 

Trotz oder wegen ihrer Traumata kommt Sunday leicht zickig und unsympathisch rüber. Auf jede noch so harmlose Frage gibt es eine unverschämte oder bestenfalls sarkastische Antwort. Sie erinnert mich irgendwie an Carrie Mathison aus der Fernsehserie »Homeland«. Auch die drückt ihren Willen immer völlig irrational durch. Fast immer mit Erfolg.

Machen Traumata, Alkohol und Drogen einen Menschen zum guten Ermittler?

Erstmal scheint es nicht so: Sunday Night wurde in Unehren aus dem Militärdienst entlassen und auch ihre spätere Karriere bei der Polizei endete wegen eines tödlichen Schusses zur persönlichen Verteidigung desaströs – Innendienst oder Ausscheiden waren die Optionen. Sunday entschied sich für Letzteres.

Nun hat sich die von Geistern und Dämonen der Vergangenheit gepeinigte junge Frau nach »Goat Island« vor der Küste South Carolinas in eine Art Einsiedlerdasein zurückgezogen. Da ihr Ziehvater Beau (selbst Polizist) dieses selbstgewählte Exil auf der Felseninsel für äußerst ungesund hält, vermittelt er ihr den Auftrag einer wohlhabenden Witwe, die ihre Tochter und einen Enkel bei einem heimtückischen Bombenanschlag vor einer jüdischen Schule verloren hat, und nun über Erkenntnisse verfügt, dass ihre Enkelin Stella (deren Leiche man nicht fand) wahrscheinlich am Leben und in der Gewalt der Attentäter ist.

Kathy Reichs wird ihre Erfolgsgeschichte mit Sunday Night fortsetzen

Nach 18 Romanen um die forensische Anthropologin Tempe Brennan hat Kathy Reichs mit dem im amerikanischen Original im Juli 2017 erschienenen »Two Nights« eine völlig neue Heldin kreiert, über deren ihr Leben prägende traumatische Jugenderlebnisse im Verlauf der Handlung bruchstückhafte Informationen eingeflochten sind. Wiederum entwickelt Kathy Reichs in der Beschreibung von Menschen und Situationen geniale sprachliche Bilder. Die zunächst eher gemächlich wie in einem Detektiv-Roman beginnende Handlung entwickelt bald eine höhere Dynamik bis hin zum nahezu atemlosen und schockierenden Finale.

Opaline Drucker und Jules Oliphant

Sunday besucht die arrogante und bösartige alte Dame Opaline Drucker und nimmt den Auftrag widerstrebend an. Der Name Opaline Drucker ist absolut Programm. Ein Südstaaten-Haushalt in Charleston wie gemalt: Eine schwarze Hausangestellte empfängt Sunday, es gibt viel Gold und Marmor im Haus – und süßen Eistee.

Hier wundere ich mich wirklich, warum die alte Hexe überhaupt am Schicksal dieses 15-jährigen Mädchens interessiert ist. Als sie ihre Enkelin Stella beschreiben soll, fragt sie, ob Sunday den Ausdruck des »traurigen Clowns« kennt. Beim jovialen Anwalt Jules Oliphant gibt es anschließend spärliche Informationen, Spesen und Fachsimpelei über Schusswaffen.

Sinatras »Toddling Town« Chicago: Ein gefährliches Pflaster?

Von da an nimmt die Story rasant an Fahrt auf. Sunday wird gleich im Hotel Ritz in Chicago mehrfach überfallen, weiß sich aber zu wehren. Sie bekommt dann auch überraschend Unterstützung, von einem attraktiven Afro-Amerikaner namens Gus, den sie als ihren Bruder bezeichnet. Das ungleiche Duo beschattet und verfolgt mal eine zwielichtige junge Frau, schießt um sich, sitzt in Fast-Food-Restaurants und liefert sich semi-witzige Wortgefechte.

Von Chicago geht es nach Los Angeles, wieder retour – und schließlich endet alles in Kentucky beim Showdown während eines berühmtesten Pferderennens mit einem doch überraschenden Finale. Ich fand die Story sehr ansprechend und spannend; wären die Figuren eingehender charakterisiert worden, würde der Krimi noch gewinnen.

Serien-Auftakt lässt noch viel Raum für Entwicklung

Da es der Auftakt einer Serie ist, wird Kathy Reichs uns sicher und hoffentlich viel tiefer in die Psyche von Sunday Night eintauchen lassen. Da ist noch viel Raum. Die Beschreibung der einzelnen Bundesstaaten und Bewohner ist gelungen.

Ich konnte die Atmosphäre von Chicago, Kentucky, LA und sogar »Goat Island« nachspüren. Die Charaktere werden treffend beschrieben. Da der ölige, braungebrannte Anwalt, hier die Polizisten (»Dumm und Dümmer«), die den Fall so ziemlich verbockt haben, dort eine naive Mitwisserin. Kathy Reichs versteht ihr Metier.

Das Ende ist sehr interessant. Es gibt eine Entwicklung, die den sonst vorhersehbaren Plot noch etwas aufmischt. Leser, die Tempe Brannen gewohnt sind, werden sich vielleicht am Anfang schwer tun. Nebenbei: Ich habe auch etwas über Edgar Allen Poes Lieblingspub gelernt, der sich ganz in der Nähe von Sundays Homebase befindet.

Kleine Minuspunkte: Die Koketterie mit den Waffen nervt mich total. Sunday behandelt »Glock« und »Beretta« wie ihre kleinen Babys. Hier bin ich nicht sicher, ob Reichs die amerikanische Einstellung zu Waffen kritisieren oder eine Law&Order-Politik verteidigen möchte. Ich glaube, ich habe mal ein Tempe-Brennan-Buch beiseite gelegt, weil sie extrem mit der Todesstrafe geliebäugelt hat. 
Ein Cop braucht eine Waffe, ein Killer ein Beil, ein Messer oder was immer. Trotzdem: Im Krieg und im Krimi ist – nicht – alles erlaubt.

Annette Wolter, April 2018

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Mrs_krambambuli zu »Kathy Reichs: Blutschatten« 09.08.2018
Fazit nach 186 Seiten ... Abgehackter Schreibstil, überflüssige Details (Marke vom Bier, von der Kleidung...) endlos beschrieben, unsympathische Protagonistin, flach beschrieben, kann nur Sarkasmus, der aber irgendwie auch nicht lustig ist, endlose Beschreibung von Hotelwechseln, ständige Perückenkäufe um hinter einer Zeitung getarnt zu observieren, an der gleichen Stelle, die gleiche Person ohne das irgendwas passiert. Beim Überfall auf Sunday Night (was ein Name..) erschiesst sie den Angreifer. Befragung im Anschluss ? Nein ! Muss lediglich eine ihrer Waffen abgeben. Die Polizisten, die den Originalfall nicht lösen konnten kommen so blöd rüber, dass es lächerlich ist. Wohingegen Sunday nach Schaltung einer Anzeige sofort überfallen wird. Dann taucht plötzlich ihr "Bruder" auf...und "hält ihr mit der Luger den Rücken frei"...?? Wo kommt der her ? Keine Ahnung ob er einem Job nachgeht Familie hat oder ob er praktischerweise um die Ecke wohnt und nur auf ihren Anruf wartet ...
Spannung ? Rasante Entwicklung? Der Soannungs"bogen" ist flach wie eine Flunder. Lange nicht mehr so entsetzt gewesen. Sorry, mehr wie 186 Seiten ertrage ich nicht mehr ...
lausberg zu »Kathy Reichs: Blutschatten« 06.05.2018
Kathy Reichs hat ihre berufliche Erfahrung als Anthropologin in eine Reihe von international erfolgreichen Kriminalromanen einfließen lassen. Mit der Romanfigur Dr. Temperance Brennan, die als forensische Anthropologin komplizierte Mordfälle löst, hatte sie großen Erfolg. Ihr neuester Kriminalroman dreht sich um die persönlichkeitsstarke Ermittlerin Sunday Night.

Auf der Flucht vor ihrer unheilvollen Vergangenheit lebt die frühere Polizistin Sunday Night zurückgezogen in ihrer Hütte auf einer kleinen Insel vor der Küste von South Carolina. Sie lehnt es ab, mit Menschen zu tun zu haben und lebt als Einsiedlerin. Ihr einziger regelmäßiger Besucher ist Bob, ein kleines Eichhörnchen. Das ändert sich, als ihr Ziehvater Beau bei ihr auftaucht und von dem Schicksal der kleinen Stella, die vor etwa einem Jahr verschwunden ist, erzählt. Der Bruder und die Mutter von Stella wurden bei einem Attentat getötet, die Großmutter von Stella beauftragt Sunday Night mit der Suche nach Stella, da die Polizei bei den Ermittlungen nicht weiterkommt. Bei ihren Ermittlungen werden nach und nach Einzelheiten aus Nights Vergangenheit bekannt und der Leser wird mit ihrem Charakter und mit ihren Ermittlungsmethoden bekannt. Dabei stößt Sunday Night auf die Vorbereitungen eines weiteren Attentats, das es zu verhindern gilt.

Die Spannung nimmt gegen Mitte des Buches zu und hält bis zum Ende an. Die Angst vor Terrorismus wird sehr authentisch geschildert, es ist ja auch leider ein reales Thema der heutigen Zeit. Insgesamt ist es ein lesenswerter Kriminalroman, an dessen Hauptfigur man sich erst im Laufe der Geschichte gewöhnt. Es wird wie bei Temperance Brennan eine starke Frau präsentiert, die allen Gefahren zum Trotz das Verbrechen besiegt.
Sorry zu »Kathy Reichs: Blutschatten« 01.05.2018
Sorry, zu viel drum rum, zu viel Geschwätz um nichts. Habe bei der Hälfte nur noch wissen wollen wie es ungefähr ausgeht. Hatte ich bisher noch nie bei Kathy Reichs. Den Nächsten aus der Reihe werde ich mir nicht mehr kaufen. Vorher bei Tempe war alles viel besser, da waren nicht so unnütze Dialoge mittendrin. Die Hauptdarstellerin jetzt ist auch nicht so ganz sympathisch.Ich finde Reichs hat nachgelassen.
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