Statisten von Didier Daeninckx

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1995 unter dem Titel Les figurants, deutsche Ausgabe erstmals 2005 bei Assoz. A.
Ort & Zeit der Handlung: Nordfrankreich, 1990 - 2009.

  • Lagrasse: Verdier, 1995 unter dem Titel Les figurants. 88 Seiten.
  • Berlin: Assoz. A, 2005. Übersetzt von Matthias Drebber. enthält außerdem: Der Mann mit der Sammelbüchse. ISBN: 3935936419. 120 Seiten.

'Statisten' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Valère Notermans ist Filmliebhaber. Immer auf der Suche nach Raritäten interessiert er sich vor allem für die Anfänge des Kinos. Eines Tages entdeckt er auf einem Filmfestival in Lille ein Filmfragment von verstörender Grausamkeit. Sowohl der Regisseur wie die Namen der Schauspieler sind unbekannt. Valère begibt sich auf die Suche nach dem Autor und den Ursprüngen des Films und stößt dabei auf einen Ort des Grauens, der in die Zeit des Nationalsozialismus und der Résistance zurückführt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Puristische Aufarbeitung jüngerer Geschichte« 62°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Heutzutage, wo ein Krimi normalerweise seine 300 Seiten hat, fällt es schon auf, wenn man ein so dünnes Büchlein in die Hände bekommt. Gerade mal hundert groß beschriebene Seiten. Da hab ich auf die passende Gelegenheit gewartet, mich an einem kalten Winterabend mit einem Glühwein auf die sprichwörtliche Couch begeben und das Filme thematisierende »Statisten« wie einen Film gelesen, nämlich am Stück innerhalb von 90 Minuten.

Der Glühwein war zwar schon nach 25 Seiten zu Ende, doch da hatte ich immerhin schon Valère Notermans kennengelernt, der, obwohl er keinen Alkohol mag, regelmäßig nach der Arbeit vor seiner Frau, deren Marotten ihn nach all den Jahren ihrer Ehe nur noch nerven, in die Kneipe flüchtete. Dort lernte er Jérôme Sisovath kennen, der in den Pariser Vorort kam, um das kleine Kino wiederzubeleben. Valère freundete sich mit Jérôme an und entdeckte seine Liebe zum Film. Jérôme hatte zunächst Erfolg, doch der hielt nicht lange an. Nach einem halben Jahr war das Interesse verflacht, und Jérôme musste vor seinen Gläubigern fliehen.

Als einige Zeit vergangen war, meldete er sich wieder bei Valère und fortan tingelten die beiden zu Filmfestivals in Frankreichs Norden. Anläßlich eines solchen zeigte ihnen der filmbegeisterte Trödler Willy kurze Filmstücke mit grauenvollen Szenen, die ihm zufällig in die Hände gefallen sind. Nach Ansicht der Freunde handelt es sich dabei um ein Meisterwerk eines großen Regisseurs und Valère setzt es sich zum Ziel herauszufinden, wer der Urheber dieses Werkes ist.

Der Name Didier Daeninckx fällt meist beim Stichwort »Neopolar« in einem Atemzug mit Pouy, Manchette oder Demouzon. »Neopolar« kennzeichnet sich durch linksgerichtete und sozialkrische Betrachtung politischer Themen. Die Sprache als Stilmittel spielt dabei eine große Rolle. Daeninckx zeichnet sich insbesondere durch seinen Purismus aus. Nicht bei seinen sprachlichen Mitteln, die durch treffende Metaphern Wirkung zeigen, wohl aber bei der Aufbereitung seiner Themen, die er vor allem in der jüngeren Geschichte findet. Die Atmosphäre trister Betonsiedlungen trifft er gerade durch seine kargen Beschreibungen sehr gut.

Den größten Teil seiner hundert Seiten verwendet der Autor darauf, seinen Leser auf das Ziel hinzuführen, das dann äußert knapp aufbereitet wird. Zumindest habe ich den Klappentext nicht vorher gelesen, so daß mir noch eine kleine Überraschung blieb, die dieser bereits vorweg nimmt. Diese »lange« Hinführung mag vor allem für Filmliebhaber interessant sein, die außerdem noch mit einem zehnseitigen Glossar am Ende belohnt werden. Als durchschnittlicher Filmkenner sagen einem zwar Namen wie Fritz Lang, Robert de Niro oder George Lucas etwas, bei den vielen französischen Namen und Filmtiteln jedoch liest man flott drüber weg.

»Statisten« ist so etwas wie ein hors doeuvre für Leser, die am »Neopolar« Interesse zeigen. Kein Buch, das große Wirkung zeigt, das aber durch seine Aussagen Aufmerksamkeit weckt und Liebhabern des Genres einen Anreiz gibt.

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