Der Abgrund in dir von Dennis Lehane

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2017 unter dem Titel Since we fell, deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei Diogenes.

  • New York: Ecco, 2017 unter dem Titel Since we fell. 418 Seiten.
  • Zürich: Diogenes, 2018. Übersetzt von Steffen Jacobs & Peter Torberg. ISBN: 978-3-257-07039-2. 528 Seiten.

'Der Abgrund in dir' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Rachel Childs hat alles, was man sich erträumt: ein Leben ohne finanzielle Sorgen, einen gutaussehenden, liebevollen Ehemann. Doch im Bruchteil einer Sekunde macht ausgerechnet ihr Mann dieses Leben zu einer Farce aus Betrug, Verrat und Gefahr. Nichts ist mehr, wie es scheint, und Rachel muss sich entscheiden: Wird sie kämpfen für das, was sie liebt, oder im Strudel einer unglaublichen Verschwörung untergehen?

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Mrs.Rabes_Bookaccount zu »Dennis Lehane: Der Abgrund in dir« 15.10.2018
Rachel Childs ist ein vaterloses Kind. Ihre Mutter Elisabeth, Collegedozentin für Psychologie, verschweigt Rachel Zeit ihres Lebens den Namen des Vaters. Nach dem Tod der Mutter führt sie ihr Weg zu dem Privatdetektiv Brian Delacroix, um endlich eine Antwort auf die ihr bisheriges Leben beherrschende Frage zu erhalten. Auch wenn Brian den Auftrag nicht annehmen will, bleiben die beiden immer wieder in Email-Kontakt, selbst als Rachel schon längst mit Sebastian verheiratet ist und eine Karriere als TV-Journalistin absolviert. Ein beruflicher Einsatz in Haiti nach dem verheerenden Erdbeben bringt Rachel physisch und psychisch an ihre Grenzen. Eine Panikattacke vor laufender Kamera beendet ihre berufliche Laufbahn und in Folge auch ihre Ehe. Am emotionalen Tiefpunkt angelangt trifft sie wieder auf Brian. Die beiden werden ein Paar, Rachels Zustand bessert sich, bist sie merkt, dass Brian nicht der ist der vorzugeben scheint.
„Der Abgrund in dir“ beginnt mit einem Schluss, nämlich mit einem Schuss, den Rachel auf Brian abgibt. Was so böse endet, kann keinen guten Start haben, denkt man. Dabei handelt es sich bei diesem Buch nicht ausschließlich um einen Thriller, hier hat der diogenes Verlag schon gut daran getan das Buch als „Roman“ herauszugeben. Es ist über lange Zeit das Psychogramm einer jungen Frau auf der Suche, nach dem Vater, nach Antworten, nach Vergebung für vermeintliches Fehlverhalten. Sehr intensiv erleben wir Rachels Gefühlswelt, ihre Zerrissenheit und Labilität. Die emotionale Leere, in die die Mutter das Mädchen Rachel laufen ließ, als sie ihr den Namen des Vaters verweigert, die Sorge des Ehemanns Sebastian, um seine eigene Karriere, als Rachel versagt, der Verlust des einen Menschen, zudem sie vertrauen aufbauen konnte, machen Rachel zu der beeinflussbaren und formbaren Person, die Brian letztlich aufbauen und trotzdem massiv hintergehen kann. Doch im letzten Drittel des Buches ändert sich die Geschichte, die Dynamik und Geschwindigkeit. Die Geduld, die langsame und stetige Entwicklung der Personen, wird jetzt auch für den Thrillerleser belohnt. Was über so viele Seiten beharrlich aufgebaut wurde, eskaliert. Plötzlich ist da Gewalt, Blut und Tod.
„Wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein“, wird Friedrich Nietzsche zugeschrieben. Der Abgrund in Rachels Leben hat sehr gute Augen!
StephanieP zu »Dennis Lehane: Der Abgrund in dir« 01.10.2018
Rachel leidet an einer psychischen Erkrankung und hat vor allem beim Verlassen ihres Hauses häufig Panikattacken. Ihr Mann Brian steht ihr dennoch immer zur Seite und unterstützt sie wo er nur kann. Eines Tages entpuppt sich Brian allerdings als das genaue Gegenteil des Traummannes, der er scheint zu sein. Für Rachel bricht eine Welt zusammen und ehe sie sich versieht wird auch sie in den Sog aus Kriminalität und Betrug gezogen.

Dennis Lehanes Schreibstil konnte mich zu Beginn weder fesseln noch begeistern. Ganz im Gegenteil empfand ich den ersten Teil des Buches als langatmig. Erst ab dem zweiten Teil kann der Autor Spannung aufbauen und diese zunehmend steigern. Dies liegt nicht zuletzt an einigen wirklich überraschenden Wendungen. Von da an konnte ich das Buch nur noch schwer zur Seite legen, da die Handlung mich komplett in ihren Bann gezogen hat und ich mit fiebern musste. Ab dem zweiten Teil empfand ich das Buch als sehr kurzweilig und ich musste das Buch in kürzester Zeit zu Ende lesen.

Ich finde es etwas Schade, dass das Buch nicht aus Rachels Sicht geschrieben wurde. Dadurch konnten mich ihre Panikattacken leider emotional nicht ergreifen.

Die einzelnen Charaktere sind authentisch und vielschichtig. Beim Lesen denkt man schnell sich ein Bild zum jeweiligen Protagonisten machen zu können, dies ändert sich aber im Laufe des Buches immer wieder. Da man erst mit zunehmender Handlung mehr über die jeweiligen Protagonisten erfährt und es einige überraschende und unerwartete Offenbarungen gibt, bleiben alle Charaktere bis zum Schluss geheimnisvoll.

Ich kannte vom Autor bisher nur „Shutter Island“ und habe mir ein ähnlich starkes Buch gewünscht. Leider blieb „Der Abgrund in dir“ etwas hinter meinen Erwartungen, da es mich nicht von Anfang an fesseln und mitreißen konnte und zu Beginn etwas gelangweilt hat. Nichts desto trotz war auch dieses Buch im Großen und Ganzen gelungen, weshalb ich auch in Zukunft gerne zu Büchern von Dennis Lehane greifen werde.

FAZIT:
„Der Abgrund in dir“ konnte meine hohen Erwartungen nicht ganz erfüllen, da sich die Handlung zu Beginn des Buches in die Länge gezogen hatte. Auch die Panikattacken von Rachel konnten mich nicht ergreifen. Trotzdem wurde das Buch ab circa der Hälfte sehr spannend und konnte mich von da an begeistern. Aus diesem Grund vergebe ich 4 Sterne!
goat zu »Dennis Lehane: Der Abgrund in dir« 24.09.2018
Rachel Child macht sich nach dem Unfalltod ihrer Mutter auf die Suche nach ihrem Vater. Die spärlichen Informationen machen das ganze Unternehmen allerdings zu einem fast hoffnungslosen Unterfangen, da ihre Mutter sich immer strikt geweigert hat, über ihn zu sprechen. Während dieser Suche lernt sie den Privatdetektiv Brian Delacroix kennen und sie haben auch sporadisch immer mal wieder schriftlichen Kontakt. Rachel steigt zwischenzeitlich die Karriereleiter als Fernsehjournalistin in einem rasanten Tempo hinauf und stürzt, nachdem man sie zu einem verheerenden Erdbeben nach Haiti schickt, um live über die schlimmen Verwüstungen zu berichten, ebenso schnell wieder nach unten. Vor laufender Kamera erleidet sie einen Nervenzusammenbruch und jeder vor dem Fernseher kann es mit ansehen. Gedemütigt und gebrandmarkt verkriecht sie sich in ihrem Haus und wird von Panikattacken überrollt, wenn sie es verlassen soll. Die Ehe leidet darunter und zerbricht schließlich.

Erst als sich Rachels und Brians Wege zufällig wieder kreuzen, verliebt sie sich in den smarten Privatdetektiv, der inzwischen keiner mehr ist und erholt sich nach und nach von ihren Problemen. Aufopferungsvoll kümmert er sich um sie und sie blüht auf bis zu dem Tag, an dem sie erkennen muss, dass Brian nicht der Mann ist, für den sie ihn immer gehalten hat ...

Lehanes Art zu schreiben, hat mich regelrecht in den Bann gezogen. Gerade der erste Teil des Buches, in dem Rachel sich auf die Suche nach ihrem Vater macht, hat mich wirklich überzeugt. Rachel ist ein sehr vielschichtiger Charakter und es gelingt dem Autor auch sehr gut, das rüberzubringen. Aufgewachsen ohne Vater, bei einer fürchterlich egozentrischen und manipulativen Mutter, die alles, aber auch wirklich alles versucht, um Rachel von ihrem Vater fernzuhalten, was ihr letzten Endes ja auch gelingt. Auch die Einsamkeit, die Rachel umgibt, weil da niemand mehr ist, dem sie sich zugehörig fühlen kann. Ihr Ehemann ist ein Langweiler, der sich nur für sein Hobby interessiert und sie im Grunde genommen gar nicht wahrnimmt. Dann Rachels Absturz und die Panikattacken, die sie ans Haus fesseln - all das bindet den Leser an die Protagonistin.

Die Suche nach ihrem Vater ist kein spektakuläres Ereignis, nichts detstotrotz gehört das zu Rachels Leben dazu und ich habe Rachels Wunsch nach einem Vater während des Lesens deutlich spüren können und dieses auch komplett verinnerlicht, sodass ich total verwirrt war, als die Suche plötzlich zur Nebensache wurde. Was dann folgt, ist spannend - keine Frage, passt aber so gar nicht zum ersten Drittel des Buches und ist vielmehr eher das Drehbuch zu einem Actionfilm, bei dem sich ein Cliffhanger an den anderen reiht, die es an Logik und Glaubwürdigkeit mangeln lassen. Stattdessen wird so ziemlich jedes Klischee bedient.

Bei der Bewertung habe ich mich etwas schwer getan, weil mir der Roman trotz allem sehr gut gefallen hat. Der Spannungsbogen war durchweg vorhanden. Nur hier prallen bei den Erzählsträngen einfach Welten aufeinander und mir haben die anfänglichen leisen Töne besser gefallen, als die actiongeladenen Seiten. Ich hätte mir die ruhigere, ebenso spannende Gangart durchgängig gewünscht, was aber daran liegen mag, dass ich ein Fan von Psychothrillern bin. Deshalb von mir bei "der Abgrund in Dir" nur drei Sterne - aus Unterhaltungssicht wären es aber doch eher vier gewesen.
wampy zu »Dennis Lehane: Der Abgrund in dir« 11.09.2018
Buchmeinung zu Dennis Lehane – Der Abgrund in dir

Nimmt nach mauem Beginn Fahrt auf

Meine Meinung:
Nach etwa 150 Seiten war ich nahe dran, dieses aus der Sicht Rachels geschriebene Buch abzubrechen. Es passierte eigentlich nichts und Rachels Suche nach ihrem Vater und ihr journalistischer Alptraum haben mich nicht umgehauen. Dann nimmt das Buch auf einmal Fahrt auf. Brian hilft Rachel bei der Bewältigung ihrer großen psychischen Probleme und heiratet sie dann. Rachel ist noch recht labil und Brian ist öfter auf Geschäftsreisen. Dann glaubt sie, ihn während einer dieser Reisen in der Stadt gesehen zu haben. Und dann beginnt für sie ein neues Leben – Rachel beginnt wieder zu handeln. Ab hier steigt die Spannung gewaltig und hält sich auf hohem Niveau. Rachels ruhiges Leben und ihre gesamte Welt zerfällt in kürzester Zeit in Stücke. Rachel entwickelt ungeahnte Fähigkeiten und auch ihre Liebe zu Brian wird erschüttert. Der Autor hält eine Überraschung nach der anderen für den Leser bereit und nichts ist so wie es auf den ersten Blick scheint. Die Spannung wird von drei Motiven getragen, zum einen der Gefahr, in der Rachels Leben schwebt, der Frage, wie Rachels Psyche mit den Problemen zurecht kommt und dann natürlich der Klärung all dieser verwirrenden Situationen. Hier zeigt Dennis Lehane seine Meisterschaft im Plotten komplexer Abläufe. Auch die Nebenfiguren sind vielschichtig gestaltet und haben mir gefallen. Rachel ist ein angegriffener Charakter, der vieles einstecken musste und zur Unselbständigkeit erzogen wurde. Trotzdem empfand ich eher Mitleid als Sympathie für sie. Sympathisch war mir Brian, der scheinbar selbstlos Rachel unterstützte. Im grandiosen zweiten Teil erweist sich Rachel als Kämpferin und auch anhand ihrer Gedanken wird deutlich, wie schwer es für sie ist. Auch die Sicht auf Brian ändert sich und nicht nur Rachel quälen Fragen. Kann man Brian vertrauen oder ist er ein fieser Bösewicht? Hat er Rachel geholfen oder hat er sie manipuliert?
Der Abschluss ist gelungen und es passt zur Geschichte, dass es vielleicht doch nicht zu Ende ist.

Fazit:
Nach einem ermüdenden Vorspiel erlebt der Leser einen grandiosen Thriller mit vielschichtigen Figuren und komplexen und überraschenden Wendungen. Auch die psychologische Seite hat mich überzeugt. Und doch hätte ich das Buch beinahe abgebrochen. So vergebe ich vier von fünf Sternen (80 von 100 Punkten) und spreche eine klare Leseempfehlung aus.
Aquarius15 zu »Dennis Lehane: Der Abgrund in dir« 05.09.2018
Fesselnder Verrat

Rachel Childs hat alles, was man sich erträumt: ein Leben ohne finanzielle Sorgen, einen gutaussehenden, liebevollen Ehemann. Doch im Bruchteil einer Sekunde macht ausgerechnet dieser Mann ihr Leben zu einer Farce aus Betrug, Verrat und Gefahr. Nichts ist mehr, wie es scheint, und Rachel muss sich entscheiden: Wird sie kämpfen für das, was sie liebt, oder im Strudel einer unglaublichen Verschwörung untergehen? (Amazon.de)

Das Cover ist nicht so mein Fall, da ich im Allgemeinen die Cover von Diogenes nicht so ansprechend finde.

Am Anfang fand ich den Schreibstil anstrengend, aber nach einer gewissen Zeit, habe ich mich daran gewöhnt. Der Beginn des Buches lässt vieles offen, man frag sich zunächst was geschehen ist, dass Rachel in dieser Weise handelt. Man fängt auch zu spekulieren, was als nächstes passieren mag und wie Rachel sich wieder aus dieser Situation befreien kann.

Die ersten 100 Seiten waren nicht wirklich Thriller-mäßig. Am Anfang lernt man Rachels Vergangenheit kennen. Aber da diese Seiten so intensiv und überzeugend waren, sind die Seiten nur an mir vorbei gezischt. Als der Thriller dann dazu kam, konnte ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.

Ich gebe dem Buch 5 Sterne und bin glücklich darüber, dieses Buch gefunden zu haben.
cosmea zu »Dennis Lehane: Der Abgrund in dir« 19.08.2018
Ein Blick in seelische Abgründe
In Dennis Lehanes neuestem Roman “Der Abgrund in dir“ (Originaltitel: “Since We Fell“) steht Rachel Childs, die im Prolog in einer Vorwegnahme späterer Ereignisse ihren Ehemann erschießt, den sie liebt und der sie ebenfalls liebt. Nicht nur wegen seiner weiblichen Protagonistin ist dieser Thriller anders als alle Romane von Dennis Lehane, die ich kenne. Bei Lehane erwarte ich eine spannende lineare Handlung, die bis zur Auflösung einen einzigartigen Sog entwickelt. Dieser Roman besteht aus mehreren unterschiedlichen Teilen und ist nicht durchweg spannend. Nach dem furiosen Auftakt wird in der ersten Hälfte Rachels Vorgeschichte nachgeholt. Sie ist eine beschädigte Persönlichkeit, und das hat ihre alleinerziehende Mutter Elizabeth Childs, eine Autorin von Selbsthilferatgebern, zu verantworten. Sie ist unglücklich und verbittert und gibt ihre negative Lebenseinstellung erfolgreich an ihre Tochter weiter, der sie mit sadistischem Vergnügen die Identität des Vaters vorenthält. Als sie bei einem Unfall stirbt, nimmt sie ihr Geheimnis mit ins Grab. Die 17jährige Waise Rachel wird viele Jahre lang versuchen, ihren unbekannten Vater zu finden. Dennoch wird aus ihr eine erfolgreiche Journalistin, bis sie eines Tages vor laufender Kamera einen Nervenzusammenbruch hat. Das ist das Ende ihrer Karriere und ihrer Ehe mit dem Produzenten Sebastian. Ihre psychischen Probleme verstärken sich. Sie leidet unter Panikattacken, diffusen Ängsten, Depressionen und einem grotesk geminderten Selbstwertgefühl. Ihr neuer Ehemann Brian Delacroix hilft ihr aus dem Tief heraus ins Leben zurück. Er ist ein sehr attraktiver, charmanter Geschäftsmann. Mit ihm ist sie glücklich, bis sie eines Tages eine Entdeckung macht, die alle Gewissheiten mit einem Schlag vernichtet. Als ihr journalistischer Spürsinn sie dazu bringt, Nachforschungen anzustellen, wird sie in eine tödliche Intrige verwickelt und mit Verrat und Mord konfrontiert. Plötzlich ist sie eine Frau auf der Flucht, die ihre Lähmung überwinden und all ihre verborgenen Reserven an Mut und innerer Starke mobilisieren muss, um zu überleben. Wird es ihr gelingen?
Die zwei Hälften des Romans fallen so deutlich auseinander, dass der Leser sich fragt, was Rachels ausführlich dargelegte Kindheit und Jugend mit der eigentlichen Thriller-Handlung zu tun haben. Zudem gibt es in der zweiten Hälfte zahlreiche überraschende Wendungen und nicht immer plausible Zufälle, die das Tempo forcieren und die Spannung erhöhen. Die Kombination von typischer Thriller-Handlung und Psychogramm einer gestörten Persönlichkeit ist zumindest ungewöhnlich, der Roman streckenweise so düster, dass der Titel eines Lehane-Romans aus dem Jahr 1996 gut passen würde: "Darkness, Take My Hand". Trotz unübersehbarer Längen habe ich den Roman gern und vor allem zügig gelesen.
subechto zu »Dennis Lehane: Der Abgrund in dir« 14.08.2018
Bis der Tod uns scheidet
Seit „Shutter Island“ bin ich ein großer Fan von Dennis Lehane und habe fast alle seine Bücher mit Begeisterung verschlungen. Auch „Der Abgrund in dir“ hat mich überzeugt. Der erste Satz des Buches schockiert: „An einem Dienstag im Mai, im Alter von sechsunddreißig Jahren, erschoss Rachel ihren Mann.“ Wie konnte es dazu kommen?
Rachel Childs ist ohne Vater aufgewachsen. Angeblich hatte er die Familie verlassen, als Rachel noch ganz klein war. Mit siebzehn Jahren verliert Rachel auch noch ihre Mutter, eine berühmte Autorin, bei einem Autounfall - und damit die Chance zu erfahren, wer ihr Vater ist. Erst in einem Tagebuch findet sie Hinweise auf seine Identität.
Auf ihrer zwanghaften Suche nach Antworten lernt Rachel den Privatdetektiv Brian Delacroix kennen. Er ist fortan immer zur Stelle, wenn sie eine Enttäuschung zu verkraften hat. Zufall? Eines Tages werden beide ein Paar, scheinbar füreinander gemacht. Doch nichts ist, wie es scheint, niemand ist, wer er zu sein scheint. Denn Brian hütet ein dunkles Geheimnis. Und wie das so ist, bleibt es nicht bei einer Lüge. Auf die erste folgt die zweite, und so weiter.
„Der Abgrund in dir“ ist ein Slow Burner. Die Geschichte nimmt nur langsam Fahrt auf, kommt dann aber umso gewaltiger. Dennis Lehane ist ein psychologisch raffinierter Thriller gelungen. Die Geschichte wird auf mehreren Zeitebenen erzählt und punktet mit vielen unvorhersehbaren Twists & Turns, mit denen der Autor die Handlung voran und die Spannung in die Höhe treibt.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Rachel ist ein komplexer Charakter. Sie ist Fernsehjournalistin, bis ein Einsatz auf Haiti zu einem Nervenzusammenbruch führt. Seitdem leidet sie unter Agoraphobie, verlässt kaum noch das Haus. Aber als sie unvermittelt an den Rand des Abgrunds getrieben wird, wächst sie über sich hinaus.
Fazit: Fesselnd, abgründig, raffiniert - einfach meisterhaft.
niggeldi zu »Dennis Lehane: Der Abgrund in dir« 13.08.2018
Rachel Childs hat alles, was man sich erträumt: ein Leben ohne finanzielle Sorgen, einen gutaussehenden, liebevollen Ehemann. Doch im Bruchteil einer Sekunde macht ausgerechnet dieser Mann ihr Leben zu einer Farce aus Betrug, Verrat und Gefahr. Nichts ist mehr, wie es scheint, und Rachel muss sich entscheiden: Wird sie kämpfen für das, was sie liebt, oder im Strudel einer unglaublichen Verschwörung untergehen? (Amazon.de)

Das Cover ist typisch Diogenes, zwar nicht mein Fall, aber ganz okay. Das Frauengesicht erinnert mich ein bisschen an Cate Blanchett.

Den Schreibstil fand ich anfangs etwas anstrengend, aber nach ein paar Seiten hatte ich mich daran gewöhnt und bin flüssig durch die Geschichte gerauscht.
Der Anfang lässt vieles offen; man fragt sich sofort, was geschehen ist, dass Rachel so handelt und spekuliert natürlich auch darüber, was wohl danach passieren mag. Auf jeden Fall möchte man unbedingt wissen, was der Ehemann getan hat und wie Rachel sich aus dieser Situation wieder hinausmanövriert, sodass man gar nicht aufhören kann zu lesen. (Da fällt mir auf, dass ich das bei meinen letzten Rezensionen sehr oft, wenn nicht gar immer, geschrieben habe... Mir ist wohl grad die Buchfee hold und lässt mich nur gute Bücher lesen! :D)
Das ca. erste Drittel ist überhaupt nicht thriller-like, es wird erst einmal Rachels Vergangenheit näher beleuchtet. Normalerweise langweilen mich solche Passagen schnell, aber hier sind sie so überzeugend und kraftvoll geschrieben, dass die knapp 200 Seiten nur so an mir vorbeigeflogen sind. Als dann der Thrill hinzukam, wurde das Buch immer besser! Die Charaktere sind authentisch gezeichnet und es gab keinen einzigen Moment, in dem ich deren Handlungen innerlich verflucht habe. Auch die Entwicklung der Protagonisten ist nachvollziehbar, ihre Abenteuer, die sie erleben, äußerster Nervenkitzel.

Ich bin froh, dieses Buch entdeckt zu haben, und kann es nur wärmstens empfehlen! 5 Sterne.
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