Die Suche von Charlotte Link

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2018 bei Blanvalet.
Ort & Zeit der Handlung: , 2010 - heute.

  • München: Blanvalet, 2018. ISBN: 978-3-7645-0442-7. 520 Seiten.

'Die Suche' ist erschienen als Hardcover E-Book

In Kürze:

In den Mooren von North Yorkshire wird die Leiche eines vor einem Jahr verschwundenen Mädchens gefunden. Kurz darauf wird wieder ein Mädchen vermisst. Die Polizei befürchtet einen Serienmörder, die Medien sprechen vom Hochmoor-Killer. Detective Chief Inspector Caleb Hale ermittelt.

Dann ist wieder ein Mädchen nicht mehr auffindbar. Hale gerät unter Druck. Detective Sergeant Kate Linville von Scotland Yard ist ebenfalls in Scarborough um ihr Elternhaus zu verkaufen. Unfreiwillig wird sie zur Ermittlerin in einem Fall, der mehr Abgründe bereit hält, als man ahnt.

Das meint Krimi-Couch.de: Und wieder ein Buch von Charlotte Link 85°Treffer

Krimi-Rezension von Carola Krauße

Charlotte Link gehört zu den Vielschreiberinnen unter den deutschen Autoren. Nahezu jedes Jahr wird ein neues Buch von ihr veröffentlicht, das dann auch gleich als Wälzer daherkommt. Trotzdem schafft sie es mit Bravour, einen Fan- und Leserstamm bei Laune zu halten. In »Die Suche« knüpft die Autorin lose an »Die Betrogene« aus 2015 an. Auch hier haben DCI Caleb Hale und DS Kate Linville – mehr oder weniger freiwillig – zusammen einen Täter gejagt, auch hier war das nordenglische Küstenstädtchen Scarborough der Schauplatz.

Ermittler mit den bekannten Problemen

In »Die Betrogene« wurden Hale und Linville als Menschen mit schweren persönlichen Problemen geschildert. Die haben sich in der Zwischenzeit für sie nicht gebessert. Kate Linville ist immer noch die graue Maus, die auf der Karriereleiter nicht weiter kommt. Sie hat immer noch keine Freunde und sucht mittlerweile in Kontaktforen nach dem Richtigen. Einsam bis in die Knochen muss sie sich jetzt auch noch von ihrem Elternhaus verabschieden, das für sie immer eine Zuflucht darstellte.

Caleb Hale ist auch noch der Alte. Als halbwegs trockener Alkoholiker kämpft er mehr oder weniger erfolgreich gegen den Drang zu trinken. Gerade in stressigen Situationen schreit der Alkohol jedoch förmlich nach ihm. Außerdem ist er nicht der gewiefteste Ermittler, was ihn schnell unter Druck geraten lässt. Und jetzt treffen die beiden wieder aufeinander und wieder lässt sich Kate in die Ermittlungen verwickeln und wieder spielt Hale den offiziellen Gegenpol. Das eigentlich Kate es ist, die den Fall löst, ist da schon zu ahnen.

Hier hätte ich mir einen anderen Verlauf gewünscht. Zu sehr ähnelt das Verhältnis und die Verhaltensweisen von Kate und Caleb den aus »Die Betrogene«. Link hat es versäumt ihnen eine Entwicklung angedeihen zu lassen, die ihre Persönlichkeit ebenso betreffen könnte, wie ihren gemeinsamen Umgang. Schade, das hätte die Spannung noch gesteigert. So ist das Verhalten der beiden doch sehr vorhersehbar.

Einfühlsam geschilderte Charaktere

Während manchem Leser also die Ermittler schon bekannt sein könnten, muss man mit den anderen Beteiligten erst mal Tuchfühlung aufnehmen. Die Autorin schafft es, die unterschiedlichen Personen zu Charakteren werden zu lassen. Einfühlsam beschreibt sie die Eltern, die ihr Kind vermissen, genauso treffend aber auch das Gefühlsleben eines Teenagers oder das eines einsamen unablässig bevormundeten Kindes. Link scheint sich in jedes Alter und in jede psychische Lage hinein versetzten zu können. Es fällt leicht, sich beim Lesen nach Scarborough treiben zu lassen und teilzunehmen an dem Leben und Leiden der Menschen.

Hier kommt jeder mal dran

Die Geschichte an sich ist schon spannend. Eine Leiche im Hochmoor, verschwundende Mädchen, eventuelle Verwicklungen in der Vergangenheit und die verzweifelte Suche durch Polizei und Kate Linville garantieren Kurzweil. Was aber die Sache so richtig interessant macht, sind die unterschiedlichen Erzählstränge. Der Leser begleitet in der Geschichte DCI Hale und DS Linville, aber auch die kurz vorm Durchdrehen stehenden Eltern eines der verschwundenden Mädchen und, besonders interessant, den Entführer aus der Ich-Perspektive. Immer wieder muss man sich neu einstellen, was aber dem Lesefluss keinen Abbruch tut. Gewohnt flüssig und fesselnd, aber nie detailüberfrachtet wird hier ein Krimi erzählt, der vom ersten Moment bis zur letzten Zeile spannend und ohne Durchhänger ist.

Spannender Krimi mit überraschendem Ende

Es lohnt sich, die über 650 Seiten anzugehen. Mit »Die Suche« hat Charlotte Link mal wieder einen gut konstruierten und kurzweiligen Kriminalroman geschaffen, der lockerflockig zu lesen ist. Bis zum Schluss rätselt man, wer denn nun dahinter steckt und selbst , als man es weiß, ist die Spannung noch nicht zu Ende. Etwas konstruiert ist das ganz zwar schon, aber dennoch auch nicht ganz abwegig.

Der einzige Wermutstropfen sind die eingefahrenen Verhaltensmuster von Hale und Linville und der zum Buch »Die Betrogene« doch sehr ähnliche aufgebaute Ermittlungserfolg, soll heißen, Linville schafft die Probleme aus dem Weg. Für die einsame Kate scheint ganz am Schluss dann doch noch ein kleiner Sonnenstrahl am Himmel aufzutauchen, was Hoffnung für einen eventuellen Folgeband mit ihr und Caleb Hale in Scarborough macht.

Carola Krauße, Oktober 2018

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Agatha C. zu »Charlotte Link: Die Suche« 17.10.2018
Ich bin gerade auf S 389 und wünsche,
dass das Buch 1000 und mehr Seiten hat...
Es ist ebenso spannend wie unterhaltsam.Wer auch nur ein bisschen anglophil ist,
kommt auf seine Kosten.
Wer der Täter ist ? Noch habe ich keine
Ahnung. Aber jedes neue Kapitel wirft
neue Fragen auf und bietet neue Verdachtsmomente...
elke17 zu »Charlotte Link: Die Suche« 10.10.2018
Scarborough, North Yorkshire, an der englischen Ostküste. Auf der einen Seite die Nordsee, auf der anderen Seite die Hochmoore des North York Moors Nationalparks. Mädchen verschwinden, spurlos, und als nach einem Jahr vergeblicher Suche endlich eine Leiche auftaucht, macht schnell die Rede vom Hochmoor-Killer die Runde. Von außen betrachtet sind die betroffenen Familien intakt, schaut man aber genauer hin erkennt man deren Dysfunktionalität.

Aber Scarborough ist auch die Heimat von Kate Linville, DS bei Scotland Yard, die momentan vor Ort ist, um ihr total verwüstetes Elternhaus für den geplanten Verkauf auf Vordermann bringen zu lassen. Da sich auch die Tochter ihrer Bed & Breakfast Vermieter unter den Verschwundenen befindet, bitten diese um ihre Hilfe, obwohl für den Fall eigentlich DCI Caleb Hale von der hiesigen Polizei zuständig ist. Link-Lesern sind die beiden bereits aus dem 2015 erschienenen Kriminalroman „Die Betrogene“ bekannt, an den die Autorin in „Die Suche“ lose anknüpft. Was diese beiden angeht, ist noch alles beim Alten: Linville, die talentierte Ermittlerin, ist noch immer das graue Mäuschen ohne Selbstbewusstsein auf der Suche nach Akzeptanz und einer Beziehung, Hale ist ein Abhängiger und ist sich dessen auch bewusst, kämpft jeden Tag mit seiner Alkoholsucht. Mir war das etwas zu leblos und holzschnittartig, ich hätte mir etwas mehr Tiefgang gewünscht.

Auf 656 Seiten breitet Charlotte Link diesen Fall aus, wobei der Story eine Straffung sicherlich gut getan hätte. Die erste Hälfte erschöpft sich in endlosen Wiederholungen, es sind keinerlei Fortschritte im Handlungsverlauf zu erkennen. Alles ist klein klein, jedes Detail wird bis zum Äußersten ausgereizt, weshalb die Lektüre in diesem Stadium äußerst ermüdend für den Leser ist. In der zweiten Hälfte nimmt die Geschichte dann aber glücklicherweise Fahrt auf, entwickelt Spannung und weckt das fast erloschene Interesse des Lesers.

Was man Link zugutehalten muss, sie verliert nie den Überblick und schafft es, die verschiedenen Perspektiven – Linville, Hale, Opfer, Familien und Entführer – schlüssig weiterzuentwickeln, das große Ganze im Auge zu behalten und schlussendlich zu einem befriedigenden Ende zu bringen.

Fazit: Ein gefälliger Schmöker für dunkle Herbsttage, der Durchhaltevermögen erfordert und keine großen Ansprüche an den Leser stellt.

Bei der Bewertung habe ich zwischen drei und vier Sternen geschwankt und mich letztlich für vier entschieden, da die Autorin das geliefert hat, was man von ihr erwartet.
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