Der Kreidemann von C. J. Tudor

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2017 unter dem Titel The chalk man, deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: , 2010 - heute.

  • London: Michael Joseph, 2017 unter dem Titel The chalk man. 379 Seiten.
  • München: Goldmann, 2018. Übersetzt von Werner Schmitz. ISBN: 978-3-442-31464-5. 379 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Der Hörverlag, 2018. Gesprochen von Devid Striesow. ISBN: 3844528660. 6 CDs.

'Der Kreidemann' ist erschienen als Hardcover HörbuchE-Book

In Kürze:

Der zwölfjährige Ed lernt seinen neuen Lehrer, Mr. Halloran, während eines dramatischen Vorfalles auf dem Jahrmarkt kennen. Für Ed und seine Feunde ist er nur »Der Keidemann«, weil er schneeweiße Haut und Haare hat. Er bringt Ed auf die Idee mit den Kreide-Strichmännchen, einem Code mit dem die Freunde geheime Botschaften austauschen können. Was zuerst nur ein Spiel war, wird zum Drama. Die Männchen führen die Kinder zur Leiche eines zerstückelten Mädchens.

30 Jahre sind vergangen, die Vorfälle von damals Vergangenheit. Doch dann bekommt Ed einen Briefumschlag, in dem sich nur ein Stück Kreide und ein Strichmännchen befinden. Der Albtraum ist nicht vorbei, er hat nur Pause gemacht.

Das meint Krimi-Couch.de: Man darf nichts als gegeben annehmen 90°Treffer

Krimi-Rezension von Carola Krauße

Ein Plot mit zwei Zeitebenen

Tudor erzählt ihre Geschichte auf zwei Zeitebenen. Der zwölfjährige Ed lebt mit seinen Eltern und Freunden in den 80er Jahren in einer Kleinstadt in England. Hier erleben die Kinder die dramatischen Erlebnisse, die Ed im Jahr 2016 wieder einholen. Durch den ständigen Wechsel zwischen 1986 und 2016 wird von Beginn an eine Spannung aufgebaut, die bis zum Schluss anhält, denn man ahnt, was damals geschah ist noch lange nicht vorbei. Zwar wurden 1986 Lösungen präsentiert, aber die können ja nicht so ganz stimmen, wenn nach 30 Jahren wieder unheimliche Strichmännchen auftauchen. Also, was war falsch an den Lösungen von 1986, und was ist der Auslöser, dass alles 2016 wieder von vorne beginnt?

Ein dramatisches Erlebnis nach dem anderen garantiert Spannung

Auslöser aller Vorkommnisse ist der schwere Unfall auf dem Jahrmarkt 1986. Ed lernt dabei Mr. Halloran kennen, seinen neuen Lehrer. Der ist anders als seine Kollegen, nicht nur, weil er Ed wie einen Erwachsenen behandelt, sondern auch, weil er aufgrund einer Pigmentstörung schneeweiße Haut und Haare hat. Er bringt Ed und seine Gang auf die Idee, mit Hilfe der geheimen Kreide-Strichmännchen-Sprache zu kommunizieren. Und schon ist ihm sein Spitzname sicher: Der Kreidemann.

Doch kaum setzten sie die Idee in Taten um, passieren am laufenden Band schreckliche Dinge. Es gibt Abschiede, Drohungen, Missbrauch, Schlägereien, Verletzte und Tote. Und immer spielen die Strichmännchen eine Rolle. Das ganze gipfelt im Auffinden der zerstückelten Mädchenleiche durch Ed und seine Freunde.

Doch der Albtraum setzt sich 2016 fort und fesselt den Leser aufs Neue. Wieder spitzen sich die Ereignisse zu. Der Leser kommt gar nicht zum Verschnaufen, so klatscht Tudor ihm die Spannung um die Ohren. Ständig fragt man sich, »wie passt das jetzt wieder ins Bild?« und zack – schon wieder ein Zwischenfall. Ständig gibt es Kehrtwendungen, die alles was sicher scheint zu Nichte machen. Im Laufe der Geschichte kommen Dinge ans Licht, die bis dahin rätselhafte Ereignisse erklären, aber gleichzeitig neue Frage aufwerfen. Durch die zwei Zeitebenen und die ständige Dramatik schafft es die Autorin, den Leser bei der Stange zu halten – und zwar vom ersten bis zum letzten Satz.

Ed – ein ziemlich ungewöhnlicher Protagonisten

C.J. Tudor lässt die Geschichte von Ed erzählen – also aus der Sicht eines Zwölfjährigen. Eine ungewöhnliche Perspektive für einen Thriller. Aber Tudor schafft es hervorragend, sich in die Psyche eines Heranwachsenden hinein zu versetzen. Geheimnisse haben, Verbotenes ausprobieren, Eifersucht und Rivalität, aber auch Spiele, Radfahren und von morgens bis abends zusammen Dinge erleben. Freunde sind enorm wichtig, wobei scheinbar ewig währende Freundschaften von einem Tag auf den anderen vorbei sein können.

Fat Gav, Hoppo, Metal Mickey und Nicky, das einzigste Mädchen, sind Eds Freunde. Ed selber ist eher der Ruhige, der Außenseiter in der Gruppe. Er sammelt Dinge, allen möglichen Kram, den er manchmal auch stiehlt.

Als Erwachsener, 2016, ist Ed immer noch ein verschrobener Einzelgänger. Inzwischen Lehrer, lebt er weiter im Haus seiner Kindheit, allein, bis auf seine Untermieterin und seine Sammlung. Die hat inzwischen so enorme Ausmaße angenommen, dass seine Erinnerungskisten ein ganzes Zimmer füllen. Seine Einsamkeit betäubt Ed mit zu viel Alkohol, seine Angst vor der erblichen Alzheimer-Krankheit kann er nicht betäuben. Von seinen Freunden sind ihm nur Fat Gav und Hoppo geblieben.

Dass der Protagonist die Geschichte erzählt, ist schon eine prima Idee, dass er es teilweise aus der Sicht eines Zwölfjährigen tut ist genial. Der Leser muss sich in die Psyche eines Kindes versetzten, quasi zurück in die eigene Kindheit gehen, um Ed und seine Gang zu verstehen. Sobald der erste Switch von 1986 zu 2016 kommt, fragt man sich, was aus den Kindern geworden ist, und warum sie so geworden sind.

Auf der einen Seite die Kinder, auf der anderen die Erwachsenen

Nicht nur die Welt der Kinder ist Teil des Geschehens, auch die Erwachsenen und ihre Sicht der Dinge tragen zum tragischen Sommer 1986 bei. Die Welt der Erwachsenen wird von Tudor genauso flüssig erzählt, wie die der Kinder. Die Probleme ähneln sich und sind doch andere. Hoppos Mutter kämpft mit der Armut und Fat Gavs Eltern müssen ihren Wohlstand zelebrieren. Eds Mutter ist Ärztin in einer Abtreibungsklinik, Nickys Vater Pfarrer. Da sind Spannungen vorprogrammiert. Doch die Probleme der Erwachsenen werden aus der Sicht des Kindes Ed geschildert, und so bleiben sie nebulös und klären sich teilweise erst 30 Jahre später.

Viele kleine Lösungen führen zur Großen

Die zahlreichen Ereignisse im Sommer 1986 und kurz danach werden Schritt für Schritt aufgedröselt. Jede einzelne Lösung ist ein Puzzleteil, das zum Verständnis der ganzen Geschichte beiträgt, und zum Schluss in der Auflösung des Mordes an dem Mädchen mündet. Dabei greift eins ins andere, alles wird verwoben, manchmal auch nur andeutungsweise, und heraus kommt ein Ende, dass so nicht vorherzusehen war, aber genial ist. Wie Eds Vater sagte: »Man darf nichts als gegeben annehmen«.

Ein Thriller der Extraklasse

Ich bin ja immer skeptisch, wenn ein Buch schon vor dem Erscheinen über den grünen Klee gelobt wird. Aber hier war das Lob gerechtfertigt. C.J. Tudors Erstlingswerk überzeugt in jeder Hinsicht. Flüssiger Schreibstil, schlüssiger Plot, glaubwürdige Personen und Spannung von Anfang bis Ende. Das einzige, was ich bemängele sind die etwas zu kurz gekommenen Charaktere der Gang. Ich hätte mir gewünscht, etwas mehr von Fat Gav, Metal Mickey, Hoppo und Nicky zu erfahren, um tiefer in ihr Leben eintauchen zu können. Immerhin sind sie für die Geschichte genauso wichtig wie Ed. »Der Kreidemann« ist ein genial konstruierter, extrem spannender Thriller, den man nur in Angriff nehmen sollte, wenn man nichts anderes vor hat, denn man kann ihn nur schlecht aus der Hand legen.

Carola Krauße, Juli 2018

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mrs rabes bookaccount zu »C. J. Tudor: Der Kreidemann« 31.07.2018
Fünf Kinder, Freunde in den 80ern, ein schrecklicher Unfall am Jahrmarkt, ein toter Bruder, eine Mädchenleiche ohne Kopf, seltsame Kreidezeichnungen. 30 Jahre später beginnt der Schrecken von neuem.
Stephen King sagte einmal, es gibt nur wenige Geschichten, die aber immer und immer wieder neu erzählt werden.
Der Kreidemann ist eine solche Geschichte, nicht nur passend zu Kings Zitat ist es eine einzige Hommage an den Meister. So behauptet King laut Umschlagtext, wer seine Bücher liebt, wird auch dieses verschlingen
Ich glaube, das C. J. Tudor King liebt. Man findet in diesem Buch ganz viele Elemente, die Kinderfreundschaft, die älteren Geschwister, die die Freunde drangsalieren, der Eifer danach einen Toten zu sehen, die Zeitstränge, das dicke Kind, das einzige Mädchen in der „Gang“,den einen, der Lehrer wird. Wie genial ist der Albino, der versteckt der Kreidemann genannt wird, sein Name ist Halloran, so hieß der tiefschwarze Koch aus Shining. Und es ist eine Kunst, all die Erinnerungen an Es, Stand by me, Shining, whatever zu wecken und trotzdem etwas Eigenständiges zu schaffen. Ich habe den Kreidemann in der Tat verschlungen. Der Schrecken kommt unterschwellig, das Buch hat auch ganz viele leise Töne. Spannend, klug im Aufbau, überraschend. So mag ich lesen.
Sagota zu »C. J. Tudor: Der Kreidemann« 31.07.2018
"Der Kreidemann" ist das Début der englischen Autorin C.J. Tudor und erschien (HC, gebunden) im Goldmann-Verlag, 2018.


Inhalt:

"Niemals konnte Eddie den Tag des schrecklichen Unfalls vergessen. Damals begegnete der 12Jährige dem Kreidemann zum ersten Mal. Und der erzählte Eddie von den Zeichnungen - geheimen Botschaften, die außer Eddie und seinen Freunden niemand verstand. Erst hat es Spaß gemacht, aber dann führten die Kreidefiguren sie zu der ersten Toten. Dreißig Jahre später erhält Ed einen Brief, der die alten Wunden brutal aufreißt: Die Vergangenheit kehrt zurück, und der Kreidemann geht wieder um - rätselhaft, bedrohlich, unberechenbar."
(Quelle: Buchrückentext)

Das vorliegende Erstlingswerk ist zwar mit dem Genre "Thriller" untertitelt, ich finde jedoch, dass es sich eher um einen Kriminalroman handelt, der durchaus Thrillerelemente beinhaltet, jedoch durch subtilen Spannungsaufbau überzeugen kann und einen außergewöhnlichen Schreibstil aufweist, der sehr echt, ehrlich und authentisch zu lesen ist, was durchaus mit dem Alter des Protagonisten Eddie Adams, von seinen Freunden "Eddie Munster" genannt, zu tun hat: Er ist 12 Jahre alt und versucht, den Anfang der Geschichte mit dem Kreidemann zu beschreiben, die 1986 auf dem Jahrmarkt einer fiktiven Kleinstadt namens Anderbury im Süden Englands ihren Anfang nahm:

Hier wird das "Waltzer-Mädchen" durch einen tragischen Unfall eines schlecht gewarteten Fahrgeräts schwer verletzt - und Eddie begegnet erstmals seinem späteren Lehrer Mr. Halloran, der ihn in Englisch unterrichten wird: Beide retten vermutlich dem hübschen Mädchen das Leben - und ahnen noch nichts von den Folgen ihrer Hilfeleistungen. Mr. Halloran ist kein gewöhnlicher Mann, sondern ein Albino, was ihn de facto bereits zum Außenseiter deklariert; er besucht das Mädchen im Krankenhaus und gerät in Verdacht, ihren Tod verursacht zu haben. Was hatte Mr. Halloran tatsächlich vor? Hatte er etwas mit dem Mord zu tun?

C.J. Tudor versteht es in sehr großer Klarheit, die durch das Alter von Eddie - besonders 1986 - geprägt ist, die Geschichte um den Kreidemann aufzurollen; in der Ich-Perspektive geschrieben, springt die Handlung immer zwischen 1986 und 2016 hin und her, was die Spannung stetig steigert. Auch ein wenig typisch britischen und durchaus schrägen Humor konnte ich finden, wenn Ed etwa den Kater der Mutter betreuen soll, den "Hannibal Lector" unter den Katern.

Man lernt die Freunde Eddies kennen und die Familien, in denen sie aufwachsen: Fat Gav, Metal Mickey, Hoppo und Nicky, das einzige Mädchen der Gang. Was als Spiel begann, in dem man sich (jeder in der ihm eigenen Farbe) mit Kreidezeichen Nachrichten schreibt, sich trifft - wird zu einem Mordfall, als Kreidezeichen zu einem ermordeten Mädchen führen...

Nach dem ersten Drittel nimmt die Geschichte immer mehr Fahrt an Spannung auf und es geht nicht nur um die Aufklärung des Mordes, sondern auch um persönliche Veränderungen, das Älterwerden, Demenz und Tod. Hier gefielen mir viele lebenskluge und teils philosophische Sätze, die die Autorin zuweilen in die Geschichte einbaut; zu Herzen geht die beginnende und stetig voranschreitende Demenz des Vaters von Ed - und sehr authentisch wird beschrieben, wie jener Vater immer mehr in die Welt des Vergessens abdriftet. Thema ist aber auch das Kind in uns, das uns auch als Erwachsene auszeichnet: Ed war eher der Außenseiter der Gang, mochte keine Abenteuer und sammelte Schätze (Briefmarken, Modellautos, die er akribisch hortet, um "Herr über diese Sachen zu sein" - besonders nach dem Unfall auf dem Jahrmarkt. Ich fand den Protagonisten sowohl als 12Jährigen als auch als Erwachsener sympathisch - und den unvorhersehbaren Plot sehr gelungen; auch der klare und schnörkellose Schreibstil konnte mich durchaus begeistern.

Fazit:

Ein wirklich lesenswertes Début, das ich besonders Fans von subtiler Spannung empfehlen kann. Mich konnten Stil, Charaktere und die Tiefgründigkeit überzeugen und ich vergebe 4* und 90° auf der "Krimi-Couch" für das Début von C.J. Tudor - Ich hoffe, es wird noch mehr von ihr zu lesen sein!
niggeldi zu »C. J. Tudor: Der Kreidemann« 25.07.2018
Mysteriöse Vergangenheit


Eine alte, längst zu verdrängen versuchte Geschichte holt Ed und seine Freunde ein. Die Clique ließ sich früher, als sie alle noch Kinder waren, geheime Botschaften durch bestimmte Kreidezeichen zukommen - eine Idee des unheimlichen Kreidemanns. Sie hatten große Freude daran, bis zu dem Zeitpunkt, als die Kreidehinweise sie zu der zerstückelten Leiche eines Mädchens führten. Der Mörder wurde nie gefasst und seither wuchs langsam das Gras über die Geschehnisse.
Doch plötzlich bekommt der erwachsene Ed einen Brief mit nur zwei Dingen darin: ein Kreidestück und die Zeichnung eines Strichmännchens. Als Eddie versucht, dem Geheimnis auf den Grund zu kommen, treten Dinge ans Licht, die lieber verborgen geblieben wären …

Das Cover finde ich gelungen, es passt gut zur Geschichte und die Kiste könnte auch einen Sarg symbolisieren. Vor allem der mit Kreide geschriebene Buchtitel harmonisiert mit dem Inhalt.

Der Prolog beginnt schon sehr eindrücklich, die plastische Beschreibung der Mädchenleiche hat sich in mein Gehirn gebrannt und ich konnte nicht mehr aufhören zu lesen. Der Teil, der in 1986 spielt, ist in der Vergangenheitsform geschrieben, der Teil vom Jahr 2016 im Präsens, was dem Leser den Wechsel zwischen den Zeiten noch verdeutlicht.

Eddie ist ein etwas komischer Kauz, der alleine in einem alten „Gespensterhaus“ wohnt. Ansonsten hat er einen angenehmen Charakter, zwar ein bisschen viel Alkoholkonsum, aber das hält sich in Grenzen. Wie er die Episoden der Vergangenheit erzählt, ist immer richtig spannend und man will gar nicht, dass er damit aufhört. Man wird oft auf eine falsche Fährte geführt, auch bei Eddies (Alb-)Träumen weiß man zuerst nie genau, ob das jetzt wirklich passiert ist oder nicht.
Die Atmosphäre generell ist sehr spannend und mysteriös gehalten und man fliegt nur so über die Seiten.
Die Geschichte über die Clique erinnert tatsächlich an „ES“ von Stephen King, was ich aber nicht schlimm finde, da es schwer ist, etwas komplett Neues zu erfinden. Außerdem hat „Der Kreidemann“ keinerlei übernatürlichen Elemente, wie es bei Stephen King der Fall ist.
Das Ende fand ich sehr überraschend, auch die Identität des Mörders wurde mir erst spät klar.

Das Buch hat mich gut unterhalten und ich kann es vor allem denjenigen empfehlen, die Fan davon sind, wenn langsam die Vergangenheit aufgerollt wird. 5 Sterne.
Miss Marple zu »C. J. Tudor: Der Kreidemann« 03.07.2018
Zeichen aus der Vergangenheit
Wer kennt es nicht, mit Kreide geheime Botschaften für die Freunde auf die Straße malen- Spiele aus längst vergangenen Kindertagen. So erlebte es auch Eddie Adams mit seiner Clique vor 30 Jahren, bis die Kinder von mit Kreide gezeichneten Strichmännchen zur Leiche eines Mädchens im Wald geführt werden. Jahre später erhalten sie wieder Botschaften vom geheimnisvollen Kreidemann und Eddie nimmt den Leser auf eine spannende Reise in seine Vergangenheit und Gegenwart mit. In Rückblenden lesen wir über seine Kindheit und Jugend, über Freundschaft, aber auch den Verlust von Freunden, über Missbrauch und religiösen Fanatismus sowie Intoleranz.
Die Geschichte berührt den Leser wegen ihrer Einzelschicksale- eigentlich ist sie weniger Thriller als vielmehr die Lebensgeschichte der Hauptfigur Eddie Adams und seiner Freunde. Die Spannung baut sich langsam auf. Lässt sich der Leser jedoch darauf ein, nicht gleich den Thrill von Anfang an zu spüren, wird er am Ende von der Auflösung des Falles überrascht.
anyways zu »C. J. Tudor: Der Kreidemann« 03.07.2018
Ein harmloser Brief der zusammen mit einigem Werbematerial durch den Briefschlitz in Ed’s Haus fällt und plötzlich sind sie wieder da, die Kreidemännchen und mit ihr die Erinnerung an das Jahr 1986.
Das schicksalhafte Jahr für Eddies Bande bestehend aus Fat Gav, Nicky, Metal Mickey, Hoppo und Eddie. Der Sommer der mit seinen dramatischen Ereignissen die Kinderzeit abrupt beendet. Alles beginnt mit dem Unfall des „Waltzer-Mädchens“ auf dem Rummel und Eddies anschließender Bekanntschaft mit Mr. Halloran, den die Kinder wegen seines albinohaften Aussehens nur den Kreidemann nennen und der ihnen die Vorteile von Geheimschriften mit Kreidemalstiften erklärt. Es endet mit dem Tod eines jungen Mädchens und leider finden die fünf die zerstückelte Leiche im Wald.
Genau dreißig Jahre später kommt ein Brief mit Kreidemännchen bei Ed an und auch Metal Mickey kündigt sich zum Besuch an. Dabei hatten die beiden seit Jahren keinen Kontakt mehr zueinander. Dock Mickey besteht auf ein Treffen und beendet dieses mit den Worten, er wüsste wer das Mädchen im Wald getötet hätte. Ed‘s Neugier ist geweckt und er recherchiert die damaligen Ereignisse.

Zwei verschiedene Zeitebenen wechseln sich in diesem Thriller ab. Der zwölfjährige Eddie berichtet aus dem Jahr 1986 und der zweiundvierzigjährige Ed erzählt die Ereignisse aus dem Jahr 2016. Dadurch entstehen gezielt hängende Spannungsbögen die das Weiterlesen immer mehr beschleunigen. Ein wirklich gelungenes Debüt dieser Autorin, denn ich konnte als belesener Thrillerfan dieses Buch nicht mehr aus der Hand legen. Dabei sind es gar keine bluttriefende Gewaltszenen die einen erschaudern lassen, sondern die leisen Töne. Die faszinierende Betrachtungsweise, das aus harmlosen unbedachten Aktionen sich absolute Tragödien abspielen können und man dem Offensichtlichen nie trauen sollte. Man merkt der Autorin an, das sie selbst ein großer Fan von Stephen King ist. Die Beschreibung der Kinderclique erinnert ein wenig an „ES“, jedoch kopiert C.J. Tudor ihr Vorbild nicht. Das ist wirklich kein kleines Kunststück.
Normalerweise mache ich, resultierend aus zahllosen enttäuschenden Erlebnissen, einen großen Bogen um gehypte Bücher/ Autoren. C.J. Tudor kann ich sehr empfehlen und ich bin auch gespannt auf ihre anderen Bücher.
Olesja zu »C. J. Tudor: Der Kreidemann« 26.06.2018
Spannend bis zum Ende!
Ehrlich gesagt, habe ich mir das Buch gekauft, weil eine Leseempfehlung von Stephen King auf dem angedruckt war. Vieles erinnert am Anfang auch tatsächlich an ein King Buch. In dem Buch geht es um eine Clique bestehend aus vier Jungs und einem rothaarigen Mädchen (Kings "Es" lässt grüssen). Der Hauptcharakter - Eddy hilft nach einem Unfall auf dem Jahrmarkt einem Mädchen, Elisa, dem fast ein Bein durch rumfliegende Karussellteile abgetrennt wird. Er hilft zusammen mit Mr. Halloran (Kings "Shining" lässt grüssen), der später Kreidemann genannt wird, weil er an Albinismus leidet. Nach dem Unfall passieren viele fragwürdige Sachen und Todesfälle. Und überall tauchen Strichmännchen mit Kreide gemalt auf. Die Geschichte wirft viele Fragen auf, die aber am Ende alle beantwortet werden. Auch der Antwort auf die wichtigste frage: Wer hat in dem Jahr ein junges Mädchen getötet und zerstückelt, kommt man immer näher. Jedes Kapitel spielt abwechselnd mal im Jahr 1986, mal in 2016.
Am Anfang, als die vielen Gemeinsamkeiten mit King auftauchten, war ich etwas verunsichert, ob das Buch tatsächlich gut wird. Ich wurde nicht enttäuscht! Ich habe es verschlungen! Ich hatte selbst die hanze zeit spekuliert, wer der Mörder war, aber ich war nicht erfolgreich. Was gut ist!
Also sehr empfehlenswert!
books4ever zu »C. J. Tudor: Der Kreidemann« 24.06.2018
Gelungenes Debüt mit starken Charakteren

Die Geschichte rund um Eddie und seine Freunde Fat Gav, Metal Mickey, Hoppo und Nicky beginnt 1986 bei einem gemeinsamen Jahrmarktbesuch. Der jährliche Jahrmarkt ist das Highlight für die Kinder, doch in diesem Jahr kommt alles ganz anders. Eddie wird Zeuge eines schrecklichen Unfalls, bei dem ein Mädchen schwer verletzt wird. Hierbei trifft er auch zum ersten Mal seinen neuen Lehrer Mr. Halloran. Dieser wird aufgrund seines Aussehens, er ist Albino, bald von allen nur noch der „Kreidemann“ genannt. Er ist es auch, der Eddie und seine Freunde auf die Idee mit den Kreidemännchen bringt. Bald nutzen die Kinder diese, um sich Geheimbotschaften zukommen zu lassen. Doch dann tauchen die Figuren plötzlich wie von selbst auf und führen die Freunde schließlich zur Leiche eines Mädchens.
30 Jahre später erhält Eddie einen mysteriösen Brief mit der Zeichnung eines Strichmännchens und einem Stück Kreide. Gleichzeitig taucht ein alter Freund von ihm auf und behauptet, er wüsste, wer das Mädchen damals umgebracht hat. Und Eddie begreift, dass er der Vergangenheit nicht entkommen kann.

„Der Kreidemann“ ist eine von der ersten bis zur letzten Seite unglaublich spannende und fesselnde Geschichte. Die Zeichnung der Figuren und das Setting hält C. J. Tudor hierbei ganz in der Manier von Stephen King.
Im Vordergrund der Handlung, welche zum einen im Jahr 1986 und zum anderen im Jahr 2016 angesiedelt ist, stehen Eddie und seine vier Freunde. Die einzelnen Charaktere werden unglaublich lebendig geschildert mit all ihren Träumen, Hoffnungen und Ängsten. Besonders gut konnte ich mich in Eddie, aus dessen Sicht die Geschichte erzählt wird, hineinversetzen. Ich fand es sehr interessant mitzuerleben, wie er sich im Laufe der Handlung weiterentwickelt und auch zu sehen, was als Erwachsener aus ihm geworden ist. C. J. Tudor schafft es, eine unglaubliche Nähe zu den Figuren aufzubauen, die der Kern der gesamten Handlung sind.

Durch die Sprünge zwischen Vergangenheit und Gegenwart bleibt die Geschichte trotz oder auch gerade wegen der ausführlichen Beschreibungen der Charaktere und ihres kleinstädtischen Lebens durchweg spannend. Über der Anfangs doch so beschaulichen Kleinstadtidylle schwebt schon bald ein dunkler Schatten und auch die Atmosphäre wird zusehends düsterer und unheimlicher, nicht zuletzt auch durch die mysteriösen Kreidezeichnungen, die ein gruseliges Eigenleben entwickeln.
Besonders zum Ende hin nimmt, die Spannung dann noch einmal deutlich zu, als Eddie schließlich die Hintergründe des grausamen Mordes an dem Mädchen herausfindet. Hier schafft es C. J. Tudor noch einmal den Leser zu überraschen, da man mit solch einer Auflösung dann doch nicht gerechnet hätte.

Alles in allem ist der Autorin mit „Der Kreidemann“ ein großartiges Debüt gelungen. Die Handlung und ihre Charaktere haben mich sofort in ihren Bann gezogen und ich würde mich sehr freuen, bald Neues von der Autorin zu lesen!
Büchermaulwurf zu »C. J. Tudor: Der Kreidemann« 18.06.2018
Unheimliche Kreidemännchen
Die Geschichte beginnt auf dem Jahrmarkt, als der 12-jährige Eddie Zeuge eines schrecklichen Unfalls wird. Ein junges Mädchen wird dabei schwer verletzt und entstellt. Dabei trifft er zum ersten Mal Mr. Halloran, seinen neuen Lehrer, der wegen seines Aussehens (er ist Albino) bald der „Kreidemann“ genannt wird. Er ist es, der Eddie und seine Freunde Fat Gav, Metal Mickey, Hoppo und Nicky auf die Idee bringt, sich mit Kreidezeichnungen geheime Botschaften zu übermitteln. Was zuerst ein großer Spaß war, wird bitterer Ernst, als die Kreidezeichnungen von allein erscheinen und die Kinder zu einer zerstückelten Leiche führen. 30 Jahre später bekommt Ed einen Brief mit der Zeichnung eines Strichmännchens und einem Kreidestück und er erkennt,dass das Spiel nie zu Ende war...

Der Autorin C.J. Tudor ist meiner Meinung nach ein großartiges Debüt gelungen, das gleichzeitig eine Hommage an die Werke von Stephen King, insbesondere „Es“ ist. Es ist jedoch keine Kopie. Tudor hat ihren ganz eigenen Stil entwickelt, leicht und flüssig zu lesen.
Die Geschichte spielt in zwei Zeitebenen- 1986 und in der Gegenwart. Sie wird aus der Sicht von Eddie als Ich-Erzähler erzählt und ich fand sie durchweg spannend und unheimlich. Durch diese Perspektive kommt man Eddie und seinen Problemen sehr nahe. Aber auch die anderen Charaktere fand ich gut und ausdrucksstark gezeichnet. Tudor schafft es, den Leser einen Blick hinter die Kulissen der Kleinstadt werfen zu lassen, die so manches dunkle Geheimnis birgt.
Mich hat das Buch gleich mit dem Prolog gefesselt. Die Spannung hat sich danach durch die wechselnden Sprünge zwischen Vergangenheit und Gegenwart auch weiter gehalten.
Die Auflösung fand ich überraschend und ich hatte sie so nicht erwartet.

C.J. Tudor ist es mit ihrem Debüt gelungen,eine sehr gut durchdachte Geschichte mit lebendigen Charakteren zu entwerfen, die mich sofort gefesselt hat. Das Lesen hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich freue mich jetzt schon auf weitere Bücher von ihr.
Darts zu »C. J. Tudor: Der Kreidemann« 16.06.2018
Der Kreidemann ist der erste Thriller der Autorin C. J. Tudor und das gebundene Buch ist im Goldmann Verlag erschienen.
Die Geschichte wird von Eddie Adams in der Ich-Form erzählt. Das Buch spielt in zwei Ebenen 1986 und 2016. 1986 ist Eddie 12 Jahre alt und verbringt seine Ferien größtenteils mit seiner Clique. Es ist eigentlich ein unbeschwerter Sommer bis auf dem Jahrmarkt ein schwerer Unfall geschieht. Hier lernt Eddie zum ersten Mal den Kreidemann kennen. Es handelt sich um den neuen Lehrer der an Albinismus leidet - daher sein Spitzname. Der Bruder einer seiner Freunde ertrinkt im Fluß und drei Wochen nach Ende der Ferien ereignet sich dann auch noch ein Mord und ein Selbstmord.
Man lebt sich größtenteils auseinander und vergißt/verdrängt die Geschehnisse.
30 Jahre später erhält Eddie einen Brief, beiliegend ein Stück Kreide. Später erfährt er, dass alle seine Freunde solch einen Brief erhalten haben. Und Mickey taucht auf. Er hatte sich damals von der Clique abgewendet, nachdem sein Bruder verunglückt war. Jetzt möchte er ein Buch schreiben über die Ereignisse von damals. Aber auch er ertrinkt im Fluss - diesmal ist es Mord!!
Das Buch ist spannend geschrieben und erinnert zu Beginn an Stephen Kings 'Es'. Zwischendurch flacht die Handlung leider ein wenig ab nimmt aber wieder an Fahrt auf und zum Schluss klärt sich alles, wenn auch unerwartet, auf. Ein gelungener Debütroman: gut geschrieben und durchdacht. Ich freue mich schon auf weitere Werke der Autorin
4,5*
cosmea zu »C. J. Tudor: Der Kreidemann« 03.06.2018
Es war nie vorbei
C.J. Tudors Debütroman “Der Kreidemann“ spielt in dem kleinen Ort Alderbury in Südengland. Es geht um eine Gruppe von fünf Freunden – Eddie genannt Munster, Fat Gav, Metal Mickey, Hobbo und das Mädchen Nicky -, die zunächst eng befreundet sind und ihre ganze Freizeit zusammen verbringen. Im Jahr 1986 sind sie 12 Jahre alt. Eines Tages besuchen sie einen Jahrmarkt, wo sie Mr Halloran, den Kreidemann zum ersten Mal sehen. Er ist ein Albino, dem die meisten Menschen von Anfang mit Misstrauen begegnen. Er wird im neuen Schuljahr an der Schule der Kinder unterrichten. Noch wichtiger ist aber, dass an diesem Tag ein furchtbares Unglück passiert. Ein Teil löst sich von einem Fahrgestell und verletzt ein wunderschönes junges Mädchen namens Elisa schwer. Ed und Mr Halloran retten ihr durch Erste-Hilfe-Maßnahmen das Leben. Von da an geht es bergab mit der Jungenbande, und ein Verhängnis scheint den Ort für lange Zeit zu bedrohen. Es gibt Gewalt und mehrere Todesfälle.
Von Mr Halloran stammt die Idee, über Kreidezeichen miteinander zu kommunizieren. Kreidezeichen führen die Jungen zu der Leiche eines Mädchens im Wald. Es handelt sich um Elisa, die den Unfall überlebt hatte. Die Polizei stellt die Ermittlungen schon bald ein, weil sie glaubte, in Mr Halloran einen passenden Schuldigen gefunden zu haben. Nickys Vater, ein fanatischer Pfarrer, sorgt mit seinen Anhängern für viel Unruhe, wenn er gegen die Abtreibungsklinik im Ort wettert. Eds Mutter ist als Ärztin dieser Klinik ständigen Anfeindungen und Übergriffen ausgesetzt. Auch Ed wird immer wieder angegriffen, vor allem von Sean, Metal Mickeys älterem Bruder.
Die Geschichte wird auf zwei Zeitebenen aus Eds Perspektive erzählt. 2016 ist er 42 Jahr alt, als die Vergangenheit durch Briefe mit Kreide und der Zeichnung eines Strichmännchens wieder lebendig wird. In den die Erzählgegenwart betreffenden Abschnitten wird deutlich, dass die Vergangenheit das Leben aller Beteiligten in diesen 30 Jahren überschattet hat, dass jeder von ihnen ein Geheimnis verbirgt. Auch Ed hat Dinge getan, die er bereut. Ed und die anderen versuchen nun, den Mord 30 Jahre nach der Tat aufzuklären.
Der meist hoch gelobte Thriller macht es dem Leser nicht leicht. Immer neue Zufälle und Handlungsumschwünge sorgen für Verwirrung und sind leider zum Teil wenig plausibel. Manche Szenen wirken schon sehr weit hergeholt. Am Ende rekonstruiert der Leser mühsam, wer was getan hat und warum. Wegen dieser Mängel empfehle ich “Der Kreidemann“ nicht uneingeschränkt.

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