Rubel, Rotlicht und Raketenwerfer von Bernd Hesse

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2018 bei Gmeiner.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Oderbruch, 2010 - heute.
Folge 2 der Sven-Rübel-Serie.

  • Meßkirch: Gmeiner, 2018. 2015 als e-book erschienen. ISBN: 978-3839222515. 348 Seiten.

'Rubel, Rotlicht und Raketenwerfer' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Für Privatdetektiv Sven Rübel wirds langsam eng: Während der Alkoholkonsum stetig steigt, tendiert die Auftragslage gegen null. Plötzlich erscheinen an einem Tag gleich zwei Klienten: Er soll die Zerstörung von Biberburgen im Oderbruch und das Verschwinden eines Obdachlosen ermitteln. Leicht verdientes und dringend benötigtes Geld. Dass beide Fälle zusammenhängen und er in den Dunstkreis der russischen Mafia gerät, merkt Rübel viel zu spät.

Das meint Krimi-Couch.de: Der Schnüffler und die kecke Praktikantin 70°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Der Alltag des kleinen Privatschnüfflers Sven Rübel in Frankfurt/Oder wird kräftig aufgemischt. Zunächst bekommt er den ungewöhnlichen Auftrag, einen vermissten Obdachlosen zu finden. Ein verzweifelter Grundeigentümer aus dem Oderbruch erscheint anschließend in Rübels kleinem Büro, und erzählt ihm eine wirre Geschichte von zerstörten Biberburgen. Dann taucht eine junge Frau auf, die bei Rübel ein Praktikum machen möchte.

Der Privatdetektiv gerät schrittweise in einen komplizierten und für ihn schon bald hoch-problematischen Fall hinein. Mit viel Chuzpe und zuweilen rabiaten Methoden kommt Rübel zwar langsam voran, aber es dauert einige Zeit, bis er die tatsächlichen Zusammenhänge erkennt. Im dramatischen Finale bekommt er dann wichtige Unterstützung von unerwarteter Seite.

Ein Buch irgendwo zwischen Hardboiled und Noir

Ein doppelt promovierter Kulturwissenschaftler und Jurist schreibt einen Kriminalroman, den er bei der Leipziger Buchmesse in gedruckter Form auf einer Release-Party mit Wodka und Wasser präsentiert. Denn als E-Book gab es das Werk bereits drei Jahre zuvor. Das ist schon ein Zeichen von Wertschätzung seitens des Verlags, wie Bernd Hesse richtig feststellt.

Zeit zum Schreiben hat er vor allem, weil die Familie mit vier Kindern keinen Fernseher hat. Ohne diese »Zeitfressmaschine« könne er abends beim Schreiben den Kopf frei bekommen, so der Autor in einem Interview.

Und auf diese Weise hat er ein durchaus bemerkenswertes Erstlingswerk produziert. Hardboiled oder Noir – mit dieser schwierigen Frage mögen sich gerne einige diskussionsfreudige Literaturwissenschaftler auseinandersetzen. Für mich ist der Roman irgendwo zwischen beiden Genres anzusiedeln – und es ist ein gelungenes Werk, das den Leser gut zu unterhalten vermag.

Gegensätze, die sich irgendwie perfekt ergänzen

Sven Rübel ist auf jeden Fall ein Privatdetektiv, der alle entsprechenden Kriterien für einen Noir-Roman erfüllt. Er ist kein Kind von Traurigkeit, randaliert mal eben im Büro der Agrargenossenschaft, und liefert sich auch eine Schießerei mit Gangstern. Rübel bewegt sich problemlos im kriminellen Milieu, und neben seinen höchst unkonventionellen Methoden fällt er auch durch eine gute Spürnase auf. Dieser Ermittler ist irgendwie ein cooler Typ, der Leser fiebert und leidet mit, und wünscht ihm den Erfolg bei seinen Nachforschungen – egal wie schwierig es auch werden wird.

Perfekt ergänzt wird diese kantige Hauptfigur durch die kecke Praktikantin in der Detektei. Studentin Vanessa lässt sich vom alten Haudegen Rübel nicht mit dessen kruden Geschichten abschrecken – und spielt fortan eine wichtige Rolle in den Ermittlungen. Sie bleibt cool, wenn Rübel durchdreht. Sie liefert wichtige Gedanken, wo Rübel blockiert ist. Philosophisch betrachtet finden sich hier Gegensätze, die sich irgendwie perfekt ergänzen. Ohne seine Praktikantin würde Rübel möglicherweise ziemlich wirr durch Frankfurt und den Oderbruch irrlichtern.

Wer der Geschichte ein Chance gibt, wird bestens unterhalten

Die Geschichte beginnt scheinbar betulich, gewinnt dann aber ungeheuer an Dynamik. Wer sich auf die zeitlich verwirrende Erzählung einlässt, wir mit viel Spannung und guter Unterhaltung belohnt. Bernd Hesse ist ein guter Erzähler, der nicht nur interessante Protagonisten kreiert hat, sondern auch nette Nebengeschichten in seine Handlung eingebaut hat. So wird beispielsweise im Zuge der Ermittlungen zufällig aufgedeckt, dass ein Luxus-Hotel über einen illegalen Stromanschluss verfügt, um kostenlos Energie abzuzapfen. Und Rübel merkt ebenso zufällig, dass seine Sekretärin Yvonne im Hauptberuf – zumindest was die Einkünfte angeht – als Prostituierte für die Russen-Mafia unterwegs ist.

Insgesamt ein lesenswertes Erstlingswerk, mit vielen Facetten, die sich erst im Laufe des Lesens so richtig entfalten. Und auch der Schauplatz Frankfurt/Oderbruch macht das Buch in meinen Augen noch interessanter. Rübel und Vanessa haben Potenzial – man darf auf die angekündigte Fortsetzung im Herbst gespannt sein.

Andreas Kurth, Mai 2018

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