Todesurteil von Andreas Gruber

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: , 2010 - heute.
Folge 2 der Maarten-S.-Sneijder-und-Sabine-Nemez-Serie.

  • München: Goldmann, 2015. ISBN: 978-3-442-48025-8. 576 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Der Hörverlag, 2015. Gesprochen von Achim Buch. vollständige Lesung. ISBN: 3844515755. 2 CDs.

'Todesurteil' ist erschienen als TaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Am Waldrand bei Wien taucht ein völlig verstörtes elfjähriges Mädchen auf. Ihr Name ist Clara, und sie war vor einem Jahr spurlos verschwunden. Auf ihrem gesamten Rücken sind Motive aus Dantes »Inferno« tätowiert – und sie schweigt beharrlich. Derweil tritt am BKA die junge Kripobeamtin Sabine Nemez einen Kurs für hochbegabten Nachwuchs an. Ihr Dozent, der Profiler Maarten S. Sneijder, unterrichtet seine Studenten anhand ungelöster Verbrechen. Und so steckt Sabine an Sneijders Seite bald in den Ermittlungen zu drei hochbrisanten Fällen, die nur scheinbar nichts miteinander zu tun haben. Als sich auch eine Verbindung nach Wien andeutet, verschwimmen Theorie und Praxis endgültig, und die beiden Ermittler geraten selbst ins Visier eines völlig skrupellosen Täters …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein starkes Team« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Ein gutes Personal ist für einen Schriftsteller schon fast die halbe Miete zu einem Publikumserfolg. Für den Krimi-Sektor gilt da: Was wäre Stieg Larssons »Millenium-Trilogie« ohne Lisbeth Salander oder Jo Nesbøs Reihe ohne Harry Hole? Wäre eine Elizabeth George berühmt geworden ohne Lynley/Havers oder Michael Robotham ohne Joe O’Loughlin? Man stelle sich Ostfriesenkrimis ohne Ann-Kathrin Klaasen oder Kluftinger-Romane ohne »Klufti« vor.

Der österreichische Erfolgsautor Andreas Gruber hatte in Todesfrist, dem Auftakt seiner neuen Reihe, das Duo Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez ins Rennen geschickt. Der schillernde Niederländer, Fallanalytiker und Psychologe beim BKA in Wiesbaden, und die etwas mausgraue Kommissarin vom Kriminaldauerdienst in München konnten bei der Fahndung nach einem Serienmörder so richtig punkten. Dominierte Maarten S.Sneijder in seiner Skurrilität noch das Geschehen in der ersten Folge, so hat der Autor im vorliegenden zweiten Band Todesurteil die Gewichtung zugunsten von Sabine Nemez verschoben. Zu ihnen gesellt sich diesmal (oder überhaupt?) die Staatsanwältin Melanie Dietz aus Wien. Gemeinsam, doch räumlich getrennt – sie werden sich erst spät kennenlernen – sorgt das Trio für die Thriller-Spannung, wie wir sie von Andreas Gruber gewohnt sind.

Kommissarin Sabine Nemez ist zu einem zweijährigen Studiengang beim BKA in Wiesbaden eingeladen, zu dem sich nur ein kleiner Kreis der hellsten Köpfe der Polizeibehörden einfindet. Da sie sich in ihrer Bescheidenheit nicht zu dieser Elite zählt, kann sie nur vermuten, dass Lehrgangsleiter Maarten S. Sneijder sie protegiert hat. Die beiden kennen sich ja aus einem spektakulären Fall. Da sie schon einmal in Wiesbaden ist, will sie ihre Beziehung zu ihrer Jugendliebe Erik Dorfer, der auch beim BKA beschäftigt ist, auffrischen. Sie hatten im vergangenen Jahr eine Fernbeziehung gepflegt, die zu guter Letzt eingeschlafen war. Sabine ist völlig geschockt, als sie erfährt, dass Erik auf der Intensivstation eines Krankenhauses liegt. Ihm wurde während des Dienstes in seinem Zimmer beim BKA in den Kopf geschossen. Er wurde in ein künstliches Koma versetzt. Wie es ihre Art ist, kann Sabine die Ermittlungen nicht anderen überlassen, sie muss sich da einschalten. Dabei sollte sie eigentlich ihre ganze Konzentration auf ihr Studium richten, denn, wie sie aus Erfahrung weiß, Maarten S. ist ein strenger Lehrmeister. Er konfrontiert seine Schüler mit vier alten sehr komplexen Fällen, die bei aller Unterschiedlichkeit eins gemeinsam haben: die bisherigen Ermittlungsergebnisse sind unbefriedigend.

Zur gleichen Zeit ermittelt in Wien die Staatsanwältin Melanie Dietz in einem mutmaßlichen Serienmörderfall. In einem Waldstück nahe der Hauptstadt kann sich ein elfjähriges Mädchen in die Arme eines älteren Ehepaars retten. Die Kleine war splitternackt, ausgemergelt und geistig verwirrt. Sie wird in ein Krankenhaus eingeliefert. Melanie Dietz übernimmt den Fall, da sie auf Fälle von Kindesmissbrauch spezialisiert ist und weil sie die Mutter des Kindes gekannt hat. Auf dem Rücken des Mädchens ist großflächig eine Szene aus Dantes »Inferno« tätowiert. Die chronologische Einordnung der Darstellung innerhalb Dantes Werk lässt mutmaßen, dass es noch weitere Opfer geben müsste. Eine großangelegte Suchaktion im Umkreis der Stelle, wo das erste Mädchen entdeckt wurde, bringt denn auch eine weitere Mädchenleiche an den Tag. Ihr wurde die Haut des Rückens entfernt.

Die Handlung wird im Wesentlichen von zwei Hauptsträngen (Wiesbaden und Wien), die sich einander abwechseln, getragen, wobei ersterer sich noch weiter verästelt. Unterbrochen werden die beiden Handlungsstränge von fünf Intermezzi (Schlünde der Hölle), in denen sich eine anfangs nicht einzuordnende Person zu Wort meldet. Der permanente Szenenwechsel, der es dem Autor ermöglicht, mit Cliffhangern die Spannung hochzuschrauben, ist in den letzten Jahren ein beliebtes Stilmittel geworden. Von manchen Autoren wird die Arbeit mit immer kürzer werdenden Kapiteln und immer häufigeren Cliffhangern bis zum Exzess betrieben. Andreas Gruber lässt es moderat angehen und das wirkt sich positiv auf den Erzählfluss aus. Spannung und Zugkraft lassen sich eh besser mit ausgefeilten Kriminalfällen entwickeln und davon bietet Todesurteil reichlich. Ein Hoch auf die Fantasie des Autors. Fünf/sechs Fälle, die parallel und/oder nacheinander untersucht werden, sind schon eine Herausforderung für den Leser, der ja keine Ahnung hat, wohin sie alle führen werden. Dass sie letztendlich irgendwie miteinander in Verbindung stehen, ist dem erfahrenen Leser natürlich klar.

Nach Beendigung der Lektüre, als alle Unklarheiten beseitigt waren, stellte sich dem Rezensenten u.a. die Frage: Ist das Serienmörder-Thema dreißig Jahre nach Hannibal Lecter noch zeitgemäß? Mit Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez hat Andreas Gruber ein wirklich starkes Team am Start, das man gerne weiter begleiten möchte. Wäre es da nicht angesagt, ihnen Fälle vorzulegen, die mehr unsere Lebenswirklichkeit spiegeln?

Jürgen Priester, März 2015

Ihre Meinung zu »Andreas Gruber: Todesurteil«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

mg11 zu »Andreas Gruber: Todesurteil« 12.03.2018
Bei "Todesurteil" wird einem eine vielschichtige Story präsentiert, die hauptsächlich über zwei Handlungsstränge erzählt wird. Besonders haben mich die Sneijders Lehrstunden fasziniert. Nemez und Sneijder waren natürlich wieder spitze, aber auch die Charakterisierungen aller anderen Personen wurden wieder erneut hervorragend auf Papier gebracht. Obwohl ich diesen zweiten Teil der Reihe einen Ticken schlechter bewerten würde als Band 1, war dies wieder ein Thriller auf obersten Niveau und es hat mir sehr viel Spaß gemacht dieses Werk zu lesen. Vielen Dank Herr Gruber! Band 3 liegt bereit!
Klaus zu »Andreas Gruber: Todesurteil« 05.03.2018
Hiermit lobe ich lobe ich mal ausdrücklich das Hörbuch dieses spannenden Psycho Thrillers, gelesen von Achim Buch. Klasse gelesen, denn er schafft es sehr gut den Leser durch seine tolle Stimme zu fesseln.
Wohl wahr, ein wenig zu viel Einfallsreichtum in dieser gruseligen Geschichte, aber genau das Richtige um die Spannung von Anfang bis Ende hoch zu halten.
Das Ermittlerduo ist ein starkes Team von dem ich persönlich gerne mehr haben möchte.
Ein paar Ungereimtheiten gab es am Schluss.Vielleicht war ich auch nur unkonzentriert. Was ist mit Tina ? Was ist mit "Dr.Bell(?)".Wie geht es mit Clara weiter ? Wie geht es mit Melanie weiter ?
Egal...so viele Erzählstränge hervorragend kombiniert. Grosses Lob an den Autor.
Bergpflanze zu »Andreas Gruber: Todesurteil« 24.02.2018
Nachdem ich Todesfrist gehört hatte und mir das Ermittlerduo sehr gut gefallen habe ich mich an einen zweiten Gruber gewagt. Die Geschichte auch diesmal wieder sehr spannend aber leider für mich viel zu grausam. An vielen Stellen musste ich vorspulen weil ich es nicht hören konnte. Leider fand ich diesmal auch die Geschichte zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Nun gut, es ist keine Doku aber ein wenig mehr Realismus hätten nicht geschadet. Fazit: Spannung top, Ermittlerduo top, Plot ein wenig sci-fi, nichts für zarte Gemüter!
Petra S.-B. zu »Andreas Gruber: Todesurteil« 13.12.2017
Todesurteil war für mich das erste Buch des Autors von dem ich bis dato noch nichts gehört hatte ... aber ich war direkt begeistert ... sowohl vom Schreibstil als auch von der Handlung ... und dann natürlich dieses Geniale Duo Sneijder-Nemez ... ich kann mittlerweile perfekt holländisch fluchen ;)) ... die beiden Handlungsstränge bieten Spannung vorm Feinsten, ich war wie gefesselt, konnte und wollte das Buch nicht weglegen ... Andreas Gruber könnte mit seinem Team Sneijder-Nemez für mich zu einem Lieblingsschriftsteller mutieren ...
KK aus T zu »Andreas Gruber: Todesurteil« 21.01.2016
Interessante Geschichte. Leider sehr schlecht recherchiert. Leider vergällt der mangelnde Realitätssinn dem Leser, der nicht so auf Märchen steht, den ganzen Krimigenuss.
Da ist ein BKA-Mitarbeiter Fallanalytiker, Rechtsmediziner und wer weiß was noch alles. Rechtsmediziner haben ein Medizinstudium hinter sich und dann noch eine über Jahre dauernde Facharztausbildung. Die Kombination ist völlig absurd.
Der Neurochirurg auf der Intensivstation ist ebenfalls noch Rechtsmediziner. Der muss ja anfangen zu saufen. Naja, wenn die Geschichte um 1900 gespielt hätte...

Vermutlich wird in der nächsten Geschichte von Andreas Gruber eine Figur auftauchen, die Bundespräsident, Top-Spieler in der Fußball-Bundesliga und nebenbei noch Papst ist.

Wie gesagt, schade um die Geschichte
K.nom zu »Andreas Gruber: Todesurteil« 13.12.2015
bisher habe ich immer geglaubt, dass nur Fantasy-Fans etwas tiefer gelegt sind. Aber ich muss mich korrigieren, Thriller-Fans dito. Wattt'n Scheiss, aber den Fähigkeiten des BKA, wie die NSU-Ermittlungen bestens bezeigen. Keiner der Supe Ermittler kommt durch Recherchen zum Kasus knacktus, sondern nur per Zufall, oder göttliche (?) Eijngebung zu Ergebnissen. Der Gipfel ost, dass eine ausgebildete Polizistin nicht in der Lage ist, ihren Kontrahenten (ebenfalls mit brilloianter Intelligenz ausgestattet, aber warum kommt man ihm auf die Spur?) auf Armeslänge entfernt und unbewaffnet, mit tels einer im Anschlag befindlichen und auf denselbengerichteten Waffe unschädlich zu machen, sondern nur ein weniges Holz zu zerspliittern. Natürlich begibt man sich fast immer nur im Alleingang in todesgefährliche Situationen, stösst dann an irgendeine Geräuschquelle, um dem Bösewicht die Gelegenheit zu ngeben einen kalt zu machen. Gegebenenfalls geht man auch in High Heels auf die Jagd in schlammiger oder steil ansteigender Umgebung. Falls mal eine potenzielle Unterstützung greifbar wäre, ist die zu dämlich, abzusichern, sondern stellt sich neben den gefährdeten, um dann von hointen n das Auge eins auf die 12 zu bekommem. Schwund gibt es schliesslich überall. Also nee, muss ich nicht nochmal haben.
In Österreich, das Wolf Haas hat, befördert eine derartige Nullnummer zum Erfolgsautor, ich weissnicht, armes Österreich.
rolandreis zu »Andreas Gruber: Todesurteil« 15.08.2015
Es geht nach "Todesfrist" weiter mit dem 2. Fall des Duo Maarten S. Sneijder und Sabine Nemez. Nemez kommt jetzt als Studentin zum BKA nach Wiesbaden und trifft dort gleich mal auf Widerstände. Auch dieser Thriller war wieder geprägt durch Hochspannung. Die beiden parallel verlaufenden Handlungsstränge stehen sich in nichts nach. Dabei wird geschickt kapitelweise zwischen den beiden Handlungsorten in Wien und Wiesbaden gewechselt und im Laufe des Buches dann diese zusammengeführt. Maarten S. Sneijder ist für mich der Dr. House unter den Fallanalytikern. Verachtend, arrogant und nur auf sich selbst bedacht vollbringt der Niederländer Höchstleistungen wie kein anderer. Dass er dabei so manche Regel bricht und Menschen vor den Kopf stößt, ist ihm herzlich egal. Auch wenn Sneijder ein Kotzbrocken ist, habe ich ihn sofort ins Herz geschlossen. Für mich ist er ein liebenswertes Ekel. Aber auch seine Partnerin Sabine Nemez ist einem von Beginn an sympathisch und man geht beim Lesen mit ihren Höhen und Tiefen in den ersten Tagen am BKA richtig mit. Aber auch die Wiener Staatsanwältin Melanie Dietz konnte mich überzeugen, mit ihrem oftmals richtigen Riecher, die auch mal nicht ganz so gesetzestreue Wege einschlägt, um die Wahrheit aufzudecken – kein Wunder, da Clara die Tochter von Melanies ehemals bester Freundin ist. In Summe ein weiteres sehr spannendes Buch aus der Feder von Andreas Gruber, der bei mir persönlich derzeit ganz oben in der Rangliste steht, da er mich mit seinen Stories immer wieder total fesselt. Auch hier fiel es mir immer wieder schwer das Buch aus der Hand zu legen um mich meinen täglichen Aufgaben zu widmen. Für mich ein Volltreffer und ich hoffe auf weitere Fälle der Ermittlerteams Sneijder / Nemez.
Monia zu »Andreas Gruber: Todesurteil« 04.08.2015
Tolles Buch! Die Geschichte hat mich von Anfang an gepackt und es wurde auch nie langweilig. Besonders gut gefallen hat mir, dass nicht nur das Profiling oder die Rechtsmedizin diesen Fall gelöst haben, sondern dass auch richtige Polizeiarbeit gezeigt wurden und das nur das Zusammenspiel alles Parteien zur Wahrheit geführt haben.
James_Blond zu »Andreas Gruber: Todesurteil« 14.06.2015
Unterhaltsamer Thriller, wenngleich mir Todesfrist ein bisschen besser gefallen hat.

Wenn die Studierenden (Sabine, Tina & Co) zu ermitteln begonnen haben, fühlte ich mich, als wäre ich in in einem Buch TKKG, Die fünf Freunde bzw. Die drei Fragezeichen für Erwachsene ;-)

Jedenfalls Gratulation an den Autor, der den Vergleich mit skandinavischen Krimiautoren locker standhält. Chapeau.
Marco Ruhl zu »Andreas Gruber: Todesurteil« 27.04.2015
@ Frau Ziegler und generellOb der Gerichtsmediziner an den (Serien-) Morden beteiligt war, lässt Gruber ja gerade offen. Er war nur am Motiv/Anlass als Betroffener beteiligt, weil ihm dasselbe Schicksal widerfuhr wie dem tatsächlichen Mordauftraggeberduo. Von diesem Duo ist übrigens der eine Teil nach 10 min Lektüre noch nicht bekannt. Leider stützt also ihr zweiter Kommentar die Meinung, sie hätten aus Enttäuschung, dass der Roman nicht bringt, was Sie wollten, einfach den Autor runterputzen wollen. Recht haben sie nur damit, dass der Wiener Teil der Intrige wenig Überraschungen für einen routinierten Krimileser bietet. Generell gibt es ein unschönes Missverhältnis zwischen dem intellektualistischen, eigentlich ansprechenden Whodunnit à la Agatha Christie über 400 Seiten und einem drehbuchreifen, effekthascherischen Showdown, der damit wenig zu tun hat, über 150 Seiten. Auch wie das Duo die Opfer mit österreichischem Hintergrund in Deutschld gefunden haben will, bleibt dunkel. Ebenso warum Nemez und Dietz in einem extrem regulierten Umfeld trotz regelwidrigen Verhaltens kaum eingebremst werden, schon gar die Regeln der grenzüberschreitenden Amtshilfe ohne Europol für sie nicht gelten und alles mit ein paar Telefonaten abgeklärt ist. Dass Nemez sich, bereits angezählt, quasi als Sneijder ausgibt und das halbe BKA mitspielt, ist abstrus und realitätsfremd. Dass sie immer, wenn's nicht weitergeht, einen neuen Verbündeten findet, der vorher gar nicht da oder gar Gegner war, ihr sofort aber rücksichtslos vertraut, ist kompositorisch schwach. Das Buch ist gut geschrieben, liest sich flüssig. Der Wiesbadener Ermittlungsteil lädt zum Mitraten ein. Die Idee eines Serienmörders, der auf der Metaebene agiert, ist intelligent entwickelt. Aber die Stringenz der Durchführung der Mordserie durch das Auftraggeberduo hat Lücken auf Anfängerniveau. Die Anbindung des Wiener Teils der Intrige an die deutsche Mordserie über das Inferno-Motiv ist mehr als bemüht. Gruber wollte m.E. zu viel. Deshalb bleiben die psychologisch und/oder institutionell interessanten Problemkreise schemahaft und ohne Tiefenschärfe. Das ist schade, denn ansonsten ist das eigentlich ein gutes Buch. War mein erster Gruber und wird nicht der letzte sein, denn der Mann scheint schreiben zu können. Und in einem gebe ich Frau Ziegler recht: Der große Erfolg des Erst- oder Zweitlings produziert fast immer Strickmuster-Nachkömmlinge mit wenig Tiefenschärfe.

Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 20.
» alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zu Todesurteil

Hinweis: Wir behalten uns vor, Kommentare ohne Angabe von Gründen zu löschen. Beachten und respektieren Sie jederzeit Urheberrecht und Privatsphäre. Werbung ist nicht gestattet. Lesen Sie auch die Hinweise zu Kommentaren in unserer Datenschut­zerklärung.

Seiten-Funktionen: