Schwarze Dame von Andreas Gruber

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 bei Festa.
Ort & Zeit der Handlung: Tschechoslowakei / Prag, 1990 - 2009.
Folge 1 der Peter-Hogart-Serie.

  • Leipzig: Festa, 2007. ISBN: 978-3865520722. 271 Seiten.

'Schwarze Dame' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Privatermittler Peter Hogart wird beauftragt, in Prag nach einer Kollegin zu suchen, die in einem Fall von Versicherungsbetrug ermittelte und spurlos verschwand.
In der von dunklen Mythen beherrschten Stadt sticht Hogart in ein Wespennest: Binnen Stunden hat er Schläger, Geldeintreiber, einen wahnsinnigen Killer und die gesamte Prager Kripo am Hals. Nur die Privatdetektivin Ivona Markovic – sie untersucht gerade mithilfe eines gefährlichen Unterweltbosses eine Reihe bizarrer Verstümmelungsmorde – scheint auf Hogarts Seite zu stehen. Als beide nur knapp dem Tod entrinnen, wird ihnen klar, dass es eine Verbindung zwischen ihren Fällen gibt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Zwei Serienmörder halten Prag in Atem« 70°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Der Wiener Versicherungsdetektiv Peter Hogart wird nach Prag geschickt, wo vor drei Wochen seine Kollegin Alexandra Schelling spurlos verschwand. Wertvolle Gemälde des Künstlers Oktavian wurden bei einem Brand in der Prager Nationalgalerie angeblich vernichtet. Doch es waren Fälschungen und offenbar war Schelling einem groß angelegten Versicherungsbetrug auf der Spur. Hogart fliegt nach Prag und folgt Schellings letzten Spuren, welche ihn auch zu dem Prager Mafiapaten Greco führen. Dort lernt er die Privatdetektivin Ivona Markovic kennen, die in einem Fall ermittelt, der seit Monaten die ganze Stadt in Atem hält. Zwei Serienmörder schlagen abwechselnd jeden Monat zu und hinterlassen ihre Opfer ohne Kopf und Hände. Stattdessen finden sich in deren Brust Buchstabenpaare geritzt.

Hogart besucht Markovic zum Abendessen, doch der gemütliche Plausch endet jäh als ein Brandsatz in Markovics Wohnung fliegt. Beide flüchten Hals über Kopf aus dem brennenden Haus, wobei Hogart angeschossen wird. Sollte der Versicherungsbetrug bzw. Kunstdiebstahl den allmächtigen Mafiaboss Greco auf den Plan gerufen haben? Doch Greco ist Markovic verbunden und würde diese niemals gefährden. Erst bei der Durchsicht der nach dem Brand erhaltenen Fotos aus Markovics Unterlagen erkennt Hogart, dass das letzte Opfer der Serienmörder Alexandra Schelling war. Sollte gar nicht Hogart erschossen werden, sondern Markovic? Hatte Schellings Verschwinden womöglich gar nichts mit dem Kunstdiebstahl zu tun? Und führt die Suche nach den Serienmördern auch zu den verschwundenen Gemälden?

Das »Haus der Fantastik« überrascht mit einem kurzweiligen Thriller.

Der Festa-Verlag bezeichnet sich selber als »Das Haus der Fantastik« und so überrascht es, wenngleich im positiven Sinn, dass mit »Schwarze Dame« ein Thriller ohne jegliche Horrorelemente das Programmspektrum erweitert. Dieser führt nach Prag, die Stadt an der Moldau, welche dem Leser ausführlich vorgestellt wird. Ein Vorzug der entsteht, wenn wie im vorliegenden Fall der Autor vor Ort »recherchiert« hat. Neben einer gelungenen atmosphärischen Darstellung Prags ist auch die Figur des Protagonisten, des Versicherungsdetektivs Peter Hogart, gut in Szene gesetzt worden und so darf man sich auf dessen bereits angekündigten zweiten Fall freuen.

In »Schwarze Dame« geht es um eine Prager Sage aus dem Jahr 1580, wonach »Golem« die Welt betrat und nach seinem Tod alle 33 Jahre nach Prag zurückkehrte. Was es weiter mit dieser Figur auf sich hat soll hier nicht verraten werden, außer dass hier Autor Andreas Gruber, einige interessante Komponenten miteinander gut vermischt hat.

Schwache Figurenzeichnung sorgt für Punktabzüge

Weniger gelungen sind hingegen einige Randfiguren, die offenbar nur dem Zweck dienen, bei den Ermittlungen immer dann einzugreifen, wenn Hogart und Markovic nicht weiter wissen. Obwohl beide früh einen Verdacht haben, sind angeblich selbst dem als »allmächtig« beschriebenen König der Prager Unterwelt Greco die Hände gebunden, gegen den vermeintlichen Täter vorzugehen. Gleichwohl hilft Greco aber immer wieder mit Informationen aus. Eine ähnliche Funktion haben auch die wenigen Polizisten, welche gelegentlich in der Szenerie herum irren. Einerseits völlig unfähig und nur darauf bedacht, dass sich die beiden Detektive aus dem Fall heraushalten, bekommt Markovic doch immer wieder wichtige Informationen des leitenden Ermittlers, da sie mit diesem früher verheiratet war. Wie praktisch, wenngleich es sich hier der Autor durch die Duplizität (Mafia und Polizei liefern Hinweise, bleiben ansonsten aber überwiegend unsichtbar) zu einfach macht.

Bleibt somit zu wünschen, dass im zweiten Fall von Peter Hogart die Charaktere insgesamt mehr Profil erhalten und der Spannungsbogen hinsichtlich der Täterfrage etwas länger erhalten bleibt. Die noch nicht allzu oft gelesene Lösungsvariante überzeugt, das Finale selbst ist allerdings recht seitenintensiv ausgefallen.

Jörg Kijanski, März 2008

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Harald Knill zu »Andreas Gruber: Schwarze Dame« 23.05.2018
Das Buch kommt stilistisch gar nicht und inhaltlich ebenso wenig über ein bemühtes gymnasiales Aufsatzniveau hinaus. Eine derart heftige Ansammlung von schiefen Bildern, falschen Metaphern und Plattitüden findet man allenfalls noch beim gefeierten Kinderbuchautor Thomas Brezina. Krimis müssen NICHT schlicht und anspruchslos sein, das Genre kennt wesentlich Besseres.
walli007 zu »Andreas Gruber: Schwarze Dame« 28.01.2018
Eine Nichte verschwindet

Peter Hogart arbeitet als selbstständiger Versicherungsdetektiv. Die meisten seiner Fälle sind eher Routine. Doch manche sind wirklich nervenaufreibend. Und gerade bei einem der letzteren Fälle hat Hogart die Lage ungünstig eingeschätzt. Für die Versicherungen ist er daher nicht immer die erste Wahl. Nun sind in Prag mehrere höchst wertvolle Gemälde dem Vernehmen nach verbrannt. Eine Katastrophe, die einer genauen Untersuchung bedarf. Diese sollte eigentlich die Nichte des Chefs durchführen. Kurz nachdem sie meldete, der Fall sei gelöst, verschwindet sie spurlos. Hogarts Aufgabe ist es, das Schicksal der jungen Frau zu klären und nachzuvollziehen, was mit den Bildern geschehen ist.

Bereits im Jahr 2007 geschrieben und als ebook veröffentlicht freut sich der Autor nun über diese Taschenbuchausgabe. Der Versicherungsdetektiv Peter Hogart ermittelt hier in seinem ersten Fall. Von Wien wird er nach Prag geschickt. Für Hogart ist es nicht der erste Besuch in dieser schönen Stadt. Er wandelt dann nicht nur auf den Spuren der verschwundenen Alexandra Schelling, sondern auch auf den seiner Jugendreise. Er erzählt den Lesern von seinem Prag, den Gassen und Wegen, den schönen Orten, den Veränderungen. Seine Kollegin findet er sobald nicht, allerdings lernt er die Privatdetektivin Ivona Markovic kennen, die einer ganz anderen Sache auf der Spur ist.

Mit Peter Hogart stellt der Autor einen neuen oder besser alten Protagonisten vor, der dem Leser schnell sympathisch wird. In Beziehungsdingen gescheitert, als Ermittler gewieft, Familienmensch nur, wenn er sich mit seinem Bruder und dessen Tochter verabredet. Da könnte die neue Bekanntschaft mit der Pragerin Ivona einen Neuanfang bedeuten. Doch erstmal gilt es das Rätsel um die verschwundene Kollegin und die Bilder zu lösen. Daran begibt sich Hogart auf fesselnde Weise. Natürlich entwickelt sich ein Autor beim Schreiben weiter und so ist dieses ältere Buch durchaus anders als eines der neueren. Zu Beginn der Handlung könnte man beinahe meinen, man sei in eine Reisebeschreibung geraten, das wirkt für einen Kriminalroman etwas raumgreifend, macht aber gleichzeitig Lust, sich die Schauplätze selbst einmal anzuschauen, kann so ganz verkehrt also auch nicht sein. Dieser Eindruck verfliegt auch recht schnell, wenn Hogart und Markovic nach und nach die Hintergründe einer perfiden Mordserie entschlüsseln. Zwar ist das gewählte Thema nicht so neu, aber dennoch so packend umgesetzt, dass man als Leser nicht von der Lektüre lassen kann.
trafik zu »Andreas Gruber: Schwarze Dame« 01.01.2018
Ich bin zu einem großen Fan von Andreas Gruber geworden. Jedes Buch das ich bisher gelesen habe von ihm ist Spitze.
Die Krimicouchbewertung kann ich gar nicht verstehen. Geniale Handlung um ein Schachspiel in der Vergangenheit. Große Klasse!
Hoffe dieser Autor schreibt noch viele neue Bücher. Weiter so!
Summerherekid zu »Andreas Gruber: Schwarze Dame« 27.09.2017
Ein Frühwerk von Andreas Gruber. Man merkt deutlich, dass der Autor hier noch nicht zu seinem Stil gefunden hat - was ihm erst mit dem hervorragenden "Rachesommer" gelang. Das Ergebnis ist eine leider recht orientierungslos vor sich hin mäandernde Geschichte, die mich zu keinem Moment berührt hat. Die mir sogar so egal war, dass ich das Buch etwa zur Hälfte abgebrochen habe.
rolandreis zu »Andreas Gruber: Schwarze Dame« 12.12.2011
Das Buch ist spannend und bietet interessante Wendungen. Der Autor lässt den Leser so im Dunkeln darüber was nun als nächstes passieren wird und wer die Täter sind. Ich habe Andreas Gruber per Zufall entdeckt, aber dieses Buch hat mir gut gefallen und ich werde sicher weitere Romane von Gruber mir zum Lesen besorgen. Ein empfehlenswertes Buch, das den Vergleich zu internationalen Thrillerautoren nicht zu scheuen braucht.
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