Das Skript

Erschienen: Januar 2012

Bibliographische Angaben

  • Frankfurt am Main: Fischer, 2012, Seiten: 352, Originalsprache

Couch-Wertung:

80°
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Jörg Kijanski
Ein Krimi im Krimi mit vielen Verdächtigen.

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Mai 2011

Seit einigen Tagen fehlt von der Tochter eines Hamburger Verlegers jede Spur. Eine Sonderkommission arbeitet unter Hochdruck, allerdings ohne zählbaren Erfolg. Als die Studentin Nina Hartmann ein ominöses Päckchen erhält, wendet sie sich an die Polizei. Auf einer Haut aufgeschrieben befindet sich der Anfang einer Krimigeschichte und es stellt sich heraus, dass es sich um Menschenhaut handelt. Schnell haben die Ermittler Stephan Erdmann und Andrea Matthiessen den Schriftsteller Christoph Jahn in Verdacht, denn dessen letzter Kriminalroman Das Skript scheint die Vorlage für den Täter zu liefern. Dies würde jedoch bedeuten, dass in Kürze einige Morde passieren, denn in Jahns Roman schreibt der Täter ein Buch kapitelweise auf der Haut junger Frauen bevor er diese umbringt.

Die Zeit drängt denn wenig später wird bereits die erste Leiche gefunden. Eine Frau  mit zerfetztem Rücken liegt im Stadtpark, doch es handelt sich nicht um die Verlegertochter. Erinnerungen an die Vergangenheit werden wach, denn bereits vor einigen Jahren gab es eine Mordserie in Köln, bei der sich der nie gefasste Täter an Jahns vorherigen Roman orientierte. Damals stieg die Auflage rasant an und da Jahn in Geldsorgen lebt, bleibt er der Hauptverdächtige, obwohl er seinerzeit in Köln ein Alibi hatte. Schon bald rücken weitere Verdächtige in den Blickpunkt der Ermittler. Eine Buchhändlerin, die sich als große Verehrerin von Jahn entpuppt und in einer Mail der vermissten Verlegertochter offen drohte. Lektor und Verleger profitieren ebenfalls sehr gut von der gesteigerten öffentlichen Aufmerksamkeit, denn bis dahin waren Jahns Bücher eher Ladenhüter. Matthiessen und Erdmann stehen unter gewaltigem Druck, denn plötzlich verschwindet auch Nina Hartmann spurlos und die nächste Nachricht auf Menschenhaut lässt nicht lange auf sich warten …

Nach Der Trakt und Das Wesen hat Arno Strobel erneut eine recht außergewöhnliche Geschichte geschrieben, die an die Vorgängerromane durchaus heranreicht. Erneut sehr hohes Tempo, einige geschickte Cliffhanger und dazu mehrere Verdächtige, die sich selbst immer verdächtiger machen. Aussagen widersprechen sich, nur nach und nach werden wichtige Informationen preisgegeben und so steigt mit jeder Zeugenbefragung die Verwirrung. Dass hier ein "Krimi im Krimi" erzählt wird macht die Lektüre zusätzlich interessant, wenngleich der Fakt, dass Morde nach literarischem Vorbild nachgestellt werden, nicht wirklich neu ist. Dennoch ist der Plot ebenso brutal wie abwechslungsreich. Neben dem Ermittlungsstrang wird "parallel" ein Einblick in die Leidenszeit der entführten Frauen gegeben, der es in sich hat. Gleiches gilt für das Ermittlerduo Erdmann und Matthiesen, das nur mühsam zusammenfindet. Doch vor allem die gemeinsame Ablehnung gegenüber Georg Stohrmann, den Leiter der Ermittlungen, schweißt die Beiden letztlich zusammen. Aber was hat es mit der hasserfüllten Ablehnung von Stohrmann gegenüber Matthiessen wirklich auf sich? Zunächst weis Erdmann nicht, wem er glauben soll. Auch bei den Verdächtigen bleibt – typisch für Arno Strobel – lange Zeit alles unklar. Immer wieder gibt es überraschende Wendungen und am Ende des Buches ist nicht in jeder Hinsicht klar, ob sich (zumindest theoretisch) die Handlung überhaupt so ereignet haben könnte. Vermutlich nicht. Zudem wird nicht jede Blindspur aufgelöst, was zumindest teilweise schade ist. Das interessiert aber nicht mehr wirklich, denn die Identität des "Monsters" dürfte es für etliche Leserinnen und Leser in sich haben. So nah(liegend) und doch so fern.

Wie bereits an anderer Stelle schon angedeutet, dürfen (nicht nur) Fans von Sebastian Fitzek unbesehen zugreifen.

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