Das Leben ist schmutzig

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: Argument Verlag, 2011, Seiten: 285, Originalsprache, Bemerkung: Ariadne-Krimi

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Dieter Paul Rudolph
Eine andere Art von Spannung

Buch-Rezension von Dieter Paul Rudolph Apr 2011

Vorweg: Der Mord geschieht auf Seite 128. Entdeckt wird die Leiche 23 Seiten später – und am Ende... nun ja. Vorher rauben Jungs alten Damen die Handtaschen, wird in einen Keller eingebrochen, treibt ein Bankräuber sein Unwesen. Das Leben ist nicht nur schmutzig, sondern auch kriminell, aber für LieberhaberInnen action- und ermittlungslastiger Detektionskrimis hier entschieden nicht kriminell genug. Also Finger von diesem Werk? Kann man machen, aber dann nur auf eigenes Risiko. Denn man verpasst einiges in Anne Goldmanns Debüt.

Die Geschichte spielt in einem Wiener Mietshaus – nein, schon falsch. Denn "eine Geschichte", der ein krimiüblicher Plot eigen wäre, wird zunächst nicht erzählt. Vielmehr lernen wir die Bewohner dieses Mietshauses kennen, allesamt unspektakuläre Menschen mit ebensolchen Lebensläufen. Sie ver- und entlieben sich, sind hoffnungsfroh und verzweifelt, auf der Suche oder angewidert von dem Gefundenen, was sie eint ist Einsamkeit, der sie, jede und jeder mit eigenen Mitteln, begegnen. Was schief gehen kann oder auch nicht, was aber in jedem Fall eine Entwicklung bedeutet.

Bereits hier lernt man eine Stärke der Autorin kennen, die Konzentration, mit der sie ihr Personal in Szene setzt. Es ist distanziert und nah zugleich, beobachtend und auf eine sehr unkitschige Weise mitfühlend. Einzig Markus, pubertierender Sohn der Hausbesorgerin, spricht uns als "Ich" an, als sei er der Erzähler selbst. Was er zwar nicht ist, aber sein könnte, denn der Erzählduktus Anne Goldmanns ähnelt durchaus dem eines Menschen, der zugleich wissen möchte, was um ihn herum und was in ihm selbst vorgeht.

Alles sehr schön. Aber was ist mit "Krimi"? Wenig, sollte man meinen, denn von klassischem Plot und dem üblichen Procedere ist der Roman weit entfernt, auch wenn er dem Ende sogar so etwas wie ein Whodunit-Muster mit entsprechender Dramatik entwickelt. Dass wir es dennoch mit einem spannenden Buch zu tun haben, erreicht die Autorin mit einem raffinierten Trick. Entspricht es dem gängigen Krimiklischee, zuerst die Tat zu schildern und dann das Personal zu beleuchten, seine "Abgründe" zu sondieren, geht Anne Goldmann genau den umgekehrten Weg. Das Verbrechen und mit ihm die Angst schleichen sich in das Haus und seine Bewohner, nachdem wir letztere kennen gelernt haben, es ist ein langsamer, aber niemals langweiliger Prozess, bei dem die Reaktionen der Personen in den Mittelpunkt rücken. Der eine, schon älter, ergibt sich allmählich in sein Alter, eine Frau mit Psychiatrieerfahrung dreht durch, andere nehmen die Katastrophe nur am Rande wahr, wieder andere sind mittendrin und verzweifeln. So entsteht das Verbrechen aus dem Alltag und der Alltag richtet sich nach dem Verbrechen.

Fazit: Wer krimimäßig ein wenig abseits der Schablonen schnüffeln möchte, findet in Das Leben ist schmutzig eine ideale Lektüre. Sehr gekonnt konstruiert, auf den Punkt formuliert, mit einer Spannung, die sich so langsam aufbaut, dass man es fast selbst nicht merkt. Für ein Debüt erstaunlich.

Das Leben ist schmutzig

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Letzte Kommentare:
22.09.2011 16:11:13
Thomas Than

Ich bin von dem Buch enttäuscht, was daran liegt, dass ich einen Krimi bzw. Thriller erwartet, aber eine psychologische Sozialstudie über ein Wiener Mietshaus bekommen habe. Der "Mord" ereignet sich im letzten Drittel des Buches, nachdem man sich über mehr als 160 Seiten zunächst mit den einzelnen Charakteren im Haus beschäftigen muss. Es ist weder spannend, noch hat es überraschende Wendungen, geschweige denn einen roten Faden, der sich durch die Handlung zieht. Letztlich schildert das Buch das Leben in einem Wiener Mietshaus, in dem zufällig ein Mord geschieht, der von den einzelnen Mitbewohnern auf verschiedene Art verarbeitet wird.