Der Fall Collini

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: Osterwoldaudio, 2011, Seiten: 3, Übersetzt: Burghard Klaußner

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Vierunddreißig Jahre hat der Italiener Fabrizio Collini als Werkzeugmacher bei Mercedes-Benz gearbeitet. Unauffällig und unbescholten. Und dann ermordet er in einem Berliner Luxushotel einen alten Mann. Grundlos, wie es scheint. Der junge Anwalt Caspar Leinen bekommt die Pflichtverteidigung in diesem Fall zugewiesen. Was für ihn zunächst wie eine vielversprechende Karrierechance aussieht, wird zu einem Alptraum, als er erfährt, wer das Mordopfer ist: Der Tote, ein angesehener deutscher Industrieller, ist der Großvater seines besten Freundes. In Leinens Erinnerung ein freundlicher, warmherziger Mensch. Wieder und wieder versucht er die Tat zu verstehen. Vergeblich, denn Collini gesteht zwar den Mord, aber zu seinem Motiv schweigt er. Und so muss Leinen einen Mann verteidigen, der nicht verteidigt werden will. Ein zunächst aussichtsloses Unterfangen, aber schließlich stößt er auf eine Spur, die weit hinausgeht über den Fall Collini und Leinen mitten hineinführt in ein erschreckendes Kapitel deutscher Justizgeschichte ...

Der Fall Collini

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Letzte Kommentare:
09.06.2019 14:50:59
LACK OF LIES

Ferdinand von Schirach - Der Fall Collini
(btb Verlag)

- Man muss nur die richtigen Fragen stellen -

Der, 1964 in München geborene und zurzeit in Berlin wohnhafte Strafverteidiger, Schriftsteller und Dramatiker Ferdinand von Schirach, bekannt für seine prägnanten, kurzen und pragmatisch gehaltenen Sätze, sowie seine durchdringende Sprache, erzählt mit "Der Fall Collini" auf 208 Seiten die wahre Geschichte des pensionierten italienischen Werkzeugmachers Fabrizio Maria Collini. Selbiger tötete am 26.05.2001 den 85-jährigen Jean-Baptiste Meyer im Berliner Hotel Adlon mit vier Schüssen in den Hinterkopf. Der anschließende Gewaltexzess, gegen Kopf und Körper des alten Mannes lässt auf lange angestauten, unbändigen Hass schließen. Direkt nach seiner schrecklichen Tat verlässt Collini scheinbar seelenruhig das Zimmer, fährt mit dem Aufzug nach unten in den Eingangsbereich und gibt der jungen Frau an der Rezeption Bescheid, sie solle die Polizei rufen. Der Mann in Zimmer 400 sei tot. Fabrizio Collini setzt sich daraufhin in die Lobby des Hotels und wartet auf seine Festnahme.

Der noch recht junge Rechtsanwalt Caspar Leinen, noch keine 1 1/2 Monate in Amt und Würden, stellt an diesem Tag freiwillig den Notdienst der Strafverteidiger, um an seine ersten Aufträge zu kommen. Leinen, der erst vor kurzem seine Zulassung erhalten hatte, soll Fabrizio Collini als Pflichtverteidiger vertreten. Collini wird anschließend dem Haftrichter vorgeführt und erklärt dort, dass er nicht verteidigt werden will. Doch in einem Rechtsstaat hat der Staat für eine Verteidigung des Angeklagten Sorge zu tragen und so bleibt es letzten Endes dabei. Gegen Fabrizio Collini wird Haftbefehl wegen Mordes erlassen. Ein Motiv scheint jedoch zu keinem Zeitpunkt erkennbar, denn der Täter schweigt über seine Beweggründe. Anschließend folgt eine Rückblende auf Caspars Jugend und seinen Freund Philipp. Er lernt Johanna kennen, Philips ältere Schwester, sowie den Industriellen Hans Meyer, den Großvater von Philipp, der Caspar ein guter Freund wird und mit dem er häufig Schach spielt. Die ganze Familie wächst Caspar über die Jahre sehr ans Herz. Doch als Philipp und seine Eltern auf tragische Weise ums Leben kommen, sehen sich Caspar Leinen und Hans Meyer, den Eigentümer der SMF Meyer Maschinen Fabriken, ein letztes Mal. Erst als Caspar einen Anruf von Johanna erhält, wird ihm so einiges klar, doch der Stein ist bereits ins Rollen gekommen und die Mühlen der Justiz mahlen unaufhaltsam. Nach seinem Gespräch mit Johanna würde Caspar Leinen sein Mandat am liebsten niederlegen, doch als Pflichtverteidiger kann er das nur, wenn das Gericht seinen Antrag auf Niederlegung des Mandats zustimmt oder sein Mandant ihm selbiges ausdrücklich entzieht. Doch Collini schweigt sich zum einen weiterhin beharrlich über sein Motiv aus, zum anderen macht selbiger auch keinerlei Anstalten seinem Anwalt das Mandat zu entziehen.

Als Caspar Leinen den berühmten Rechtsanwalt Mattinger kennenlernt, der schon in den 70er Jahren Teile der Stammheimer Insassen der RAF vertreten hatte und die Nebenklage im Fall Collini vertritt, sieht er seine Felle endgültig davonschwimmen. Verzweifelt versucht er in der Tat ein Motiv zu erkennen, um zu verstehen, warum Collini den alternden Hans Meyer auf solch brutale Art und Weise tötete. Als sich Caspar nach einem Telefonat mit seinem Vater die Tatort- und Beweisfotos zum hundertsten Male anguckt, fällt ihm auf einmal ein Detail ins Auge. Es ist nur ein kleiner, vager Verdacht, doch wenn sich dieser bewahrheiten sollte, dann würde dies eventuell ein ganz anderes Licht auf den Fall werfen. Caspar Leinen fährt nach Ludwigsburg, um dort in der Nebenstelle des Bundesarchivs zu recherchieren. Die Geschichte, die der Anwalt dort zusammenträgt, ist eine entsetzliche. Sie wirft ein komplett anderes Licht auf die Beziehung des, wegen Mordes angeklagten Fabrizio Collini zu dessen Opfer Hans Meyer. Man versucht Leinen zu bestechen. Er solle den Fall abgeben, was seiner Karriere förderlich wäre, doch Caspar Leinen lehnt verärgert ab. Als er seine Geschichte vor Gericht vorträgt, scheint diese Fabrizio Collinis Tat ein wenig verständlich zu machen. Herr Mattinger, der Anwalt der Nebenkläger holt jedoch zum Gegenschlag aus und stellt den Prozess quasi wieder auf "0". Doch auch der junge Anwalt Caspar Leinen hat noch ein Ass im Ärmel, welches er geschickt und genau im richtigen Moment ausspielt.

Mit seinen klar strukturierten, schnörkellosen Sätzen bringt Ferdinand von Schirach den Kern seiner Aussage direkt auf den Punkt. Mal ist man Betrachter von außen, mal mitten im Geschehen. Die, auf Tatsachen beruhenden Geschichten, die der Erfolgsautor in seinen Romanen zusammenträgt, erschienen mittlerweile in weit über vierzig Ländern. "Der Fall Collini", welcher bereits im Jahre 2011 als Roman veröffentlicht wurde und direkt auf Platz 2 der Bestsellerliste des Spiegels einstieg, wurde unter der Regie von Marco Kreuzpaintner verfilmt. Er zeigt in den Hauptrollen Elyas M’Barek als jungen Anwalt Caspar Leinen, Franco Nero als den ehemaligen Gastarbeiter Fabrizio Collini, Heiner Lauterbach in der Rolle des Richard Mattinger, Alexandra Maria Lara spielt Johanna und Manfred Zapatka ist als Hans Meyer zu sehen. Die Literaturverfilmung kam am 18.04.2019 in die deutschen Kinos und zählte einen Monat später bereits weit über 500.000 Besucher. Teilweise doch erheblich abgewandelt nimmt sie dem bewanderten Leser jedoch ein wenig den Reiz sich näher mit der filmischen Umsetzung der Thematik zu befassen. Unbedarfte Personen dürfen sicherlich einen astrein bebilderten und unterhaltsamen Thriller erwarten, der allerdings ein wenig an dem eigentlichen und doch so wichtigen Thema der Literaturvorlage vorbeizielt.

www.schirach.de
www.facebook.com/FerdinandvonSchirach

Meine Wertung: 86/100

Link zur Buchseite des Verlags: https://www.randomhouse.de/Taschenbuch/Der-Fall-Collini/Ferdinand-von-Schirach/btb-Taschenbuch/e510812.rhd

Taschenbuch, Klappenbroschur, 208 Seiten, 12,5 x 18,7 cm
ISBN: 978-3-442-71499-5
€ 10,00 [D] | € 10,30 [A] | CHF 14,50* (* empf. VK-Preis)
Verlag: btb
Erscheinungstermin: 13. Februar 2017

29.10.2013 05:47:14
Mayoun

Hauptsätze, ohne viele Nebensätze, vermitteln Fakten, Struktur und Klarheit. So empfinde ich Schirachs Schreibstil...sehr angenehm und gut lesbar und unglaublich spannend. Die Tat, Persönlichkeitsbeschreibung des Täters, Analyse aus der Perspektive eines Anwalts und zum Schluss behält der Täter das Verständnis des Lesers für seine Indivudalität. Sehr gut geschrieben. Hoffe auf mehr.

29.06.2013 16:02:39
Darix

Der italienische Arbeiter Collini tötet den Industriellen Meyer, vordergründig ohne Motiv.
Ferdinand v. Schirach gelingt es in seinem knappen Schreibstil schnell Betroffenheit zu wecken.
Die gesamte Erzählung ist spannend, großartig von Schirach erzählt. Eine nachdenkliche Erzählung, mit eindrücklichen Charakteren und Beschreibungen, sie klingt nach.

09.02.2013 01:36:09
koepper

"Schuld" und "Verbredchen", die ersten zwei Bücher des Autors haben mich sehr beeindruckt. Die Geschichte, die von Schirach in "Der Fall Collini" hätte gut in eines der zwei Bücher gepasst. Indem von Schirach daraus einen ganzen Roman macht, hat er mir keinen Gefallen getan. Der Roman liest sich phasenweise wie ein Bericht. Der knappe, reduzierte Erzählstil klappt hier nicht. Ich habe das Buch runtergelesen und als es zu Ende war ist nichts haften geblieben. Die Handlung ist interessant, jedoch nicht sonderlich ungewöhnlich. Ähnliches habe ch schon deutlich besser verfasst gelesen. Eine Enttäuschung.

26.03.2012 11:16:49
martin

ich kann mir nicht helfen, aber jedesmal, wenn ich ein buch von ferdinand von schirach zu lesen beginne, stellen sich meine nackenhaare auf. vielleicht es sein schreibstil, der kein wort zuviel duldet. oder die gewissheit, dass er der enkel eines "berühmten" nazis war und man ihm derlei geschichten und anschauungen nicht zutraut. gerade in diesem buch thematisiert er dieses dunkle kapitel der geschichte und bezieht damit klar stellung. für mich einer der besten und spannendsten autoren, die bücher lesen sich in einem zug. ich hoffe, dass das nächste buch bereits in planung ist.

04.02.2012 20:59:10
Anja S.

Nach Gründung der Bundesrepublik wollte man vom dem braunen Sumpf der Vergangenheit nichts mehr hören, niemand hatte etwas gewußt, trotzdem besuchte man Massenmörder im Gefängnis, rehabilitierte auf Teufel komm' raus, schuf Posten und Pöstchen, band die Altnazis ins neue System ein. Schließlich war man der Auffassung, nur so die neue "Demokratie" stabilisieren zu können.
Klammheimlich wurde von den eingebundenen Alt-U-Booten ein Gesetz durch den Bundestag geschmuggelt, das unverschämt ungerechte und höhnische Konsequenzen für die Naziopfer haben würde: Taten verjährten, auch Mordtaten, wo vorher pro Leben noch sardonische fünf Minuten Haftstrafe verhängt wurden, lief man von jetzt an wieder ganz frei durch die Stadt. Vielleicht lebte auch manches Opfer in einem Bundesland, das irgendeinen zynischen Altnazi zum Ministerpräsidenten hatte.

Diese Thematik hat dieses kurze Buch als Thema, eigentlich ist es mehr eine Novelle als ein Krimi. Wer John Grisham erwartet, ist hier jedoch falsch bedient.

09.01.2012 09:52:45
tom_ate

„Der Fall Collini“ wurde von mir als Hörbuch (ungekürzt auf drei CDs) regelrecht eingezogen.

Nach anfänglicher Länge auf der ersten CD baute sich die Spannung dermaßen auf, dass ich vor dem Ende der dritten CD den Kopfhörer nicht abnehmen konnte.

Natürlich war schnell klar, warum Collini den Mord (??) begangen hatte, aber die menschliche Erschütterung ist gewaltig. Besonders beeindruckte mich die Klarheit, mit der dokumentiert wurde, wie die alten Nazis – in den 50igern und 60iger Jahren in unserer Bundesrepublik Deutschland zu hohen Ämtern und Würden gekommen – dann Ende der sechziger Jahre an entscheidender Stelle (hier im Bundesjustizministerium) dafür sorgen konnten, dass die Gesetzgebung zu ihrem Vorteil ( keine Strafverfolgung ) geändert wurde. Ein perfektes Netzwerk, dass mir die Zeit der 68er Unruhen nachträglich sehr viel deutlicher macht. Und wer die Geschichte unserer Republik kennt, der weiß, dass viele Alt-Nazis wieder auf ihre Füße fielen, ja sogar Bundeskanzler (z.B. von 1966 bis 1969) werden konnten.

Die Vorleseleistung von Burghart Klaußner möchte ich besonders hervorheben. Er macht das Werk von Ferdinand von Schirach zu einem Hörerlebnis.

95°

Noch ein Wort zu "Novalis". Gerade die Problematik mit den alten (und jungen) Nazis zwingt einem auch beim Hören, das Gehirn einzuschalten und auf höchste Aufmerksamkeit zu stellen.

11.10.2011 17:28:48
K. Baum

"Nett und ohne viel Hirn" ? Für mich nicht! Zugegeben, das Buch ist kein Thriller. Aber dann doch - weil es reale Justizskandale/-versäumnisse in unserem Land enthüllt. Unabhängig davon ist faszinierend, mit welchen knappen sprachlichen Mitteln und -unaufgeregt - das Buch geschrieben ist. Wer Action haben will, wird sicherlich gelangtweilt sein - wer der Meinung ist, dass Krimis/Thriller mehr sein sollten, als dass sie den "Hype" geben müssen, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt.

08.10.2011 13:18:39
Novalis

Das Werk zu kritisieren fällt schwer.
Liest es sich doch ohne Spannungsbögen - ohne Hoch und Tief wie ein längerer Aufsatz eines Schülers.
Als ob das Werk in den Pausen der Arbeit geschrieben wurde. \'Es ist nett und ohne viel "Hirn" zu lesen.
Man kann, muß man aber nicht.
Wer trotz der Werbung meint es lesen zu müssen hat jedenfalls eine kurzweilige wenn auch sehr anspruchlose Literatur vor sich