Killervirus

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • München: Heyne, 2010, Seiten: 524, Übersetzt: Thomas A. Merk

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Jürgen Priester
RIP, lass die Schriftstellerei in Frieden ruhen!

Buch-Rezension von Jürgen Priester Mär 2011

Der Autor Rip Gerber ist von Hause aus studierter Biochemiker und hat in den verschiedensten Institutionen gearbeitet. Man kann ihm nur wünschen, dass er es immer noch tut und seinen Lebensunterhalt nicht aus seiner Schriftstellerei bestreiten muss. Was er hier mit Killervirus abgeliefert hat, verspricht wenig Erfolg in der schreibenden Zunft. Nur selten ist dem Rezensenten ein so dürftiges, konstruiertes, hanebüchenes Machwerk untergekommen.

Mit dem Namen Killervirus hat der Heyne-Verlag einen aggressiven Titel für diese harmlose Posse gewählt. Die blutroten, leicht erhabenen Cover – Buchstaben auf schwarzem Hintergrund und eine zittrige Herzkurve dazu mögen ja den einen oder anderen zum Kauf animieren. Aber bitte Vorsicht, hier wird mehr Dramatik visualisiert, als inhaltlich realisiert werden kann. Das amerikanische Original ist mit Heartstopper betitelt, was man frei mit "Herzstöpsel" übersetzen könnte, in der Geschichte geht es u.a. um ein Herzpflaster. Wahrscheinlicher ist aber, dass der Autor in seiner Vermessenheit glaubt, dass seinen Lesern das Herz stehen bleibt vor Spannung. Bisher hat Rip Gerber in den USA noch keinen Verleger gefunden, der sich seines "Herzstöpsels" annehmen würde. Wie schon bei seinem Vorgänger Pharma (am. Weeds) gibt es nur eine deutsche Erstausgabe. Sollte uns das nicht zu denken geben?

Rip Gerber ist mit seinem Erstling Pharma auf unserer Phantastik-Couch gelandet, was nach Hörensagen wohl auch passend ist. Killervirus hingegen hat nichts Phantastisches, keine Science-Fiction, von Mystery ganz zu schweigen. Es ist schlicht und einfach der misslungene Versuch eines Thrillers.

Der Wissenschaftler Ben Maxwell, den einige vielleicht schon aus Pharma kennen, arbeitet für die amerikanische FDA (Food & Drug Administration) und soll im Rahmen des Zulassungsverfahrens über ein neu entwickeltes Gewebe zum Schutz vor Aorta-Rupturen, dem sogenannten "Herzpflaster", das letzte Urteil sprechen. Maxwell hat sich mit seiner Entscheidung Zeit gelassen. Gerade jetzt, wo er das verlängerte Wochenende mit seinem sonst bei der Mutter lebenden Sohn Jack verbringen will, machen seine Vorgesetzten und auch die Erfinderin des Herzpflasters Druck, endlich sein Placet zu geben. Im Hotel in Washington mit seinem Sohn Pläne schmiedend, erreicht ihn der Anruf einer früheren Freundin, der Ärztin Tammy Fader. In ihrem Krankenhaus in der Kleinstadt Pembroke sei eine Reihe von Senioren an akutem Herzversagen verstorben. Alle hätten eine Testversion des Herzpflasters implantiert gehabt. Das Krankenhaus stünde jetzt unter Quarantäne. Ben Maxwell fühlt sich als Wissenschaftler gefordert, die Hintergründe aufzuklären.

Etwa zur gleichen Zeit bereitet ein radikaler christlicher Fundamentalist seinen Rachefeldzug gegen die verderbte Menschheit vor. "Barmherziger Samariter" nennt er sich und steht mit seinem seltsamen Glaubensbild ziemlich allein da – ein Einzelkämpfer, dem nur ein paar tumbe Schergen zur Seite stehen, hat sich in den Besitz eines tödlichen Virus gebracht. In einem US-Geheimlabor entwickelt, soll dieses hochspezifische Virus das Aorta-Gewebe beim Menschen perforieren. Oder greift es nur - wie oben beschrieben - die Herzpflasterträger an? Dieser "brisanten" Frage widmet sich der Autor auf den nun folgenden 400 Seiten.

Die beiden Handlungsstränge zusammenzubringen, ist keine große Kunst, wenn man alle Gesetze der Logik missachtet. Spektakel um des Spektakels willen, Action als bloßer Aktionismus – alles ohne Sinn und Verstand. Die Frage nach dem Warum? geht völlig unter. Der Kampf um das Killer-Virus verkommt zu einem Possenspiel, in dem die fehlende Ernsthaftigkeit leider keine humorvolle Attitüde annimmt. Wenn Humor, dann ist es der der ungewollten Art. Wenn z.B. in einer ernstgemeinten, aber grotesk dargestellten Sexszene eine neue Variante des Telefonsexes kreiert wird, kann man schon herzhaft lachen. Ziemlich verbissen versucht Rip Gerber, seinen dürftigen Plot mit großer Politik aufzupeppen. Eine konservative Senatorin mit Ambitionen auf das höchste Staatsamt plant für den "Independence Day" eine Menschenkette gegen den Terrorismus. Millionen Amerikaner sind aufgerufen, einander die Hände zu reichen. Eine große Versuchung für den "Samariter", seinen "Doomsday" zu veranstalten.

Ben Maxwell ist nun schon in zwei Folgen aufgetreten. Man munkelt sogar, er solle Serienheld werden. Dazu fehlt ihm eigentlich alles. Er ist nur ein unmotivierter, stets kränkelnder Hypochonder ohne jegliche Ausstrahlung und Esprit. Folglich hat Rip Gerber ihm seinen Sohn Jack zur Seite gestellt, der schnell über sein jugendliches Alter hinauswächst. Nur dass Gerber bei dessen Fähigkeiten mächtig auf den Putz haut. Jugendliche Computer-Genies scheinen zwar allerseits verbreitet, doch was Gerber uns hier glauben machen will, wirkt einfach nur lächerlich.So stolpern Vater und Sohn, mehr tot als lebendig, von Wundern und Zufällen geschützt durchs ahnungslose Amerika, nichts Geringeres im Sinn als die Welt zu retten.

Es gibt viele Spätberufene, gerade im Krimi-/Thrillersektor, die nach langjähriger Berufsausübung die Schriftstellerei für sich entdecken. Bei den meisten reicht es stilistisch gerade einmal für ein Standardrepertoire in Wort und Satz ohne jegliche Individualität und Finesse. Diese sprachlichen Defizite können einige  Autoren glücklicherweise  durch interessante Themen und/oder durch ausgefeilte Plots kompensieren. Für einen Biochemiker liegt es natürlich nahe, ein Virus als Bedrohungsfaktor zu nehmen, auch wenn das Thema schon ziemlich ausgelutscht ist. Aber muss das Virus denn so spezifisch sein und seine Applikation so umständlich? Wenn der Autor eine Bedrohung für Million Menschen anheimstellt, darf er nicht gleichzeitig die Infektiösität des Virus marginalisieren. Auch im Grenzgebiet zwischen Fiction und Science-Fiction oder auch Phantastic-Fiction ist Glaubwürdigkeit oberstes Gebot.

Logikbrüche und Ungereimtheiten im Handlungsablauf, Dialoge, wie kein Mensch sie führt, Figuren als Karikaturen ihrer selbst, Spannungslosigkeit und Vorhersehbarkeit von Anfang bis Ende – braucht man noch mehr Anhaltspunkte für die Erkenntnis: "Schuster, bleib bei deinen Leisten?"

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