Rolls Royce und Bienenstiche

Erschienen: Januar 1999

Bibliographische Angaben

  • New York: Mysterious Press, 1989, Titel: 'Silver Ghost', Seiten: 213, Originalsprache
  • Köln: DuMont, 1999, Seiten: 261, Übersetzt: Beate Felten
  • Köln: DuMont, 2002, Seiten: 261, Übersetzt: Beate Felten

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Michael Drewniok
faktisch so spannend wie eine tote Qualle

Buch-Rezension von Michael Drewniok Mai 2003

Wie in jedem Jahr richtet das Millionärs-Ehepaar Nehemiah und Abigail Billingsgate für seine Familienmitglieder, Verwandten und Freunde auf dem Gelände seines Anwesens vor den Toren der US-Metropole Boston (Massachusetts) ein prunkvolles Renaissance-Fest aus. Unter den zahlreichen Gästen tummeln sich auch Max und Sarah Bittersohn, die heuer nicht nur zur Feier eingeladen wurden, sondern außerdem einen peinlichen Diebstahl aufklären sollen. Die Bittersohns arbeiten als Privatdetektive, und der Hausherr setzt größeres Vertrauen in sie als in Chief Grimpen, den ebenso aufgeblasenen wie unfähigen Polizeichef, dem dennoch noch reichlich Gelegenheit geboten wird, sich tüchtig zu blamieren.

Seit Jahrzehnten sammelt die Familie Billingsgate Luxus-Automobile der Marke Rolls Royce. Der Wert dieser Oldtimer ist enorm, so dass große Aufregung entsteht, als ein Modell "New Phantom", Baujahr 1927, aus der als Museum eingerichteten und gut gesicherten Großgarage verschwindet. Für das Fest wurden deshalb besondere Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Der alte Hausdiener Rufus bewacht die fest verschlossene Wagenhalle, und regelmäßig schaut Max Bittersohn nach dem Rechten.

Dennoch geschieht das Unfassbare: Auf einer seiner Kontrollgänge findet Max den Wachposten verlassen vor. Nach kurzer Suche entdeckt er den scheinbar saumseligen Rufus: Er hängt mit einem Seil um den Hals hoch im Wipfel eines Baumes! Man hat ihn erst ermordet und dann mit einem Flaschenzug dort hinaufgezogen. Gleichzeitig ist wieder einer der wertvollen Rolls Royes verschwunden - und Boadicea Kelling, eine der zahllosen Tanten Sarahs, die anscheinend den Dieben und Mördern zufällig über den Weg lief und von diesen verschleppt wurde.

Die Ermittlungen gestalten sich schwierig. Da ist zum einen der unausstehliche Grimpen, der nichts lieber täte, als den Fall unter fadenscheinigen Gründen zu den Akten zu legen. Auf der anderen Seite müssen die Billingsgates und die Bittersohns sich eingestehen, dass der oder die Täter wohl im Kreise der Gäste gesucht werden müssen; eine peinliche Situation, da die Anwesenden nicht nur mit den Gastgebern und untereinander verwandt sind, sondern einander schon seit Jahrzehnten kennen...

Der achte Band der "Boston"-Serie, die sich lose um die kriminalistischen Abenteuer der Amateur-Detektivin Sarah Kelling-Bittersohn rankt, vermittelt seinen Lesern schon auf den ersten Seiten das beruhigende Gefühl, von nichts Neuem verschreckt zu werden. Seit jeher steht für Charlotte MacLeod weniger der Thrill, d.h. das Verbrechen und seine Aufklärung, im Mittelpunkt, sondern die Beschwörung einer guten, alten, heilen Welt, bevölkert von liebenswerten und skurrilen Gestalten, denen ein Mord auch nicht dramatischer erscheint als ein Familienskandal, der sich vor fünfzig oder mehr Jahren abgespielt hat.

So schlägt MacLeod in der "Boston"-Serie einen Großteil ihres Witzes aus dem unglaublich verzweigten Clan der Kellings, einem genealogischen Albtraum hart an der Grenze zur Inzucht, der quasi die Bevölkerung eines ganzen Landstriches stellt und dem Verschrobenheit offensichtlich schon in die Wiege gelegt wird. Nach sieben Bänden hat sich die daraus erwachsende Komik allerdings ziemlich abgenutzt, doch der wahre (meist weibliche) MacLeod-Fan sieht das natürlich ganz anders und kann gar nicht genug von immer neuen Kellings mit ulkigen Namen und ebensolchen Gewohnheiten in märchenhaft-traulicher Landhaus-Atmosphäre lesen.

Weit, weit weg ist die grausame Realität, die sich auf diese Weise vortrefflich fliehen lässt. Allzu spannend darf und soll es in dieser gemütlichen Nische nicht zugehen: "Cozies" nennt man solche baldrianischen Krimis im Angelsächsischen mit gutem Grund. Alles wird schließlich immer wieder gut, während mindestens ein unverheirateter Großonkel zwölften Grades für kauzige Komplikationen sorgt; im vorliegenden Band ist er zwar nicht mehr am Leben, was aber nebensächlich ist, da für die Kellings Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sowieso nahtlos ineinander übergehen und in diesem zeitlosen In-sich-selbst- Ruhen selbst tote Verwandte stets präsent bleiben.

Schwierigkeiten mit dem Kelling-Clan kennt die treue MacLeod-Leserschaft nicht. Die Autorin lässt einmal eingeführte Figuren immer wieder die Handlung bereichern, bis sie sich in der ständigen Wiederholung dem Publikum eingeprägt haben. Ansonsten sind sie austauschbar, was die eigentlichen Hauptpersonen nicht ausschließt: Sarah und Max Bittersohn sind liebenswerte Gutmenschen, die als Überdosis genossen durchaus Brechreiz hervorrufen können. In inniger Liebe einander zugetan, gesegnet mit einem gar niedlichen Kindelein und verschont von profanen Sorgen, gehen sie einem (im MacLeodschen Sinn) aufregenden Beruf nach und verkörpern damit, wonach sich viele Leser/innen mindestens unterschwellig sehnen.

Das muss man sich vor Augen führen, wenn man als Neuling in die "Boston"-Welt stolpert (noch einen Harmonie-Gang höher schaltet MacLeod in ihrer "Balaclava"- Serie, eine Nummernrevue süßlicher Slapstick-Schnurren, die der Thriller-Diabetiker besser meiden sollte!). Charlotte MacLeod ist mit ihren Cozies jedenfalls gut gefahren. Im reifen Alter von 57 Jahren erst ist sie 1979 auf die "Boston"-Goldader gestoßen. Noch drei weitere Serien derselben Machart sicherten ihr seither (mildes) Kritikerlob und ein treues Publikum, das die fleißige Autorin über mehr als ein Jahrzehnt zuverlässig mit immer neuen Variationen der alten Melodie bei Stimmung hielt.

Nach 1990 verlangsamte sich MacLeods Arbeitstempo merklich. Zum Kummer ihrer zahlreichen deutschen Fans - die MacLeod-Krimis werden vom DuMont-Verlag stets neu aufgelegt, was ihren Erfolg unterstreicht - ist im Frühjahr 2002 mit "Der Mann im Ballon" nicht nur das Dutzend voll, sondern das Ende der Serie erreicht. Weitere Kriminalromane aus der Feder Charlotte MacLeods wird es nicht mehr geben. Die inzwischen 80-jährige leidet an der Alzheimerschen Krankheit und musste ihre Schriftsteller-Laufbahn Ende der 90er Jahre aufgeben. Die absolut hirnrissige, geradezu peinliche "Auflösung", die MacLeod sich für "Rolls Royce und Bienenstiche" hat einfallen lassen, führt allerdings zu der Frage, ob der geistige Verfall nicht schon ein Jahrzehnt früher eingesetzt hat.

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Letzte Kommentare:
08.06.2010 20:36:18
tassieteufel

Sarah und Max sind inzwischen Eltern, werden mal wieder zu diskreten Ermittlungen herangezogen. Guten Freunden von Sarahs Onkel Jem, den Billingsgates, wurde ein wertvoller Oldtimer
aus der Sammlung gestohlen. Von Anfang an ist klar, das es nur jemand von den Freunden oder der Familie gewesen sein kann und so sollen Sarah und Max während des alljährlichen
Renaissance-Festes, unauffällig Ermittlungen anstellen. Doch während der Feier wird ein zweiter Rolls Royce gestohlen und ein Mord geschieht, so daß die Bittersohns wieder voll gefordert sind.
Wie auch schon die anderen Bücher, lebt auch dieser Teil hauptsächlich von seinen skurilen Charakteren und leicht aberwitzigen Situationen, der Schreibstil ist wie immer recht humorvoll, allerdings kann man bei den vielen agierenden Personen schnell den Überblick verlieren, jeder
ist mit jedem verwandt oder verschwägert oder kennt sich schon ewig und der Krimifall ist im Gegensatz zu den anderen Bänden der Reihe doch recht unglaubwürdig. Für mich der bisher schwächste Band der Serie, doch es macht Spaß recht viele lieb gewonnene Figuren aus denVorgängern wiederzutreffen und der locker-leichte Schreibstil und diverse skurile Szenen, die wieder zum Schmunzel anregen, lassen das Buch insgesamt gut lesen und trösten über den etwas wirren Krimifall hinweg.

Fazit: für Fans der Reihe sicher ein Muß, ein Quereinsteiger wird hier wohl ein wenig den Überblick verlieren und der Krimifall ist doch recht unglaubwürdig.

27.10.2007 00:16:00
Michael Drewniok

1. Träfe mich Charlotte Macleods Zorn, nähme ich ihn Ernst und würde mich mit ihr auseinandersetzen. Das ist leider nicht möglich. Meine Worte treffen sie nicht. 'Stellvertretende' Maßregelungen von in dieser Sache (= der Rezension zu "Rolls-Royce und Bienenstiche") nicht betroffener Seite fallen für mich in die Kategorie der freien Meinungsäußerung. Mit Kritik kann ich leben, auch wenn sie persönlich wird, signalisiert sie doch einen Menschen, der meine Worte gelesen und sich mit ihnen auseinandergesetzt hat. Ich muss Kritik freilich nicht annehmen.

2.1. Es mag politisch korrekt sein, über Alzheimer ausschließlich im Flüsterton offensichtlicher Betroffenheit zu sprechen. Persönliche Erfahrungen können zusätzlich den Zorn auf jene schüren, die sich scheinbar leichtfertig über Alzheimer äußern. Nun, ich bin nicht politisch korrekt, und ich betrachte Alzheimer als sehr realistisches, erschreckendes Phänomen. Beide Ansichten sind kompatibel.
2.2. In unserem Fall gebe ich zu bedenken, dass in den USA seit Jahr und Tag offen darüber spekuliert wird, ob und ab wann Ronald Reagans Alzheimer seine zweite Präsidentschaft beeinflusst hat: eine Frage, die ich rechtens und logisch finde.

3. Wieso soll mir mein Doktor-Titel zum Maulkorb werden? Ich mag solche Totschlag-Argumente nicht. Auch im Rahmen wissenschaftlicher Diskussionen wird Tacheles geredet. Geistige Reife wird nicht durch vornehmes Schweigen oder Neutralsprech definiert, den wir lieber den Politikern überlassen wollen. Habe ich mich im Ton vergriffen? Die Antwort kann m. E. nicht darin bestehen, den Rezensenten entrüstet als - so interpretiere ich es - moralisch verkommenen Zyniker anzuprangern. Worauf richtet sich der eigentliche Zorn meines empörten Kritikers? Das weiß ich nicht, aber ich weiß, dass ich weiterhin in deutlichen Worten rezensieren und neben Zustimmung oft Widerspruch herausfordern werde.

06.10.2007 10:27:04
Frank

Meine Güte.
Ja,hätte er sich schenken können.Ebenso wie der Kommentar der darauf folgte,nicht sehr stilsicher.Letztendlich geht es hier aber immer noch um Buchbesprechungen + nicht um Krankheiten.
Und -bevor das jetzt kommt- ja,habe einen entsprechenden Fall in der Familie.
Und?

05.10.2007 20:38:28
Alexander Krenzer

Lieber Herr Dr. Drewniok,

vielleicht war die Autorin nicht mehr ganz auf der Hoehe wie Sie diesen Roman konstruierte.

Zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Buchbesprechung waren Sie, mein lieber Herr Doktor, aber ganz sicher nicht auf der Hoehe der allgemeinen Anstandregeln!
Bitte entfernen bzw. aendern Sie den letzten Satz Ihrer Schmaehschrift - wie koennen Sie sich ueber die Krankheit der Autorin derart lustig machen?! Kennen Sie jemanden mit Alzheimer naeher? Vielleicht sogar in Ihrer Familie? Sicher nicht, sonst wuerden Sie sich (wenn schon nicht an sich aus Anstand) vor solchen Aussagen hueten.

Offensichtlich sagt ein Doktor-Titel heute nichts mehr ueber die geistige Reife des Traegers aus.

Mit freundlichen Gruessen,
Alexander Krenzer