Der Spiegel aus Bilbao

Erschienen: Januar 1992

Bibliographische Angaben

  • Garden City, N.Y.: Doubleday, 1983, Titel: 'The Bilbao looking Glass', Seiten: 180, Originalsprache
  • Köln: DuMont, 1992, Seiten: 229, Übersetzt: Beate Felten
  • Köln: DuMont, 2000, Seiten: 229, Übersetzt: Beate Felten

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Odile Odile
Das meint Krimi-Couch.de:

Buch-Rezension von Odile Odile Mai 2003

Eigentlich fahren Sarah Kelling und Max Bittersohn nach Ireson`s Landing, um dort einen schönen Sommer zu verbringen und ihre junge Liebe zu geniessen. Doch dieser Plan ist schon bei ihrer Ankunft stark gefährdet, denn beim Betreten des alten, unbewohnten Sommerhauses stolpern die beiden über Diebesgut. Der herbeigerufene Sergeant Jofferty weiss einiges über eine ungeklärte Einbruchserie zu berichten und bittet die Sommerfrischler um Stillschweigen.

Kaum ist diese schwierige Situation geklärt, nähert sich neues Unheil in Gestalt von Sarahs Tante. Die ältliche, leicht verkalkte Appie ist von der "lieben" Verwandtschaft als Anstandsdame angeheuert worden. Natürlich ohne Sarahs Wissen! Und die hilfsbereite, durchaus liebenswürdige Appie ist nun fest entschlossen, diese wichtige Aufgabe wahrzunehmen. Bewaffnet mit einem ihrer völlig ungeniessbaren Thunfischaufläufe und reichlich Gepäck steht sie plötzlich vor der Tür. Doch erst die abendliche Party bei Miffy und Alice B., Appies Freundinnen, bringt für Max das Fass zum Überlaufen. Das Schlimmste an dieser Zusammenkunft ist nicht einmal die tatsächlich existente Gefahr, sich zu Tode zu langweilen. Vielmehr fühlen sich die anwesenden Gäste genötigt, dem "Eindringling" Max auf den Zahn zu fühlen und einen Keil zwischen ihn und "ihre" Sarah zu treiben.

Am nächsten Morgen wird eine der Gastgeberinnen, Alice B., ermordet aufgefunden. Der Zustand der übel zugerichteten Leiche lässt keinen anderen Schluss zu. Sarah verspürt keine grosse Trauer und versucht das Beste aus der Situation zu machen. Ein misslungener Segeltörn mit der Clique ihres verstorbenen Mannes, aber ohne Max, trägt nicht dazu bei, ihre Laune zu verbessern. Als dann auch noch ihr altes Bootshaus abbrennt, platzt Sarah endgültig der Kragen. Wutentbrannt verjagt sie Appies zeltende Enkel von ihrem Grundstück, da sie diese für die Brandstifter hält.

Am folgenden Tag begleiten Sarah und Max notgedrungen Appie zur Beerdigung ihrer Freundin. Auf der anschliessenden Trauerfeier eskaliert die Situation. Miffy, die trunksüchtige Lebensgefährtin der Ermordeten, kippt einen weiteren Martini und fällt tot um. Offensichtlich wurde sie vergiftet. Einige der Gäste stürzen sich auf Max, fesseln ihn und rufen die Polizei. Als Aussenseiter eignet er sich hervorragend als Sündenbock und leider war er es auch, der Miffy ihren letzten Drink reichte. Eine polizeiliche Durchsuchung von Max Domizil fördert eine blutige Axt, die Tatwaffe des ersten Mordes und ein gestohlenes Aquarell zutage. Dr. Bittersohns Verhaftung erfolgt prompt und Sarahs Anhang triumphiert. Doch sie haben ihre Rechnung ohne Sarah gemacht. Zunächst alarmiert diese Max Familie, die ganz in der Nähe wohnt. Dann begibt sie sich selbst auf Mörderjagd. Sarah ist nicht gewillt, den Mann, den sie heiraten will, im Stich zu lassen. Dass letztlich die naive Tante Appie die wahren Täter überführt, hätte niemand für möglich gehalten...

Wie zahlreiche Kolleginnen, z. B. Agatha Christie oder P. D. James, hat auch Charlotte MacLeod eine zweite Detektivfigur geschaffen. Die junge Witwe Sarah Kelling, Spross einer alten, angesehenen Bostoner Familie ermittelt gemeinsam mit ihrem späteren Mann Dr. Max Bittersohn in Neuenglands feiner Gesellschaft. Vermittelt uns die Autorin in ihrer Balaclava-Serie mit dem smarten Prof. Shandy Einblicke ins US-Collegeleben, so erfahren wir in ihren Boston-Bücher amüsante Interna aus der dortigen High Society.

Der Titel "Spiegel aus Bilbao" bezeichnet eine wertvolle Antiquität aus dem 18. Jahrhundert. Spiegel aus der spanischen Stadt Bilbao waren damals begehrte Souvenirs. Seeleute und Reisende brachten diese wertvollen Andenken mit nach Hause und so mag auch das hier erwähnte Objekt nach Neuengland gekommen sein. Heute sind diese Spiegel mit den reich verzierten Rahmen aus Marmor eher selten und sehr kostbar. Der anerkannte Kunstexperte Dr. Max Bittersohn schätzt den Wert des im Sommerhaus gefundenen Exemplars auf 5000 Dollar.

Die Handlung verläuft auf zwei Ebenen. Neben der spannenden Kriminalgeschichte erleben wir mit, wie ablehnend die Familien und Freunde des jungen Paares Sarah und Max auf deren Verlobung reagieren. In den Augen von Sarahs Verwandtschaft und ihrer ehemaligen Clique begeht sie einen unverzeihlichen Fehler. Für die Snobs aus Neuenglands Oberschicht bleibt der hochgebildete, kultivierte Dr. phil. Max Bittersohn der "Junge von der Tankstelle". Daran können weder sein Studium noch sein internationales Renommée als Kunsthistoriker oder sein beruflicher Erfolg etwas ändern. Die Arroganz dieser angeblichen Elite, deren einziger Verdienst in der Regel ihr Stammbaum und manchmal ein ererbtes Vermögen darstellt, ist unglaublich. Allein aufgrund ihrer Abstammung fühlen sie sich dem wesentlich intelligenteren, gebildeteren und erfolgreicheren Max überlegen, dessen jüdische Vorfahren Anfang des 20. Jahrhunderts nach Neuengland gekommen sind. Lediglich Sarah verfügt über mehr Weitblick. Nachdem sie sich ihr Leben lang den Wünschen des Familienclans gebeugt hatte, wurde sie das Opfer eines verbrecherischen Komplotts. Als Folge davon verlor sie ihr Vermögen. Der Entschluss, die daraus resultierenden grossen Probleme allein zu meistern, verhalfen der jungen Witwe zu Selbstbewusstsein, Unabhängigkeit und Realitätssinn.

Auf der anderen Seite ist auch Max Mutter von der Aussicht, dass ihr einziger Sohn seine Wasp-Freundin (wasp = weiss, angelsächsisch, protestantisch) heiraten will, nicht begeistert. Nicht nur, weil ihre Enkel dann keine Juden sein werden (in der jüdischen Kirche ist die Religion der Mutter ausschlaggebend für die Konfession der Kinder). Nein, auch Mama Bittersohn hegt Vorurteile. Ihre betreffen den Kelling-Clan. Das junge Paar kann diese Klassenvorurteile natürlich nicht aus der Welt schaffen. Doch sie beschliessen, sich darüber hinweg zu setzen. Gerade diese Blicke hinter die Kulissen haben mir sehr gut gefallen.

Trotz der interessanten Familienkonflikte kommt der Krimi nie zu kurz. Charlotte MacLeod versteht es einmal mehr, den Leser an der Nase herumzuführen. Mehrere Verdächtige kommen in die engere Auswahl. Auch die Frage, ob es sich um einen oder zwei Mörder handelt und wie die Einbruchserie ins Bild passt, wird erst ganz am Schluss beantwortet. Daneben bleibt die Schriftstellerin ihrem Stil treu, denn ich so sehr schätze.Skurriler Humor, eigenwillige Charaktere und gekonnte Karikaturen finden sich in diesem Roman ebenso, wie in seinen Vorgängern.Charlotte MacLeod gelingt es hervorragend, ein gelungenes kritisches Abbild von Neuenglands selbsternannter Elite zu zeichnen. Dabei kommen Details zum Vorschein, die man so nicht für möglich halten würde, z.B. der sprichwörtliche Yankee-Geiz. Daneben kann sich jeder Schwabe oder Schotte als Verschwender fühlen!

Sarah und Max Bittersohn spezialisieren sich später auf die Wiederbeschaffung gestohlener Kunstobjekte und Juwelen. Daher werden sie in der Regel von Versicherungen oder reichen Privatleuten engagiert und bewegen sich beruflich meist in "gehobenen" Kreisen. Die Autorin scheint der Meinung zu sein, dass man dort häufiger unsympathische Mordopfer trifft. Jedenfalls fragt sich Sarah Kelling mehr als einmal, im Gegensatz zu ihrem Kollegen Shandy aus Balaclava, warum die Mörder nicht schon früher zugeschlagen haben. Auch im vorliegenden Krimi verspürt der Leser kaum Mitleid mit den tatsächlich wenig sympathischen Opfern.

Ein gewohnt guter und spannender Krimi der Autorin Charlotte MacLeod.

Der Spiegel aus Bilbao

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Letzte Kommentare:
09.02.2019 14:06:43
Mabel

Wieder seltsame Verwandte, wieder ein eigentlich ganz spannendes Rätsel und wieder eine Hauptperon die die personifizierte Unschuld ist, nur dieses Mal nicht in Bosten, sondern im Landhaus der Kellings. Fans der Reihe werden sich freuen, dass sich von Buch zu Buch nichts verändert: 55°

14.04.2010 16:49:30
tassieteufel

Sarah Kelling und Max Bittersohn wollen den Sommer ganz geruhsam auf Sarahs Landsitz Iresons Landing verbringen, doch kaum sind die Beiden angekommen, finden sie im Haus einen wertvollen Spiegel, der keinesfalls dorthin gehört und auch Sarahs Verwandte sorgen gehörig für Wirbel, Tante Appie steht schon vor der Tür, kaum das Max und Sarah angekommen sind und auch Cousin Lionel mit seinen vier Söhnen strapaziert die Nerven der Beiden, damit nicht genug denn in die Sommerhäuser der reichen Bostoner werden von einer Einbruchserie heimgesucht und eine Nachbarin wird brutal mit der Axt erschlagen. Für Max und Sarah wird das
alles zu einer ernsten Angelegenheit, denn Max, der von der versnobten Yachtclub Clique als Emporkömmling und für Sarah nicht würdig genug befunden wird, wird des Mordes und Diebstahls bezichtigt.
Wieder betritt ein neues Kelling Familienmitglied die Bühne, Tante Appolonia Kelling, genannt Appie, zwar gutherzig, aber sehr nervtötend und naiv und in ihrem Schlepptau ihr Sohn Lionel
mit seinen 4 antiautoritär erzogenen Söhnen. Schon allein diese Personen sorgen für einige skurrile Szenen, bei denen man zwischen Lachen und Kopfschütteln schwankt. Auch die
versnobte Yachtclub Clique, die sich immer als etwas besseres fühlt und das eigentlich nur auf Grund von ererbten Vermögen und die mit allen Mittel verhindern wollen, das Sarah und Max
heiraten, wimmelt nur so von absonderlichen Charakteren. Trotz all der familiären Verwicklungen kommt der Krimifall nie zu kurz und bleibt bis zum Schluß spannend. Wie gewohnt ist der Schreibstil der Autorin humorvoll und voller augenzwinkernder Ironie, so daß das Buch wie auch schon die Vorgänger ein voller Lesegenuß ist!

Fazit: wieder äußerst gelungene Fortsetzung der Reihe, zum Glück bietet der Kelling Clan genug schräge Familienmitglieder um damit noch einige Bücher zu füllen, ein witziger, humorvoller
Schreibstil und leicht antiquierter Charme runden das Ganze ab.

28.12.2003 08:50:38
Sandra

Dies war zufällig das erste Buch das ich von MacLeod gelesen habe und seither versuche ich alle Bücher zu bekommen. Macht Lust auf mehr.

03.11.2003 14:11:18
Marion

sehr gut geschrieben, witzig und unterhaltsam, aber meiner meinung nach nicht wirklich spannend und so gesehen auch kein krimi (für mich). es war mir ziemlich klar, wen ich zu verdächtigen hatte - und ich hatte recht (jipjip). trotzdem sind die bücher vor allem aufgrund des wortwitzes und einfallsreichtums der autorin absolut lesenwert.

27.02.2003 13:10:46
Marie-Luise Wilhelm

Sehr gut und auch sehr spannend.