Manhattan Karma

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • New York: Riverhead Books, 2009, Titel: 'The long fall', Seiten: 305, Originalsprache
  • Berlin: Suhrkamp, 2011, Seiten: 350, Übersetzt: Kristian Lutze

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Jochen König
Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!

Buch-Rezension von Jochen König Dez 2010

Easy Rawlins hatte seinen (bislang) letzten Auftritt 2007 in Blonde Faith. 2009 trat Leonid McGill mit The Long Fall das Erbe an, das jetzt unter dem befremdlichen Titel Manhattan Karma auf Deutsch erschienen ist. Keine Bange, das Buch ist keine Reiselektüre für esoterisch angehauchte New-York-Besucher, sondern ein Privatdetektiv-Roman altbewährter Prägung. Während wir den nachdenklichen Easy durch eine lange Phase – des nicht nur politisch - wildbewegten 20. Jahrhunderts begleiteten, ist Leonid McGill in der nicht weniger ereignisreichen Gegenwart daheim. Doch während Rawlins immer ein Spiegel seiner Zeit war, ist McGill ein zeitloser Spross der hardboiled Literatur. Ein – fast – klassischer Detektiv.

Der Ermittler als ehrenhafte Instanz – das haut bei Leonid McGill nicht ganz hin. War er doch jahrelang willfähriger Handlanger teilweise krimineller Auftraggeber, dem es nur darum ging, sämtliche Fälle ganz im Sinne seiner Geldgeber zu lösen. Gefälschte Beweise, gedrehte Zeugen – kein Problem für den Ausputzer McGill.

 

Es störte mich nicht, wenn ein Unschuldiger ins Gefängnis kam, weil ich nicht an Unschuld glaubte – und Rechtschaffenheit keine Rechnungen bezahlt.

 

Doch irgendwann ist es ein Unschuldiger zu viel und McGill knickt ein. Vom Saulus zum Paulus. Ein reuiger Sünder jenseits der 50, der mit einer Frau zusammen lebt, die er nicht liebt, vier Kinder versorgt, von denen nur eins sein leibliches ist (welches er am wenigsten leiden kann) und sich zu einer verständnisvollen Geliebten hingezogen fühlt, für die er seine Familie aber nicht verlässt. Auch in diesem Punkt ist er nicht weit von Easy Rawlins entfernt, der sich über die Jahre mit höchst komplexen zwischenmenschlichen Problematiken herumplagen musste.

Also verschlägt es Leonid ab und an in "Gordo’s Gym", wo er seinen Frust am Sandsack und mit Sparringspartnern raushauen kann und außerdem die obligatorischen Lebensweisheiten seines alten Trainers einsaugt. Wie so oft: Die Boxbude als moralische Besserungsanstalt.

Trotzdem muss die Miete bezahlt werden, und die Familie kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Deshalb nimmt Leonid einen Auftrag an, von dem wir Leser bereits nach den ersten Sätzen ahnen, dass die Sache zum Himmel stinkt. Der Detektiv soll vier Männer finden, die eine gemeinsame Vergangenheit haben. Drei davon leben noch. Doch nicht mehr lange. Als auch McGill fast das Opfer eines Mordanschlags wird, ist ihm klar, dass das was dampft, nicht die Gullydeckel New Yorks sind. Er begibt sich auf die Suche nach den Strippenziehern und stößt auf eine Familie, die nicht nur Geld und Macht, sondern auch eine eigenwillige Auffassung von Gerechtigkeit besitzt. Nichts Neues unter der Sonne also. Und erst recht nicht im Schein einer flackernden Straßenlaterne in der Nacht, mitten im düstersten Winkel der Stadt.

Was dem Easy sein Mouse, ist dem Leonid sein Hush. Der Mann für´s Grobe, dessen bloße Gegenwart Kammerflimmern bei den Widersachern des Detektivs auslöst. Doch wo Mouse sich ungeniert austoben darf, wird Hush vom geläuterten McGill mit sinnigen Sprüchen gebremst. Was auf den ersten Blick wie ein eigenwilliger Wesenszug und Motivationsspender aussieht, entpuppt sich bei genauerem Blick als Weiche, die den Detektiv wieder in die klassische Spur bringt. Das größte Manko des Romans: Sein Eklektizismus. Leonid McGill ist der typische Privatermittler mit wachem Geist, großem Herzen und noch größerer Schnauze, der in den richtigen Momenten auch handfest zuschlagen kann. Er weicht, von Hautfarbe und modischen Beziehungsaccessoires abgesehen, keinen Fußbreit von dem Weg ab, den Dashiel Hammett und Raymond Chandler angelegt, und den von Ross MacDonald bis Robert B. Parker viele verlässliche Autoren ausgebaut haben. Selbst der obligatorische Cop, der dem Schnüffler das Leben schwer macht, ihn aber letztlich als gleichwertigen Gesetzesverfechter achtet, gibt schnaubende Gastauftritte.

Auf der Gegenseite findet sich eine jener reichen Familien, die nach eigenen Gesetzen leben, und die zum Bestand der Kriminalliteratur gehören, seit der erste Privatermittler seinen Panama dem Butler in die Hand drückte. Inklusive des verwirrten Geistes (oder sind es gar mehrere?), der zu solchen Sippen gehört wie Mr. Hyde zu Dr. Jeckyll .

Ob dies Zeugnis ablegt über die Zeitlosigkeit derartiger Machtverhältnisse oder bloß das Aufwärmen antiquierter Standards ist, liegt wie so oft im Auge des Betrachters. Walter Mosley ist ein versierter Erzähler, der die nicht gerade originelle Story mit klugen Betrachtungen und kleinen (selbst)ironischen Volten zu füllen versteht. Dass Leonid McGills Ausflug ins Land des wiedergefundenen Gewissens spannend ist, bedarf keiner besonderen Betonung. Dass McGill mit zahlreichen Nebenhandlungen ständig in Bewegung gehalten wird, diese den eigentlichen Erzählstrang aber nicht überlagern, ist ein netter Bonus, der in weniger fähigen Händen ins geschwätzige Nirwana hätte führen können.

Doch nicht selten ertappt man sich bei der Überlegung, wie Manhattan Karma wohl aussähe, wäre McGill noch wie in vergangenen Tagen als ehrenrühriger Unruhestifter unterwegs. Die Momente der Beichte und der Beschwörung einer ideellen Umkehr sind zwar nicht überzogen, aber wie so oft könnte die dunkle Seite der Medaille, die faszinierendere und vor allem eigenwilligere sein.

So bleibt ein solider Krimi, der für manches vage Deja Vu sorgt. Und besonders den Freunden Ross MacDonalds heimelige Gefühle bescheren dürfte.

Manhattan Karma

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