Tatort - Strahlende Zukunft

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Köln: Emons, 2009, Seiten: 154, Originalsprache

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Jochen König
Strahlende Zukunft

Buch-Rezension von Jochen König Dez 2010

Auch der talentierte Christoph Ernst hat sich einer Tatort-Folge angenommen. Da er sich dort auskennt, ist Bremen Stadt seiner Wahl (oder des Auftrags). Ein brisanter Fall:

Sandra Vegener begeht vor den Augen von Kommissarin Inga Lürsen Selbstmord, nachdem sie einen Richter getötet hat, der maßgeblich an ihrer Einweisung in die Psychiatrie beteiligt war. Vegener war überzeugt davon, dass die Strahlung der Sendemasten des Netzbetreibers 2wave Schuld am Leukämie-Tod ihrer Tochter Jessica seien. Sie wandte sich hilfesuchend an Inga Lürsen, die sie an die Staatsanwaltschaft verwies. Von dort war der Weg in die geschlossene Abteilung ein kurzer.

Mysteriös nur, dass Sandra Vegener gelegentlich sonnenbrandähnliche Verbrennungen aufwies, auch wenn sie das Haus nicht verließ. Nach ihrem Tod macht sich die Polizistin reumütig auf die Suche nach den wahren Hintergründen. Zusätzlich motiviert dadurch, dass der Sohn Sandras mit Lürsens Dienstwaffe ebenfalls auf der Jagd nach Schuldigen am Tod seiner Schwester und seiner Mutter ist.

Strahlende Zukunft ist ein solider Krimi, der zwar leicht spekulativ, aber durchaus ernsthaft, mit seinem tagesaktuellen und bedrohlichen Szenario umgeht. Die Macht der Konzerne und die Ohnmacht des Einzelnen schildert Ernst knapp und plastisch. Klischees – bedingt durch die Kürze des Romans – lassen sich nicht immer vermeiden, fallen aber nicht magenreizend ins Gewicht.

Dafür fallen andere Schwächen, die man beim beiläufigen Schauen eines Tatorts am Sonntagabend vielleicht verzeiht, umso mehr auf: Die Charakterisierung der Hauptfiguren ist und bleibt höchst oberflächlich. Wobei Inga Lürsen eine der der blassesten Tatortprotagonisten überhaupt ist. Hat die ungleich präsentere Lena Odenthal allzu oft mit unsäglichen Drehbüchern zu kämpfen, ist diese Konstellation bei Kommissarin Lürsen eher umgekehrt. So auch hier: sich auf die geschilderte, äußerst dämliche Weise die Dienstwaffe von einem emotional aufgewühlten Jugendlichen klauen zu lassen, damit die Handlung auf einem mittelhohen Spannungslevel bleibt, grenzt schon an Leser-/Zuschauerverarschung. Für diesen Kniff kann Ernst nichts, er hakt ihn deshalb auch zu Recht beiläufig als menschliches Versagen ab, das selbst tumben Kollegen nur Spott wert ist.

Trotz dieser Schwächen gelingt es Christoph Ernst, die Handlung bis zum Ende plausibel und nachdenkenswert zu entwickeln. Das erfordert auf so wenigen Seiten einiges an Geschick – und vermutlich den Verzicht auf die ein oder andere charakterliche Tiefenschärfe.

Als Pausenfüller eignet sich Strahlende Zukunft allemal, auch wenn man dem Bremer Team im TV nicht viel abgewinnen kann. Keine geringe Leistung.

Bloß das miefige "Liebeslager" hätte sich der Autor schenken können….

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