Wer lügt gewinnt

Erschienen: Januar 1999

Bibliographische Angaben

  • São Paulo: Companhia das Letras, 1998, Titel: 'Elogio da mentira', Originalsprache
  • Stuttgart: Klett-Cotta, 1999, Seiten: 217, Übersetzt: Barbara Mesquita
  • München: Knaur, 2003, Seiten: 252
  • München: Knaur, 2007, Seiten: 252

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Thomas Kürten
Tempo- und giftreicher Latinokrimi

Buch-Rezension von Thomas Kürten Mai 2003

Es gibt manche Romane, die eine halbe Ewigkeit darauf warten müssen, gelesen zu werden. Melos Wer lügt, gewinnt ist so ein Fall. Die 2003er Auflage lag vier Jahre nahezu unberührt in meinem Regal und es ist wohl nur der Neuauflage des Romans im September 2007 zu verdanken, dass ich das Buch nun endlich gelesen habe. Und nun ärgere ich mich, weshalb ich diesen Roman solange erfolgreich ignoriert habe, denn Wer lügt, gewinnt ist gut, überraschend gut sogar und für einen südamerikanischen Krimi ungewohnt temporeich und erfrischend.

Jose Guber ist ein erfolgloser Krimiautor, der, als er die Schlangenforscherin Fulvia kennen lernt, vorgibt auf Recherche für einen neuen Roman zu sein. Die beiden verlieben sich und Fulvia sieht in dem Autor den perfekten Komplizen für die Ermordung ihres Mannes. Gemeinsam planen sie einen Hinterhalt, in dem Fulvias Mann von einer sehr giftigen Schlange gebissen werden soll. Zur gleichen Zeit werden jedoch sämtliche Krimi-Exposes Gubers von dessen Verleger zurückgewiesen und er droht seinen Vertrag zu verlieren. Doch die attraktive Sekretärin des Verlags, Ingrid, weiß hier einen Ausweg.

Frei Schnauze erzählt

Spätestens an dieser Stelle hat der Leser erkannt, dass sich bis dahin alle auftretenden Figuren angelogen haben. Guber reicht Exposes ein, die von berühmten Kriminalromanen abgekupfert sind. Sein Verleger, bezieht sich auf van Dines "Goldene Regeln für den Kriminalroman", um einen Vorwand für Gubers Rausschmiss zu haben. Fulvia erzählt Guber, dass ihr Mann sie schlage und sie ihn deshalb umbringen müsse. Hinzu kommen noch einige andere große und kleine Lügner. Wer hier also letztlich gewinnt, wird sich erst noch herausstellen müssen.

Melo erzählt diesen Roman beinahe ohne Wort und Komma. Sie reiht Halbsätze, Gedanken und Ausrufe gnadenlos aneinander und erreicht dadurch ein galoppierendes Tempo in ihrer Erzählung. Das Ergebnis ist beeindruckend: Wer lügt, gewinnt ist ein sehr modern wirkender, südamerikanischer Roman.

Spannend bis zum Schluß

Der zunächst etwas plump wirkende Titel ergänzt sich dabei ganz hervorragend mit der Spannungskurve. Bis kurz vor Schluss ist wirklich unklar, wer letztlich den Kopf aus der Schlinge ziehen kann, wer am besten lügt. Und leidet man in den ersten Kapiteln noch mit dem hoffnungslosen Looser Jose Guber, so macht dieser bis zum Ende eine erstaunliche Wandlung und verspielt sämtliche Sympathien.

Die Autorin beweist mit diesem Roman ihren Lesern, wie sehr die moderne Gesellschaft im Alltag betrogen wird. Sie verbindet dies eindrucksvoll mit der These, dass die Gesellschaft selbst betrogen werden will. Leichtgläubigkeit und Kritiklosigkeit eröffnen Betrügern und Scharlatanen Tor und Tür. Beeindruckend, wie auch der deutsche Verlag von Patricia Melo diese Aspekte aufgegriffen hat und auf das Cover Deutscher Krimipreis druckt. Den hat die Autorin allerdings gar nicht für diesen Roman erhalten, sondern für den Vorgänger O Matador. Wer lügt, gewinnt eben...

Wer lügt gewinnt

Wer lügt gewinnt

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Letzte Kommentare:
07.03.2008 15:13:12
Heaven23

ich fand das Buch ganz ok. es ist spannend und unterhaltsam. Leider ja, wie meine Vorgängerin sagt, war das Ende etwas enttäuschend :-D aber alles in allem bin ich zufrieden und ich würde das Buch auf jeden Fall weiter empfehlen !

27.12.2007 23:08:29
xwillaxwonkax

82° von mir...

+ Seitenzahl, das Buch enthält keinen einzigen überflüssigen Satz und lässt sich schnell lesen
+ Schreibart, die direkten Reden, welche praktischerweise in die Sätze hineinverschachtelt wurden, sind zwar gewöhnungsbedürftig aber sehr angenehm zu lesen, auch sehr unterhaltsamer schwarzer Humor
+ Plot im Allgemeinen, interessante Wendungen die man zu Anfang nicht vermutet hätte


- Ende, hier hätte doch noch mehr Spannung aufgebaut werden können anstatt den Leser mit fast schon einem "Happy End" zu enttäuschen
- Liebesgeschichten, dass sie auch in der schwärzesten Geschichte einfach immer da sein müssen...

12.01.2007 19:38:30
ulla

warum dieses buch damals den deutschen Krimipreis erhalten hat blieb mir bis ans ende des buches verschlossen.....
Es war langweilig und eintönig zu lesen ich habe es nur auf grund der tatsache , dass ich es lesen musste zu ende gebracht.
bilden sie sich selbst ein urteil.

12.02.2005 17:20:08
Dr.Sanati

Diesen kurzweiligen (Kriminal)roman wird man in einem Zug durchlesen; spannend mit einer Brise schwrzer Humor. Meiner Ansicht nach beachtenswert und mit Sicherheit nicht nur fürs Zahnarztwartezimmer.
Selbst lesen und beurteilen !!

28.01.2005 07:32:10
b.neumann

Eigentlich eine Knaur-Mogelpackung, den der Hinweis "Deutscher Krimipreis" bezieht sich zwar auf P. Melo als Preisträgerin, jedoch für ihr Werk "O Matador" im Jahre 1991 (1. Platz international). Und eben dieser Krimi hatte es wirklich verdient!
Dennoch ist "Wer lügt, gewinnt" durchaus eine Leseempfehlung: witzig, sarkastisch, die Leichtgläubigkeit des Staatsbürgers herrlich auf die Schippe nehmend, ist es ein kurzweiliger Lesespaß, empfehlenswert fürs Zahnarztwartezimmer. Einfach strukturiert behält man den personellen Überblick, jedoch ist das Werk wohl eher eine gelungene Gesellschaftsstudie als ein Krimi im ursprünglichen Sinne. Sehr zu empfehlen, wenn man nach dem Lesen eines hard-boileds seinem strapaziertem nervenkostüm eine erholungsphase gönnen möchte! >>>> 79 Grad.

30.05.2003 17:23:34
Conrad

Spannend, unterhaltsam, bitterböse! Wer mehr über Schlangen, ihre Gifte, Kriminalautoren, Selbstverwirklichung und das unergründlich Böse im Menschen erfahren will, sollte hier nicht warten. Zugreifen!