Mordskind

Erschienen: Januar 1996

Bibliographische Angaben

  • München; Zürich: Piper, 1996, Seiten: 359, Originalsprache
  • München; Zürich: Piper, 1998, Seiten: 359, Originalsprache
  • München; Zürich: Piper, 2000, Seiten: 359, Originalsprache
  • München; Zürich: Piper, 2010, Seiten: 359, Originalsprache

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Peter Kümmel
Ein sarkastischer, polemischer Kriminalroman

Rezension von Peter Kümmel Mai 2003

Ein Kind ist verschwunden in der bayerischen Kleinstadt Maria Bronn. Die Bevölkerung verdächtigt den russischen Aussiedler Kolja, der gerne die Kinder auf dem Spielplatz beobachtet. Als Paula, eine alleinerziehende Zeitungsredakteurin, diesen Kolja damit beauftragt, ihren Garten in Ordnung zu bringen, wird sie von den anderen Dorfbewohnern gemieden. Sie ist sowieso nicht besonders hoch angesehen, da sie sich kaum um ihren Sohn Simon kümmert, der jedoch trotzdem ein Kind ist, auf das jede Mutter stolz wäre. Ganz im Gegensatz zu Max, dem 5-jährigen Sohn ihrer Nachbarin Doris. Laut Aussage der Dorfbewohner ist dieser "der Inbegriff eines bösen, destruktiven Kindes" und wird von jedem gehasst. Er schlägt andere Kinder und zerstört, was ihm in die Hände fällt. Und das, wo doch Doris das Abbild der perfekten Mutter ist, die alles für ihr Kind tut.

Schließlich verschindet das zweite Kind: eben dieser Max. Seine Mutter Doris tröstet sich, indem sie sich in immer stärkerem Maße um Simon kümmert, wofür ihr Paula, die beruflich stark unter Druck steht, auch sehr dankbar ist. Bald aber wird es ihr unheimlich. Es scheint, dass Doris sogaar froh ist über das Verschwinden ihres Sohnes. Nach und nach übernimmt Doris bei Simon die Mutterrolle. Erst als eine Dame vom Jugenamt damit droht, Paula den Jungen wegzunehmen, merkt Doris, wie ihr langsam die Kontrolle entgleitet.

Doris entwickelt eine bemerkenswerte Phantasie und bringt Doris immer mehr in Bedrängnis. Als Paula in Notwehr einen Mann tötet, hilft ihr Doris, die Leiche verschwinden zu lassen, und hat sie so in der Hand. Max wird in einem Fischteich tot aufgefunden und es geschieht noch ein weiterer Mord. Paula schafft es nicht mehr, aus diesem Teufelskreis herauszukommen.

Susanne Mischke ist eine Schriftstellerin, die polarisiert. Nicht jeder kommt mit ihrem Humor zurecht, der zeitweise doch recht makaber ist. Als "beklemmender Psychokrimi" wird der Roman vom Verlag bezeichnet. Mit diesem Werbeschlagwort erwartet der Leser aber wohl etwas anderes als dieses Buch.

Mir fällt auch keine einfache Bezeichnung für "Mordskind" ein, ich hielte jedoch "sarkastischer, polemischer Kriminalroman" für treffender. Endlich einmal muß ich mich nicht aufregen über sogenannte Klischees, denn sie sind hier voll beabsichtigt. Auch Glaubwürdigkeit kann man dem Roman nicht unbedingt zusprechend. Das tut jedoch auch keinen Abbruch. Es gibt eben etwas mehr Todesfälle in Susanne Mischkes Werken als im täglichen Leben, ihre Figuren werden sehr leicht zu Mördern.

Mit ihrem fesselnden Schreibstil ist Susanne Mischke mit "Mordskind" ein absolut spannender Krimi gelungen, den man bis zur letzten Seite nicht aus der Hand legen kann. Immer wenn man glaubt, die Lösung zu kennen, nimmt der Fall eine neue Wendung. Auch als man glaubt, das Buch ist zu Ende, jetzt kommen noch ein paar Seiten zum Ausklang, da gehts noch mal richtig zur Sache. Anders als in Mischkes Buch "Die Eisheilige" ist "Mordskind" logisch durchdacht und in sich absolut schlüssig. Obwohl man bis zur letzten Seite noch offene Fragen hat, wird schließlich doch alles aufgeklärt.

Packend geschrieben, spannend bis zur letzten Seite und mit viel schwarzem Humor gewürzt.

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