Denn dein ist die Schuld

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Genua: Fratelli Frilli Editori, 2008, Titel: 'Naviglio Blues', Seiten: 490, Originalsprache
  • München: Goldmann, 2010, Seiten: 532, Übersetzt: Katharina Schmidt

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Jürgen Priester
Geschwätzig wie eine Elster

Buch-Rezension von Jürgen Priester Okt 2010

Wenn man sich die deutschen Titel von Adele Marinis Romanen anschaut, wird man unwillkürlich an das schwülstige Timbre der Elizabeth George – Titel erinnert, die ebenfalls vom Goldmann-Verlag herausgebracht werden. Mit der berühmten Amerikanerin teilt Marini tatsächlich die Vorliebe zu ausschweifenden Beschreibungen. "Geschwätzig wie eine Elster" ist zwar eine Phrase aus dem russischen Sprachraum und ist an eine Person adressiert, die gerne und viel erzählt, das passt ganz treffend auf die Autorin. In einer Handlung, die schwankt zwischen comedy und Tragödie, anders formuliert zwischen Guareschis "Don Camillo" und Dantes "Inferno", erschrickt man dann doch über den allzu familiären Plauderton:

 

So ein leckeres Breichen, Giovanni, schau mal, das Küken mag es auch! Ein Löffelchen für dich, ein Löffelchen für das Küken. Hammm!

 

Natürlich ist ein solches Zitat unfair, weil es aus dem Zusammenhang gerissen wurde. Aber es steht so da und es ist keine wörtliche Rede Es beschreibt das Leben des kleinen Giovanni in besseren Zeiten. Der Autorin gelingt es leider nicht, die Balance zu halten zwischen locker konzipierten Szenen und der Schwere der Verbrechen, um die es hier geht: Menschenhandel, Kinderpornographie und Mord. Das Einzige, was Marini rettet, ist, dass sie uns nicht vorgaukelt, in Italia sei alles bella und das Leben sei für alle dolce.

Die Plattenbausiedlungen an Mailands Peripherie gehen nahtlos in die ebenso heruntergekommene Vorstadt Rozzano über, von den Bewohnern verächtlich RozzAngeles tituliert. Hier wie dort herrschen Arbeitslosigkeit, Armut, ja Hunger. Suppenküchen und karitative Organisationen im mobilen Einsatz versuchen, die ärgste Not zu lindern. Der einzige soziale und kulturelle Mittelpunkt ist die Kirchengemeinde Santa Maria della Conciliazione unter der Leitung von Pfarrer Don Mario, dessen ganzer Stolz sein Kirchenchor ist. Als eines Tages der Solist des Chors, der neunjährige Ivan Della Seta und dessen sechsjährige Schwester Martina auf dem Nachhauseweg von der Schule verschwinden, ahnt Don Mario Schlimmstes. Die für Entführungen zuständige Station der Carabinieri wird sofort eingeschaltet.

Nur ein Tag später wird in Mailand der gerade einmal ein halbes Jahr alte Sohn des betuchten Ingegnere Simonella quasi aus den Händen des ukrainischen Kindermädchens gekidnappt. Die zeitlich Nähe beider Entführungen lässt eine Verbindung vermuten, aber noch gibt es in diese Richtung keinerlei Indizien, doch es wird ein Informationsaustausch mit den Carabinieri vereinbart. Zuständig für den Simonella-Fall sind Ispettore Capo Vincenzo Marino und seine Kollegin Ispettrice Sandra Leoni. Die beiden kommen aber nicht so recht voran. Das liegt zum einen an ihrer eigenen Dusseligkeit (Entschuldigung!), zum anderen wird ihr Handlungsspielraum stark eingeschränkt durch die Einmischung übergeordneter Dienststellen und die Eifersüchteleien der Staatsanwaltschaft. Auch ein todesmutiger, aber völlig unsinniger Undercover-Einsatz von Sandra Leoni im Rotlichtmilieu bringt nur magere Ergebnisse.

In Razzano geht es hingegen besser voran. Da hilft der Kommissar Zufall den Carabinieri. Auch der selbstlose Einsatz von Pfarrer Don Mario trägt Früchte. Erste Verdächtige werden festgenommen, doch die entpuppen sich nur als willfährige Handlanger. Die Drahtzieher im Hintergrund sind von ganz anderem Kaliber. Nach und nach decken die Ermittler Verbindungen zur italienischen und russischen Mafia auf. Selbst Italiens Rechtsextremisten kommen mit ins Spiel. Auf dieser Ebene kommen auch beide Fälle zusammen. Es zeigt sich, dass ein ausgeklügeltes System dahinter steckt.

Doch je weiter sich die Ermittlungen von den Ausgangsdelikten entfernen, desto diffuser und anonymer wirkt die Story. Verstärkt wird dieser Effekt noch durch die Einspielung ellenlanger Memoranden, Protokolle und Einschätzungen der verschiedenen Behörden, die dann auch noch in einer schrecklichen, wohl authentischen Amtssprache verfasst sind. Hier hat die Autorin wohl selbst den Faden verloren. Ihre Rückbesinnung auf das Wesentliche und auf die entscheidenden Charaktere kommt zu spät. Dass sie am Ende noch einen "bösen Finger" hervorzaubern muss, ist zwar von der Logik her zwingend, aber richtig interessieren tut es nimmer.

Adele Marini hat sich für ihren Serienauftakt viel vorgenommen und besonders die "dunkle Seite" opulent ausstaffiert. Die Liste der Verbrechen ist sehr lang geworden – ausgehend von zwei Entführungen bekommen wir es mit Menschenhandel, Kinderpornographie, Drogen- und illegalem Fleischhandel, Erpressungen und Auftragsmorden zu tun. Das füllt nun Seite um Seite zu einem unüberschaubaren Wust, in dem jede Individualität verloren geht. Die beiden eh schon schwachen, weil stereotypen Hauptprotagonisten, die eigentlich den Plot dominieren müssten, können sich nicht in Szene setzen. Der in Jahre gekommene Ispettore, verwitwet und notgeil, hat nur eines im Sinne, wie er seine junge Kollegin ins Bett bekommen kann (gähn!). Diese wiederum ist, wie könnte es auch anders sein, in ihrer Jugend traumatisiert worden. Sie kann dem ollen Schmachtbolzen lange widerstehen, doch dessen penetranter Charme bringt sie dann doch noch in die Horizontale.

Denn dein ist die Schuld (über die Aussagekraft solcher Titel verlieren wir kein Wort) ist überfrachtet, spannungsarm, die Helden wenig originell, der Humor platt; nur das Kolorit ist überzeugend. Zu wenig, um mit dieser Reihe zu beginnen oder sie fortzusetzen, da hat Italien Besseres zu bieten.

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