Der Professor

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Argon, 2010, Seiten: 6, Übersetzt: Simon Jäger
  • New York: Mysterious Press, 2012, Titel: 'What Comes Next', Originalsprache

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Andreas Kurth
Zwei Uhren ticken unaufhaltsam

Buch-Rezension von Andreas Kurth Okt 2010

Adrian Thomas ist pensionierter Psychologieprofessor in einer kleinen Universitätsstadt in Neu-England. Nach einer Reihe von Untersuchungen bekommt er eine niederschmetternde Diagnose zu hören. Demnach leidet er an einer seltenen, schnell fortschreitenden Form von Demenz. Seine schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden, und vor seinem inneren Auge taucht die Vision einer unaufhaltsamen Reise in die Dunkelheit auf. Als er vom Arzt nach Hause kommt, steht er in seiner Einfahrt und blickt auf die Straße hinaus. In der beginnenden Dämmerung sieht er ein etwa 16-jähriges Mädchen vorbei gehen.

Dann rollt plötzlich ein Lieferwagen heran, hält kurz und beschleunigt wieder. Das Mädchen ist scheinbar spurlos verschwunden. Adrian ist völlig verwirrt – ist er Zeuge einer Entführung geworden? Wenn es ein Verbrechen war, muss er dringend handeln. Aber wie? Bleibt ihm genug Zeit, um das Mädchen zu finden, bevor sich für ihn der Vorhang senkt?

Während der Professor sich diese Fragen stellt, wird Jennifer unter unwürdigen Bedingungen in einem Kellerraum gefangen gehalten. Jede ihre Bewegungen und Regungen wird von Kameras beobachtet und live im Internet übertragen. Auf der Web-Seite "whatcomesnext.com" ergötzen sich Voyeure und Spanner in aller Welt an Jennifers Schicksal.

Nach einen genauen Drehbuch wird das hilflose Mädchen von ihren Entführern gedemütigt und zur Schau gestellt. Und es wird schnell deutlich, dass ihr Leben nur so lange sicher ist, wie sich die zahlungskräftige Kundschaft für Jennifer interessiert. Sie ist nicht das erste Opfer, und nachlassende Zahlungen bedeuten immer das Ende der miesen Show.

Es ticken also zwei Uhren – die nachlassende Denkfähigkeit und galoppierende Demenz des Professors, und das zunächst hohe, dann jedoch irgendwann nachlassende Interesse des perversen Publikums für Jennifer. Daneben finden die regulären Ermittlungen der Polizei statt, die sich zuweilen mit denen von Adrian Thomas kreuzen. Seite um Seite nimmt die Spannung zu – bis zum hochdramatischen und spektakulären Finale.

Die zwei parallelen Handlungsstränge, die ihren Ausgangspunkt bei der Entführung von Jennifer haben, machen den außerordentlichen Reiz dieses spannungsgeladenen Romans aus. Beide Protagonisten erleben ihren Weg in großer Einsamkeit. Jennifer ist in ihrem Kellergefängnis allein – bis auf die demütigenden Begegnungen mit ihren Entführern. Diese sieht sie allerdings nicht, denn ihre Augen sind abgedeckt. Die Befehle der Kidnapper sind kurz und knapp – und steigern so immer weiter die Verunsicherung des Teenagers.

Eindringlich schildert John Katzenbach die Ängste und Gefühle des jungen Mädchens. Ohnmacht, Verzweiflung, Aufbegehren, Resignation. Die perfiden Psycho-Spielchen, die das Verbrecher-Pärchen zum Vergnügen der perversen Kundschaft inszeniert, treiben das Opfer an den Rand der physischen und geistigen Belastbarkeit. Es ist bezeichnend, dass Jennifer schließlich Gespräche mit ihrem zufällig mitgebrachten Kuscheltier führt.

Auf der anderen Seite der allgegenwärtigen Kameras sitzen in aller Welt die anonymen Kunden von "whatcomesnext.com" mit ihren unterschiedlichen Motiven. Einige glauben Jennifer zu lieben und leiden mit ihr, andere warten geifernd auf weitere Demütigungen des Mädchens. Katzenbach bietet dem Leser einen ebenso glaubhaften wie erschreckenden Einblick in die äußerst dunklen Seiten des Internets. Und der Autor zeigt auch, was mit genügend krimineller Energie und entsprechendem technischen Wissen an modernen Verbrechen möglich ist. Es wird allerdings auch deutlich, dass ohne zahlungskräftige und -willige Zuschauer – die gerne die Anonymität ihrer Kreditkarten nutzen - die Entführung weder möglich noch nötig wäre.

Die Erfahrungen, die Adrian Thomas bei seiner Suche nach Jennifer macht, sind naturgemäß völlig anderer Art. Einsam ist der Professor nur im physischen Sinne, denn durch seine Halluzinationen führt er ständig imaginäre Dialoge mit verstorbenen Verwandten. Sein Bruder, seine Frau und sein Sohn fordern ihn in diesen Phantasie-Gesprächen zum Handeln auf, sprechen ihm Mut zu und feuern ihn an. Diese Halluzinationen treten nach Aussage des Autors vor allem bei der Art von schnell fortschreitender Demenz auf, an der Adrian Thomas leidet. Dem Leser jagt diese Form von Wahnvorstellungen diverse kalte Schauer über den Rücken.

Mit der Person des Professors ist John Katzenbach eine eminent starke Figur gelungen, die mit purer Willenskraft gegen eine unheilbare und unaufhaltsame Krankheit ankämpft, um ihre Mission zu erfüllen. Der Autor will seine Leser emotional berühren – und das gelingt im hervorragend. Denn auch Jennifer ist eine für ihre Altersgruppe durchaus ungewöhnliche Persönlichkeit – was sich vor allem im anrührenden Finale des Buches nachdrücklich zeigt. Verraten wird das hier natürlich nicht – selber lesen lohnt sich absolut. Ein wirklich starkes Buch, das weitgehend ohne Action auskommt, aber dennoch einen enormen Spannungsbogen bietet.

Der Professor

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Letzte Kommentare:
31.10.2018 13:32:57
Lucie7

Bei mir hat das Buch gemischte Gefühle hervorgerufen.

Einerseits ein guter Krimi, anspruchsvoll und genau in der Ausführung ...

Andererseits ist mir mit der Zeit die detaillierte Schilderung der Krankheit und der Wahrnehmungen des Professors auf die Nerven gegangen, ich habe im letzten Drittel sogar darüber hinweggelesen...

Außerdem war mir die Darstellung dieser eiskalten Folter und Ausbeutung eines Menschen auf höchstem Niveau nicht geheuer. Wie hier schon ein anderer Kritiker geschrieben hat, möchte ich nicht, dass sich solche Perversionen in den Köpfen der Menschen festsetzen, denn es besteht immer die Gefahr, dass jemand Gefallen daran findet und tätig wird in dieser Richtung, ob als Zuschauer oder als Krimineller ...

21.01.2016 16:25:43
kritikaster

ich habe mir nur zwei cds vom hörbuch angetan, ekelhaft, widerwärtig. die lesermeinungen, die ich mir eben alle angesehen habe, bestätigen mir weitestgehend, dass john katzenbach - unter dem deckmäntelchen des anprangerns von perverseren sadisten - genau diese klientel mit seinem buch bedient.
es wäre absolut nicht nötig, diese widerwärtige seelische folterung bis ins letzte detail auszumalen - außer eben, man gehört zum KUNDENKREIS!ein hörbuch ist allemal billiger als whatcomesnext.com.
ähnliches gibts ja zuhauf im netz.. man empört sich, redet vom verbieten und dann darf so ein buch frei über den ladentisch. eine einzige heuchelei...
dass der mann schreiben kann, macht die sache nur noch schlimmer.

12.02.2015 21:44:24
Margit Raven

John Katzenbach steht mit Stephen King auf Augenhöhe. Denn wie Stephen King ist er ein überaus intelligenter, erfindungsreicher und von der Sprache her brillanter Thrillerautor, der die menschlichen Abgründe schonungslos, jedoch mit Sensibilität zu durchleuchten weiß. Er versteht es, die Spannung von der ersten bis zur letzten Seite zu halten und lässt den Leser atemlos und begeistert zurück. Vor allem gelingt ihm eines: Der Leser identifiziert sich mit den Protagonisten, klappt das Buch zu und behält den Roman mit all seinen Personen noch lange im Gedächtnis..

29.08.2013 23:00:27
Eike

Von den Katzenbächen, wie hier beschrieben habe ich noch nichts gesehen, aber whatcomesnext ist sicher eine Perle, die leider noch nicht internetmässig aufbereitet wurde, dabei bietet gerade die Story dafür gleich mehrere Varianten an, die nicht nur für das Marketing, sondern auch für den User geeignet wären. Denkar wäre auch ein 2. Teil mit einem bösen Ende.
Tatsächlich gibt es aber Snuffs zu Hauf weltweit, mit erheblichen Folgen für Leib und Leben einiger und sie erfreuen sich leider auch hierzulande wachsender Beliebtheit. Dafür muss nicht mal das Darkweb genutzt werden.

16.04.2013 01:43:29
alice.K

Ich habe das Buch letztes Jahr gelesen, war das erste Buch von Katzenbach, was mich zu dem entschluss brachte weitere Bücher von ihm zulesen, (lese gerade die Anstalt was ich persönlich besser finde). Ich fand das Buch sehr interessant, wobei ich sagen muss, dass es für mich sehr anstrengt war das Buch zu verstehen, da es von jetzt auf gleich das Thema wechselt. Aber der Schlussteil ist einfach fantastisch, sehr interessantes Thema im allgemeinen Emphelenswert..

27.02.2013 17:10:19
minart

27.02.2013
Minart zum "Psycho"
(von) KatzenbachAls Spätleser muss ich sagen:
Das ist keine Spätlese und auch
kein Grund für sonstige Weinseligkeiten.
Ist einfach nur ein übler Hard(core)cover,
also (altersselbst-)mitleidbemäntelte
Pornogrfie.Ich habe bisher 3 oder 4 Katzenbäche
gelesen, die ich so wahr vergessen habe wie man ja wohl sagt: "Kann man vergessen!"Doch dieser ist wie Katzenpisse im Kopf, von der man nur sehnlichst wünscht, dass sie schnellstens den Bach des Vergessens runtergeht.Beim Lesen möchte man indes nur stänig rufen: Das kann doch gar nicht wahr sein! Ist es wohl auch nicht, gerade wegen k e i n e r "Kreditkarten-
anonymität" und weil sicher zigtausende FBI-,BKA-
oder sonst unterbeschäftigte "kostenlos" surfende Profi-Voyeure dies entdecken
müssten.

15.02.2013 16:50:13
chaosmgmt

also ich habe das buch vor einiger zeit geholt. kurz reingelesen und aus faulheit nicht mehr weiter gelesen. bis ich es heute nochmal zur hand nahm und einfach in der mitt rauspickte.und das war ganz und gar nicht das, was ich am anfang erwartete.die aufmachung mit dem szenenwechsel ist sehr gut gelungen und würde ich mit einer anderen story nochmal interessiert lesen.allerdings nicht mehr so eine harte kost, wie in diesem buch. ich fand es schon sehr brutal, und beim lesen habe ich nur angst und mitleid empfunden, anstatt voyerismus. ich war geschockt von den verschiedenen zuschauern, von den machenschaften der entführer. von der position der gefangenen. es erinnerte mich zu sehr an die kranken die es leider gibt. dazu die nagst davor, dass es tatsächlich wohl mehr als erwartet, solche menschen gibt, die drauf stehen. oder denen so etwas nicht mal emotional berührt.mir war regelrecht übel und ich wollte einfach nur noch, dass die aufhören. dass das mädchen gerettet wird, dass ihr nichts passiert, dass die wirklich dem ganzen stand halten konnte.ich war geschockt von der story und wünschte mir, dass nicht so etwas weiter in den köpfen anderer menschen verbreitet wird.nein, so ein buch will ich freiwillig nicht noch einmal lesen. es wird wohl als fehlkauf bei mir vergammeln.

06.08.2012 13:43:28
Roy Grace

Ich habe auch den Professor gelesen Ich fnd diesen gelungen und sehr spannend. In sich ein toller schlüssiger Roman. Was mir bei diesem Buch aufgefallen ist das er eine klare Linie hatte.
Das Thema Demenz oder Alzheimer beschreibt er gut und ist klasse in dem Buch dargestellt.
Aber an den Patienten reicht er doch nicht ganz ran aber ich muß sagen man legt dieses Buch nicht aus der Hand und das ist das tolle.
Immmer will man noch eine Seite wissen und man ist hin und her gerissen wie geht es mit den Hauptpersonen weiter.

29.03.2012 11:29:49
tschopsli

der prof_mein absolutes lieblingsbuch von katzenbach, auf der einen seite so traurig geschrieben, auf der anderen dermaßen spannend und übel, dass einem die angst in schubwellen hochgekrochen kommt, wenn man das ganze aus der nähe betrachtet_der prof leidet an alzheimer und seine geschichte ist damit schon tragisch genug, wenn da nicht noch die entführung der jungen jennifer wäre, die zwei absolut sadistischen tätern in die hände fällt. gut angesprochen wurde das thema internet und wie abgeklärt/-brüht die menschen sind, die sich live so etwas reinziehen würden. (Snuff_Filme) - bestialisch, grausam und ob der prof jen retten kann und was passiert, könnt ihr selbst auf 555 seiten lesen=) top!!! das buch ist einfach nur geil (moar ich les so gern)

21.03.2012 19:05:31
Anni

Ich habe auch alle Bücher von J. Katzenbach gelesen und finde "Der Professor" ist ihm mit Abstand am Besten gelungen. Gleichzeitig muß ich aber auch sagen, dass mir manche Momente doch sehr unrealistisch vorkamen. Es sind immer die imaginären Verwandten, die ihm die entscheidenden Hinweise geben.Das hat mich ein wenig gestört. Andererseits kann ich nicht nachempfinden welche Gedanken Alzheimer-Kranke Menschen tatsächlich im Kopf haben. Das Thema, angelehnt an die leider immer mehr werdenden "Snaff-Filme" interessiert mich sehr und somit war es für mich am Ende sehr lesenswert. Am liebsten lese ich die Bücher, weil die Story immer aus verschiedenen Blickwinkeln dargestellt wird und somit bleibt es spannend, da oft in interessanten Momenten wieder zu der nächsten Person "geschwenkt" wird. Das macht J. Katzenbach für mich besonders. Ich freue mich aufs nächste Buch!

25.01.2012 12:02:52
Ricky Kusenberg

Ich habe bis jetzt alle Bücher von John Katzenbach gelesen und bin auch von diesem restlos begeistert.Ein heftiges Thema,und trotzdem wird von Katzenbach auf all zu explizite Gewaltdarstellung verzichtet,so dass das Buch nicht zu einer widerwärtigen Folterorgie verkommt,stattdessen ein präzise Charakterdarstellung der Hauptakteure,und ein schlüssiger und bewegender Showdown,zudem Spannung von der ersten bis zur letzten Seite.Respekt,Mr.Katzenbach,ich bin begeistert!!

09.01.2012 13:48:30
silvia

Die Thematik hat mich sehr interresiert und ich habe auf die Taschenbuchausgabe geradezu gewartet. Habe auch schon die Anstalt, und den Patient gelesen. Schon bei der Anstalt war die realitätsnähe des Autors zu erkennen. Dieses Buch hat mich aber über alle Phasen hinweg schokiert. Denn ich halte solche Verbrechen als durchaus möglich. Ich war froh über die Figur des Proffessors, der mir aufgrund meiner Ausbildung vor Augen hielt, dass ein Mensch mit so schweren Haluzinationen nicht im stande ist dies zu leisten, was er tat und somit mir immer vor Augen führte, dass ich einen Roman eines perfiden Schriftstellers vor Augen habe und keinen erschütternden Tatsachenbericht vor mir habe. Er zeigt auch toll die Grenzen der Justiz und deren bürokratischen Hürden auf, die bei vermissten Fälle oft zu verlangsamten Ermittlungen führen können. Insgesamt ein spannendes Buch, dass vom üblichen Psychothrillern stark abhebt. Ein Buch das zum Nachdenken anregt und bestimmt keine Seele kalt lässt! Den nötigen Abstand zu diesen Werk zu halten ist oft schwer, aber die Figur des Proffessors gibt dazu die nötige Anleitung, dass Buch mit proffessionalität zu lesen um nicht von diesem Phantastischen hoch aktuellen und prisanten Werk vollkommen vereinbart zu werden, welches nicht nur die leiden des Opfers beängstigend wiedergibt, sondern auch die Täterseite psychologisch Beleuchtet und ein Täterprofil bietet, welches kein Profiler besser beschreiben hätte können.
Insgesamt ein spannendes aber auch durch und durch beklemmendes Werk von Katzenbach. Lesen auf eigene Gefahr!

04.01.2012 20:27:19
JaneM.

Eine wirklich zutreffende Rezension von Andreas Kurth, der in Bezug auf die Handlung nichts mehr hinzu zu fügen ist. Positiv möchte ich noch die Charaktere herausheben, die allesamt ungewöhnlich und dennoch schlüssig und authentisch dargestellt sind. Zunächst Jennifer, die sensible, rebellische 16jährige, die schon einige Mal von ihrem Elternhaus ausgebüxt ist. Terri, die ermittelnde Kleinstadtpolizistin, die Jennifer durch deren Ausreißerkarriere bereits kennt und zunächst an einen weiteren Versuch glaubt, dies ihr langsam Zweifel kommen. Wolfe, der bekannte Sexualstraftäter, der zunächst selber in Verdacht gerät und zwischen seiner perversen Faszination und einer ungeahnten "Expertenrolle" schwankt. Das Entführerpaar, das sich seines Verbrechens durchaus bewusst ist und die Tat dennoch als "Kunst" rationalisiert. Und natürlich Adrian, der Professor. Ein einsamer, in die Jahre gekommener Psychologe, der bisher eher eine Existenz im akademischen Elfenbeinturm fristete. Der mit den ersten Anzeichen seiner Demenz kämpft, als er plötzlich Augenzeuge von Jennifers Entführung wird. Niemand glaubt so recht seiner Zeugenaussage und auch er selbst ist sich seiner Wahrnehmung nicht immer sicher. Und doch ist er zunächst der einzige, der Jennifer zu finden versucht- und das mit ungewöhnlichen Mitteln.
Aus meiner Sicht gewinnt das Buch durch die Tatsache, dass am Ende nicht jede offene Frage detailliert geklärt wird, sondern mit einem Epilog abschließt.
Hut ab, Herr Katzenbach.

04.11.2011 16:06:14
detno

Bei dem Hörbuch handelt es sich um eine auf 443 Minuten gekürzte Fassung des Gesamtwerks von John Katzenbach.

Wenn in anderen Rezensionen von langatmigen Schilderungen und Wiederholungen gesprochen wird, dann hat diese Kürzung auf insgesamt 6 CDs dem Stoff hörbar gut getan. Auch bei den Schilderungen während der Kerkerhaft von Jennifer fand ich keine ekelhaften Beschreibungen von einzelnen abartigen Handlungen. Pervers ist natürlich, dass es Leute gibt, die sich für viel Geld am Leid von anderen Mitmenschen ergötzen und letzlich auch deren Tod genießen wollen. Das aber bietet (wenn auch nicht in dieser krassen Form) bereits das Fernsehen zur genüge. Mit Voyeurismus leben einige Sender gut und verdienen kräftig Kohle.

Nicht nur in diesem Punkt regt das Werk zum Nachdenken an und hinterlässt einen bitteren Beigeschmack.

Abschließend ist zu erwähnen, dass das Hörbuch durch den grandiosen Vortrag von Simon Jäger zusätzlich gewinnt. Der Mann ist absolute Klasse und macht aus dem Roman ein Hörbuch-Kino vom Feinsten.

90° für dieses spannende Werk.

30.09.2011 01:53:30
Bea

Beim Lesen dieses Buches kamen bei mir wieder Fragen hoch, die ich schon bei anderen Trillern hatte. Da fragte und frage ich mich nämlich: Wie pervers muss ein Schriftsteller eigentlich sein, solche Geschichten nicht nur zu erfinden, sondern sich damit auch noch monate lang intensiv zu beschäftigen? Bin ich krank, dass ich mir 500 Seiten lang die Qual dieses Mädchens als Unterhaltung zuführe? Ähnliche Fragen hatte ich schon bei "Erbarmen".
Natürlich fand ich diese beiden Bücher super spannend, natürlich bewundere ich die Gabe dieser beider Schriftsteller---die Fragen bleiben trotzdem.

18.09.2011 22:39:11
gast

Dies war mein erstes buch von John Katzenbach, und es hinterläßt gemischte Gefühle. Ich kann dem user semmbro nur zustimmen,das Buch ist extrem langatmig, alles ist viel zu ausführlich beschrieben, vieles wiederholt sich. Das Thema finde ich sehr gelungen, aber daraus hätte man soo viel mehr machen können! Bzw. weniger, was die Länge angeht:-)

25.08.2011 20:53:07
Semmbro

das buch ist sehr langatmig. ständige wiederholungen, detaillierte schilderungen von umwichtigkeiten, völlig sinnfreien erinnerungen etc..interessantes thema, das bei der hälfte der seiten richtig spannend gewesen wäre. trotz ständigem vorblättern um gleich mehrere seiten mußte ich so gut wie nie zurückgehen, da ich keinerlei handlungsrelevante passagen verpaßt hatte. man gewinnt den eindruck, klare, anstehende abläufe werden durch permanentes abschweifen in erinnerungen und gefühlsbeschreibungen in die länge gezogen, um seiten zu füllen. da dies auf alle charaktere zutrifft, kann es kein mittel sein, die zunehmende verwirrung des hauptakteurs zu beschreiben, es scheint eher eine besondere erzählart des autors zu sein.mein fazit: das buch ist ein "kann", auf keinen fall ein "muß"!

03.05.2011 08:05:06
CliffCalibra

"Der Professor" war echt spannend. Man fieberte so richtig mit "Adrian" mit und hatte mitgefühl für ihn, seine Situation und natürlich ganz besonders für "jennifer".

Das Buch ist natürlich schwierig für Leute, die probleme haben verschiedene handlungsstränge paralell zu verfolgen (sprich verschiedene Personen mit verknüpften, aber eigenen Handlungssträngen). Ich wiederum war von dieser Art des erz#hlens fasziniert, nicht vielen Autoren gelingt es so viele Charaktere GUT in einem Buch unterzubringen.

Katzenbach hat hier mit einigen Tabus gespielt. Die einblendungen der einzelnen Personen und Gruppen, die sich das Internetprojekt des Täterpärchens ansehen, finde ich gelungen, sie zeigen auf, das in allen Schichten sollche Personen zu finden sind. Schüler, Studenten, Verbrecher, Verkäufer, Chefs, Künstler, etc...

Sehr gut fand ich es, das Katzenbach dadrauf verzichtet hat die Vergewaltigungsscene zu umschreiben, das wäre dann doch etwas zu viel in bezug auf ein 16-jähriges Mädchen gewesen nach meinem geschmack.

alles in allem eines der besten bücher, die ich je gelesen habe. Sein Buch "Der Patient" fand ich aber noch packender! Inzwischen stehen alle Katzenbachbände bei mir im Regal und warten auf belesung!

12.04.2011 23:21:44
Don Salieri

Der Plot ist an Spannung nicht zu überbieten, fesselnd, sprachlich interessant und einmalig inszeniert! Ich ertappte mich erstaunlicherweise auch ein wenig als Voyeur und fragte mich zwischenzeitlich, was die Entführer wohl als nächstes mit Jennifer machen würden? Erfrischend sind zudem die Dialoge mit seiner verstorbenen Frau, seinem Sohn und seinem Bruder (sie erzählen aus der Vergangenheit, pushen ihn an, weiter an der Sache dran zu bleiben, stehen einmal in der Türe, sitzen neben ihm im Auto, tragen Kriegsuniform etc. Die Sichtweisen der zahlenden „Zuschauer“ sind eigentlich aktuelle Spiegelbilder unserer Facebook-verrückten Cyberwelt und regen zum Nachdenken an. Keine „Idee“ kann nicht verwirklicht, gefilmt, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das Ende der Story ist nicht schnell zusammengestrickt, sondern überzeugt auch durch und durch! Super …. perfektes Buch … muss man einfach lesen!!!

09.04.2011 10:12:56
lacra

bedenklich grenzwertig finde ich die schlusszzene, wo das opfer jennifer ihrem retter adrian die todesspritze verpasst. so durfte das nicht stehenbleiben, da vermisse ich jede differenzierte reflexion des ethischen problems. so wie jennifer tickt, hat sie sich dazu was überlegt, hat für und wieder abgewogen und es wäre interessant gewesen, davon mehr zu erfahren.
es ist an dieser stelle echt zuwenig, nur das szenario der wirkstoffbeschaffung einzublenden.

23.03.2011 17:34:38
Steffi

Heute bin ich mit dem Lesen des Psychothriller fertig und muss sagen, dass ich es mir spannender und nervenzerreißender vorgestellt habe, als es tatsächlich der Fall ist. Vieleicht war das durch den Autor so gewollt aber ich fand das hin und her springen der verschiedenen Protagonisten zeitweilen wirklich ansträngend und teilweise nervig. Wozu dienten die Abschnitte der tweilweise perversen oder mitfühlenden Menschen die Serie 4 abbonierten? Die Handlung an sich fand ich wirklich gut, auch den Professor als ,,Retter" fand ich gut gewählt, auch wenn seine Abschnitte immer langweiliger und ansträngender wurden. Im ganzen hab ich schon weitaus spannendere Bücher gelesen. Insgesamt hat sich meines erachtens die ganze Geschichte zu lang hingezogen und das Ende hätte ich mir auch etwas anders vorgestellt. Schön wer gewesen zu wissen wie es mit Jennifer weiter gegangen ist nachdem sie befreit wurde.
Grundsetzlich ein guter Thriller, aber wie gesagt etwas durcheinander und zu viele verschiedene Strängen!
Aber vieleicht war gerade das was der Autor damit beabsichtigt hat

08.01.2011 21:54:29
ana konda

Ich habe das Buch gerade gelesen und bin total fasziniert, wie Katzenbach die Figuren darzustellen vermag - so menschlich-verletzlich und doch sehr
realistisch...Erschrocken bin ich in dem Buch über die Art, wie über Menschenleben des Thrills wegen "abgestimmt" wird und hoffe, dass das noch keine Realität ist...

18.12.2010 19:06:56
John

Sehr schöne Rezension zu John Katzenbachs neuem Roman!

Bei der Lektüre dieses neuen Werkes von John Katzenbach, stellen sich dem aufmerksamen Leser natürlich einige Fragen, die zum Nachdenken anregen.
Zuerst verwundert von der eigenartigen Wahl des Protagonisten, findet man sich schon bald wieder zwischen Faszination und Angst: So leicht es einem fällt sich mit dem gebildeten und intellektuellen Professor zu identifizieren, den der Hauptdarsteller einst darstellte, verängstigt es einen umso mehr mit seiner aktuellen Situation konfrontiert zu werden. So taucht man im Verlauf des Buches immer mehr in die Welt des Dementen ein und muss sich unwillkürlich mit der eigenen Vergänglichkeit des Geistes und dem Sinn eines lebenslangen Lernens auseinandersetzen.
Von der detaillierten Beschreibung der kriminellen Machenschaften der Entführer, der Vermarktung ihrer Misshandlungen auf einer Webseite, bis hin zu episodenhaft dargestellten Einblicken in die Welt ihres Zielpublikums, ausgehend, eröffnet sich dem Leser schon bald ein erschreckend realistisches und gewaltiges Bild der Welt dieser Verbrecher, welche jedwede Distanz zur Entführung aufhebt und einen unmittelbar in die beklemmende und verstörende Realität der entführten Jennifer stößt...

Zum Weiterlesen:
http://ablogforintelligentpeople.blogspot.com/2010/12/der-professor-john-katzenbach-rezension.html