Nachtschrei

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Köln: Random House Audio, 2010, Titel: 'Nachtschrei', Seiten: 6, Übersetzt: Michael Hansonis
  • New York: Simon & Schuster, 2008, Titel: 'The bodies left behind', Seiten: 350, Originalsprache

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Andreas Kurth
Packendes mentales Fernduell

Buch-Rezension von Andreas Kurth Okt 2010

Mörderduo jagt zwei Frauen durch die Wildnis

In einer Polizeistation in Wisconsin geht ein unverständlicher Notruf aus einem einsam in einem Nationalpark gelegenen Ferienhaus ein. Obwohl Deputy Brynn McKenzie dienstfrei hat, geht sie der Angelegenheit nach und gelangt als Erste an den Schauplatz eines grausamen Doppelmordes. Dabei gerät sie selbst in tödliche Gefahr, denn außer einer verängstigten Zeugin sind auch die Täter noch auf dem Grundstück. Die Polizistin übersteht einen Schusswechsel unverletzt, trifft im umliegenden Wald auf Michelle, eine Freundin des toten Ehepaares. Die beiden ungleichen Frauen verbünden sich, und versuchen gemeinsam zu entkommen. Ihnen ist klar, dass die beiden Killer keine Zeugen überleben lassen werden. Und so beginnt eine atemlose Hetzjagd durch die Wildnis des Nationalparks – ein nächtlicher Albtraum.

Durch Fortbildungen in Überlebenstraining und die Teilnahme an einer Bergungsaktion im Park glaubt Brynn, für die Flucht gerüstet zu sein. Statt den kürzeren Weg zum nächsten Highway einzuschlagen, entscheidet sie sich für die längere Route durch das Herz des Parks. Mehrfach wechseln die Frauen die Richtung, entscheiden sich für neue Zwischenziele. Aber Terry Hart, der intelligentere der beiden Verbrecher, hat durch den Kampf mit der Polizistin erkannt, dass er einen cleveren Gegner jagt. Und die Lage verkompliziert sich noch, als die beiden flüchtenden Frauen auf ein mobiles Drogenlabor stoßen. Es gibt weitere Tote und Verletzte – und die Nacht ist noch nicht zu Ende.

Thriller der besseren Sorte

Es ist hinlänglich bekannt, dass Jeffery Deaver handwerklich solide und hoch spannende Thriller schreiben kann. Mit Nachtschrei ist ihm wieder einer der besseren Sorte gelungen. Schon nach wenigen Seiten wird man als Leser von der Geschichte "gepackt". Es mangelt wahrlich nicht an Action, und die komplizierte Situation zwischen den Killern und den flüchtenden Frauen trägt das ihre dazu bei. Dabei steht das "Fernduell" zwischen der Polizistin Brynn McKenzie und dem Killer Terry Hart zunächst im Vordergrund.

Brynn ist eine ehrgeizige Frau, die ihren Job gerne ausübt. Aber sie steckt auch voller privater Probleme, die parallel zu ihrer Flucht bei einem Gespräch zwischen ihrer Mutter und ihrem doppelt ahnungslosen Mann enthüllt werden. Ein geschickter dramaturgischer Schachzug des Autors, denn so wird die komplexe Persönlichkeit der Protagonistin quasi "en passant" vorgestellt. Terry denkt lange nach, bevor er etwas unternimmt – daher sein Lebensmotto: "Zweimal messen, einmal schneiden". Er überlegt viel, versucht die Bewegungen der beiden Frauen vorherzusehen. Hier hat der Autor zwei wirklich interessante Charaktere entworfen.

Zum besonderen Reiz des Buches trägt auch bei, dass wiederum die beiden Paare – Verfolger und Verfolgte – so unterschiedlich sind. Brynn ist pragmatisch, auf dem Lande aufgewachsen, ein Tatmensch. Ihre Begleiterin Michelle ist bei auftretenden Problemen zunächst weinerlich, eine typische Großstadtbewohnerin und wäre alleine in der nächtlichen Wildnis kaum überlebensfähig – so scheint es jedenfalls. Der klügere Killer, Terry Hart, ist kühl und abwägend. Er denkt lange über die möglichen Züge des Gegners nach, antizipiert mehrfach die Ablenkungsmanöver der jungen Polizistin. Neben der erfrischenden Action ist dieses mentale Duell ein echter Leckerbissen. Comp, der zweite Verbrecher ist dagegen eher einfach gestrickt. Er braucht lange, um Terry als Führungsperson anzuerkennen.

Eine Verfolgungsjagd durch den nächtlichen Wald scheint auf den ersten Blick kein umfassender Plot für einen Thriller zu sein, aber Deaver baut derart viele Hindernisse, Überraschungen und vor allem neue "Mitspieler" ein, dass man als Leser zwar nicht den Überblick verliert, aber stets auf neue Überraschungen gefasst sein muss. Zum letzten Drittel des Buches darf ich zwar nichts verraten – aber da kommt es noch ziemlich "dicke", der Leser erlebt weitere Überraschungen. Vor allem das Finale verblüfft - und es bleiben keine Wünsche offen.

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