Rechenschaft

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • London: Harper Collins, 2008, Titel: 'A place of safety', Seiten: 480, Originalsprache
  • Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuchverlag, 2010, Seiten: 425, Übersetzt: Christine Strüh

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Eva Bergschneider
Anhäufung sozialer Dramen – kein Krimi

Buch-Rezension von Eva Bergschneider Okt 2010

Rechenschaft (orig.: "A place of safety") ist nach Schweigepflicht der zweite Krimi der Britin Helen Black. In ihrem Beruf als Anwältin spezialisierte sich die Autorin auf Jugendstrafrecht, wie ihre Romanheldin Lilly Valentine. Nach Kinderpornografie und Drogenhandel, den Themen ihres Debutromans, greift sie nun erneut gesellschaftlich brisante Problembereiche auf: Asylrecht und Fremdenhass.

Erst Vergewaltigungsopfer – dann Mörderin?

Artan, ein Asylbewerber aus dem Kosovo, bittet Lilly seiner Freundin Anna zu helfen. Sie wurde von Internatsschülern der angesehenen Manor Park Schule vergewaltigt, wagt aber nicht, zur Polizei zu gehen. Lilly kann Artan nicht versprechen, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden, wenn Anna sie anzeigt. Denn Vergewaltigung ist schwer zu beweisen, besonders wenn Jungen aus gutem Haus beschuldigt werden. Ein paar Tage später besucht Lilly mit ihrem neuen Freund, den Polizisten Jack, ein Fußballspiel ihres Sohns. Auch Sam besucht auf Drängen ihres Ex-Ehemanns jene Manor Park Schule, die das Spiel ausrichtet. Am Spielfeldrand tauchen auf einmal zwei junge Gärtner auf, die Revolver in den Händen halten. Der Internatsschüler Charlie Stanton wird erschossen, bevor Jack das Mädchen Anna entwaffnen kann. Auf den Schützen Artan schießt Jack in dem Moment, als dieser die Waffe gegen sich selbst richtet.

Luke war einfach zu betrunken, um dem fremden Mädchen gegen seine Kumpel Charlie und Tom beizustehen. Doch er weiß, dass er mit daran Schuld trägt, dass diese Anna aus dem Asylbewerberheim vergewaltigt wurde. Er reißt von Zuhause aus und lernt auf den Straßen Londons die Drogensüchtige Caz kennen, die ihm hilft, sich vor der Polizei zu verstecken.

Fallermittlung-Fehlanzeige

Wie schon ihr Debutroman, streift der aktuelle Krimi der Autorin Helen Black gleich eine ganze Reihe von sozialpolitischen Themen. Deutlich kritisierte die Autorin in Schweigepflicht die mangelnde Wahrnehmung der sozialen Fürsorgepflicht in England. In Rechenschaft arbeitet sie stattdessen heraus, wie wenig sich die Sichtweisen der bürgerlichen "Spießer" von denen der Rassisten unterscheiden lassen. Parallel zu den Geschehnissen nach Annas Vergewaltigung und der Verzweiflungstat durch ihren Freund Artan, lesen wir immer wieder Beiträge eines Chatrooms, wo sich vermeintlich brave Hausfrauen und gewaltbereite Rassisten zusammenrotten – und schließlich aktiv werden.

Nicht ganz so gut gelungen, ist die Beschreibung der Medien, hier in Gestalt einer Kleinstadtzeitung, die sich mit rassistischen Botschaften füttern lassen. Die Charakterdarstellung der Reporterin Alexia kommt allzu stereotyp daher . Ehrgeizig ist sie, aus reichem Haus und auf der Suche nach Selbstverwirklichung. Erst als ihr der gewaltbereite Mob gegenübersteht, kapiert sie, wen sie mit ihrer Berichterstattung unterstützt. Schade, eine etwas subtilerer agierende Figur hätte diesen Handlungsteil glaubwürdiger gemacht.

Mangelnde Glaubwürdigkeit ist allerdings das Hauptmanko der gesamten Handlung, vor allem in der Fallermittlung.

Im Mordfall Charlie Stanton konzentriert sich die Verteidigung der möglichen Mittäterin Anna Duraku auf ihre Unzurechnungsfähigkeit infolge einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Diese soll die Angeklagte durch Kriegsgräuel und Flucht aus dem Kosovo erlitten haben. Anna macht zu den Taten, zu der Vergewaltigung und zu den tödlichen Schüssen, keine Angaben, was an sich nicht ungewöhnlich erscheint. Ihre Verteidigerin unternimmt aber auch sonst absolut nichts, um mehr über das nächstliegende Tatmotiv, Rache an Vergewaltigern, herauszufinden. In einem weiteren Handlungsstrang läuft Luke, der alkoholbenebelte Zuschauer der Vergewaltigung, durch die Londoner Obdachlosenszene. Sucht irgendjemand den entschwundenen Zeugen? Befragt jemand den eigentlichen Täter? Die Verteidigerin? Ihr Polizistenfreund? Nein - Fehlanzeige.

Stattdessen beschäftigt sich Lilly Valentine mit ihrem Ex-Mann David, ihrem aktuellen Liebhaber Jack, dem attraktiven Sozialarbeiter Milo und zu guter Letzt noch mit dem feschen Ankläger Jez. Man kommt sich ein wenig vor wie bei "Desperate Housewives". Eher beiläufig greift sie nach dem Strohhalm PTBS und Annas dramatischer Flucht aus dem Kosovo als Verteidigungsstrategie. Irgendwann weist die Gutachterin darauf hin, dass doch die Vergewaltigung ein viel wahrscheinlicherer Auslöser für eine dissoziative psychische Störung sei. Kurz bevor die zurecht gelegte Argumentation in sich zusammen fällt, die Rassisten zur Tat schreiten und genau das passiert, was passieren muss, damit die Geschichte zu Ende geführt werden kann. Ein Ende das an Schlichtheit und Fragwürdigkeit kaum zu toppen ist.

Am Ende bleibt von Rechenschaft nur die Demonstration einiger sozialer Missstände in Großbritannien, die uns auch in Deutschland nicht unbekannt sind, übrig. Leider hat es die Autorin vollständig versäumt, diese in eine schlüssige Krimihandlung mit so etwas wie einem Spannungsbogen einzubauen. Stattdessen, eine Akkumulation von Ungereimtheiten und eine Heldin, deren Tolpatschigkeit nervt. Etliche Druckfehler (hatte das kleine m Urlaub? S. 64: "auf der anderen Seite des RauMs", S. 169: "von der anderen Seite des RauMs", S. 309: "an der entgegengesetzten Seite des BesucherzentruMs) runden das Gesamtbild des Romans ab.

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