Tore, Punkte, Doppelmord

Erschienen: Januar 1992

Bibliographische Angaben

  • Dortmund: Grafit, 1992, Seiten: 215, Originalsprache

Couch-Wertung:

63°
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Lars Schafft
Theo Pointner Fußball-Gott

Buch-Rezension von Lars Schafft Mai 2003

Der Einracht, fiktiver Traditionsverein mitten aus dem Ruhrgebiet, geht es schlecht. Sehr schlecht. 0:8 Punkte, 3:13 Tore. Trainer Kloth darf abdanken, eher unfreiwillig, aber Club-Präsident Eichmann hat Beziehungen und das ein oder andere Detail über Kloth in der Hinterhand, so dass dieser schließlich hinschmeissen muss. Viel besser geht es hingegen Dieter Heidtmann, nach einem erneuten Klassespiels des Nachwuchs-Liberos gelingt ihm der unerwartete Karrieresprung zur benachbarten Eintracht.

Dort geht es aber schon an seinem ersten Trainingstag drunter und drüber: Die Mannschaft ist innerlich zerstritten, Cliquenbildung ist an der Tagesordnung, der Verein finanziell arg angeschlagen, und wenn das noch nicht genug wäre, findet ausgerechnet Youngster Heidtmann Präsi Eichmann tot in den Duschräumen des Stadions. Ein kurzer trockener Stich, direkt ins Herz. Trotzdem oder gerade deswegen gewinnt die Mannschaft an Zusammenhalt, schießt sich aus dem Keller. Die beiden Kripo-Beamten Wielert und Bach kommen ihrem Klassenziel allerdings kaum näher, sie finden keinen direkten Ansatzpunkt für diesen Fall.

Zwei weitere Skandale bringen die Eintracht wieder auf den Boden. Schiri bestochen, ohne Wissen der Spieler. Und dann die nächste Leiche: "Bully" Heinemann, sportlicher Direktor des Vereins und Intimfeind des ermordeten Präsidenten. Wielert und Bach versuchen, Licht ins Dickicht aus Mord, Betrug und Todschlag zu bringen, während die Spieler um ihr fußballerisches Überleben kämpfen.

Dankenswerter Weise verzichtet Theo Pointner auf Fußball-Plattitüden à la "Elf Freunde müsst ihr sein", "Ein Spiel dauert 90 Minuten" etc. und stellt doch unter Beweis, dass man ein Bundesliga-Spiel auch über mehrere Seiten spannend und mitreissend erzählen kann. Überhaupt gelingt es dem Bochumer, eine von den Motiven her eher banale Mordtat durch die Ansiedlung in die Fußball-Szene einen außergewöhnlichen Touch zu geben: das Finale ist wie eine Bananenflanke von Manni Kaltz; kurz bevor sie den berechneten Punkt erreicht hat, dreht sie sich weg, um überraschend genau den Kopf des Stürmers zu treffen.

"Tore, Punkte, Doppelmord" gibt dabei interessante Einblicke in die Katakomben der Fußballwelt und auch Pointners Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Der Roman ist witzig und mit Esprit geschrieben, spannend wie ein Elfmeterschießen und dank eines gehörigen Schusses Lokalkolorit ein direkt verwandelter Freistoß - genau in den Winkel: Wichtig ist nicht nur auf’m Platz: Tore, Punkte, Doppelmord - Theo Pointner Fußball-Gott!

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