Stille Wut

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Barcelona: El Cobre Ediciones, 2004, Titel: 'Rabia', Seiten: 213, Originalsprache
  • Buenos Aires: Interzona, 2005, Titel: 'Rabia', Seiten: 232, Originalsprache
  • München: DVA, 2010, Seiten: 238, Übersetzt: Sabine Giersberg

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Ines Dietzsch
Einsamkeit ist kein schöner Ort

Buch-Rezension von Ines Dietzsch Sep 2010

2010 präsentierte sich Argentinien als Gastland auf der Frankfurter Buchmesse. Diesem Umstand ist es wohl zu verdanken, dass erstmals ein Buch des argentinischen Schriftstellers Sergio Bizzio ins Deutsche übertragen wurde. Rabia erschien im Original 2004 und wurde im vergangenen Jahr bei DVA in der Übersetzung von Sabine Giersberg mit dem Titel Stille Wut veröffentlicht. Im Heimatland des Schriftstellers wurde der Roman als "das Beste, was die aktuelle Literatur Argentiniens zu bieten hat" gefeiert und mit zwei Literaturpreisen bedacht.

"Als du geboren wurdest, bin ich gerade gekommen"; der vierzigjährige Bauarbeiter José María hat sich leidenschaftlich in die fünfzehn Jahre jüngere Hausangestellte Rosa verliebt. Wegen der kärglichen Entlohnung vermag das Paar wochenlang seinen Liebesdurst nur an wenigen Stunden in einem kleinen Hotel zu stillen. Da erweist es sich als glückliche Fügung, dass Rosas Arbeitsgeber, das Ehepaar Blinder, zu einer Urlaubsreise aufbrechen und das Mädchen zum Hüten der Villa zurücklassen. Natürlich lädt Rosa ihren Liebhaber ins Haus. Wenn José María abends von der Baustelle kommt, hat Rosa gekocht. Sie essen zusammen, trinken Wein, sehen fern und lieben sich, bis Herr und Frau Blinder überraschend früher als erwartet zurückkehren. Während Rosa zu den Herrschaften eilt, soll José María sich aus der Villa stehlen. Doch das tut er nicht, aus gutem Grund. Die Polizei sucht nach ihm, weil er an diesem Tag seinen Vorarbeiter umgebracht haben soll. Unbemerkt versteckt sich José María in der Mansarde des herrschaftlichen Gebäudes und wacht fortan wie ein Geist über die Bewohner des Hauses, ständig von der Gefahr der Entdeckung bedroht.

Bizzio beginnt seinen Roman gut gelaunt mit einer gefühlvollen Liebesbeziehung zwischen seinen Hauptprotagonisten und verdichtet die Handlung innerhalb weniger Seiten zu einem dramatischen Kammerspiel. Sobald sich José María in sein Versteck geflüchtet hat, legt sich eine beklemmende Stille über die Zeilen.

Es gelingt Bizzio phänomenal die Atmosphäre in der so spärlich bewohnten, riesigen Villa zu transportieren. Als Leser lauscht man mit José María in die Dunkelheit, instinktiv darauf bedacht, selbst kein Geräusch zu verursachen.

 

Als Erstes fiel ihm auf, wie deutlich die Geräusche von der Straße im Haus zu vernehmen waren; zu bestimmten Zeiten in der Nacht konnte man sogar die Krallen der Hundepfoten über den Bürgersteig schaben hören.

 

Wochen und Monate in seinem selbst gewählten Gefängnis lassen den Bauarbeiter furchtloser werden. Mit sicheren Schritten bewegt er sich geisterhaft durch das hochherrschaftliche Gebäude und kommt seinen Bewohnern gefährlich nahe. Es bleibt ihm nicht verborgen, dass seine geliebte Rosa von einem Spross der Familie sexuell belästigt und schließlich vergewaltigt wird. José María greift ein und wie durch ein Wunder bleibt er dennoch unentdeckt.

In knappen Sätzen beschreibt Bizzio, was die Jahre der Isolation aus seinem Helden machen. Hilflos muss der Leser zusehen, wie sich José María seiner Obsession hingibt, aber auch allen Gefühlen trotzt, um seine Rosa nicht zur Komplizin werden zu lassen. Bizzio schreibt voller Mitgefühl und Verständnis für seine Figuren und so gönnt er den Liebenden noch ein bitter-süßes Wiedersehen.

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