Inkubus

  • Bastei Lübbe
  • Erschienen: Januar 2010
  • Mailand: Mursia, 2002, Titel: 'Dover beach', Seiten: 328, Originalsprache
  • Köln: Bastei Lübbe, 2010, Seiten: 396, Übersetzt: Katharina Schmidt & Barbara Neeb
Inkubus
Inkubus
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Jörg Kijanski
70°

Krimi-Couch Rezension von Jörg Kijanski Sep 2010

Abgrundtief böse

Nachdem er bei der Lösung seines letzten Falles mit dem "Präparator" aneinander geriet, musste Kommissar Giacomo Amaldi zunächst eine längere Zeit in einem Sanatorium untergebracht werden. Nun ist er vom Dienst freigestellt und erholt sich mit seiner Lebensgefährtin Giuditta, die ebenfalls dem "Präparator" zum Opfer fiel, allerdings im Gegensatz zu dessen übrigen Opfern nur seelische Schmerzen erleiden musste. Doch ein neuer perverser Serienmörder treibt bereits sein Unwesen in der Stadt und so kehrt Amaldi langsam und widerwillig in den Dienst zurück.

Mit einer dramatischen Inszenierung findet der Grundschullehrer Ernst Garcovich den Tod, nachdem er zuvor brutal misshandelt wurde. Als einige Tage später auf ähnlich Aufsehen erregende Weise ein Zahnarzt bestialisch ermordet wird, scheint die Identität des Mörders festzustehen. Der entscheidende Hinweis kommt von Ispettore Ferrante Palermo, einem als korrupt und brutal geltenden Ermittler des Sittendezernats. Fast mit fanatischem Eifer jagt er Primo Ramondi, der bereits vor längerer Zeit mehrere Prostituierte erheblich verletzte. Garcovich war einst Ramondis Lehrer in einer Anstalt für sozial benachteiligte Kinder und auch bei dem ermordeten Zahnarzt war Ramondis kurzzeitig in Behandlung. Während Palermo sich zunehmend in die Ermittlungen einschaltet und glaubt, nun endlich Ramondis verhaften zu können, ist Amaldi von dessen Unschuld überzeugt, da er diesem derart perfekt organisierte Verbrechen nicht zutraut…

Inkubus ist der Titel des italienischen Romans Dover Beach, wobei im vorliegenden Fall ausnahmsweise der deutsche Titel wesentlich besser zum Inhalt des Buches passt. Dämonen und Obsessionen führen die Leser in eine schaurig morbide Welt. Doch vorab sei darauf hingewiesen, dass in diesem Buch die Auflösung des Vorgängers "Der Präparator" aufgezeigt wird. Nur für den Fall, dass Sie in der richtigen Reihenfolge lesen möchten.

In der Welt von Inkubus, die in einer trostlosen Stadt spielt, gibt es keinen Platz für positive Momente, sieht man davon ab, dass sich Amaldi und Giuditta zärtlich näher kommen. Alle (!) Figuren, von denen es leider nicht all zu viele gibt, haben ihr Päckchen zu tragen. Wahnvorstellungen, Albträume, Obsessionen und ähnliches mehr führen in menschliche Abgründe. Wer erfahren will, was in den verstörten Hirnzellen eines Psycho- oder Soziopathen vorgeht, der wird von Di Fulvio bestens bedient. Schön zu lesen ist das nicht immer, dafür halt ein typischer Noir. So nehmen denn auch konsequenterweise die dunklen, morbiden Seiten der Figuren einen Hauptteil des Romans ein. "Der Junge" erlebt einen Albtraum, "der Mann" blutet überall und überhaupt, wo ist das Licht des Meisters, dass den Gesellen aus der Dunkelheit führt?

Wenn dann mal der eigentliche Krimiplot erzählt wird, geht es zügig voran, wobei der Plot einen nicht unerheblichen Nachteil hat. Di Fulvio ist wahrlich ein Meister, wenn es darum geht, in die Abgründe geschundener Seelen zu blicken, wie die Zeitung "Il Messaggero" zu Recht urteilt. Doch wenn bei dem zu lösenden Fall vergessen wird, Verdächtige aufzubauen, kann kaum Spannung entstehen. Ramondi ist so stark verdächtig, dass er es kaum sein kann und dann bleiben nur noch (wohlwollend formuliert) ganz wenige Figuren übrig. Hier hätte sich der Krimileser ein paar Blindspuren erhofft. So bleibt nur ein äußerst düsterer Blick in die Vergangenheit und Gedankenwelt gequälter Menschen, der einen verstört zurück lässt, aber gleichzeitig zu erklären versucht, wie Serienmörder ticken. So gesehen der richtige Roman für die trostlose Jahreszeit, die der Herbst mitunter sein kann.

Inkubus

Luca Di Fulvio, Bastei Lübbe

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