Die Auferstehung des Bobby Z / Bobby Z

Erschienen: Januar 1997

Bibliographische Angaben

  • München: Blessing, 1997, Seiten: 251, Übersetzt: Judith Schwaab
  • München: Goldmann, 2001, Seiten: 286, Übersetzt: Judith Schwaab
  • Berlin: Suhrkamp, 2011, Seiten: 250, Übersetzt: Judith Schwaab

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Wolfgang Franßen
Good luck, bad luck, ugly luck.

Buch-Rezension von Wolfgang Franßen Aug 2010

Im Verlauf der Geschichte wird es in Mexiko und den USA kaum noch einen geben, der Tim Kearny nicht töten will. Dabei hat er sich nur dem Versuch entziehen wollen, den Hell’s Angel beitreten zu müssen. Allerdings kommt die Ablehnung eines solch großzügigen Angebots auf einem Gefängnishof der Verletzung eines Sakrilegs gleich. Man kann sich also gleich einen Strick nehmen und die Sache beenden oder wie Kearny ein Autonummerschild zu einer Rasierklinge schärfen und damit Stinkdog den Hals aufzuschlitzen. Das bessert nicht unbedingt die Chancen auf das eigene Überleben. Das so etwas bei den Hell's Angels nicht gut ankommt, liegt auf der Hand.

Kearny gehört sowieso nicht zu den Lieblingen der Götter. Er würde sich auch selber als Loser einordnen. Wer bei einem Einbruch auf der Flucht ausgerechnet über einen Wasserspender zu Fall kommt, gerät leicht in eine Situation, die er nicht zu überblicken vermag und die er nicht unbedingt als Sieger verlässt.

 

"Einbrechen und Stehlen ist kein Problem", sagt Tim. "Das Problem ist, wie man hinterher abhaut."

 

Ein Geistesverwandter von Richard Starks Parker oder Garry Dishers Wyatt. Allerdings muss man zugeben. Er besitzt nicht deren Klasse. Tim Kearny ist die ideale Besetzung für einen, den sie ins Messer laufen zu lassen. Der Mord an Stinkdog ebnet ihm den Weg in die Freiheit. Allerdings nicht in die eigene. Er soll sich in den legendären Bobby Z verwandeln, der unglücklicherweise einem Herzinfarkt zum Opfer fiel und der ausgetaucht werden soll.

Vor die Wahl zwischen Regen oder Traufe gestellt, wofür entscheidet man sich da? Ob man sich von den Hell’s Angels im Gefängnis abschlachten lässt oder sich mit dem gefährlichsten Drogendealer Mexikos Huertero einlässt, die Überlebenschancen sind nicht groß. Zumal Gruzsas, der das Ganze einfädelt, ein doppeltes Spiel treibt. Kearny alias Bobby Z entscheidet sich - was wir wohl alle in seiner Situation täten - dafür, jede Stunde, die er noch leben darf, als Geschenk zu betrachten.

Wo andere Autoren mühselig einen Plot aufbauen, gelingt es Winslow mitten in ihn hinein zu springen. Er benötigt ein paar Sätze, um ein Dilemma heraufzubeschwören, eine Kurzbiografie, um das Ausmaß einer Tragödie zu vermitteln. Seine Helden muss man nicht in Katastrophen verwickeln, sie schleppen sie heran, sie kleben ihnen an den Fersen und egal wie sehr sie sich auch schütteln, sie werden sie nicht los. Es wundert einen, dass sie überhaupt noch am Leben sind, wenn Winslow von ihnen zu erzählen beginnt.

Schon beim Austausch wird es Tote geben, wird Gruzsa nach Rache sinnen, um im besten Sinne von Sam Peckinpahs "Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia" Kearny zum Abschuss freizugeben. Ganz zu schweigen von den Geheimnissen im scheinbar sicheren Paradies in der Drogenenklave mitten in der Wüste, das wie ein Hochsicherheitsgefängnis daherkommt. Es stellt sich heraus, dass das Meth-Geschäft nur ein Lockangebot der mexikanischen Seite ist, um Bobby Z in die Hände zu bekommen.

Seine Flucht durch die Wüste mitsamt Kind benötigt natürlich einen Helden, der bei den Marines war, der im Irak gekämpft hat, doch trotz allem Glück, das Kearny zur Seite steht, besitzt selbst der Thrill bei Winslow Charme. Es lebt sich gut, wenn man kein Leben mehr zur Verfügung hat. Es könnte sein, dass man plötzlich wieder an sich glaubt. Ein Junge, der nicht mal der eigene ist, verschüttet geglaubte Stärken ans Licht zurück befördert.

Don Winslow bricht einmal mehr brachial in die Postkartenidylle der Surfer, des kalifornischen Mythos von der Freiheit ein. Bobby Z kann als Vorläufer des allseits gerühmten Tage der Toten gelten. In ihm wird er 2005 die Drogenmaschinerie bloßstellen, die die USA im Griff halten.

Auch in Bobby Z erzählt der Autor, von Verrat, Niedergang, Sucht und horrenden Gewinnen aus einem Geschäft, das niemand länger zu kontrollieren vermag. Nur findet er in Tim Kearny alias Bobby Z einen Taschenspieler, der am Ende mehr Schwein als Verstand hat.

Die Auferstehung des Bobby Z / Bobby Z

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Letzte Kommentare:
02.04.2013 18:13:35
SchmöckerKing

Nach Frankie Machine und Pacific Private nun ein Buch, das wie ein Plot für Johnny Depp daherkommt, nur das es diesmal, nicht wie in Blow, reine Fiktion ist und deshalb auch gut ausgeht. Die Art, wie der ewige Looser und Kleinkriminelle in haarsträubende Situationen gerät, und trotz aller Vernunft, durch seine wieder gefundenen Stärken und einer riesen Portion Glück, jedesmal die Kurve kratzt, obwohl halb Californien ihn töten will, ist schon ein nettes Märchen, wenn da nicht die dutzenden von Toten auf seinem Weg wären. Tolles gelesenes Kino, ein echtes Vergnügen!

15.06.2011 07:35:52
mo

Da "Die Tage der Toten" zu meinen absoluten Lieblingsbüchern gehört, war ich auf das frühere Werk des Autors neugierig. In den Ansätzen vor allem in den stimmigen Handlungssträngen, erinnert dieses Buch an die Nachfolger, leider aber nur in den Ansätze. Der Held allein gegen den Rest der Welt, kippt von einem Gemetzel ins nächste, rettet das Kind und die Frau. Mich hat das Buch an "El Mariachi" von Rodgriguez erinnert, Action pur und sonst nix dahinter. Mir fehlten die klar beschriebenen Charaktere der späteren Romane.

12.05.2011 15:11:56
Torsten H.

Don Winslow ist im Augenblick einer der unterhaltsamsten Krimiautoren. Story, Personen und vor allem das hervorragende Timing beim Einsatz seiner Actionhöhepunkte heben ihn deutlich aus der Masse anderer Krimiautoren hervor. Auch ohne den halbdokumentarischen Ansatz bei "Tage der Toten" ist "Bobby Z" eine herrlich mitreißende Fiktion.

11.05.2011 23:04:20
Andi I.

Don Winslow ist aktuell mein absoluter Lieblingsschriftsteller! Nach "Tage der Toten" habe ich erst "Frankie Machine", dann "Pacific Private & Pacific Paradise" verschlungen. Nun die Neuauflage von Kill Bobby Z. Alle seine Bücher gehören zur Kategorie "Page Turner"!! Mehr davon!!
Absolute Klasse!!!

02.05.2011 15:49:46
Carline

In Bobby Z erzählt Don Winslow eine schlau konstruierte Geschichte, die einen, einmal begonnen, nicht mehr vom Haken lässt. Winslows Figuren fesseln und in geschmeidigem Stil schickt er sie in rasantem Tempo durch die Handlung. Spannend von der ersten bis zur letzten Zeile mit hin und wieder ganz anrührenden Momenten. Perfekt.

Der Stoff wurde mit Paul Walker in der Hauptrolle verfilmt. „Kill Bobby Z“ bleibt zwar sehr nah am Buch, kann aber die irrwitzige Story nur sehr komprimiert wiedergeben. Trotzdem auch der Film eine Empfehlung.

BEHIND THE DOOR
Der Raum. Die Tat. Das Rätsel.

Lies die Geschichte, erkunde den Tatort und bringe Licht in das Dunkel um einen mysteriösen Kriminalfall. Welche Auffälligkeiten bringen die Ermittlungen voran? Welches Indiz überführt den Täter? BEHIND THE DOOR ist der unterhaltsame und kurzweilige Rätselspaß auf Krimi-Couch.de.

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