Die Musenfalle

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Hamburg: Argument, 2010, Seiten: 250, Originalsprache

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Jochen König
Wie im Delirium der Musetten verkehrt herum zu tanzen...

Buch-Rezension von Jochen König Aug 2010

Nora Miedler, die mit ihrem Debüt Warten auf Poirot für eine DER positiven Überraschungen 2009 sorgte, meldet sich mit ihrem zweiten Buch Die Musenfalle zurück. Und sie geht ein Wagnis ein. Keine Variation ihres Erstlings, kein "Whodunit" mit ironischen Spitzen und leicht horribler Backwood-Atmosphäre; stattdessen eine Detektivstory. Hardboiled, aber mit Miedler-Touch.

Denn die Hauptfigur Lilly Sommer ist natürlich kein lupenreiner, ausgekochter PI mit dem Herz am rechten Fleck, sondern eine wenig erfolgreiche Schauspielerin (zu Beginn arbeitet sie als Vampir in einer Geisterbahn. Wirklich. Nora Miedler traut sich was...), auf dem Sprung einen lukrativen Werbevertrag zu unterschreiben.

Eine Aktion, die zu einem Date mit Alexander Strehl, einem der Geschäftsführer des Mobitel-Unternehmens, führt. Das Treffen der beiden ist kurz, heftig, seltsam und mit dem Austausch von Körperflüssigkeiten begleitet.
Am nächsten Tag ist Strehl tot, und die Polizei steht vor Lillys WG-Tür. Dumm gelaufen, wird sie doch zunächst als Tatverdächtige Nummer Eins behandelt, was vor allem WG-Mitbewohnerin Britta verschreckt, die seit dem Polizeibesuch nur noch mit Hirschfänger unter dem Kopfkissen schläft.

Doch hat es in jener Nacht nicht nur den One-Night-Stand Lillys tödlich erwischt, auch der wohl angesehene Richter Ludwig Seibold hat die Daseinsform dank einschneidender Argumente gewechselt. Was Lilly stutzig werden lässt. Denn jener Richter ist der Bruder von Frieda Bernhard, dem Schauspiel-Idol Lillys, die eine elitäre und eingeschworene Theaterkommune leitet. Nicht nur das: in der Nacht vor seinem Tod erhielt Alexander Strehl einen Anruf von einer gewissen "Frieda".

Lilly folgert Schluss und beschließt Undercover die Bernhard-Truppe zu infiltrieren. Sehnsucht und Wissensdurst liegen eng beieinander. Doch wie soll es ihr gelingen, in den inneren Zirkel zu gelangen, der mehr Aspiranten als Plätze hat?

Dino darf’s richten. Jener Dino, den Lilly seit der Schauspielschule kennt, den sie sich nach der Premierenfeier seines ruhmreichen Films auf einer Toilette zur Brust nahm, und der jetzt als dauerbetrunkenes Wrack den Detektiv gibt. Zunächst wenig angetan, hilft er Lilly schließlich in Frieda Bernhards Kommune Aufnahme zu finden. Günstig auch, dass Martin, der Sohn Alexander Strehls, seines Zeichens Polizist, nach einer rüden Attacke auf Lilly, später von ihrer Unschuld überzeugt, die Eintrittskarte für Frieda Bernhards Club bezahlt.

Lilly Sommer ermittelt. Und kommt dem Messer des Killers bedrohlich nahe. Nachdem sie an anderer Front unglaubliches herausgefunden hat.

Mit Die Musenfalle ist Nora Miedler wieder ein vergnüglicher, sarkastischer und spannender Roman gelungen. Klare Sprache, knappe Sätze; es gibt kaum Platz zum Verweilen. Mag Lilly in mancher Beziehung ähnlich verhuscht sein wie Charlie, die Hauptfigur des Vorgängers, steht sie doch wesentlich selbstbewusster im Leben. Sie verliert gelegentlich den Kampf gegen ihre Libido und gegen verlockende Drogen, aber sie ist eine Kämpfernatur, schüttelt sich kurz und macht weiter. Lilly Sommer stellt manche ihrer Handlungen in Frage, aber nicht sich selbst. Was sie für den Job als Privatdetektivin geradezu prädestiniert. Und ihre Umgebung in den Wahnsinn treiben kann.

Wovon Dino Winter alsbald ein Lied singen kann. Denn der abgehalfterte Filmstar mit der Goldenen Palme in der Vitrine, der Oscar-Nominierung im Gedächtnis, den verpassten Gelegenheiten im Gewissen und der Wodka-Flasche in Reichweite, ist gleichzeitig genervt und angezogen von der aktiven Lilly. Fast ohne, dass er es merkt, gibt sie ihm den Tritt in den Hintern, den es braucht, um weitere (Lebens)-Pläne zu schmieden.

Ähnliches löst sie bei Martin Strehl aus. Vom Hass auf die mutmaßliche Mörderin seines Vaters zum eingeschworenen Komplizen ist ein kurzer Weg. Vielleicht zu kurz...

Obwohl Lillly die Ich-Erzählerin des Romans ist, wechselt die Perspektive beständig. Dino Winter, Frieda Bernhard, Martin Strehl, bekommen ihre jeweiligen Präsentationsflächen. Nicht alle kommen gut dabei weg. Auch Lilly wird nicht geschont, bzw. schont sich nicht selbst. Sie ist (zu) neugierig, begeht Fehler, hat einen gefährlichen Hang, die Kontrolle zu verlieren, gerät in bedrohliche Situationen, denen sie mit mehr Glück als Verstand entkommt und bleibt immer einen Rest kleines Mädchen, das mit großen Augen durch die Welt streift, um feststellen zu müssen, wie verkorkst doch alles ist. Glücklicherweise gibt es noch die Eltern, die einem mit halbem Ohr und ganzem Herzen zuhören, auch wenn sie nicht alles verstehen. Müssen sie auch nicht. Hauptsache sie sind da.

Mehr noch als Warten auf Poirot ist Die Musenfalle Literatur über gescheiterte Lebensentwürfe, unerfüllte Träume, über Veränderungen, die das Leben beeinflussen, auch wenn es gerade gar nicht passt. Lilly arrangiert sich, auch wenn es schwer fällt, andere wie Dino treten die Flucht an, bis es doch die Chance auf Einsicht und Umkehr gibt. Die vielleicht interessanteste Figur, wenn auch ausbaufähig: Frieda Bernhard. Sie hechelte einem Traum hinterher, der völlig unzeitgemäß ist und sich vermutlich gar nicht mehr leben lässt, weil die Sponsoren dafür aussterben. Gleichzeitig geht sie Kompromisse ein, die ihre Kommune an den Rand des absoluten Grauens führt. Der kleine Bruder Ludwig, der ihr langsam über den Kopf gewachsen ist, sorgt nicht nur für finanzielle Unterstützung, sondern auch für eine Pervertierung von Friedas Vorstellung eines absoluten Theaters.

Die Beziehung der Geschwister, aber auch Alexander Strehl, hätte ein wenig mehr Tiefe vertragen können, aber auch so ist Die Musenfalle ein erfreuliches Buch mit genügend Stacheln geworden, um für Nachdenken über den Text hinaus zu sorgen.

Nora Miedler hat keine Scheu tollkühne Volten zu schlagen, die Schraube dann noch einmal anzudrehen, und mit hinterhältigen Pointen für plausible Überraschungen zu sorgen. Es macht ihr sichtlich Spaß, forschem Übermut eine Plattform zu bieten – allein die Namensgebung: Sommer, Winter und als Tarnname Herbst muss man erst mal bringen -, und sie tut dies wie bereits in Warten auf Poirot gekonnt und mit Charme; ohne ihre Figuren, die manchmal hart am Rand zum Klischee entlang wanken, der Lächerlichkeit preiszugeben.

Am Ende bleibt offen: werden Lilly und Dino in Serie gehen? Das Potenzial dazu hätten die beiden.

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