Ich bin Gott

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Mailand: Baldini Castoldi Dalai, 2009, Titel: 'Io sono Dio', Seiten: 523, Originalsprache
  • München: Goldmann, 2010, Seiten: 528, Übersetzt: Birgitta Höpken

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Jürgen Priester
Eine amerikanische Geschichte

Buch-Rezension von Jürgen Priester Aug 2010

"Ich bin Gott" so lauten die letzten Worte des Prologs. Wir befinden uns nicht im Himmel, sondern in den Straßenschluchten der Stadt, die niemals schläft. Folgerichtig ist die Person, die diese Allmachtsgedanken hegt, nicht der HERR mit dem Bart, sondern ein ominöser Mann, der einen Countdown in Raum und Zeit abschreitet.

Im Gegensatz zu vielen italienischen Kollegen, die ihre Figuren gerne zwischen Dolce Vita und Mafia positionieren, verlässt Giorgio Faletti lieber den heimischen Boden. Spielte sein Debütroman Ich töte noch im benachbarten Monaco, so siedeln die Folgeromane alle in den USA. Dass Faletti dabei den riesigen amerikanischen Markt im Visier haben könnte, ist nur eine Vermutung. New York als Schauplatz von Krimis und Thrillern hat eine lange Tradition und ist auch bei Nicht-Amerikanern sehr beliebt. Faletti nimmt sich aber auch eines der mittlerweile uramerikanischen Themen an, des Vietnamkrieges und dessen Folgen für die Kriegsteilnehmer.

Anfang der 1970er Jahre kehrt ein junger Mann schwergezeichnet aus dem Vietnam-Krieg in das kleine Kaff Chillicothe im nördlichen Ohio zurück. Nicht allein, dass er in Gefangenschaft des Vietkong geriet und gefoltert wurde, sondern auch seine eigenen Leute haben ihn wissentlich mit Napalmbomben beschossen. Nach langem Aufenthalt in einem Militärkrankenhaus, nach vielen Operationen, Reha- Maßnahmen und Psychotherapie ist er ein geistig und körperliches Wrack geblieben, von inneren und äußeren Narben entstellt, denkt er nur an eins, an Rache.

New York City – gut 30 Jahre später. Bei Abbrucharbeiten wird die fast schon mumifizierte Leiche eines Mannes entdeckt. Eine erste Inaugenscheinnahme lässt ein Tötungsdelikt vermuten, deshalb wird Detective Vivien Light und ihre Abteilung hinzugezogen. Zur gleichen Zeit klaut Zbigniew Malone, Ziggy Stardust genannt, Dealer, Taschendieb und Spitzel in einer Person, in der U-Bahn einem militärisch gekleideten Unbekannten die Handtasche. In seiner Unterkunft angekommen findet Ziggy in der Tasche Briefe mit brisantem Inhalt, die man gut zu Geld machen könnte. Doch seine Freude währt nicht lange, denn er wurde verfolgt.

Wenig später fliegt auf der Lower East Side ein Wohngebäude in die Luft. Russell Wade, ein gescheiterter, hochverschuldeter Fotograph sieht die Explosion von seinem Apartment aus, noch nicht ahnend, dass er bald mit diesem Big Bang in Beziehung stehen wird.

Singuläre Ereignisse zu einem stimmigen Ganzen zu verknüpfen, kann eine heikle Angelegenheit sein. Giorgio Falettis Konstruktion geht dabei an die Grenzen des zufällig Akzeptablen, denn zu den erwähnten Geschehnissen, addieren sich noch andere Verbindungen, deren Aufzählung den Rahmen einer Rezension sprengen würde.

Bei der ausführlich erzählten Vorgeschichte liegt die Vermutung nahe, dass der Rachefeldzug des Vietnam-Veteranen erste Wirkung zeigt. Wir Leser wissen mehr als Detective Light, die auch in diesem Fall federführend sein wird, die aber den Weg zur Identität des Täters noch finden muss. Der Fall sollte ihre ganze Aufmerksamkeit haben, doch einer Scarlett O`Hara ähnlich muss sich Vivien um die Geschicke ihrer Familie kümmern – die todkranke Schwester, die drogenabhängige Nichte auf Entzug. Zum Glück steht ihr ein verstoßener Sohn aus wohlhabender Familie bei, natürlich nicht Clark Gable als Rhett Butler, sondern die verkrachte Existenz Russell Wade. Ihre Liebesbeziehung beginnt heftig, scheint dann aber vom Winde verweht.

Man wird den Eindruck nicht los, dass Giorgio Faletti sich amerikanischer als ein Amerikaner geben möchte. Die Vorgeschichte mit dem Vietnam-Veteranen hat was von einer Road-Novel, die von Süd nach Nord führt. Das Setting in New York gleicht einer Sightseeing-Tour. Es geht kreuz und quer durch alle Stadtteile. Das bringt mehr Hektik als Abwechslung. Die Straßennamen flitzen nur so vorbei. Man ist fast geneigt, zu übersehen, dass die 23rd und die 3rd Street keine Ecke bilden können. Ebenso sollte man wissen, dass die Polizisten beim Sheriff keine Agents sind, sondern Deputies, und die Streifenpolizisten Officers genannt werden. Diese kleinen Fauxpas kann man vielleicht auch der Übersetzerin ankreiden oder dem fehlenden Lektorat.

Wie dem auch sei, Thema, Personen, Schauplatz, Liebesgeschichte, Namensgebung – das alles scheint gut vorbereitet für den amerikanischen Buchmarkt. Eine kleine Reminiszenz an Italien sei nicht verschwiegen: Vivien Lights Familie hieß ursprünglich Luce; der Nachname wurde anglisiert.

Trotz aller kritischen Töne und der distanzierten Haltung des Rezensenten ist Ich bin Gott ein vielseitiger, unterhaltsamer, manchmal auch spannender Roman. Man darf nur nicht alles glauben, was im Klappentext zu lesen ist. Einen Serienmörder im heutigen Sinne gibt es nicht. Die Wahnvorstellung, sich für Gott zu halten, also Herr über Leben und Tod zu sein, kennen wir aus der Geschichte. Wir nennen sie Massenmörder, deren Motive wohl unergründbar bleiben. Auch Faletti versucht es letztendlich gar nicht.

Der dissonante Abgesang des Mörders wird abgemildert durch ein versöhnliches Ende für alle anderen. Rhett findet zurück zu Scarlett oder umgekehrt. Wer´s mag.

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