Das Auge des Raben

Das Auge des Raben
Das Auge des Raben

Erschienen: Januar 2010

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Rütten & Loening, 2010, Seiten: 544, Übersetzt: Thomas Haufschild

Couch-Wertung:

85°
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Jörg Kijanski
Highlander und Irokese jagen einen Ritualmörder in der Neuen Welt

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Jul 2010

Die neue Welt im Jahr 1760. Der junge Schotte Duncan McCallum zieht mit seinem Freund Conawago, einem Irokesen vom Stamm der Nipmuc, durch die Wälder der neuen Welt. Als sie dabei auf den sterbenden Winston Burke treffen, Captain einer englischen Miliztruppe im Fort Ligonier, versuchen sie diesem zu helfen. Doch es ist bereits zu spät und als kurz darauf dessen Soldaten eintreffen, verdächtigen sie Conawago des Mordes. Er stand mit einem Messer in der Hand über den toten Captain gebeugt, doch wollte er nicht wie vermutet dessen Skalp, sondern einen Verband in Streifen schneiden. Conawago landet im Gefängnis und erst kurz vor dessen sicherem Tod bekennt sich unerwartet Skanawati, einflussreicher Häuptling vom Stamm der Onondaga, zu dem Mord.

Entgegen dem Wunsch der Virginier wird Skanawati jedoch nicht direkt hingerichtet, sondern soll zu einem Prozess nach Lancaster verlegt werden. Wichtige Verhandlungen zwischen Virginia, Pennsylvania und der Irokesischen Liga stehen unmittelbar vor Vertragsabschluss. Es geht um Gebietsabtretungen sowie um die Unterstützung der Indianer zugunsten der Engländer im Kampf gegen die Franzosen, schließlich tritt der Krieg in eine entscheidende Phase. Da will es gut abgewogen sein, ob man nur schnell Rache übt oder einen Prozess abhält, damit nicht die Indianer sofort aus den Verhandlungen aussteigen.

Duncan und Conawago sind von Skanawatis Unschuld überzeugt und versuchen, diesen vor dem Tod durch den Strang zu bewahren. Entlang eines alten Kriegerpfades entdecken die beiden Freunde, dass dort an mehreren Grenzbäumen offenbar Ritualmorde verübt wurden. Werden gezielt Landvermesser ermordet, um die Gebietsverhandlungen zu torpedieren? Stecken hinter den blutigen Taten die Franzosen oder die Huronen, um einen Keil zwischen die Engländer und die Irokesen zu treiben? Und was hatte Captain Burke mit all dem zu tun? Viel Zeit bleibt nicht, denn weitere Morde geschehen. Der Hochlandschotte Duncan und der altersweise Conawago, letzter Dämmerungsläufer der Nipmuc, müssen tief in indianisches Gebiet vordringen, um die Wahrheit herauszufinden…

Ist Das Auge des Raben ein Roman der auf die Krimi-Couch gehört oder ist es nicht vielmehr ein Abenteuerroman, irgendwo zwischen einer schottischen Highlander-Geschichte und Der letzte Mohikaner? Die Antwort ist eindeutig: Ja, der neue Roman von Eliot Pattison, nicht zu verwechseln mit dem Autor Patterson, gehört auf diese Couch, wenngleich Das Auge des Raben natürlich alles andere ist als ein gewöhnlicher Krimi. Der Plot spielt in der neuen Welt, also Amerika, wo sich Engländer und Franzosen einen erbitterten Krieg liefern. Dieser steht kurz vor der entscheidenden Wende, da die Überlegenheit der Engländer immer deutlicher wird. Ein neuer Vertrag soll die zunehmend benötigten Gebiete mit den Irokesen regeln. Die Virginier fordern zügig Rache für den ermordeten Captain, doch die Quäker aus Pennsylvania haben es nicht ganz so eilig, zumal es ohnehin ein großes Misstrauen zwischen den beiden Gebieten gibt.

 

"Ich habe gehört, es werden noch Landvermesser für das von den Virginiern beanspruchte Gebiet im Westen benötigt."
"Und ich habe gehört, dass man dort für jeden Landvermesser einen Totengräber braucht."

 

Duncan und Conawago ermitteln unter Einsatz ihres Lebens. Vor allem für Duncan, ein gebundener Leibeigener von Lord Ramsey aus New York, spitzt sich die Lage immer mehr zu, denn der überaus mächtige Ramsey residiert inzwischen in Philadelphia und sinnt auf Rache.

 

"Du bist ein verdammter Narr, Duncan McCallum. Frag Skawanati. Er wird dir sagen, du sollst dich nicht einmischen, sondern dich in Sicherheit bringen, solange du noch kannst."
"In dem Punkt sind wir uns einig. Ich bin ein verdammter Narr."

 

Geschickt legt Eliot Pattison zahlreiche Spuren und erzählt ganz beiläufig noch ein überaus interessantes Kapitel von der Besiedelung Amerikas. So spannend kann ein "Krimi", so kurzweilig kann Geschichte sein. Allerdings mag bei den zahlreich mitwirkenden Gruppierungen von Engländern, Deutschen, Schotten, diversen Indianerstämmen der Irokesen sowie den im Hintergrund schwirrenden Franzosen und Huronen schon mal der Überblick verloren gehen. Ebenfalls interessant sind die ersten Erfahrungen mit der neuartigen Elektrizität, ausgehend von den Arbeiten eines gewissen Benjamin Franklin. Natürlich kommen die Lebensgewohnheiten der Indianer und deren spirituelle Gepflogenheiten - die Geisterwelt lässt grüßen – ebenfalls nicht zu kurz. Großer Spannungsbogen, großes Kino. Anspruchsvolle Kost fernab des Mainstream.

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