Das Zeichen des Verräters

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Barcelona: Plaza Janés, 2008, Titel: 'El emblema del traidor ', Seiten: 459, Originalsprache
  • Reinbek bei Hamburg: rororo, 2010, Seiten: 474, Übersetzt: Luis Ruby

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Sabine Bongenberg
Zu harmlos, um zu berühren

Buch-Rezension von Sabine Bongenberg Jul 2010

Als Kapitän González im Frühjahr 1940 Schiffbrüchige aus dem tobenden Meer um Gibraltar rettet, ist er mehr als überrascht, als einer der Geretteten ihm ein geheimnisvolles Medaillon überreicht und sich dann ohne ein weiteres Wort in Richtung des neutralen Portugal absetzt. Erst sein Sohn Juan Carlos, der das Schmuckstück erbt, vermag dessen Geheimnis zu lüften, das in die Wirren des dritten Reiches in Deutschland führt:

Im Jahr 1919 leben die beidem Vettern Paul und Jürgen zwar im selben Haus, doch trennen sie Welten. Jürgen, der Sohn eines Barons, wächst regelrecht mit dem silbernen Löffel im Mund auf, wogegen der vaterlose Paul zusammen mit seiner Mutter die Handlangerdienste im Haushalt übernehmen muss und sich zusätzlich Jürgens’ täglichen Schikanen ausgesetzt sieht. Lediglich Jürgens älterer Bruder Eduard, der schwer verletzt und verkrüppelt aus dem Ersten Weltkrieg zurück kehrte, behandelt die Halbwaise freundlich. Als er jedoch von Paul einen besonderen Freundschaftsdienst erbittet, hat dies zur Folge, dass der Junge und seine Mutter aus dem Haus gewiesen werden und sich in dem von der Weltwirtschaftskrise gebeutelten München nun selbst ihren kargen Lebensunterhalt verdienen müssen. Paul nimmt entschlossen den Kampf gegen die widrigen Umstände auf und es gelingt ihm tatsächlich ein gewisser sozialer Aufstieg, der jedoch immer wieder durch die Intrigen und brutalen Angriffe seines Vetters gehemmt wird. Zusätzlich muss Paul erkennen, dass sich um den Tod seines Vaters offensichtlich ein dunkles Geheimnis rankt und allen seinen Versuchen, dieses Geheimnis zu lüften erhebliche Steine in den Weg gelegt werden. Als ob sein Leben damit nicht schwer genug wäre, verliebt er sich auch noch in die emanzipierte Alice. Diese stammt aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie und ist als wohlhabende Partie eigentlich dem adeligen Jürgen versprochen, der im aufstrebenden Nazi-Deutschland mittlerweile eine beachtliche Karriere durchlebte und nun zu den Herren über Leben und Tod gehört. Auch wenn für ihn eine Verbindung mit einer Jüdin mittlerweile alles andere als opportun wäre, ist er dennoch nicht bereit, diese Frau dem Rivalen zu überlassen und setzt alles daran, sowohl Paul als auch alle, die dieser liebt zu vernichten.

Juan Gómez-Jurado hätte sich darauf beschränken können, eine Liebe zu schildern, die im aufstrebenden Nazi-Deutschland dem ständig wachsenden Grauen und den sich steigernden Repressionen durch die damaligen Machthaber ausgesetzt war. Sicherlich wäre ihm ein bedrückendes Werk gelungen. Der Autor hätte sich auch darauf beschränken können, eine Lebensgeschichte zu schildern, die sich über die Dünkel der Herkunft erhebt und belegt, dass jeder sein Schicksal selbst bestimmen kann. Vermutlich wäre ein spannendes Buch entstanden. Oder der Verfasser hätte sich darauf festlegen können, wie bestimmte Verbände oder Glaubensrichtungen gezielt durch die Machenschaften der Nazis unterwandert und verraten wurden und auch hier wäre ein lesenswerter Roman zustande gekommen. Leider beschloss der Autor alle drei Erzählstränge in einem Buch zu verbinden und somit kratzt er nur an sämtlichen Oberflächen.

Zu einen wird die Geschichte des vom Schicksal benachteiligten Paul erzählt, der immer wieder zum Spielball seiner Verwandten wird, die ihn offensichtlich wegen eines schmutzigen Familiengeheimnisses schikanieren. Sofern für den Werdegang des Helden die Ergründung seiner Herkunft maßgeblich gewesen wäre, wäre nachvollziehbar gewesen, aus welchem Grund dieser alle seine Kräfte aufbietet, um das Rätsel zu lösen. Aber Paul ist auch aus eigener Kraft der soziale Aufstieg gelungen. Warum – so muss sich der Leser fragen – setzt er alles und damit nicht zuletzt seine große Liebe - aufs Spiel um diese nebensächliche Frage zu klären? Andererseits stellt sich auch die Frage, warum Paul eigentlich so in Alice vernarrt ist, die sich hauptsächlich dadurch auszeichnet ohne ersichtlichen Grund herumzuzicken und ihrem Geliebten das Leben schwer zu machen?

Zum anderen bietet der Roman einen Schauplatz dafür, wie Verbände, die den Nazis ein Dorn im Auge waren, systematisch infiltriert, ausspioniert und dem damaligen Unrechtsystem unterworfen wurden. Als Beispiel für diese Machenschaften entschied sich Gómez-Jurado für den Verrat an dem ethischen Bund der Freimaurer. Zu diesem Bund räumt der Autor in seinem Nachwort ein, dass es sich um eine "ziemlich dröge Angelegenheit" handele und dieses Bild wird auch dem Leser vermittelt. Wenn schon ein Autor nicht durch die Dinge gefesselt ist, die er beschreibt, wie will er dieses Bild dann dem Publikum vermitteln? Als logische Konsequenz muss auch dem Leser unklar bleiben, aus welchem Grund die Verbände der Freimaurer verfemt und deren Mitglieder verfolgt wurden.

Den Rahmen für dieses Konstrukt bildet der familiäre Zwist zwischen den beiden konträren Charakteren Jürgen und Paul, die in schlichter Schwarz-Weiß-Malerei dargestellt wurden. Auf der einen Seite die Lichtgestalt Paul ,der sich auch durch die widrigsten Umstände nicht vom geraden Weg abbringen lässt und auf der anderen Seite der boshafte Jürgen, der natürlich im damaligen Unrechtsregime einen fruchtbaren Nährboden findet. Letztendlich bilden der Showdown zwischen diesen beiden Gegensätzen und die anschließenden Folgen die Lösung sämtlicher Fragen, auch wenn die Auflösungen nach der ganzen Geheimniskrämerei, die vorher um sie entwickelt wurden eigentlich nicht mehr interessieren.

Als besonderes Manko des Romans soll aber abschließend nicht unerwähnt bleiben, dass Juan Gómez-Jurado zwar eine für damalige Zeiten unmögliche Liebe zum Hauptgegenstand seines Romans machte, aber offensichtlich nicht verstanden hat, welche Auswirkungen es nach sich zog, wenn einer der beiden Beteiligten mosaischen Glaubens war. So wird die Diskriminierung Alices und ihrer Familie letztendlich nur dadurch charakterisiert, dass ihrem gebildeten Bruder gute berufliche Anstellungen verwehrt werden. Die täglichen Demütigungen, denen sich aber jüdische Familien während der aufstrebenden Naziherrschaft ausgesetzt sahen, werden mit keiner Silbe erwähnt und damit letztendlich verharmlost.

Bleibt als Fazit festzuhalten: Von einem immerhin preisgekrönten Roman ( "Premio Ciudad de Torreviaja") hätte man mehr erwartet.

Das Zeichen des Verräters

Das Zeichen des Verräters

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Letzte Kommentare:
17.07.2011 10:10:29
ALCACER

richtig, ein banaler roman, oberflächlich und in der art wie er geschrieben wurde, sogar naïf; einer, der nicht vor kitschige sentimentälitat zurückschreckt, und ja die Alte ist eine zicke!, preisgekrönt (360.000 euro!) weil sonst im Spanien keiner liest und jemanden braucht , der ihn die richtung gibt.