Die Donnerstagswitwen

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Buenos Aires: Alfaguara, 2005, Titel: 'Las viudas de los jueves', Seiten: 318, Originalsprache
  • Zürich: Unionsverlag, 2010, Seiten: 315, Übersetzt: Peter Kultzen

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Wolfgang Franßen
Sommerhitze

Buch-Rezension von Wolfgang Franßen Jul 2010

Geht’s der Wirtschaft schlecht, geht’s den Menschen schlecht. Der Spruch könnte von einem Neo-Liberalen stammen, doch gerade in wohlhabenden Kreisen ist der Schein alles und beruht nicht selten auf der Höhe des Bankkontos, der Größe der Villa. Mancher Stand zeichnet sich am Kubikumfang des Pools ab. Am besten man gründet seine eigene Siedlung und errichtet eine Mauer um alle Gleichgesinnten, so dass man die eigene Welt aus der hässlichen auszulagern vermag.

Zu Beginn von Claudia Piñeiros Die Donnerstagswitwen findet die Ich-Erzählerin ihren Ehemann Zuhause auf dem Boden vor. Aus seinem Bein ragt ein blutverschmierter Knochen heraus und auf dem Weg ins Krankenhaus frisst ihn die Angst auf. Er will zu seinem Tennisfreund Tano, mit dem er so wunderbar Doppel spielt, doch die Ehefrau setzt sich über seinen Wunsch hinweg. Zur gleichen Zeit kehrt die Immobilienmaklerin Teresa Scaglia in ihr Heim zurück, sucht ebenfalls ihren Mann und findet nur Handtücher und leere Sektgläser vor. Sie weiß da noch nicht, dass Tano ermordet mit zwei Freunden im lauwarmen Wasser auf dem Boden des Pools liegt.

Claudia Pineiro prescht durch die Vordertür in ihre Geschichte hinein, reißt sie fulminant auf, um sie sogleich wieder zu verschließen. Was die Autorin auszeichnet? Sie besitzt die Sprache, um ihren Figuren in den Alltag zu folgen, ihre Wünsche greifbar aufscheinen, aus ihrem Scheitern das Verbrechen wachsen zu lassen.

Es hätte alles gut gehen können, mit ihnen da draußen, fünfzig Kilometer vor Buenos Aires. Die Geschäfte florierten. Die Grundstückspreise schossen in die Höhe. Die Ehen hatten Bestand. Selbst mit dem ein oder anderen Makel des gelegentlichen Seitensprungs behaftet; im schlimmsten Fall, wenn es herauskam, musste einer der Beteiligten halt aus der Siedlung wegziehen. Eine Idylle. Nur das Feuerwerk der Gemeinschaft macht gelegentlich Arbeit.

Donnerstags spielen die Männer von Teresa Scaglia und der Ich-Erzählerin Karten und die Frauen werden zu Donnerstagswitwen. So wie die Frauen der Golfer, die jedes Wochenende täglich vier Stunden Golf spielen müssen, in der Siedlung die Golfwitwen genannt werden. Zwischen diesen amüsanten Übertreibungen, dem Griff unter dem Tisch nach dem Schenkel einer Nachbarin sind es die kleinen Verletzungen, die die Tragödien in sich tragen. Pineiro hat ihren Roman in viele Geschichten gestückelt und sie gebündelt. Sie folgt zwar den Spuren der Donnerstagswitwen, aber deren Wege kreuzen jene, die dem schillernden Leben nachgetragen werden, die zusehen müssen.

Wenn ein Mädchen das T-Shirt einer Tochter aus reichem Haus auftragen darf, weil ihre Mutter es von Tante Mariana geschenkt bekommen hat, es stolz beim Einsammeln von Bonbons an der Haustür vorführt, wird es sogleich bloßgestellt. Das Shirt muss natürlich nach Halloween wieder zurückgeben werden, weil Tante Mariana plötzlich danach ist, es in den Basar zu geben und zu verkaufen. Ärgerlicherweise billiger als gedacht, weil ein paar Strass-Steine vorne fehlen.

Nach dem "algorithmischen Orgasmus" der 90er, in denen Hausbesitzer sich einen Spaß daraus machten, um wie viel teurer sie ihr Haus verkaufen könnten, müssen plötzlich viele um ihr Hab und Gut bangen. Nichts ist für die Gesellschaft hinter den Mauern schlimmer, als ihr Ansehen zu verlieren. Es muss also ein Plan her, wie man schleunigst zu Geld kommt, um die Krise zu überleben und das Gesicht zu wahren. Drogen? Lässt sich mit Drogen nicht auf die Schnelle Geld verdienen?

Natürlich will niemand ein Rassist sein, aber es existiert da so eine ungeschriebene Regel, dass das Fremde möglichst die 10 Prozentmarke nicht überschreiten sollte.

 

"Und gibt es hier ein Auswahlkomitee? Sollte es wenigstens. Ich meine, nicht bloß wegen der Juden. Ich mag ja niemanden ausschließen, also so grundsätzlich, aber es wäre schon gut, wenn man sich die Leute ein bisschen aussuchen könnte."

 

Dieser 2005 mit dem Premio Clarín ausgezeichnete Roman weist den ziselierten Weg durch eine Gesellschaft, die vor allem eins bedrückt: selber ausgeschlossen zu werden, nicht mehr dazu zu gehören. Es sind die Frauen, die davon erzählen, die Bürde tragen, sich hinter dicken Vorhängen verstecken oder in einer der aberwitzigsten Geschichten, wie Carmen sich mit der Haushälterin Gabina verbündet, um den eigenen Ehemann Alfredo vor die Tür zu setzen.

Zu Zeiten der Wirtschaftskrise soll mitunter auch in Deutschland die ein oder andere Siedlung gesichtet worden sein, die über ihre Verhältnisse lebt.

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