Kirschblüten im Eis

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Leer: Leda Verlag, 2009, Seiten: 250, Originalsprache

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Eva Bergschneider
Harmlos und gefühlsduselig

Buch-Rezension von Eva Bergschneider Jul 2010

Vor über 20 Jahren aufgekommen, ist der "Regionalkrimi" immer noch ein beliebtes Konzept der Verlage, um die Werke unbekannter Autoren populär zu machen. Es scheint zu funktionieren, nicht wenige Autoren haben den Sprung vom regionalen zum internationalen Publikum geschafft. Als bekanntestes Beispiel sei hier Frank Schätzing genannt, der mit seinen ersten Krimis (z.B. Mordshunger) im Rahmen der "Köln-Krimi"-Reihe veröffentlicht wurde. Einige Verlage haben sich inzwischen auf Regionalkrimis spezialisiert. So auch der Leda-Verlag, der mit dem Slogan "Krimis aus dem Mordwesten" Kriminalromane mit den Handlungsorten friesische Inseln und norddeutsches Festland veröffentlicht. Bei Kirschblüten im Eis von Carin Winter handelt es sich nun um einen Bremen-Krimi.

Die Nette, die Geheimnisvolle und der Spinner

Zunächst ist es eine versuchte Vergewaltigung, mit der es die Kriminalpolizei in Bremen zu tun bekommt. Die junge, aus gutem Hause stammenden Elena wird im Bruch, einem Naherholungsgebiet bei Bremen, von einem Mann angegriffen. Doch die Ermittlungen stocken schnell, denn weder das Opfer, noch die Polizistin, die zufällig vor Ort war und den Übergriff vereitelte, konnten sich ein Bild vom Täter machen. Julia, die Assistentin des zuständigen Kommissars Mehrens, ermittelt auf ihre Art und befragt den im Bruch lebenden Henrik. Doch außer in der Natur, lebt der in einer phantastischen Welt und berichtet ihr über Prophezeiungen der Trolle und die Vertreibung der Elfen.

Als kurz danach Elenas Verlobter Helge vermisst wird, hat Elena wiederum keine Idee, was passiert sein könnte. Die 21 jährige lebt noch im elterlichen Heim und Helge scheint mehr der designierte Erbe der Baufirma ihrer Eltern, als Elenas Partner zu sein

Die Durchsuchung von Henriks Unterschlupf fördert Helges goldenes Armband zutage – und macht ihn für Julias Chef zum Hauptverdächtigen. Helges Leichnam wird in der Weser gefunden und Henrik verhaftet. Julia hat nun alle Hände voll zu tun, um Henriks Unschuld, an die sie fest glaubt, zu beweisen. Dabei stößt sie auf ein skandalöses Bauvorhaben, einen Promi-Stalker und einen dichten Mantel des Schweigens, der ein Familiengeheimnis verdeckt.

Landhaus-Bremen-Krimi?

Carin Winter erzählt Kirschblüten im Eis ausschließlich aus der Perspektive der jungen Polizistin. Aus Julias persönlicher Sicht betrachtet, lernt der Leser ihre Partnerin Hanna, Elenas Familie, ihren ehemaligen Chef Kommissar Braun (den "Schlauen") und den aktuellen, Kommissar Mehrens (den "Trottel") kennen. Obwohl recht stereotyp ausgefallen, gehören die Charakterisierungen der Personen zunächst zu den gelungeneren Komponenten dieses Krimis. Julias unvoreingenommene Sicht der Menschen kommt anfangs erfrischend herüber, wirkt allerdings im weiteren Verlauf der Geschehnisse manchmal nervtötend naiv.

Einen zu breiten Raum in dem 250 Seiten schlankem Buch nimmt die Beziehung der beiden Frauen Julia und Hanna ein. Allzu bekannte Probleme, wie Vernachlässigung und Eifersucht werden breit ausgewalzt, was schnell langweilig wird.

Den Kriminalfall selbst möchte man als "größtenteils harmlos" bezeichnen (Redewendung aus der SF-Parodie Per Anhalter durch die Galaxis von Douglas Adams, mit der der Planet Erde in einem Reiseführer beschrieben wird), obwohl immerhin ein Toter zu beklagen ist. Im Mittelpunkt stehen die persönlichen Dramen der Protagonisten. Das Opfer bleibt unpersönlich und der Mord nebensächlich, Helge wird lediglich von seiner vorgesehenen Schwiegermutter vermisst. Die Freiheitsberaubung, die dem Phantastik verliebten Naturburschen Henrik angetan wird, kommt da schon dramatischer herüber.

Die Ermittlungen leben von Julias Beobachtungen im Grünen, küchenpsychologischen Folgerungen und vielen glücklichen Zufällen. Weder ihr, noch ihrem Chef, dem Trottel, möchte man auch nur einen Fahrraddiebstahl zur Aufklärung anvertrauen. Die Autorin lässt an falschen Fährten wenig aus, vom Spinner, über den Umweltskandal, bis hin zu Erpressung und Konkurrenzkampf. Doch keine davon ist auch nur annähernd in der Lage, wenigstens ein wenig Spannung zu erzeugen, da sich keine Entwicklung abzeichnet und die Ereignisse oft wie aus dem Würfelbecher gefallen wirken.

Für das Ende ihres Romans setzt die Autorin noch die Frage nach der Schuldfähigkeit oben drauf, was zu den besseren Ideen gezählt werden kann. Alles in allem entwickelt sich die Handlung jedoch zufallsgesteuert und schnurgerade dem "Happy End" entgegen. Die meisten Vertreter der typisch-englischen Landhauskrimis dürften mit wesentlich mehr Abgründen aufwarten. Wer eine leicht kitschige, deutsche Variante dieser Gattung lesen möchte und sich an sprachlicher Schlichtheit nicht stört, mag Carin Winters ersten Bremen-Krimi Kirschblüten im Eis als Lektüre für Zwischendurch in Erwägung ziehen.

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Letzte Kommentare:
26.07.2013 11:34:55
Jutta Fischer

Schriftstellerin bedient sich oft von Klischees, was anfangs stöhrt und mich letzendlich ziemlich genervt hat. Die Darstellung der Charaktere ist nicht gut gelungen, die meisten Personen werden nicht glaubhaft geschildert. Und was schlimmer ist, ziemlich naiv beschrieben (von der Ichperson werden zu viele Selbstbeschreibungen gemacht).
Das Plot ist gut, hätte ein bischen mehr ausgewirkt werden können und ein bischen mehr Mystifikation wäre auch nett gewesen, aber die Geschichte ist an sich gut konzipiert.
Manchmal bekam mir das Gefühl, hier muszte Lesbenrechtfertigungsliteratur geschrieben werden - schade.