Unser Mann in Afrika

Erschienen: Januar 1994

Bibliographische Angaben

  • London: Hamilton, 1981, Titel: 'A Good Man in Africa', Seiten: 251, Originalsprache
  • Reinbek b. Hamburg: rororo, 1994, Seiten: 342, Übersetzt: Hermann Stiehl

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Morgan Leafy ist Botschaftssekretär Ihrer Majestät im westafrikanischen Kinjanja. Er soll die kulturelle Souveränität der ehemaligen Kolonialherren repräsentieren. Doch Morgan ist nicht gerade ein diplomatisches Naturtalent: Hoffnungslos verfängt er sich in den Fallstricken der korrupten Lokalpolitik. Die zarte Romanze mit Priscilla, der attraktiven Tochter seines Chefs, findet ein rasches Ende, und dann taucht auch noch eine Leiche auf, die Morgan partout nicht wieder loswird.

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Letzte Kommentare:
02.09.2012 16:02:55
Stefan83

Spätestens mit „Eines Menschen Herz“ hat sich William Boyd unauslöschlich in meine ewige Bestenliste geschrieben – und auch sein preisgekröntes (u.a. Somerset Maugham Award) Erstlingswerk, „Unser Mann in Afrika“, ist einmal mehr ein Exemplar der auf dem Büchermarkt immer seltener werdenden Gattung „Mit literarischem Anspruch und trotzdem gleichzeitig unterhaltsam“.

In seinem Debüt erzählt Boyd die Geschichte des zweitklassigen Diplomaten und ewigen Verlierers Morgan Leafy, welcher verzweifelt danach strebt, seinem Posten in der fiktiven ehemaligen Westafrika-Kolonie Kinjanja zu entfliehen und die Karriereleiter emporzuklettern. Scheitern tut der egoistische und arg oberflächliche Menschenfeind dabei in erster Linie an sich selbst, was ihn jedoch nicht davon abhält, seine Schuld stets bei anderen zu suchen. Mit „Unser Mann in Afrika“ hat Boyd einen schwierigen Balanceakt bewältigt – eine höchst humorvolle Satire auf Papier zu bringen, welche, trotz teilweise schon Slapstick-artiger Auswüchse, nie ins Lächerliche kippt. Mit beißender Ironie legt er das koloniale Gehabe der englischen Botschaftsmitarbeiter bloß, die Afrika vor allem als berufliches Abstellgleis und die Kultur seiner Einwohner als rückständig empfinden. Hinter strahlendem Lächeln wird hier intrigiert, gemobbt, korrumpiert und erpresst – was man haben will, wird sich einfach genommen.

Umso überraschender, dass uns der selbstsüchtige und, selbst nach peinlichsten Tiefschlägen, hochmütige Morgan, so sehr ans Herz wächst, ja, wir einfach Mitleid mit ihm haben müssen. Die Art und Weise wie der Protagonist immer wieder vom Regen in die Traufe gerät, hat mich manchmal schallend lachen lassen. Oft fühlte ich mich hier bei seinen Kapriolen, auch wegen dem Setting, an Boyles „Wassermusik“ erinnert. Besser noch als diesem gelingt Boyd (was ihn auch in späteren Werken auszeichnen wird) seine Landschaftsbeschreibungen. Ein Buch dieses Autors zu lesen bedeutet farbenprächtiges Kopfkino, wobei er die stimmungsvolle Schwarzafrikaromantik genauso gut hinbekommt wie den bezahlten, verschwitzten Sex zweier Besoffener in einer verdreckten Absteige. Von Letzterem hat Morgan trotz dicker Bierplauze erstaunlich viel, wenngleich natürlich auch diese Liebesakte nicht ohne Merkwürdigkeiten ablaufen.

Auch wenn „Unser Mann in Afrika“ nur langsam in die Gänge kommt – spätestens ab der Mitte entwickelt sich eine der amüsantesten Geschichten, welche ich bisher lesen durfte. Ein herrlich doppeldeutiges Werk über den arroganten und ignoranten Europäer, das heute noch genauso aktuell ist wie vor 30 Jahren. Ich freue mich bereits auf den nächsten Boyd.

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