Wasserblaue Augen

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Madrid: Siruela, 2006, Titel: 'Ojos de agua', Seiten: 187, Originalsprache
  • Zürich: Unionsverlag, 2009, Seiten: 221, Übersetzt: Peter Kultzen

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Ines Dietzsch
Lesevergnügen mit einem Ermittler-Duo ohnegleichen

Buch-Rezension von Ines Dietzsch Jun 2010

Im nordwestlichsten Zipfel Spaniens liegt die autonome Region Galicien. Ihren Bekanntheitsgrad verdankt die Gegend Veröffentlichungen wie Ich bin dann mal weg von Hape Kerkeling, denn Ziel der Pilger auf dem Jakobsweg ist die galizische Hauptstadt Santiago de Compostela. Der spanische Autor Domingo Villar machte sich nun daran, dieses Gebiet kriminalliterarisch zu bearbeiten. Handlungsschauplatz seiner Romane ist die Hafenstadt Vigo und die südliche Atlantikküste. Wasserblaue Augen heißt der erste Kriminalroman des Spaniers, der in der Übersetzung von Peter Kultzen im vergangenen Jahr beim Unionsverlag erschienen ist.

Auch der zweite Roman von Domingo Villar Strand der Ertrunkenen ist bereits in deutscher Sprache auf dem Markt und den habe ich mit großer Begeisterung gelesen. Was lag also näher, als sich einmal mit dem Debüt dieses Autors zu befassen?

The man I love

In einer schicken Apartmentwohnung in teuerster Wohnlage auf der Insel Toralla findet eine Putzfrau die Leiche ihres Arbeitsgebers. Der Ärmste liegt gefesselt und geknebelt in seinem Bett, die wasserblauen Augen vor Entsetzen weit aufgerissen.

Jemand hat Luis Reigosa übel mitgespielt und ihn grauenvoll verstümmelt. Die kriminaltechnische Untersuchung ergibt Hinweise auf eine homoerotische Beziehung des getöteten Jazzsaxofonisten. Kommissar Leo Caldas und sein Assistent Rafael Estévez nehmen die Ermittlungen im privaten und beruflichen Umfeld des Musikers auf und ihr Weg führt sie in höchst angesehene und einflussreiche Kreise.

Heimatliebe

Domingo Villar ist gebürtiger Galicier, lebt aber längst nicht mehr in Vigo, sondern in Madrid. Liebe und Sehnsucht nach der alten Heimat drückt sich in seinen Romanen aus, was ganz reizvoll zu lesen ist und ein sehr stimmungsvolles Bild vom Ort des Geschehens zeichnet. Sehr humorvoll blickt er auf seine Landsleute und deren kauzige Lebensart. Dafür schuf er zwei Charaktere, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Seinem Kommissar Leo Caldas, einem feinsinnigen Melancholiker mit Draht zu den Einheimischen, stellt er den massigen Hitzkopf Rafael Estévez als Assistent zur Seite. Estévez ist Aragonese und die Wortkargheit der Galicier verleitet ihn immer wieder aufs Neue zu spontanen Wutausbrüchen und Tätlichkeiten. Ein Verhör:

 

"Name?", hatte Estévez gefragt, entschlossen, die Sache schnell hinter sich zu bringen.
"Wie ich heiße?", hatte der Junge zurückgefragt.
"Wie ich heiße, wirst du wohl kaum wissen, nehme ich an." […]
"Wohnort?"
"Wo ich wohne?", fragte der Junge.
"Meinst Du, ich will von dir wissen, wo ich wohne? Sind wir hier zum fröhlichen Rätselraten, oder was?"
"Nein, Señor."
"Also, dann mal sehen, ob wir das schaffen. Wie ist deine Adresse?"
Estévez legte in Erwartung der Antwort des Jungen eine Pause ein. Doch der sah sich durch die Frage offenbar zu tiefem Nachdenken veranlasst.
"Meinen Sie, wo ich normalerweise wohne?, fragte er schließlich.

 

Das Buch umfasst nur knapp 220 Seiten, doch die genügen, um die Hauptakteure ins Rampenlicht zu rücken und mit Wiedererkennungswert auszustatten. Den Mordfall erzählt Villar in sehr komprimierter Form, der Weg zur Klärung beschreibt eine gerade Linie. Umwegige Verwicklungen hat der Autor für den Leser nicht vorgesehen. Auch die Lösung des Falles birgt keinen großen Aha-Effekt. Bei der Tötungsvariante zeigt sich Villar findungsreich, die könnte vor allem bei den Herren der Schöpfung ein leichtes Ziehen in der Leistengegend verursachen. Mit der voyeuristischen Darstellung der Folgen dieser Tötungsart wurde aber übertrieben, dies passt nicht so ganz stimmig zu dem sonst angenehm unblutigen und heiteren Text.

Der Debütroman von Domingo Villar reicht nicht an den wunderbar komponierten Strand der Ertrunkenen heran, bietet aber unbeschwertes Lesevergnügen mit einem Ermittler-Duo ohnegleichen.

Wasserblaue Augen

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Letzte Kommentare:
05.01.2012 20:22:45
Jossele

Domingo Villar legt aus meiner Sicht ein herausragendes Debüt hin. Selten hat mir ein Erstlingswerk so gut gefallen. Die Hauptakteure Leo Caldas und Rafael Estévez sind in ihrer Unterschiedlichkeit kaum zu übertreffen und gehören doch zusammen, sie sind für einen Erstling ausreichend charakterisiert, aber auch nicht mehr als nötig, so dass Luft für weitere Einblicke in kommenden Büchern bleibt. Die Besonderheiten der Bewohner Galiziens, an denen sich der hierher strafversetzte Estévez abarbeitet, werden wirklich witzig und doch zugleich liebevoll herausgearbeitet. Die Aufklärung des Falles durch die beiden Polizisten ist nahezu schnörkellos. Erkenntnis wird an Erkenntnis gereiht bis zur letztendlichen Ermittlung des richtigen Täters, die ein Zufall (Pipo) nur etwas beschleunigt, und die am Ende doch noch eine Überraschung bietet. Ausgesprochen überdurchschnittlich gelungen finde ich die stringente Logik der Lösung. Ich habe vor kurzem Andreas Eschbach dafür kritisiert, dass er seinem "Nobelpreis" mit einem verbotenen Trick eine neue Wendung gab. Villar beweist hier, dass es auch ohne solche Kniffe geht. Aber Eschbach ist nicht der einzige, der in Sachen Logik von Villars "Wasserblauen Augen" lernen könnte, davon gibts eine Menge.
Chapeau, Herr Villar. 90°