Mein Vater, der Mörder

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Dortmund: Grafit, 2010, Seiten: 288, Originalsprache

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Wolfgang Weninger
Zwischen Bochum und Vietnam - ein kurzweilger Lesespaß. Zu kurz ...

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Mai 2010

Die Kurzbeschreibung auf dieser Seite gibt schon genug vom Inhalt preis. Würde ich noch mehr aus dem im Dortmunder Grafit-Verlag erschienenen neuen Krimi des Bochumer Vielschreibers Jürgen Pomorin alias Leo P. Ard verraten, bräuchte man die 178 Seiten erst gar nicht mehr zu lesen.

Und das wäre richtig schade, denn der Autor lässt routiniert die zwei Handlungsstränge aus dem Heute in Bochum und dem Damals in Vietnam ineinander fließen, bis sich Vergangenheit und Gegenwart an beiden Schauplätzen verdichten und im finalen Showdown gipfeln. Wie man gekonnt Spannung aufbaut und bis zum Schluss durchhält, ist wohltuend kurz und zügig abgehandelt, ohne dass, wie bei anderen Schreibern, noch dreihundert Seiten langweiliges Füllwerk zwischen den Seiten stecken muss.

Und trotz der Kürze schafft es Leo P. Ard, dass die Personen ordentlich charakterisiert werden. Bald ist dem Leser klar, dass der alte Stinkstiefel Günther Berger aus seiner Zeit bei der Fremdenlegion genügend Dreck am Stecken hat und gar nicht darauf erpicht ist, dass sein Sohn diesen Geheimnissen auf die Spur kommt. Dieser Frank Berger, Radiomoderator vor dem Rauswurf und mit plötzlicher Panik vor einer möglichen Bindung gezeichnet, hat ergo nichts Besseres zu tun, als sich nach Fernost abzusetzen und seinem Vater hinterher zu spionieren.

Und die seelisch auch nicht ganz lupenreine Hauptkommissarin, deren Ermittlungen bewusst behindert werden, hat auch nichts Klügeres zu tun, als sich Urlaub zu nehmen und genauso das Ziel in Indochina anzusteuern.

Soweit ist die Geschichte vorhersehbar und es kommt, wie es kommen muss, auch diese Hauptfiguren laufen sich mehr oder weniger zufällig über den Weg. Das hat alles Fernsehniveau der Krimis auf öffentlich-rechtlichen Sendern und reißt beileibe nicht vom Hocker. Der eigentliche Reiz des Buches liegt in den Schilderungen aus Vietnam. Hier weiß der Autor mit sprachlicher Brillanz Bilder zu malen, die in ihrer Exotik fesseln. Genau an diesen Stellen wünscht man sich eigentlich ein Mehr an Erzählung, um das Flair Saigons und Nha Trangs noch intensiver miterleben zu können.

Eine ähnliche Steigerung des Erzählens hätte man aus den Geschichten rund um die Légion Étrangère basteln können, die nur dort, wo es wirklich für den Handlungsablauf notwendig ist, kurz abgehandelt wird. Aber vielleicht hat der Autor Recht und in der Kürze liegt die Würze.

Grundsätzlich darf gesagt werden, dass Mein Vater, der Mörder trotz seiner Vorhersehbarkeit ein durchwegs gelungenes Buch ist, das sich leicht und flüssig liest und über die gesamte Lesedauer keine Langeweile aufkommen lässt.

Leo P. Ard hat mit diesem Buch kein Meisterwerk geschaffen, aber ein unterhaltsames Stück Lesespaß abgeliefert, dem man anmerkt, dass ein Könner und Routinier am Werk war. Aufbau, Spannung und Erzählton sind ohne große Kritikpunkte geschickt zu Papier gebracht. Und für mich ist ein klarer Pluspunkt bei der Beurteilung, dass ich bedauert habe, dass dieses Buch so kurz war und ich hätte gerne noch mindestens hundert Seiten mehr gelesen.

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