Die Zwillingsfalle

Erschienen: Januar 2000

Bibliographische Angaben

  • Dortmund: Grafit, 2000, Seiten: 351, Originalsprache
  • Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2008, Seiten: 9, Übersetzt: Horst Eckert

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Thomas Kürten
Das meint Krimi-Couch.de: Mannesmann und ´Verbotene Liebe´

Buch-Rezension von Thomas Kürten Mai 2003

Ela Bach, Kommissarin bei der Mordkommission, ist die designierte Nachfolgerin ihres Chefs Ben Engel. Auch, weil die Frauenquote auf Führungsebene erfüllt werden soll. Die ehrgeizige Kommissarin sieht sich Anfeindungen älterer männlicher Kollegen ausgesetzt. Ihr Ehrgeiz lässt sie das Mobbing am Arbeitsplatz ertragen. Sie untersucht den Tod einer alten Dame in der Wohnung eines jungen Paares. Das Paar ist überfallen worden, die Frau wurde sogar vergewaltigt, aber von einer Anzeige wollen die jungen Leute nichts wissen.

Leo Köster, Anfang 40, erster Mann in einem Sondereinsatzkommando der Düsseldorfer Polizei, kann die Schusshand nicht mehr ruhig halten. Nervöse Zuckungen? Als er bei einem Einsatz, der einem der mutmaßlichen Einbrecher aus obigem Fall gilt, einen Kollegen anschießt und tödlich verletzt, wird er stillschweigend zur Kripo versetzt. Er verliebt sich beim sonnenbaden in eine kokainsüchtige Mittzwanzigerin.

Netter Job: Untersuchen sie den Diebstahl von Latexunterwäsche aus der Wohnung einer SM-Fetischistin

Martin Zander, Kommissar in der EK Wohnungseinbruch, untersucht gerade den Diebstahl von Latexunterwäsche aus der Wohnung einer SM-Fetischistin. Erhat eine nette Möglichkeit gefunden, sein bescheidenes Gehalt aufzubessern, denn unter Mithilfe seines Partners Arnie Haffke verkauft er Diebesgut an einen Hehler und trickst dabei die Verbrecher, die für die Einbrüche verhaftet werden, aus. Aber er droht aufzufliegen, als einem Dieb die Flucht aus dem Knast gelingt. Den Flüchtigen erschießt er während eines Einsatzes vor den Augen von Ela Bach in offensichtlicher Notwehr.

Drei Protagonisten, die in unterschiedlichen Bereichen bei der Düsseldorfer Polizei ermitteln, sich in unterschiedlichen Lebenssituationen befinden und die auf wundersame Weise zu einem Team werden. Denn als etwa gegen Mitte des Romans "Die Zwillingsfalle" von Horst Eckert sechs Menschen erschossen in der Sauna eines Bodybuilding-Studios gefunden werden, sind sowohl die schöne Mittzwanzigerin, in die sich Köster verguckt hat, als auch Zanders Polizeikollege Haffke unter den Opfern. Und Ela Bach kann sich als Koordinatorin der Polizeiarbeit in der extra gegründeten SoKo Sauna profilieren.

Drei Handlungsstränge zu festem Zopf zusammengeknüpft

Drei Handlungsstränge, die zu Beginn des Romans meilenweit auseinander liegen, werden mit Fortschritt der Handlung immer enger zu einem festen Zopf geknüpft. Wie sich zeigt, verbinden sie bereits die kleinen Fälle, an den sie arbeiten, doch der grausame Saunamord führt die Spuren zusammen. Und langsam offenbart sich ein Familien- und Beziehungsdrama in den Kreisen der High Society. Der Vorstandsvorsitzende des Mobilfunkkonzerns Geminag, der gerade von der britischen Skyphone aufgekauft wird, könnte das nächste Opfer des Saunamörders sein.

Es fällt schwer, die Zwillingsfalle mit wenigen Worten zusammenzufassen. Eine Vielzahl von Verbindungen besteht zwischen den Figuren der Handlung. Ein dichtes Beziehungsgeflecht mit vielen überraschenden Wendungen. Zwei Halbgeschwisterpaare, die lange Zeit nichts voneinander, bzw. von ihren leiblichen Vätern wussten, weisen schließlich einen Weg aus dem komplizierten, aber durchaus überschaubaren Wirrwarr von verbotener Liebe. Ebenso führen viele kleine Verbrechen zu einem offenbar unausweichlichen Höhepunkt, wobei jede Missetat, sei sie auch noch so klein, notwendig ist, um am Ende eine stringente und logisch aufgebaute Lösung des Falles zu präsentieren.

Handwerklich war dieser Krimi sicherlich eine Herausforderung für den Autor. Inspiration für den Fall hat er offenbar aus der Übernahmeschlacht um den Düsseldorfer Mannesmann-Konzern gezogen. Wahrscheinlich haben ihn auch die immer wieder haarsträubenden Familiendramen aus der ARD-Vorabendserie "Verbotene Liebe" belustigt, die ebenfalls in Düsseldorf spielt. Jedenfalls erhält die Erzählung dadurch und durch die guten Ortsbeschreibungen einen weithin erkennbaren Düsseldorfer Lokalkolorit.

Eckerts Ideenvielfalt und erzählerisches Talent ist begeisternd

Was bei Eckert immer wieder begeisternd ist, ist seine Ideenvielfalt und sein Talent, die Erzählung durch neue Wendungen zu bereichern. Auch bei diesem Buch gilt wieder die Feststellung, dass andere Autoren womöglich drei Romane aus dem Stoff produziert hätten. Eckert hat drei Helden (oder sind es Antihelden?), alle zeichnen sich durch unterschiedliche Charaktere und Motivation aus. Keiner der drei kann dem Leser eigentlich richtig sympathisch werden, am ehesten gewinnt man Mitleid mit dem offenbar erkrankten Köster. Es ist typisch für Eckert, dass unter den Polizisten Komplott und Intrige gepflegt werden. Geltendes Recht wird gebogen und es werden sogar aktiv Verbrechen begangen.

Ein Krimi, der dem Leser Spaß bereitet, weil man merkt, dass er mit viel Spaß geschrieben wurde. Es ist interessant, die Fortentwicklung der Zusammenarbeit der drei Kollegen zu beobachten. Die Auflösung bietet eine gehörige Portion Action und Spannung. Nach dem kurzen Epilog war ich überraschender Weise ein wenig traurig, dass der Krimi schon beendet war. Gerne hätte ich über die weitere Entwicklung der gerade aufkeimenden Freundschaft der drei Fahnder gelesen. Aber vielleicht hat sich der Autor diesen Stoff ja für einen noch nicht geschriebenen Roman aufgehoben.

Die Zwillingsfalle

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Letzte Kommentare:
09.02.2011 15:38:18
guido

der krimi ist die reinste qual ! bis weit in die hälfte des buches wird man bis zum erbrechen mit dem tristen dasein von kriminalbeamten gelangweilt, die sich mit frustierenden bürokratenalltag und unfähigen, geilen, korrupten kollegen abplagen müssen. das sexleben der beamten ist natürlich die reinste katrastrophe. man stolpert zwar dauernd über brüste, aber ela bachs vorbau ist so unerreichbar wie der erträumte sechser im lotto und düsseldorf spielt in der 2. liga - so ein ärger auch. dann explodiert kleinteilig ein saunaofen und allmählich schält sich so etwas wie eine handlung aus dem durcheinander heraus. etwas zu spät für meinen geschmack und leider auch nicht halbwegs realistisch und darüber hinaus verquast bis zum geht nicht mehr. warum, was, wieso passiert, welche psychische logik die figuren antreibt, muss man sich selbst zusammenreimen - die menschen sind halt so, und geld verdirbt den charakter, jeder benutzt jeden und so weiter und so weiter… man kommt sich vor, als läse man eine fortsetzungstory der bild am sonntag – allerdings ohne bilder, versteht sich. schlimm auch, dass eckert bierernst düsseldorf als verruchtes los angeles beschreiben möchte und so kann man der bemühten story bis zum erlösenden ende kaum etwas abgewinnen, da selbst die nebenhandlungen so spannend sind wie 2 stunden schlaf.

18.08.2009 21:56:37
marco

man merkt, dass der autor als journalist tätig war. beim lesen seiner bücher hat man manchmal den eindruck, man habe eine überlange SPIEGEL-story o.ä. vor sich. das mag man positiv sehen, wenn er sich bemüht einen realistischen einblick in die polizeiarbeit zu geben. das hat aber auch seine negativen seiten, denn seinen büchern fehlt es mE an ausdrucksstarker prosa.
die handlung ist in diesem buch umfassend konstruiert, alles fügt sich wie ein großes puzzle zusammen, aber richtige spannung kommt leider nicht auf. das liegt nicht an den ideen des autors (die sind eigentlich ganz gut), sondern vielmehr an seinem nüchternen schreibstiel der leider keine spannungsbögen zuläßt. insgesamt eher mittelmäßig.

19.05.2007 19:59:35
Harald Schüttelhöfer

Hier schreibt jemand mit guten Kenntnissen der Polizeistruktur, spannend, kritisch, einer der Kommissare hat Dreck am Stecken, der andere einen Kollegen erschossen, die dritte Hauptfigur, eine Kommissarin, wird übel gemobbt, und dann gibt es noch mehrere Fälle, die im Laufe der Handlung grandios zusammenwachsen. Ich finde das Buch gelungen, wegen der Vielzahl der Handlungsstränge sollte man es zügig lesen... es lohnt sich, ein guter Roman

23.11.2005 14:40:01
Steve1

Also ich war sehr enttäuscht. Viel zu viele kleinteilige Details und Figuren... wer eigentlich die Hauptfigur sein soll, wird einem überhaupt nicht klar. Und dann ist das meiner Meinung nach völlig überfrachtet mit Polizie-internen Details.... wer will das alles so genau wissen????
Ich nicht! Ich bliebe lieber bei Nesser, Mankell, Haas, Edwardson etc etc... es gibt soooo viele gute Krimis, ein weiterer Eckert ist da Zeitverschwendung. "Aufgeputscht" fängt schon wieder genauso an, habe es nach zehn Seiten in dem Müll geworfen

06.04.2005 19:56:41
TM

Ich fand den Roman nach all diesen Vorschusslorbeeren eher enttäuschend. Zu viele verschiedene Handlungsträger die erst viel zu spät zueinander fanden, eine unnötig verwirrende Vielfalt von beteiligten Diensstellen - möglicherweise einfach zu realistisch. Die Lösung des Mordes war etwas zu sehr wie "Kai aus der Kiste" und auch die ganze Motivlage fand ich eher gekünstelt. Die Lösung der verschiedenen Probleme der einzelnen Kommissare fiel gleich ganz aus. Lust auf mehr Eckert hat dieser roman bei mir jedenfalls nicht gemacht.

04.01.2005 17:39:51
pet

Eckert hat jede Menge Stoff und viele verschiedene Themen in einen einzigen Roman gepackt, ohne daß er überfrachtet wirkt. Die verschiedenen Fäden fügen sich gut zu einer Einheit zusammen. Mein erster Eckert, sicher nicht mein letzter. 85 Grad

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