Letzter Gruß

  • Limes
  • Erschienen: Januar 2010
  • 7
  • München: Limes, 2010, Titel: 'Letzter Gruß', Seiten: 350, Übersetzt: Anne Bubenzer
Letzter Gruß
Letzter Gruß
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Andreas Kurth
86°1001

Krimi-Couch Rezension vonMai 2010

Brooklyn und Stockholm – ein gute Mischung

Wenn zwei Bestseller-Autoren zusammen ein Buch schreiben, kommt nur Murks heraus? Ganz im Gegenteil. James Patterson und Liza Marklund haben jeweils ihre Markenzeichen – wenn auch unter anderen Namen – beigesteuert. Ein knallharter Cop aus Brooklyn, der es mit den Vorschriften nie allzu genau nimmt, aber stets den eisernen Willen hat, einen Fall auch zu lösen. Und eine ebenso charmante wie intelligente Journalistin aus Stockholm, die dazu noch über erstklassige Verbindungen verfügt. Die beiden führt eine Mordserie zusammen, die sich zuvor schon durch ganz Europa gezogen hat und den Ermittlern überall Rätsel aufgibt.

Blutige Spur durch Europa

Kunst ist mitunter, oft sogar, für den Betrachter nicht nachvollziehbar. Der Künstler denkt sich etwas bei seinem Werk, aber erst seine Erklärungen machen das Kunstwerk für den Betrachter durchschaubar. Ganz anders soll es bei der konzeptuellen Kunst ablaufen – hier wird das Ereignis zum sorgfältig inszenierten Kunstwerk. Aber bevor sich die Ermittler mit diesem Thema auseinander setzen können, oder besser gesagt müssen, zieht sich eine blutige Spur durch Europa, von der lange Zeit nicht klar ist, ob und wie die einzelnen Morde zusammen hängen. Es gibt jeweils Postkartengrüße, bevor in Rom, Paris, Berlin und schließlich Stockholm grausame Morde verübt werden. Immer wieder werden junge Paare in ihren Flitterwochen ermordet aufgefunden. Ihre Leichen sind außerordentlich kunstvoll arrangiert, und Kriminalreporter werden per Postkarte oder Polaroid-Foto von den Mördern über ihre jüngsten Taten informiert.

Der Cop und die Reporterin

Unter den ersten Opfern in Rom ist auch Kimmy, die Tochter des Polizisten Jacob Kanon. Er macht sich aus New York auf den Weg nach Europa, weil er den Europäern nicht zutraut, die Mörder seiner Tochter zu finden. Er macht es sich zur Lebensaufgabe, die Killer zu fassen. Nachdem er bereits in Berlin mit der Polizei zusammen gearbeitet hat, führen ihn seine Ermittlungen nach Stockholm. Dort gelingt es ihm, in das offizielle Polizeiteam aufgenommen zu werden, wenn auch nur als Beobachter. Dieser Status hält ihn jedoch nicht davon ab, aktiv seine eigenen Ermittlungen zu führen. In diesem Zusammenhang trifft Jacob auf die attraktive Kriminalreporterin Dessie Larsson. Sie hatte zuvor eine Postkarte mit den grausigen Details zum Mord an einem deutschen Pärchen erhalten hatte.

Mordopfer als Kunstwerke

Gemeinsam hangeln sich der aufbrausende Amerikaner und die kühle Skandinavierin durch die Ermittlungen, die durch fehlende Spuren am Tatort massiv erschwert werden. Die Mörder arrangieren ihre Opfer stets wie ein bekanntes Gemälde oder Kunstwerk, hinterlassen jedoch keine Fingerabdrücke oder andere Spuren. Dennoch zeigt sich schließlich ein Muster: Ein Pärchen erschleicht sich das Vertrauen frisch verheirateter Paare, lockt sie ins Hotel und macht sie bewusstlos. Danach schneiden sie ihren Opfern die Kehlen durch, arrangieren sie wie Kunstwerke und machen davon Polaroid-Fotos. Per Postkarte werden die Bilder an lokale Kriminalreporter verschicken, um sich der medialen Aufmerksamkeit zu versichern.

Zwillingspaar im Focus der Fahnder

Bald schon glauben Dessie, Jacob und das schwedische Ermittlungsteam, mit dem Zwillingspaar Silvia und Malcolm Rudolph die Täter gefunden zu haben. Als jedoch weitere Morde geschehen, während die Zwillinge in Untersuchungshaft sitzen, müssen Jacob und Dessie neu ansetzen. Jacob forscht in der Vergangenheit und dem kalifornischen Umfeld der Zwillinge nach und stößt dabei auf ein äußerst düsteres Kapitel – unterdessen ist Dessie nach Kopenhagen gereist, wo es neue Morde gegeben hat. Es kommt schließlich zu einem dramatischen Showdown an der schwedisch-finnischen Grenze.

Gelungenes Gemeinschaftsprodukt

So skeptisch wie manche Kollegen war ich nicht, als ich das Buch zur Hand genommen habe. Wenn man einen der Co-Autoren nicht besonders mag, ist man ja eher misstrauisch. Da ich beide sehr schätze, habe ich dem Buch eine Chance gegeben. Dass es mich so packen würde, hat mich dann doch überrascht. Letzter Gruß wurde in knapp anderthalb Tagen ausgelesen, weil die Story wirklich faszinierte. Zunächst war da die Neugierde im Hinblick auf die Motivation der Täter. Was bringt scheinbar normale junge Menschen dazu, anderen Paaren mit Inbrunst die Kehle aufzuschneiden? Die Auflösung ist dann höchst überraschend und führt zu Kopfschütteln.

Gut erzählt

Und von Beginn an haben offenbar beide Autoren ihr erzählerisches Talent eingebracht. Die Geschichte packt den Leser ziemlich schnell, dabei leisten die interessanten Figuren auch ihren Teil. Der kantige Cop aus Brooklyn und die oft verunsicherte, aber dennoch zielstrebige Journalistin aus Stockholm reiben sich zunächst heftig aneinander. Aber Dessie wird schnell die einzige Vertraute des Amerikaners. Nicht wirklich verwundert ist man als Leser, als die beiden endlich auch im gleichen Bett landen. Seit geraumer Zeit gehört es bei Kriminalromanen mit einigem Anspruch offenbar zum guten Ton, dass sich bei den Ermittlern ein Liebespaar findet. Wenn ich mal einen Roman ohne dieses Stilmittel lese, wird er Extra-Punkte bekommen. In Letzter Gruß wird immerhin geschickt der Eindruck vermittelt, dass aus den beiden eher nichts werden könnte. Der Ausbruch von Leidenschaft kommt dann schon überraschend, und das Ende verblüfft sogar ein wenig.

Krasse Geschichte

Mit fällt kein anderer Begriff dazu ein. Die Motivation der Mörder für ihre Bluttaten ist dermaßen krass, dass es den Leser wirklich umhaut. Ich will nicht zu viel verraten, aber durch die Anzahl der Täter und ihre Beziehung zueinander bekommt die Geschichte ihren entscheidenden Pfiff. Daneben überzeugen die Personen und die Dialoge, aber es gibt auch Minuspunkte. Das Finale hätte ruhig ein wenig ausführlicher und dramatischer ausfallen können. Da endet das Buch etwas zu hastig, was auch für den eher lieblosen Epilog gilt. Der müsste nicht viel länger sein, aber ein oder zwei Seiten mehr zum Ausschmücken hätten dem Buch gut getan. Vielleicht konnten sich die beiden Co-Autoren nicht recht einigen, aber das ist Spekulation. Der wirklich gute Gesamteindruck von diesem Werk wird dadurch nur geringfügig geschmälert. Spannend ist jetzt, ob sich Marklund und Patterson bei einem Erfolg des Buches zu einer Fortsetzung hinreißen lassen.

Letzter Gruß

James Patterson, Limes

Letzter Gruß

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