Die letzte Prophezeiung

  • Rütten & Loening
  • Erschienen: Januar 2009
  • Milano: Sperling & Kupfer, 2008, Titel: 'I numeri della sabbia ', Seiten: 435, Originalsprache
  • Berliin: Rütten & Loening, 2009, Seiten: 463, Übersetzt: Christian Försch
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Wolfgang Franßen
35°

Krimi-Couch Rezension von Wolfgang Franßen Mai 2010

Schnitzeljagd

Die Welt geht unter. Wieder einmal. Nicht zum letzten Mal. Es ist davon auszugehen, dass sie gerettet wird. In letzter Sekunde. Am besten von einer hübschen Frau und einem klugen Mann, damit der Verfilmung nichts im Wege steht. Wissenschaftler natürlich. Das ist seit Dan Brown und Michael Crichton Standard. Es geht um die wahre Offenbarung des Johannes, um das genaue Datum der Apokalypse. Die Leser wandern mit Roger R. Talbot wieder einmal in die frühe christliche Geschichte, um am Ende das Geheimnis gewahrt zu sehen, so dass einem nichts als Beten bleibt.

Die Welle an Mysterie-Thrillern, die sich der Kirche, der Wissenschaft, dem ökologischen wie ökonomischen Zusammenbruch widmen, ebbt nicht ab. Was, wenn wir kein Öl mehr haben? Was, wenn die wahren Außerirdischen im Meer leben? Was, wenn uns eine neue Eiszeit, eine sprunghafte Erderwärmung bevorsteht, der Einschlag eines Meteoriten den Himmel mit einer dichten Staubdecke überzieht? Das beliebteste Spiel lautet: Was, wenn die Kirche ihre Verliese öffnet, ihre letzten Geheimnisse preisgibt?

In Die letzte Prophezeiung stürzt der Theologieprofessor Molteni aus dem Fenster, bevor er seinem Schüler Liam Brine eine geheime Botschaft anvertrauen kann. Brine bleibt nur ein Ring und das letzte Wort eines Sterbenden: "Buch." Als reiche dieser Schicksalsschlag nicht, wird in Dublin Liams Bruder David entführt. Welch merkwürdige Verquickung von Zufällen, der Mann ist IT-Spezialist und offenbar auch Geheimnisträger. Man kann Talbot nicht absprechen, dass er schmissig zu formulieren, einen Plot zu bauen und Spannung zu erzeugen versteht. Nur hat man das alles schon mal gelesen und ein weiterer Aufguss erzeugt in diesem Fall mehr Dampf als Hitze.

Der Untergang

Ob es nun um die Johannes Offenbarung, Maria Magdalena, eine innerkirchliche Sekte oder um den Worldwide Crash geht, der Kern erscheint austauschbar, bemüht sich, abwechslungsreich zu sein. Mag der Roman auch noch so versiert verschiedene Handlungsstränge untereinander verknüpfen und unsere Kenntnisse über die Nag-Hammadi-Schriften & Gnosis, über Ossius von Córdoba, dem 1. Konzil von Nicäa, Wachhopliten, dem Streit über wahren Glauben geht, es bleibt ein Jonglieren mit Zahlen und historischen Ereignissen in Schwarz und Weiß. Hier die Guten, da das Böse.

Wir beschäftigen uns mit biometrischer Vermessung, Landenteignungen in Lateinamerika und Kursmanipulationen. Alles hängt natürlich zusammen. Wir leben schließlich in einer globalen Welt und in der ist kein Platz für den mordenden Gärtner von nebenan. Irland, Patagonien, Vereinigte Arabischen Emirate, Italien. Schon Dan Brown trat als Reiseführer auf.

Verschwörungs- und Mystery-Thriller-Fans werden trotzdem auf ihre Kosten kommen. Der Autor fordert zum Miträtseln auf. Seit Sakrileg eine willkommene Freizeitbeschäftigung. Ärgerlich , dass ein offensichtlich kluger Autor sich in die Niederungen des Kriminalromans begibt und es an Klischees nicht mangeln lässt. Talbots Roman setzt allzu sehr auf historische Erwägungen und richtet nebenher eine kriminelle Soap Opera an. Es muss mal wieder um die Weltherrschaft gehen. Die kommenden Ereignisse werden die Welt erschüttern.

Na, da hilft nur beten. Oder ein Buch wie Die letzte Prophezeiung lesen, das uns beruhigt. Es wird schon nicht so weit kommen. In der Welt findet sich immer ein Held, ein Retter. Vielleicht sollten wir es doch mit beten versuchen.

Die letzte Prophezeiung

Roger R. Talbot, Rütten & Loening

Die letzte Prophezeiung

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