Annas Erbe

Erschienen: Januar 1995

Bibliographische Angaben

  • Dortmund: Grafit, 1995, Seiten: 262, Originalsprache

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Thomas Kürten
Durchgestartet

Buch-Rezension von Thomas Kürten Mai 2003

Mit "Annas Erbe" veröffentlichte der Wahldüsseldorfer Horst Eckert seinerzeit seinen ersten Kriminalroman. Bereits dieser erste Roman konnte erkennen lassen, welches Potenzial seine Geschichten um die Düsseldorfer Unterwelt und die viel zu eng mit ihr verwobenen Machenschaften der Düsseldorfer Polizei bergen. Der Erstling ist packend und mitreißend, wenngleich man auch feststellen kann, dass Eckert inzwischen rein sprachlich eine deutliche Entwicklung gemacht hat. Wort- und Gedankenfetzen dominieren in "Annas Erbe" die Erzählung in einem danach nicht mehr beobachteten Maße.

Der Roman, der Mitte der 90er Jahre spielt, ist in drei Teile untergliedert, die jeweils mit den Vornamen der Kinder einer Anna Korfmacher betitelt sind. Anna, die Ende der 60er Jahre durch ihre Weigerung, ihre Mietwohnung zu räumen monatelang den Abriss ihres Wohn- und Neubau eines Bürohochhauses an gleicher Stelle verhinderte und zeitgleich eine Ikone in der Hausbesetzerszene wurde, musste bereits vor 25 Jahren sterben. Ihr Mörder Eich, der unverhältnismäßig lange hinter Gittern war, wird nur eine Woche nach seiner Entlassung aus der Haft gefunden - tot und in sechs Teilen auf einer Mülldeponie. Stets hatte er beteuert, nicht für den Tod seiner Geliebten verantwortlich zu sein, aber ein junger Kommissar Bollmann, der inzwischen zum Polizeipräsidenten von Düsseldorf avanciert, konnte damals seinen ersten Mordfall in Windeseile abschließen und mit Eich den vermeintlichen Mörder hinter Gittern bringen.

Ein junger Kommissar mit Alkoholproblemen

Karl Thann ist in einem ähnlichen Alter wie Bollmann damals. Von seinem Vorgesetzten hat er die Leitung der Ermittlungen im Fall Eich übertragen bekommen, bevor sich dieser in den Weihnachtsurlaub verabschiedete. Eine Bewährungsprobe. Bollmann jedoch will ihm den Fall abnehmen und mit Kommissar Fendrich einen erfahrenen Kollegen einsetzen. Thann kann eine Frist von drei Tagen verhandeln, jedoch erhält er weniger Leute seinem Team zugeteilt als nötig und auch in diesem kleinen Team rumort es kräftig. Mit der Autorität Thanns ist es nämlich nicht gut beschieden und seine Anweisung, ganze Strecken der Müllabfuhr abzusuchen erntet groben Widerspruch. Dem hohen Druck entflieht er durch einen gesteigerten Alkoholkunsum. Als die Boulevardpresse beginnt, die Arbeit der Polizei zu kritisieren, gibt es keinen Rückhalt mehr für Thann: Er wird vorübergehend zur Sitte versetzt.

Thann hat jedoch seinen Stolz und ermittelt auf eigene Faust weiter. Immer mehr wird ihm offenbar, dass die wahren Verbrecher sich an einem Ort befinden, an dem er sie nie vermutet hätte. Nicht nur die Kollegen Schneider und Dalla, die zunächst lediglich Berichte und Protokolle fälschten, sondern auch eine Vielzahl anderer Bekannter vom Polizeipräsidium scheinen sich mit krummen Geschäften im Rotlichtmilieu, aber auch mit Kapitalverbrechen ihr Taschengeld aufzubessern. Und je tiefer Thann nachforscht, desto mehr gerät auch sein eigenes Leben in Gefahr.

Nur der Anfang...

"Annas Erbe" ist nur der Anfang einer erfolgreichen Serie über die Düsseldorfer Polizei. Wer mit diesem Band beginnt, Eckert zu lesen, wird im ersten Drittel auch noch daran glauben können, dass es sich bei den Kommissaren um eine integere Gruppe rechtschaffener Beamter handelt. Wer Eckert bereits kennt, vermag jedoch viel zu schnell erahnen, wer hier im Hintergrund die Fäden zieht. Eckert pfeffert uns kurze Sätze um die Ohren, die er aus seiner schriftstellerischen Maschinenpistole abfeuert. Zerfetzt und zerstückelt jagen die Gedanken Thanns durch die 81 Kapitel. Glaubhaft wird seine Flucht in den Alkohol vermittelt.

Im Vergleich zu seinen späteren Werken fehlt Eckert bei diesem Roman noch der Tiefgang hinsichtlich Charakteren und Handlung. Kein Wunder, gibt der Autor doch selber an, die Story innerhalb von gerade mal 8 Wochen zu Papier gebracht zu haben. Sprachlich ist das Buch bewusst einfach konzipiert und einige Wendungen erinnern an den ein oder anderen Fernsehkommissar. Nichtsdestotrotz ist "Annas Erbe" ein unbedingt lesenswerter Roman, der für Kurzweil und gute Unterhaltung steht.

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Letzte Kommentare:
06.09.2012 16:31:47
Krimitante

kann einem ein krimi der 1995 erschienen ist "altbacken" erscheinen? er kann! und das ist nicht unbedingt ein qualitätsmerkmal für einen guten krimi, der eigentlich zeitlos sein sollte... und ein sich ständig prügelnder, stets betrunkener kommissar, macht einen krimi noch nicht spannend und schon gar keinen charakter rund. zudem hätte jeder vorgesetzter ihn, bei seinem verhalten, suspendiert. und sprachlich ist das ganze eher ganz flach! fazit: kein guter einstieg in die krimis von eckert. hätte ich diesen ersten versuch zuerst gelesen, ich hätte mir keinen weiteres buch von ihm gekauft. jetzt hoffe ich, dass der zweite band, im soeben erschienenen doppelband der ersten beiden krimis (will der verlag damit noch mal geld machen?), besser ist. sonst: ab damit zu oxfam. und: in seinen späteren büchern zeigt eckert, dass er es deutlich besser kann!

02.03.2005 23:23:49
Petra

Auf Grunde der überwiegend negativen Beurteilungen zu diesem Buch möchte ich dann doch eine Lanze für Horst Eckert bzw. sein erstes Buch brechen. Ich hatte bis dato noch keinerlei Regionalkrimi gelesen und war eher skeptisch. Doch meine Zweifel wurden vollständig zerstreut. Von Beginn an war Spannung gegeben, die Personen wurden ausreichend charakterisiert und die Handlung war durchaus nicht so "gestrickt", dass man das Ende bzw. die Aufklärung des Falls hätte hervorsehen können. - Fazit: Eine positive Überraschung und sicher nicht mein letztes Buch mit Kommissar Thann & Co.!