Unschuld

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Kopenhagen: People´s Press, 2008, Titel: 'Aldrig mere fri', Seiten: 375, Originalsprache
  • Bergisch-Gladbach: Bastei Lübbe, 2010, Seiten: 397, Übersetzt: Thorsten Alms

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Jörg Kijanski
Keine Spur von Menschlichkeit beim ältesten Gewerbe

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Feb 2010

In unmittelbarer Nähe der alten Schlachthöfe Kopenhagens haben Prostituierte und zahllose Kleinkriminelle ihre neue Heimat gefunden. Vor allem junge Frauen aus dem osteuropäischen Ausland versuchen hier auf der Straße oder in entsprechenden Klubs das schnelle Geld zu machen. Viele von ihnen sind jedoch nicht freiwillig in dem Gewerbe tätig, sondern wurden aus ihrer Heimat verschleppt und mit brutalen Methoden zur Prostitution gezwungen. So auch eine junge Frau, die mit durchgeschnittener Kehle in einem der Schlachthöfe aufgefunden wird. Louise Rick und ihre Kollegen von der Mordkommission nehmen die Ermittlungen auf, doch in diesem Umfeld ist Schweigen das oberste Gebot.

 Nur wenig später findet der Sohn der Journalistin Camilla Lind zusammen mit einem Freund in einer Kirche einen ausgesetzten Säugling, der höchstens einen Tag alt ist. Dieser kann zwar rechtzeitig in ein Krankenhaus gebracht werden, doch bereits zwei Wochen später findet Camilla an gleicher Stelle einen weiteren Säugling, allerdings ist dieser bereits tot.

 In der Zwischenzeit laufen die Ermittlungen im Fall der ermordeten Prostituierten auf Hochtouren als sich ein Serbe bei der Polizei meldet, der sich mit einer Prostituierten angefreundet hat. Deren Zuhälter hätten ihr gedroht, ihr die Kehle durchzuschneiden, sofern sie nicht die geforderten Einnahmen abliefere. So kommen die Ermittler auf die Spur der beiden albanischen Kiezkönige Arian und Hamdi, die mit dem einträglichen Geschäft das große Geld machen wollen. Aber die Wahrheit ist viel erschreckender und trifft die beiden Freundinnen Louise Rick und Camilla Lind auch in ihrem Privatleben mit voller Wucht…

 Auf dem Buchrücken wird Camilla Läckberg zitiert, dass Sara Blaedel unter anderem "warmherzig" schreibe. Dies kann unterstrichen werden, denn auf den ersten gefühlten hundert Seiten meint man es mit einem neuen Genre, dem "Hausfrauen-Krimi", zu tun zu haben. In aller Ausführlichkeit werden die beiden Protagonistinnen Louise und Camilla vorgestellt, wobei vor allem Letztere sich ausufernd über das tragische Schicksal des aufgefundenen Säuglings auslässt. Dieser müsse doch unbedingt zurück zur Mutter, obwohl diese ja offensichtlich nichts mit ihm zu tun haben möchte. Eigentlich sollte da nichts gegen eine fürsorgende Pflegefamilie sprechen, aber man kann es ja mal über etliche Seiten ansprechen. Man(n) ist schon geneigt das Buch aus der Hand zu legen, doch wäre dies voreilig, denn die Geschichte entwickelt sich nach dem langen "Intro" zügig weiter und hält durchaus einige Überraschungen parat.

 Vor allem aber gelingt es Sara Blaedel, den Tagesablauf im Rotlichtmilieu detailliert wiederzugeben. Wieso arbeiten vor allem aus Osteuropa stammende junge Frauen unter solchen Umständen? Wie werden sie von ihren Zuhältern "gefügig" gemacht, wie wird der tägliche Druck hochgehalten? Wer sich für diese Fragen interessiert erhält hier zahlreiche Antworten, wenngleich es - themengerecht - keineswegs immer "warmherzig" zugehen kann.

 Ohne zu viel vorweg nehmen zu wollen liefert Sara Blaedel nicht nur einen umfangreichen Einblick in das Privatleben der beiden Hauptfiguren und das Rotlichtmilieus Kopenhagens, sondern schafft es auch, den Erzählstrang bis hinein in den blutigen Kosovokrieg zu führen. Eindringlich werden die oftmals ermüdenden und ergebnislosen Ermittlungen der Polizei dargestellt, was dem Ganzen zusätzlich Atmosphäre verschafft. Je länger der Plot dauert, desto besser wird er. Auch wenn die Geschichte für Romantiker denkbar ungeeignet ist, die unvorstellbare Brutalität innerhalb des ältesten Gewerbes der Welt kommt nur in wenigen Passagen zum Ausdruck. Diese sind allerdings intensiv genug. Die im Kosovo-Konflikt verloren gegangene Menschlichkeit schwappt mit aller Macht nach Kopenhagen über. So muss ich mit der nötigen Demut den eingangs verwendeten Begriff "Hausfrauen-Krimi" in aller Deutlichkeit zurücknehmen, wenngleich alleine die letzte Seite…

 Unschuld ist ein facettenreicher Roman, der durchaus fesselnd ist. Spannend ist zu lesen, wie die beiden Erzählstränge - Prostituiertenmord und ausgesetzte Säuglinge - letztlich zusammengeführt werden, wobei es beim Finale für Louise und Camilla knüppeldick kommt.

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Letzte Kommentare:
07.10.2014 19:34:02
Fern

Man konnte sich mit den Hauptfiguren, Louise und Camilla, nur schwer vertraut machen. Beide blieben oberflächlich. Dafür wurden am Anfang zu viele verschiedene Ermittler genannt, die dann aber leider irgendwie aus der Handlung herausfielen. Das Thema wäre interessant gewesen, wurde aber zu sehr zum Klischee verarbeitet. So plätschert die Geschichte dahin mit einem Erzählstil der zeitweise an Pippi Langstrumpf erinnert, und kaum Spannung aufbaut. Schade.

05.10.2012 13:42:43
Bodoni

Dieses ist mein erstes Buch von Sara Blaedel. Ich bin jetzt etwa in der Mitte und überlege ständig ob ich mir das weiterhin antun soll. Das Buch plätschert so dahin wie ein Rinnsal in einem viel zu grossem Flussbett. Da ich aber nicht gerne einfach aufgebe, werde ich mich wohl bis zum bitteren Ende "durchlesen". Dann werde ich mich auch entscheiden ob es mein erstes und einziges Sara Blaedel Buch bleibt.

19.05.2010 17:32:21
mylo

Nun ganz ehrlich hatte ich etwas mehr erwartet. Der Plot hat mich nicht so überzeugt, obwohl das Thema an sich nicht uninteressant ist und auch das Milieu ist anscheint gut recherchiert, da hätte man mehr draus machen können. Die Hauptfiguren wirken auf mich allerdings eher kraftlos und blass ohne Biss. War mein erster Roman dieser Schriftstellerin obwohl hier als einziger bislang angeführt es aber nicht ihr stärkstes sein soll.
In der Mitte große Längen die dann in einen rasanten spannenden Schluss enden, was aber den Gesamteindruck nicht mehr korrigiert.
Leider nur 65 Punkte

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