Verschwiegen ist nur der Tod

Erschienen: Januar 2001

Bibliographische Angaben

  • London: Macmillan, 2001, Titel: 'Blink', Seiten: 320, Originalsprache
  • München: Diana, 2002, Seiten: 318, Übersetzt: Sonja Schuhmacher & Rita Seuß

Couch-Wertung:

80°
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Jörg Kijanski
Englische, atmosphärisch dichte Krimikost

Rezension von Jörg Kijanski Feb 2010

Die zwölfjährige Kathleen lebt zusammen mit ihren Großeltern Nana und Da sowie ihren Tanten Gloria und Joyce. Ihre Eltern kennt sie nicht und so sieht sie vor allem Gloria als ihre beste Freundin an. Diese fällt in dem kleinen Bergarbeiterkaff der Grafschaft Durham besonders auf. Kurze Röcke, auffälliges Auto, ein moderner Friseursalon und vor allem eine eigene Wohnung, obwohl sie gar nicht verheiratet ist. Für viele ein Skandal anfangs der 60er Jahre, wo soeben der amerikanische Astronaut John Glenn als erster Mensch die Erde umkreist hat und die Welt angesichts der Kubakrise kurz vor dem globalen Overkill steht. Zurück zu dem kleinen Ort, dessen Lebensmittelpunkt eine Bergmine ist, von der nahezu alle Dorfbewohner abhängig sind. Nur ein kleines Kino und die örtliche Kneipe bieten Abwechslung vom tristen Alltag, was jedoch völlig ausreicht, zumal die meisten Anwohner ihren Ort ohnehin nie verlassen. So auch Großmutter Nana, die selbst ihr eigenes Haus schon seit drei Jahren nicht mehr verlassen hat. Zu schlimm erscheint ihr der Dorftratsch.

 Am ersten Ferientag macht sich Kathleen auf den Weg zu ihrer Freundin Petra Koninsky. Als sie jedoch an dem kleinen Teich in Jinny Hoolets vorbeikommt macht sie eine grausige Entdeckung. Tante Gloria treibt tot im Wasser. Aufgrund ihres extrovertierten Lebensstils ist die Anteilnahme der Dorfgemeinschaft überschaubar. Inspektor Glen wird die Ermittlung des Falles daher nicht leicht gemacht. Kurz vor seiner Pensionierung muss er offenbar seinen ersten Mordfall aufklären und da erscheint ihm Billy Fishboy, Glorias Freund, ein geeigneter Kandidat zu sein, zumal Gloria eine Affäre mit Marek Koninsky, dem örtlichen Frauenschwarm, hatte. Oder wollte womöglich Marek die Beziehung beenden oder hat sogar dessen Frau Nadjeschda, die von der Beziehung ihres Mannes wusste, etwas mit Glorias Ertrinken zu tun? Fragen über Fragen die vor allem Kathleen interessieren…

Andrea Badenochs Roman "Verschwiegen ist nur der Tod" gelingt in erster Linie eine ganz wunderbare Bestandsaufnahme der geistigen Engstirnigkeit der Dorfbewohner in einem kleinen Grubenort in England zu Beginn der 60er Jahre. Außer Kathleen scheint sich niemand für die Kubakrise zu interessieren, warum auch, wo doch die meisten Menschen ihr Heimatdorf noch nie verlassen haben. Der Dorfteich ist durch die Kohlengrube verdreckt wie auch die Straßen. Selten bis gar nicht werden die Fenster geöffnet und ein Mann wie Marek Koninsky ist schon aufgrund seiner Herkunft ein verhasster Ausländer. Schlimmer noch, er arbeitet für das Coal Board und hat die Aufgabe, die Flöze des Bergwerkes in Hinblick auf deren Kohlevorkommen zu beurteilen. Mit anderen Worten entscheidet er, ob Minen geschlossen werden.

Intensiv fängt Andrea Badenoch die beklemmende, kleingeistige und spießbürgerliche Mentalität der Menschen ein. Marek Koninsky verfällt dem Alkohol, seine Frau, einst eine gefeierte Ballerina, dem religiösen Wahn. Die Dorfbewohner hingegen verachten sowohl Kathleens wie auch Petras Familien, was die beiden als Freundinnen zusammen schweißt, obwohl sie sich eigentlich auch nicht richtig mögen. Der Tod Glorias trifft Kathleen mit voller Wucht und sie verdächtigt vor allem Petras Mutter der Tat, schließlich hatte ihr Mann ein Verhältnis mit Gloria.

 Nur selten ermittelt die Polizei, deren Hauptermittler Glen ebenfalls ein kleinbürgerlicher Spießer ist und von daher kaum eine Möglichkeit hat, in dem Fall Fortschritte zu erzielen. Es muss der Freund sein, da es bei Beziehungsfällen immer so ist. So in etwa lässt sich seine geistige Beschränktheit umschreiben. Die Handlung selber geht nur langsam voran, denn im Fokus von Badenochs Erzählung stehen einige wenige Figuren, deren Lebensalltag den Mittelpunkt der Handlung bilden. Die Menschen und deren Engstirnigkeit zu zeigen ist ihre Sache, da darf der Krimiplot gerne etwas in den Hintergrund treten.

Atmosphärisch dicht und dies in Perfektion. Allerfeinste englische Krimikost, wobei wie erwähnt die Aufklärung des Falles nur eine untergeordnete Rolle spielt. Gleichwohl überzeugt die eigentliche Protagonistin Kathleen, die - wie sollte es anders sein - den Fall aufklärt. Dabei verhält sie sich durchaus zu jedem Zeitpunkt der Handlung wie eine Zwölfjährige, sieht man davon ab, dass sie sich für John Glenn und die Raumfahrt interessiert. Die Auflösung ist durchaus ordentlich, wobei auch die Identität von Kathleens Eltern aufgeklärt wird. Hier "übertreibt" die Autorin ein wenig bei einer ansonsten sehr ruhigen und gänzlich actionfreien Geschichte.

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