Kalt wie Stein

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • New York: Bantam Books, 2003, Titel: 'The Murder Stone', Seiten: 352, Originalsprache
  • München: Heyne, 2009, Seiten: 510, Übersetzt: Helmut Gerstberger

Couch-Wertung:

80°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91°-100°
0 x 81°-90°
1 x 71°-80°
0 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
0 x 21°-30°
0 x 11°-20°
0 x 1°-10°
B:79
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":1,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Dieter Paul Rudolph
Überraschende, gemütliche und gleichzeitig unheimliche Lektüre

Buch-Rezension von Dieter Paul Rudolph Jan 2010

Bei Charles Todd und seinen Kriminalromanen passt so einiges nicht ins herkömmliche Bild. Dass es sich bei diesem "Autor" in Wahrheit um Mutter und Sohn handelt, hat sich inzwischen herumgesprochen. Die Krimis um den von den Schrecken des 1. Weltkriegs psychisch schwer lädierten Inspector Rudledge mischen englische Landidylle und traumatische Erfahrungen auf sehr souveräne und durchaus originelle Weise. Kalt wie Stein nun ist ein Roman, in dem polizeiliche Ermittlungsarbeit keine Rolle spielt und der dennoch an Inspector Rutledge erinnert.

1916. Die junge Francesca Hatton pflegt in London heimkehrende Schwerverwundete von den Schlachtfeldern Flanderns und Nordfrankreichs. Die Erkrankung und der baldige Tod ihres Großvaters führen sie zurück an den Ort ihrer unbeschwerten Kindheit, ein stattliches Cottage in einem einsamen Tal. Dort im Garten liegt ein uralter Stein, den die Cousins Francescas den "Mordstein" nannte. Doch alle Cousins – fünf – sind tot. Kurz nacheinander im Krieg gefallen, nach dem Ableben des Großvaters ist Francesca nun Herrin des Cottages – und allein.

Doch schon bei der Beerdigung gerät ihre Welt ins Wanken. Seltsame Fremde tauchen auf und machen Andeutungen. War ihr Großvater doch nicht der gute Mensch, für den man ihn allenthalben hält? Was hat es mit den Anwesen auf sich, die er in anderen Teilen Englands erworben hat und von denen Francesca erst bei der Testamentseröffnung erfährt? Am meisten irritiert sie jedoch Richard Leighton, ein sterbenskranker Heimkehrer aus dem Krieg. Er eröffnet der schockierten jungen Frau, seine vor vielen Jahren spurlos verschwundene Mutter sei von Francescas Großvater ermordet worden. Ein Verrückter? Francesca weist die Anschuldigung entrüstet von sich, doch ihre feste Vorstellung vom Charakter des Verstorbenen zerbröckelt mit jeder neuen überraschenden Entdeckung mehr. Und Richard Leighton kommt ihr näher, als ihr lieb sein kann...

Schon die Handlungszeit weist darauf hin, dass auch in Kalt wie Stein der Krieg wie ein böses Omen über allem schwebt. Seine Sinnlosigkeit unterstreicht Todd noch dadurch, dass er jeden der fünf toten Cousins in kurzen Zwischenkapiteln reden lässt. Hoffnungsvolle Menschen, die mit einem Schlag verstummten, Schlachtvieh. Auch das Erzähltempo erinnert an die Rutledge-Romane. Es ist, vorsichtig ausgedrückt, sehr gemächlich. Den menschlichen Abgründen wird entsprechend vorsichtig zu gesteuert, Stück für Stück, Andeutung für Andeutung. Das liest sich nicht schlecht, wenn man von kleinen Durststrecken absieht, die insgesamt jedoch nicht groß ins Gewicht fallen. Zumindest in der deutschen Übersetzung von Helmut Gerstberger lässt sich der "eigene Sound" einer kompakten Erzählweise erkennen.

Dem Handlungskern jedoch traut man von Anfang an nicht über den Weg. Vor allem die wachsende Nähe zwischen Hatton und Leighton bleibt mysteriös, einige arg konstruierte Zufälle leisten hier Schützenhilfe, um die beiden immer wieder zusammenzuführen. Die Stärke des Romans ist eine andere. Aus der naiven Francesca wird nach und nach ein komplexes und rätselhaftes Wesen, in leisen Andeutungen werden auch hier Bruchstellen offenbar und bleiben bis zum Ende ungeklärt.

 Dieses Ende wiederum entzieht sich der sauberen Ermittlungsarbeit eines Inspector Rutledge vollends. Viele dürften überrascht sein (was für ein Krimi-Ende ein Kompliment ist), aber anders als erwartet. Mehr wird nicht verraten. Lesen sollte man das Buch schon selbst. Es ist wirklich nicht die schlechteste Wahl für gemütlich-unheimliche Lektürestunden.

Kalt wie Stein

Kalt wie Stein

Deine Meinung zu »Kalt wie Stein«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
17.08.2011 10:53:11
Kath

Hier auf der K.-C. fällt das Buch fälschlicherweise unter die Inspector-Rutledge-Reihe. Vielleicht war ich deshalb so enttäuscht, weil ich immer auf Rutledge und Hamish wartete...
Das Buch fängt gut uns spannend an. Es wird aber zunehmend verworren, vor allem durch diese eingeschobenen Perspektivenwechsel, wenn zunächst die fünf Neffen zu Wort kommen. Nach und nach erhält man Puzzlesteine, wie das Geschehen zusammenhängt. Aber gegen Ende wird dieses Geschehen zäh und vor allem unglaubwürdig. Es liest sich wie ein schlechter Bastei-Lübbe-Roman, wenn Richard und Francesca sich nicht leiden können und er ihr plötzlich einen Heiratsantrag macht wie in der billigsten Liebesschmonzette. Ebenso seltsam ist die am Ende auftauchende Victoria Leighton, eine Frau, von der man 450 Seiten lang glaubt, sie sei der Engel in Person gewesen und die als lebendige Frau "kalt wie Stein" ist. Dieser Bruch ist unvorbereitet und befremdet, damit sicher auch überraschend, aber dennoch nicht glaubwürdig.

Wenn Charles Todd ein Gespann aus Mutter und Sohn ist, so hat man hier den Eindruck, das Buch sei hastig oder von der unbegabteren Hälfte der beiden allein geschrieben. Sehr ärgerlich. Und mit Rutledge/ Hamish in keiner Weise zu vergleichen.

01.04.2010 00:18:41
Brengel

Am Anfang hatte ich den Eindruck, das dieses Werk ursprünglich als Episodenroman für eine Tageszeitung entworfen wurde. Ständig wird wiederholt, in welchem Verhältnis die verschiedenen Personen zueinander stehen. Das hat mich eingangs durchaus genervt, bessert sich aber im Fortgang der Geschichte. Meines Erachtens ist die Geschichte aber weniger ein Kriminalroman, als ein historischer Familienroman. Als solcher funktioniert er auch gut, es ist ein angenehmer Schmöker, den man ungern aus der Hand legt. Persönlich gefällt mir die Rutledge-Reiher allerdings besser.

09.01.2010 00:30:23
Michelle

Kein Krimi, Kein historischer Romane, keine Liebesschnulze. Und doch alles in Einem.

"Kalt wie Stein" als Roman zu beschreiben ist nahezu unmöglich, da das Werk alle Spielarten vereinigt.

Schade nur, dass uns der Verlag lange Jahre auf die deutsche VÖ warten ließ, da das Original bereits 2003 erschienen ist.

Todd versteht es wieder einmal, eine wunderbare Atmosphäre zu schaffen. Die Autoren bringen uns die Zeit des Ersten Weltkriegs anschaulich wieder zurück.

Eingewebt in eine Geschichte über Lügen, Rache, Tod, Verderben und Liebe entwickelt Todd faszinierende Charaktere.

Obwohl gleich zu Beginn ein Personenregister aufgeführt wird, bei dem fast 50 Namen genannt wurden, verliert man nie den Überblick. Jede Person wird ausführlich peu á peu eingeführt.

Über das Ende mag mancher vielleicht denken, dass hier das Rech völlig ausgehebelt wurde. Doch sollte man dies auch unter anderen Gesichtspunkten beachten. Und irgendwie konnte man das Ende fast schon in dieser Art und Weise erwarten.

Die Schreibweise ist - wie immer - intensiv und leicht verständlich.

Einzig allein die vielleicht nicht immer vorhandene Spannungskurve und das Nichtauflösen einiger Handlungsstränge können den Gesamteindruck ein wenig trüben.

Jedoch ist bei einem solchen Werk, welches in sich wunderbar stimmig ist, dieses fast zu vernachlässigen.

Ob das Mutter/Sohn-Gespann diesen Roman nochmals toppen kann, bleibt abzuwarten.

Ein grossartiger Wurf, der ohne Bedenken mit 95% belohnt werden kann.