Hetzjagd am Grünen See

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Saarbrücken: Conte, 2009, Seiten: 295, Originalsprache

Couch-Wertung:

71°

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
 50° 100°

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

1 x 91°-100°
0 x 81°-90°
0 x 71°-80°
1 x 61°-70°
0 x 51°-60°
0 x 41°-50°
0 x 31°-40°
0 x 21°-30°
0 x 11°-20°
0 x 1°-10°
B:80.5
V:1
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":1,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":1,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Thorsten Sauer
Solider Saarlandkrimi

Buch-Rezension von Thorsten Sauer Jan 2010

Eine geköpfte Leiche auf dem Limberg, kürzer kann man den neuen Krimi von Elke Schwab nicht zusammen fassen und gleichzeitig charakterisieren: eine bizarre Kriminalgeschichte, die in der beschaulichen Landschaft des Saarlandes angesiedelt ist. Mord und detaillierte Ortsangaben in der Provinz, unverkennbar die beiden Hauptzutaten eines Regionalkrimis und damit die ständig wiederkehrende Frage: Was hat der Roman neben Lokalkolorit noch zu bieten?

Tote im Forstrevier

Ausgerechnet wenige Tage vor der für Revierförster Steiner so wichtigen Treibjagd, liegt eine enthauptete Leiche mitten im Forstrevier. Das bringt nicht nur seine Vorbereitungen für das Ereignis durcheinander, sondern schleudert ihn auch zurück in seine Vergangenheit. Der ehemalige Leiter eines Sondereinsatzkommandos trat den Job als Revierförster an, um über seinen letzten, gründlich misslungenen Einsatz hinweg zu kommen oder – besser gesagt – um ihn zu verdrängen. Doch der so bizarr zugerichtete Tote war ein wichtiger Zeuge im damaligen Fall. Das katapultiert Steiner nicht nur auf Platz eins der Verdächtigenliste von Hauptkommissar Schnur, sondern stürzt ihn auch persönlich in ein Wechselbad der Gefühle. Er muss – als Zugezogener – die Vorbehalte der Dorfbewohner überwinden, indem er eine tadellose Treibjagd organisiert, gegen Wilderer ankämpfen, die hinterhältige Wildfallen aufstellen um seinen Ruf zu beschädigen, und natürlich gegen den Mordverdacht ankämpfen.

Gut recherchierter Lokalkolorit

Elke Schwab hat einen Saarlandkrimi geschrieben, genauer ist es sogar ein Wallerfangen-Krimi. Beinahe in jedem Satz ist die Ortskenntnis der Autorin und ihre Liebe zur Region um den Oberlimberg zu spüren. Nahezu alle Akteure des Plots entstammen der direkten Umgebung oder haben zumindest enge Beziehungen zur Region. Das schafft neben der – für einen Regionalkrimi – unverzichtbaren Portion Lokalkolorit auch eine Art "Locked-Room"-Situation, aus der der Roman einen beträchtlichen Teil der Spannung bezieht. Der Mörder muss aus dem persönlichen Umfeld von Hauptkommissar Schnur kommen und der Ermittler ist dadurch gezwungen im ehemaligen Freundeskreis und damit auch ein Stück weit in der eigenen Vergangenheit zu ermitteln.

Die Geschichte wirkt aber gerade durch die Begrenztheit der saarländischen Provinz ein wenig konstruiert. Im beschaulichen Wallerfangen kennt man sich nicht nur, es hat auch so ziemlich jede mit jedem ein Verhältnis, so dass es von enttäuschten Liebhabern, gehörnten Ehemännern und Stiefsöhnen geradezu wimmelt. Elke Schwab präsentiert dadurch einen ganzen Blumenstrauß möglicher Täter, wobei nicht alle Verbindungen zwingend logisch und nachvollziehbar sind, so dass der geneigte Leser zwar mitunter den Überblick verliert, trotzdem aber schnell auf den wahren Täter stößt, freilich ohne die Hintergründe für die Tat zu kennen, denn die enthüllt die Autorin erst ganz zum Schluss.

Der Roman lebt aber vor allem durch den Lokalkolorit und die schrulligen Figuren. Letztere sind etwas eindimensional beschrieben und haften eng an der von der Autorin zugedachten Rolle: Versoffene, gescheiterte Existenzen, die sich aufgrund in der Vergangenheit gezeigter Gewaltbereitschaft einfach als mögliche Täter aufdrängen.

Dass sie es besser kann, deutet sich vor allem in einer Nebenfigur, dem am Down-Syndrom leidenden Micky, an. Phasenweise aus seiner Perspektive erzählt, bietet er einen interessanten Kontrast zu den sonst eher funktionalen Figuren, zu denen auch die Hauptfigur, der Revierförster Steiner, gehört. Elke Schwab hat spürbar Mühe, ihn facettenreich und lebendig, dabei aber auch authentisch und sympathisch erscheinen zu lassen. Er ist ein Macho gegenüber Frauen, sehr sensibel im Umgang mit seinem Hund und hat Brüche in seinem Lebenslauf. Eigentlich beste Voraussetzungen für eine interessante, vielschichtige Figur, jedoch machen sich gerade hier einige erzählerische Schwächen negativ bemerkbar: Alles ist ein wenig überzeichnet: seine Versagensängste als Revierförster, seine fast kindliche Leibe zu Moritz, seinem Hund, und sein hormongesteuertes Gehabe gegenüber der Assistentin von Kommissar Schnur. Und über allem schwebt der dunkle Vorfall aus der Vergangenheit, der jedoch nie eine echte Bindung zur Geschichte erfährt, sondern nur als Quell möglicher Verdächtiger und Erklärungsversuch für Steiners Fehlverhalten herhalten muss. Die erzählerische Schwäche setzt sich bei den Dialogen fort, die holprig wirken. Als kleines Beispiel mag dienen, dass die Autorin offensichtlich das Wörtchen "kontern" in Dialogen liebt. Dauernd wird "gekontert", wo man auch einfach "antworten", "erwidern" oder die Antwort als solches stehen lassen könnte. Allzu oft verwendet, suggeriert es nur eine Schlagfertigkeit, wo keine ist.

Den erzählerischen und sprachlichen Schwächen stehen jedoch die großen Stärken von Elke Schwab gegenüber und sorgen dafür, dass der Roman als Regionalkrimi funktioniert. Sie verfügt über profunde Ortskenntnis und die Fähigkeit, die malerische Landschaft um den Limberg lebendig werden zu lassen. Man spürt, dass sie intensiv vor Ort recherchiert hat und dass ihr die Welt der Jäger und Förster nicht fremd ist. Wer die Region kennt, wird sie in den Worten der Autorin wiedererkennen und wer die Hügel um Wallerfangen nicht kennt, kann sie sich vorstellen.

Damit ist der Roman eine Empfehlung für jene Leser, die ein Faible für Regionalkrimis und - im Idealfall – eine Beziehung zum Saarland haben. Darüber hinaus bietet der Roman zwar eine lebendige Erzählwelt und einen recht interessant konstruierten Kriminalfall, er leidet jedoch ein wenig an den erwähnten Schwächen.

Hetzjagd am Grünen See

Hetzjagd am Grünen See

Deine Meinung zu »Hetzjagd am Grünen See«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
22.02.2010 18:16:50
ah

Für mich war die Krimihandlung des Buches eher zweitrangig. Als Krimifan sind mir die vielfältigen Verstrickung der Charaktere etwas zu Umfangreich und erscheinen sehr weit hergeholt. Als Ortsansässige war ich jedoch von der guten Ortskenntnis der Autorin begeistert. Bis auf zwei - drei kleine Abweichungen hatte ich beim Lesen dasGefühl als befände ich mich auf einem Sparziergang durch meinen Heimatort. Am Limberg hat die Schriftstellerin Stellen beschrieben die nur Ortskundige finden können. Ich war alleine deshalb von dem Buch begeistert. Da ich Verwandschaft habe die aus dem schönen Saarland und aus Wallerfangen weggezogen ist habe ich nach dem Lesen dieses Buches schon die passende Geschenkidee für die nächsten Geburtstage.

20.02.2010 09:26:33
www.rezensenten.de

Der Forstwirt Harald Steiner hat vor Jahren seinen Dienst bei dem SEK quittiert weil ein Einsatz missglückt ist. Seit dem lebt er sehr zufrieden und zurück gezogen als Forstwirt. Er hat viel zu tun denn es machen ihn Wilderer das Leben schwer.
Bei einem Spaziergang mit seinen Hund Moritz findet er eine Leiche die mit seiner Vergangenheit zu tun hat und ein wichtiger Zeuge war. Als die Polizei eintrifft merkt er, dass er nicht als Zeuge gesehen wird der eine Leiche gefunden hat, sondern er als Täter in Betracht kommt. Steiner findet sich in einer Hetzjagd wieder und kämpft gegen einen Unbekannten…

Hetzjagd am grünen See war mein erster Krimiroman der Autorin Elke Schwab und mit Sicherheit nicht der letzte. Ich liebe den Schreibstil der Autorin die das saarländische Land beschreibt als ob man sich tatsächlich dort befindet. Die Autorin hat den Charme, wenn man den auf ruppige aber herzliche Protagonisten steht sehr gut eingefangen. Elke Schwab hat es geschafft mein Kopfkino einzuschalten und man könne meinen das man Freitagsabends vor dem Fernsehapparat sitzt und einen Krimi im Fernsehen anschaut und mit rätselt.

Es hat den Roman sehr gut getan, dass die Figuren nicht die perfekten Helden, sondern wirklich Menschen wie Du und ich sind. Besonders angetan hatte es mir unter den Protagonisten die Nebenfigur Micky, der das Down Syndrom hat. Es gibt eine seltsame aber interessante Mischung zu Steiner, der Machoallüren an den Tag legt, eine fast übertriebende Liebe zu seinen Hund Moritz besitzt und alles andere als aalglatt herüber kommt.

Die Landschaft und die Details zeigen dass die Autorin sehr intensiv recherchiert haben muss, und Menschen die direkt aus dem Saarland kommen, bestimmt viele Orte wiedererkennen werden. Die Autorin selbst kommt aus einer Jägersfamilie und hat so geschickt viel Detailwissen in ihren Roman eingeflochten.

Durch die nicht zu langen Kapitel, einem angenehmen Tempo geht der Roman zügig voran und der Leser wird immer tiefer in die Geschichte reingezogen. Die Spannungsbögen haben Wellengang und als Leser möchte man gerne noch mehr lesen.

Dieser Krimi ist für jede Altersgruppe lesenswert und man muss nicht unbedingt Saarländer sein um diesen Roman zu lieben.
unterhaltsame Lebensgeschichten schreibt.

Weite Buchbesprechungen gibt es auf: www.rezensenten.de

Echte Täter,
wahre Ereignisse

Wir berichten über spannende Kriminalfälle und spektakuläre Verbrechen, skrupellose Täter und faszinierende Ermittlungsmethoden – historisch, zeitgeschichtlich, informativ. Aktueller Beitrag: Der große Wall-Street-Anschlag von 1920, ein Krimi-Couch Spezial von Dr. Michael Drewniok. Titel-Motiv: © istock.com/EXTREME-PHOTOGRAPHER

mehr erfahren