Emmys Angst

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Duisburg: Gilles & Francke, 2009, Seiten: 321, Originalsprache

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Wolfgang Weninger
Halbherzige Aufbereitung

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Dez 2009

Annika Meinke ermittelt zum dritten Mal in der fiktiven Essener Klinik St. Barbara, wo sie als Krankenschwester arbeitet. Denn ein Mitglied des Pflegepersonals, das nur mit Unwillen auf der Geriatrischen Station gearbeitet hat, wird im Keller des Spitals unter mysteriösen Umständen ermordet aufgefunden.

Verdächtig sind so ziemlich alle Mitarbeiter und Patienten, die mit dem Pfleger Kontakt hatten, denn dieser ließ seine Aggressionen an allen aus, aber die Krankenhausleitung konnte dagegen keine Maßnahmen ergreifen, weil nichts zu beweisen war. Jetzt hat jemand selbst Hand angelegt und den unsympathischen jungen Mann "entsorgt".

Dass es bei dem Mord aber nicht nur um eine Vergeltungsmaßnahme für ungebührliches Verhalten geht, stellt sich spätestens nach dem zweiten unnatürlichen Todesfall heraus. Annika und ihre Freunde, der Krankenhauspfarrer Klaus und Albert, der ehemalige Hausmeister der Klinik, tauchen bei ihren Ermittlungen immer tiefer in die Vergangenheit der Kollegen und Kolleginnen ein, um den oder die Mörder zu finden.

Dass die Arbeit auf der geriatrischen Station eines Krankenhauses kein Honiglecken ist, wird jedem Menschen verständlich sein und die physische und psychische Belastung des Personals ist gerade in Zeiten von Einsparungen im Sozialbereich aufs Äußerste gespannt. Unter diesem Aspekt greift das Autorenduo Hermann Cölfen und Sabine Walther ein heißes Eisen an, denn gerade diese ausufernden Stresssituationen können eine Brutstätte für Übergriffe und unüberlegte Handlungen sein, wie sie auch in der beschriebenen Klinik nicht ausbleiben. Doch ethische und sachliche Fragen können angesichts des komplexen Themas in einem Kriminalroman nur angerissen werden.  Die Verabreichung von Spritzen durch das Pflegepersonals, die Medikation am Bettlägerigen ohne Zuziehung eines Arztes usw. sind in diesem Krimi und vielleicht auch in realen Kliniken alltägliche Praxis, obwohl dies vom Gesetz weder ausdrücklich erlaubt, aber auch nicht ausdrücklich verboten ist. Wohl aber schlittern die Pflegenden dabei in eine Grauzone, die als Background für hässliche Morde durchaus ein interessantes Szenario bietet.

Ansätze von Kritik am Gesundheitswesen und an der gewerkschaftlichen Arbeit der Interessensgruppen können allerdings nicht darüber hinweg täuschen, dass die Beteiligten in Emmys Angst durchwegs nicht realitätsbezogen handeln, sondern sich überwiegend in ihre privaten Problemzonen flüchten und entsprechend impulsiv, intolerant und fernab jeder Logik ihre Taten setzen oder diese unterlassen. Ein übertrieben konstruierter Plot zwischen Liebe und Enttäuschung in jeglicher Couleur macht darüber hinaus jede Spannung zunichte und Sympathiewerte wird der Leser weder Annika noch einer ihrer Kolleginnen und Kollegen entgegenbringen. Dass der einzige professionelle Ermittler darüber hinaus nur als Randperson aufscheint, der eher für Druck auf Tränendrüsen und Wutanfälle sorgt, zeugt vom irrationalen Aufbau der Geschichte und elementare kriminalistische Fragen (wo kommt z. B. die Unmenge menschlichen Kots her, um damit eine Leiche einzubalsamieren?) werden erst gar nicht gestellt.

Grundsätzlich kommt in dieser Story die Logik nicht sonderlich stark zum Tragen und die sprachliche Kompetenz von Coefen und Walther liegt im kurzen Satzbau. Selbiges führt zu ausgesprochen knappen Dialogen, die samt und sonders abgehackt klingen, als könnten sich die Menschen nicht ordentlich artikulieren. Was in manchen Fällen als Stilmittel zur Erzeugung von Spannung eingesetzt wird, erreicht hier eher das Gegenteil, den Spannung ist nur in geringem Maße vorhanden.

Und so ist Emmys Angst weder Fisch noch Fleisch. Als soziale Anklage über die Verarmung unseres Gesundheitswesens und  die Mehrklassendiskriminierung ist das Buch zu oberflächlich geraten und als Krimi fehlt dem im Gilles & Francke Verlag erschienenen Elaborat auf über 320 Seiten die konsequente Ausarbeitung der Handlung, die in einer lieblos aneinandergereihten Aufzählung von Einzelszenen gipfelt. Schade darum, dass hier Thema und Anspruch nur halbherzig aufbereitet wurden.

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