Nazi Paradise

Erschienen: Januar 2010

Bibliographische Angaben

  • Padua: Meridiano Zero, 2007, Titel: 'Nazi Paradise', Seiten: 138, Originalsprache
  • Berlin: Pulp Master, 2010, Titel: 'Nazi Paradise', Seiten: 115, Übersetzt: Bettina Müller-Renzoni

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Dieter Paul Rudolph
Ein Mensch aus Hass

Buch-Rezension von Dieter Paul Rudolph Dez 2009

Klar, zunächst einmal spricht etliches gegen dieses Buch. Sein Preis, zum Beispiel. 12,80 € für 115 Seiten und das noch nicht einmal "gebunden mit Lesebändchen"? Beutelschneiderei, kriegt man bei großen Verlagen billiger. – Nein, eben nicht. Große Verlage packen so etwas wie Angelo Petrellas Nazi Paradise gar nicht erst an, und wollte Pulp Master an diesem Buch auch nur annähernd eine Art Mindestlohn verdienen, hätte man den Preis noch um etliche Euronen erhöhen müssen. Kleine und mutige Verlage zahlen eben mehr für kleine und dennoch große Bücher.

 Gegen das Buch spricht – zunächst – auch sein Protagonist, ein italienischer Skinhead aus Neapel. Einen Namen hat er keinen, aber selbst wenn er einen hätte: Wer möchte schon bei so einem im Kopf sitzen und mitkriegen, was da gedacht wird? Unser namenloser Held verbringt seine Tage damit, dunkelhäutigere Mitmenschen zu verprügeln, Frauen "Judenfotzen" zu nennen, mit seinen Freunden das Fußballstadion zu besuchen, um dort fröhlich den Hooligan zu spielen. Manchmal begibt er sich in einen "Erotikchat", trifft dort Gleichgesinnte und turnt sich, wenn er Glück hat, dabei so ein, dass es für eine kleine diskrete Handübung reicht. Überhaupt: Computer. Davon versteht er etwas. Seinen Lebensunterhalt verdient er sich damit, die Konten argloser Menschen zu plündern. Und dieses Talent wird ihm eines Tages zum Verhängnis.

 Zwei korrupte Polizisten nämlich, die ihm auf die Schliche gekommen sind, zwingen ihn dazu, anlässlich einer Party den Rechner des Gastgebers zu knacken und einige brisante Dokumente zu besorgen. Unser kahlköpfiger Freund hat keine Lust dazu, versucht zu türmen – und erlebt nun eine böse Überraschung nach der anderen.

 Eine böse Überraschung, die dem Leser erspart bleibt. Petrella erzählt die Geschichte in der unverarbeiteten Sprache seines Helden, der so schnell und schnörkellos denkt, wie er lebt. Knapp über 100 Seiten übelste Denke also, Sympathie wird man für diesen Menschen wohl kaum empfinden, ein Nazi ist das halt. Doch Vorsicht: Was uns Petrella hier vorführt, ist eben kein Musterexemplar rechtsradikaler Ideologie, kein dumpfes Blut-und-Boden-Bürschlein, in dessen Gehirn die beiden letzten verbliebenen Gehirnzellen miteinander Billard spielen. Der Protagonist ist hochintelligent, er ist sogar zu unverbindlichem Smalltalk fähig, wenn es nicht anders geht. Sein Leben ist die Provokation am gedanklichen Limit, der Feind austauschbar, Hauptsache, es gibt ihn. Dass er am Ende, als er sich nach den erwähnten bösen Überraschungen halbwegs aus der dampfenden Kacke befreit hat, gar mit seinem "ideologischen Widerpart" gemütlich einen trinkt, kommt daher nicht überraschend. Man ist sich ja so ähnlich.

 Was uns Petrella hier also vorführt, ist ein Mensch, der sich über Negatives definiert, antibürgerlich und jenseits von Weltanschauung. Man mag solchen Leuten tagtäglich begegnen, ohne sie zu erkennen, sie können Schlipse tragen und einer geregelten Arbeit nachgehen, also ganz normal sein. Sie verstecken das Desaster, das in ihnen wütet, während es Petrellas Skinhead offen zeigt. Genau diese Erkenntnis macht "Nazi Paradise" zu jenem kleinen großen Roman, der bei allen Extremen so gefährlich alltägliche Dinge auszuplaudern versteht. In einer unverputzten Sprache, einer schnellen Krimihandlung und mit Kriegsszenen in vor Hass brennenden Gehirnen.

Nazi Paradise

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Letzte Kommentare:
18.04.2012 03:59:36
St rot johann

Ich vermutete eine Schlachtung der Person. Der Klappentext lässt vermuten das dem "Nazischergen" ordentlich die Leviten gelesen werden.Nein... . Das ist nicht so, vielmehr kommt eine Art der Verbrüderung auf.
Soviel zum Inhalt, aber damit ist die aussergwöhnlich schnelle schreibweise von Petrella nicht erzählt. Es kommt dauernd Spannung und Tempo auf.Ein hervorragender R$oman für längere Zugreisen. Ich denken 4 Stunden könnten ausreichen. Lohnenswert allemal.
Ich hoffe ich habe mich nicht verschätzt^^

14.03.2010 10:47:33
Federfrau

besonders gefallen hat mir, dass es petrella gelungen ist, überdeutlich zu zeigen, wie sinnlos und austauschbar der hass ist, der uns da entgegenschlägt - eigentleich eher zufall, ob da einer als faschist, skin oder anarcho auftaucht. hauptsache, es findet sich einer, der anders ist und auf den man draufhauen kann.
viel verstörender als die sprache ist, dass das nicht irgendeine realität weit weg ist, sondern eine, die vor der haustür lauert und nur zu gerne unter den teppich gekehrt wird.

15.02.2010 19:04:54
oli

ein typischer "pulp masters". brutal offen und an keiner stelle beschönigend. habe vom autor bisher nicht gehört aber das ging mir bei buddy giovinazzo auch so und heute habe ich alles von ihm gelesen. mich hat der roman an vielen stellen an uhrwerk orange von burgess errinnert. kompromisslos, teilweise vergleichbar mit einen unmittelbaren magenschlag. lesen.lesen.lesen. ein wunder das es dieses kleine buch nur knapp 120 seiten so weit geschafft hat.

01.02.2010 20:16:55
HerrHansen

„Nazi Paradise“ – die erste Frage, die ich mir nach der Lieferung angehört habe war „Was liest Du denn jetzt?“

Gute Frage. Ich wusste es selbst noch nicht worauf ich mich eingelassen habe. Aber Romane, die in Italien spielen wecken grundsätzlich meine Neugierde. Neapel ist ein Pflaster, welches ich in Italien nicht wirklich mag, da sieht es mit dem Umland schon anders aus. Egal, tut ja auch nicht viel zur Sache.

Interessant fand ich das Vorwort von Thor Kunkel – und das soll schon etwas heißen, da ich normalerweise gerne auf Vorworte verzichte.

Der eigentliche Roman als solches versucht durch einen ungewöhnlichen Schreibstil zu überzeugen. Der Hauptakteur bleibt anonym, lässt den Leser jedoch intensiv an Teilen seines faschistischen Lebens bzw. einem kurzen Abschnitt dessen teilhaben. Naja, das allein ist noch kein Garant für einen guten Roman. Aber die Art und weise, wie es Petrella gelingt, den Leser in das Leben des hassenden Faschisten zu ziehen ist vielfältig. Der Leser nimmt am Newsletter und am Chat der Hauptperson teil und erkennt stückweise, wie kaputt diese ist. Es ist fast schon erschreckend, dass man auf den Gedanken kommen könnte, dass Taten zum Ende des Romans gerechtfertigt erscheinen, weil man langsam in die Gefühlslage der Hauptperson einsteigt.

Der Titel täuscht, wie hier ja auch bereits angemerkt nicht für den deutschen Markt – „Nazi Paradise“ verbindet man hier vielleicht eher mit etwas anderem, passt aber auf die Bezeichnung, die im europäischen Ausland gerne verwendet wird. Nazi wird dort tatsächlich häufig mit Faschist gleichgesetzt.

Alles in Allem ein interessantes Buch, vielleicht nicht die 88° die versprochen wurden, aber für den geneigten Leser von lauwarmer Kost doch sehr weit entfernt, wenn man von der eigentlichen Handlung einmal absieht….

01.02.2010 20:14:55
HerrHansen

„Nazi Paradise“ – die erste Frage, die ich mir nach der Lieferung angehört habe war „Was liest Du denn jetzt?“

Gute Frage. Ich wusste es selbst noch nicht worauf ich mich eingelassen habe. Aber Romane, die in Italien spielen wecken grundsätzlich meine Neugierde. Neapel ist ein Pflaster, welches ich in Italien nicht wirklich mag, da sieht es mit dem Umland schon anders aus. Egal, tut ja auch nicht viel zur Sache.

Interessant fand ich das Vorwort von Thor Kunkel – und das soll schon etwas heißen, da ich normalerweise gerne auf Vorworte verzichte.

Der eigentliche Roman als solches versucht durch einen ungewöhnlichen Schreibstil zu überzeugen. Der Hauptakteur bleibt anonym, lässt den Leser jedoch intensiv an Teilen seines faschistischen Lebens bzw. einem kurzen Abschnitt dessen teilhaben. Naja, das allein ist noch kein Garant für einen guten Roman. Aber die Art und weise, wie es Petrella gelingt, den Leser in das Leben des hassenden Faschisten zu ziehen ist vielfältig. Der Leser nimmt am Newsletter und am Chat der Hauptperson teil und erkennt stückweise, wie kaputt diese ist. Es ist fast schon erschreckend, dass man auf den Gedanken kommen könnte, dass Taten zum Ende des Romans gerechtfertigt erscheinen, weil man langsam in die Gefühlslage der Hauptperson einsteigt.

Der Titel täuscht, wie hier ja auch bereits angemerkt nicht für den deutschen Markt – „Nazi Paradise“ verbindet man hier vielleicht eher mit etwas anderem, passt aber auf die Bezeichnung, die im europäischen Ausland gerne verwendet wird. Nazi wird dort tatsächlich häufig mit Faschist gleichgesetzt.

Alles in Allem ein interessantes Buch, vielleicht nicht die 88° die versprochen wurden, aber für den geneigten Leser von lauwarmer Kost doch sehr weit entfernt, wenn man von der eigentlichen Handlung einmal absieht….

29.01.2010 22:55:57
...

@ kein Skinhead
1. Ziehe ich nicht über das Buch her, sondern kritisiere den Autor!
2. Wieso sollte ich ein Buch lesen, welches Fehlinformationen übermittelt?
3. Anscheinend hast du noch immer nicht kapiert, dass manche Nazis sich Skinheads nennen, obwohl sie genau das nicht sind, und somit echte Skinheads in den Dreck ziehn! Und dadurch dass man Boneheads dann Skinheads nennt, fördert man diese Unterwanderung noch mehr! Und wenn dann ein so hochintelligenter Autor ein Buch schreibt und dann Begriffe wie "Skinhead" verwendet, aber keine Ahnung hat was ein Skinhead ist, dann macht mich das nunmal WÜTEND!
4. Schnallst du nicht, dass genau solche Leute von B&H und C18 keine Skinheads, sondern NAZIS sind?

26.01.2010 23:15:53
kein Skinhead

an ...

Eigentlich gehört der Kommentar von dir gelöscht (ebenso wie dieser hier), da er eben kein Kommentar zu einem gelesenen Buch ist.

Bevor ich über ein Buch herziehe, lese ich es aber erst einmal. Ein "Beschreib" einer Zeitung reicht da nicht.

Skinheads sollten sich allerdings schon überlegen, warum sie als Synonym für Nazi herangezogen werden (auch wenn dies teilweise sicherlich falsch ist). Was zunächst als relativ unpolitische Musikbewegung aus dem Punk entstand, wurde leider sehr schnell von politischen Kräften unterwandert und auch größtenteils vereinnahmt. Wer in der Öffentlichkeit z.B. bei Demonstrationen den Hitlergruß zeigt und das Hakenkreuz trägt ist in meinen Augen ein Anhänger der nationalsozialistischen Partei.
Dass es nach wie vor einige Skinheads geben mag, die vollkommen unpolitisch sind und nur etwas (Ska-) Musik hören wollen, oder auch bei GSM (Gay Skinhead Movement), eine Gruppe von Skins, die sich für Homosexualität einsetzen, zu finden sind, das mag schon sein, es gibt aber auch "Blood and Honour" oder "Combat 18" und das sind meines Wissens keine Namen für einen Streichelzoo.

26.01.2010 19:42:17
...

Verdammt nochmal! Skinheads sind KEINE Nazis! Ich habe dieses Buch nicht gelesen (nur ein kleiner Beschreib in einer Zeitung) und werde es auch nie lesen! Ich finde es sehr peinlich, wenn jemand ein Buch schreibt, aber keine Ahnung darüber hat, was ein Skinhead und was ein Nazi ist!!! Vielen Dank, Herr Petrella, dass alle Skinheads wieder einmal in den Dreck gezogen werden!!!

10.01.2010 11:01:06
d.p.r.

Hey Pieke, das klingt ja wie das Thema für ne neue Kolumne! Ich bin natürlich kein Übersetzer, aber ein bisschen mit SPrache hab ich auch zu tun. Ich eröffne hier mal einen Thread und frag unsere werte Leserschaft, was sie von Übersetzungen hält, ob sie das überhaupt wahrnehmen... Mailtechnisch noch immer Land unter. Liegt wohl am Server. Mails kommen alle rein, aber ich krieg keine raus. Melde mich aber heute noch...
bye

09.01.2010 22:50:36
Pieke Biermann

Danke, lieber Jochen - und wenn ich mein Genörgel dreisterweise gleich noch ausweiten darf (kleiner Finger > Hand usw): Wie wär\'s denn, wenn die KC auf Distinktionsgewinn spielt? Etwa so: Alle RezensentInnen müssen mit mindestens einem Satz mitteilen, wie es um die Übersetzung des jeweils Rezensierten bestellt ist... Dh sie müssen sich zu dem Thema selbst AUCH eine (bitte fundierte!) Meinung bilden. Würde die Aufmerksamkeit enorm erhöhen, und es wird Zeit dafür - der deutschsprachige Buch-Markt LEBT nämlich zu einem riesigen Teil von übersetzten Texten - und das ist ja erstmal ein großes Glück!
Zum Lob/Verriss der Arbeit der OriginalautorInnen gehört dann aber dasselbe in Sachen Übersetzung, nicht zuletzt weil DAS AUCH die Qualität von Ü. heben kann. (Näheres dazu im Krimijahrbuch 2009...)
Aloha - P.

09.01.2010 14:30:46
Leanne

Schade nur, dass das Buch zur Zeit nicht lieferbar ist... oder nicht mehr lieferbar ist, weil die KC ähnlich wie seinerzeit Frau Heidenreich derart großes Interesse an einem bis dahin unbekannten Buch verursacht, dass ein kleiner Verlag mit der Lieferung nicht mehr nachhalten kann? Wäre ja schön :-)

09.01.2010 01:36:00
Jochen

Liebe Pieke, herzallerliebster dpr, zwar "Jack der Schlitzer" gebeutelt, werde ich in den nächsten Tagen die Bibliographie um Übersetzerin und weitere Daten ergänzen...

Und natürlich ist der werte Herr Petrella ein würdiger Voltreffer; eine derart verwegene Mischung aus tumbem Skinhead und fast klassischem Privatdetektiv ist schon was Besonderes. Da nehmen wir auch die allzu gehetzten letzten 20 Seiten in Kauf...

08.01.2010 21:50:10
Pieke Biermann

Prima, danke, dear dpr! Ist natürlich "peanuts" verglichen mit Heyne, die ihren Olen Steinhauer mit einem Schauspieler auf Tour schicken, beide mit Foto fietschern, aber in der ganzen edlen Einladung steht nirgends, wer die Texte, für die eigens ein Schauspieler..., denn ins Deutsche gebracht hat. When will they ever learn?
Aloha - P.

Ich sende auch gern mit dem Rest des eventuell vorgeschriebenen Kontingents Zeichen liebe Grüße dazu! Aber komm mal wieder aus Deinem Mail-Salat raus, woll?

08.01.2010 19:15:37
d.p.r.

"sie" statt "ich". Sonst meckert noch einer.

bye
dpr
*300 Zeichen, ach ja. Okay, dann empfehle ich aus dem Hause Pulp Master auch gerade noch Jim Nisbet, "Dunkler Gefährte". Is anders, aber auch gut. Und sage noch, dass der neue Ellroy im Februar erscheint. Knapp 800 Seiten. Geht knackig los. So, das müsste reichen.

08.01.2010 18:57:56
d.p.r.

Hast ja recht, Pieke. ich werde die Jungs hier zurechtstutzen, weil ich den ÜBersetzer nicht angeben. In diesem Fall einer ÜBersetzerIN: Bettina Müller-Renzoni.

bye
dpr
*der immer noch Mailprobleme hat
**und Multimediasachen kloppt
***und der noch 68 Zeichen eingeben muss und dich deshalb lieb grüßt.

08.01.2010 18:40:27
Pieke Biermann

Erstaunlicher junger Autor - Neapolitaner, der auch in Paris gelebt hat... 1. Fremdsprache Italienisch, 2. Französisch vermutlich. Aber wann und wo hat er Deutsch gelernt?
Oder sollte die "unverputzte Sprache" in der dt. Ausgabe von Nazi Paradise jemand anderem zu verdanken sein? Wem?
Wüsste gern eine, die sich mit Freuden erinnert, dass Lars Schafft mal ein langes, großes Gespräch mit ÜbersetzerInnen losgetreten und moderiert hat...
HerzlGrü - Pieke Biermann

05.01.2010 10:55:18
achim

Wo sind die „Guten“, wer sind die „Bösen“? In diesem Roman „Nazi Paradise“ von Angelo Petrella unterstützt der Autor den Leser nicht unbedingt dabei, sich mit einem der mitwirkenden Personen zu identifizieren.

Der Roman spielt in Italien, genauer in und um Neapel, wo der namenlose Protagonist der Geschichte, ein Neonazi und krimineller Hacker, von einigen ansässigen Polizisten dazu gezwungen wird, einen Computer auf Capri zu knacken um Beweise einer Korruption im Polizeimilieu zu vernichten.

„Nazi Paradise“ ist eigentlich ein Begriff, der in meinen Augen nicht so optimal greift. So wie die Person des „Namenlosen“ beschrieben wird, wäre eher „Fasci-Paradiso“ der gelungenere Titel. Unter dem Begriff „Nazi“ würde ich eher „Deutsch - Hitler - Antisemitismus“ verstehen. Der Hass der Hauptperson auf „Andere“ ist fast auf allen Seiten spürbar. Der Typ ist ein Faschist der schlimmsten Sorte. Dabei wird sein Interesse an Politik im Roman eher vernachlässigt, scharf gezeichnet aber sein Verhältnis zu seinen Mitmenschen. Dieser Mann ist intelligent, durchsetzt mit unbändigem Hass auf Neger, Bonzen, Rote und natürlich auf die Staatsgewalt, genannt die Bullerei. Sein Verhältnis zu Frauen, im Roman normalerweise als „Schlampen“ bezeichnet“, ist natürlich auch anormal. Geregelte Arbeit ist für ihn ein Fremdwort, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren hackt er sich in die Konten reicher Leute und bestielt diese. Sein Codename im Internet lautet „Dux“. Mit seinen Skinhead-Kameraden verbindet ihn ein destruktiver Hass, ehrenwerte Ansätze sind Fehlanzeige. Beim „Draufhauen“ am Wochenende im Fußballstadion auf Anhänger der gegnerischen Fußballmannschaft handeln er und seine „Freunde“ wie ein Mann. Ebenso natürlich, wenn es darum geht, Neger platt zu machen. Leider sind sie aber auch allesamt erbärmliche Feiglinge, nur stark in der Gruppe und wenn der Gegenwind etwas stärker bläst, verkrümeln sie sich schon mal schnell und lassen ihre Kameraden im Stich. Also diese Bande von nichtsnutzigen Tagedieben und Schlägern werden in diesem Roman bestimmt nicht als die „Guten“ gezeichnet.

Bleibt ja noch die Polizei. Diese erweist sich als eine korrupte Bande, die sich gerne bestechen lässt und auch gerne auf am Boden liegende Demonstranten einknüppelt. Da verbinden sich sogar stellenweise Skins mit den Autonomen und machen gemeinsam Front gegen die verhasste Bullerei.
Bei der Polizei sind sie also auch nicht zu finden, die „Guten“.

Die dargestellte Gesellschaft Angelo Petrellas hat leider keine „Guten“. Petrella polarisiert nicht, er verschmelzt die Gruppen mithilfe ihrer negativen Eigenheiten. Alle haben nur das Ziel, sich an anderen kriminell zu bereichern und auf Schwächere und Randgruppen einzuschlagen. Auf den Straßen Neapels herrscht das Faustrecht, da begegnet man lieber niemanden von Petrellas beschriebenen Charakteren.

Soziale Kompetenzen sind bei keiner der dargestellten Personen zu finden. Das Buch ist arschkalt und dem Leser wird von Seite zu Seite auch immer kälter ums Herz. Der Autor versteht es dabei sehr gut, Gefühle der Ohnmacht beim Leser zu erzeugen. Gerne würde man die ganze Bande in einen Sack stecken, um anschließend erbarmungslos mit einem Knüppel darauf zu schlagen, wohl wissend, dass man sich damit mit diesem Haufen erbärmlicher Parasiten der Gesellschaft gleichstellt.

Der Roman ist mit 100 Seiten sehr kurz und bündig gehalten. Umständliches Gelabere wird man nicht finden, vermisst es hier aber auch nicht. Lediglich der Schlussteil des Buches ist etwas zu kurz geraten, da hätte Petrella und etwas mehr Fleisch in die Suppe werfen können. Ein Roman, der nicht nur zu unterhalten weiß, sondern uns auch nachdenklich zurücklässt.

Ach ja, eines noch: Petrella versucht in seinem Roman nichts zu erklären, einen vordergründigen Zeigefinger gibt es nicht, Handlungen werden nicht gerechtfertigt. Es ist alles so, wie es eben ist, im sonnigen Neapel.
Zum Glück ist bei uns alles besser, erstens ist Neapel weit weg und zweitens ist „Nazi Paradise“ doch nur eine fiktive Pulp-Geschichte von Angelo Petrella.

85°

01.01.2010 14:26:16
Gino

Ein echter Kotzbrocken, dieser neapolitanische Skinhead, Hacker und Hooligan. So widerlich, dass er schon wieder faszinierend ist. Ein rabenschwarzer Noir aus Neapel, ohne Mandolinenklänge und Pizza, der an die Nieren geht – unflätig, rotzig. Dieser kurze Roman ist eine gelungene Überraschung! Sehr gut!