Camorrista

Erschienen: Januar 2009

Bibliographische Angaben

  • Torino : Einaudi, 2007, Titel: 'Rosa elettrica', Seiten: 302, Originalsprache
  • München: Bertelsmann, 2009, Seiten: 347, Übersetzt: Ulrich Hartmann

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Jörg Kijanski
Nachwuchs in der Familie gibt es immer

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Dez 2009

Die 30-jährige Polizistin Rosa arbeitete bislang überwiegend bei der Verkehrspolizei und soll, nachdem sie gerade erst die Einheit gewechselt hat, bei einem spektakulären Fall helfen. Dem fast schon legendären Hauptkommissar Paolo D’Intrò von der Antimafiabehörde DIA gelang ein großer Schlag gegen das organisierte Verbrechen. In einer Nacht gab es über sechzig Festnahmen von Mitgliedern der verfeindeten Clans der Familien Scurante und Incantalupo, die während ihrer Aprilfehde zahlreiche Morde begangen haben. Unter den Festgenommenen ist auch der erst achtzehnjährige Daniele Mastronero, genannt Cociss, der bereit ist, mit der Polizei zu kooperieren und daher in das Zeugenschutzprogramm aufgenommen werden soll. Rosa soll ihn eine Woche in der abgelegenen Abtei Spaccavento versteckt halten, bevor er an einen anderen Ort verlegt werden soll.

 Doch Cociss benimmt sich in der Abtei daneben und soll daher frühzeitig an eine andere Einheit abgegeben werden. Rosa soll ihn zu einem geheimen Treffpunkt fahren, wo sie jedoch im letzten Augenblick bemerkt, dass dort keineswegs echte Polizisten auf sie warten. Einem spontanen Impuls folgend weigert sich Rosa, den jungen Mann dem sicheren Tod zu übergeben und flüchtet mit ihm in ein leer stehendes Haus. Dort bietet ihr Cociss ein Abkommen an. Wenn sie ihn vor seinen Verfolgern schützt liefert er ihr im Gegenzug Saro Incantalupo, den "Mann ohne Gesicht", jenen Clanboss, der seit über zehn Jahren auf der Flucht ist und von dem niemand weiß, wie er heute aussieht.

 Eine Erfolg versprechende Spur führt nach Deutschland, doch auf der Fahrt dorthin gibt es weitere Schwierigkeiten. Offenbar gibt es einen Maulwurf bei der Polizei. Aber Rosa hat noch ein anderes Problem, denn Cociss wird plötzlich landesweit gesucht, weil er einen anderen Gangster und zudem zwei achtjährige Mädchen erschossen haben soll. Kann Rosa den Worten Cociss tatsächlich trauen, der seine Unschuld beteuert?

 Camorrista von Giampolo Simi ist nur eingefleischten Mafia-"Fans" mit Nachdruck zu empfehlen, da der Schreibstil des Autors recht gewöhnungsbedürftig ist. Etwas behäbig, immer wieder abschweifend, erzählt Simi die Geschichte vom kurzen Aufstieg eines Menschen, der in seinem Leben nie eine Chance hatte und macht anhand des Beispiels von Cociss eindringlich fest, wie leicht es für das organisierte Verbrechen auch heute noch ist, immer wieder Nachwuchskräfte zu rekrutieren. Wer sich für die Frage interessiert, worin die Faszination der Mafia gerade für junge Menschen liegt, und warum sie bereit sind, bedingungslos zu gehorchen und sogar Morde zu begehen, der findet in Camorrista eine ebenso einleuchtende wie einfache Antwort.

 Dabei hat der Roman allerdings zwei zentrale Schwachstellen. Welche junge, noch unerfahrene Polizistin würde sich alleine (und damit schutzlos) mit einem skrupellosen Gewaltverbrecher auf die Flucht begeben, der als mehrfacher Mörder landesweit gesucht wird? Kann es sein, dass ausgerechnet ein gerade mal achtzehnjähriger "Bezirkschef" die Möglichkeit hat, der Polizei den meistgesuchten Mafiaboss zu präsentieren, nach dem diese selbst schon jahrelang erfolglos fahndet??

 Der Roman leidet an einigen Punkten erheblich darunter, dass man sich bestimmte Situationen einfach nicht vorstellen kann. Gut, man kann sich auch nicht wirklich vorstellen, dass Teenager bereitwillig und ohne Zögern fremde Menschen erschießen, aber irgendwo hört dann doch die Phantasie auf. Allerdings muss man dem Autor zu Gute halten, dass er die Handlungsweisen seiner Figuren weitgehend plausibel darstellt, und dass er ein Ende wählt, welches für einen Roman über die Mafia (fast) zwangsläufig ist.

 Der Einblick in das organisierte Verbrechen geschieht im vorliegenden Fall aus einer ungewohnten Perspektive, nämlich der des Kleinkriminellen Cociss. Gefühlt bestehen jedoch zwei Drittel des Plots aus dem zwangsläufigen Zusammensein von Cociss und Rosa bei der Suche nach Incantalupo. Dass es dabei ständig zu Problemen kommt, unter anderem weil Cociss permanent Drogen konsumiert und sich nur selten unter Kontrolle hat, ist vorprogrammiert. Realistisch in Szene gesetzt, auf Dauer aber ein wenig nervend, da der eigentliche Plot dadurch nicht ordentlich auf Touren kommen will. Von "atemberaubender Spannung", wie sie der Buchrücken werbewirksam verkündet, kann jedenfalls keine Rede sein. Dafür stimmt das Finale versöhnlich, da es einen glaubhaften Ausgang bereithält.

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